Push-Nachrichten von MacTechNews.de
Würden Sie gerne aktuelle Nachrichten aus der Apple-Welt direkt über Push-Nachrichten erhalten?

Mac OS 8 und das Ende der Clones - Aus Apples Geschichte

Sommer 1997. Apple war gerade erst haarscharf der Pleite entgangen, Steve Jobs wieder am Ruder, der erste iMac noch nicht angekündigt und tiefgreifende Umstrukturierung und Neuorientierung des Unternehmens standen ganz vorne auf der Tagesordnung. Außerdem erschien im Juli 1997 ein Systemupdate, das zwar technologisch gesehen keine große Revolution war, wohl aber aus strategischer Sicht: Mac OS 8. Mit der Veröffentlichung des neuen Systems beendete Steve Jobs eine Ära, die Apple finanziell sehr schadete, obwohl man auf diese Weise den Marktanteil von Mac OS nach oben treiben wollte - die Ära der so genannten "Clones".

Die Clone-Ära
Als "Clones" bezeichnete man jene PowerPC-Computer aus den 90er Jahren, an deren Hersteller Apple eine Lizenz für Mac OS ausgegeben hatte. Der damalige CEO Michael "The Diesel" Spindler wollte Apple mit diesem Schritt einen Vorteil verschaffen, indem sich die Verbreitung von Mac OS auf diese Weise steigerte. Dem Plan zufolge sollten auch die ganz großen Hersteller begeistert auf diesen Zug aufspringen; die Euphorie hier war aber eher begrenzt. Pro verkauftem Clone erhielt Apple lediglich 50 Dollar und musste dafür auf die höhere Gewinnspanne im Vergleich mit einem teureren Mac verzichten. Markstudien zufolge waren Clone-Käufer zudem in erster Linie Kunden, die zuvor direkt bei Apple gekauft hatten, sich nun aber für die günstigeren und meist besser ausgestatteten Clones entschieden.



Der Griff in die Lizenz-Trickkiste
Mit Mac OS 8 griff Apple nach der Rückkehr von Steve Jobs in die Trickkiste. Der CEO galt als großer Gegner des Clone-Geschäfts und wollte den Verträgen schnellstmöglich ein Ende machen. Aus diesem Grund wurde aus einem "Mac OS 7.7" auch ein "Mac OS 8" - denn für letzteres hatten die Clone-Anbieter keine Vereinbarungen mit Apple geschlossen. Steve Jobs betonte zwar, den Clone-Herstellern mehrfach eine Lizenzierung angeboten zu haben - jedem war aber klar, dass genau dies nicht Jobs' eigentliches Ziel darstellte.

Links Mac OS 7.5, rechts das neue Mac OS 8

Neue Funktionen in Mac OS 8
Nach dem Ende des Copland-Projektes, das ursprünglich unter dem Namen "System 8" auf den Markt kommen sollte, bot Apple mit Mac OS 8 dem Anwender wenigstens manche Copland-Technologien an, so zum Beispiel den Appearance Manager und einen Finder, der mehrere Kopiervorgänge zur gleichen Zeit abwickeln konnte. Ebenfalls neu waren Kontextmenüs, beliebige Hintergrundbilder für den Desktop, aufspringende Ordner beim Drag&Drop von Dateien, ein schnellerer Finder sowie ein neuartiges, HTML-basiertes Hilfesystem. Erst ein halbes Jahr später führte Apple dann das Dateisystem HFS+ ein und lieferte fortan den Internet Explorer als Standard-Browser aus. Speicherschutz zwischen Programmen sowie präemptives Multitasking brachte jedoch auch Mac OS 8 nicht mit - Mac-Nutzer mussten noch bis Mac OS X warten.

Ein Verkaufserfolg war Mac OS 8 in jedem Fall. Mit 1,2 Millionen verkauften Lizenzen in weniger als einem halben Monat stellte Apple einen Rekord auf - kein Mac OS konnte zu Anfang ähnlich hohes Kundeninteresse hervorrufen. Vor allem "Platinum", der neue Fenstermanager samt Design-Einstellungen sowie paralleles Kopieren galten als begeistert aufgenommene Neuerungen. Mac OS 8.1 war übrigens das letzte System, das noch auf den klassischen 68k-Systemen lief - anschließend musste es ein PowerPC-Mac sein.

Das waren die alten Systemeinstellungen - ein Ordner mit vielen Control Panels

Beim Booten... und in den Monitor-Einstellungen

Kommentare

cab13.07.15 10:31
Das alte 8er mit Platinum fand ich damals faszinierend und optisch ansprechend. Wenn ich den Vergleich mit dem 7er System sehe, ein gewaltiger optischer Fortschritt! Kaum zu glauben, dass Apple noch 1995 mit so einem Schwarzweiß am Start war.
0
MetallSnake
MetallSnake13.07.15 10:37
Ach das waren noch Zeiten, mit welch Begeisterung ich das damals installiert habe, und mir jeden Winkel des Systems angeguckt habe. Ja ich war und bin ein Nerd.
Die Menschheit ist eine völlig außer Kontrolle geratene Primatenspezies.
0
Marcel_75@work
Marcel_75@work13.07.15 11:20
Ja, die Clones waren teilweise performanter (und ausbaufähiger) als die damaligen Apple Flagschiffe PowerMac 9500 bzw. PowerMac 9600, und das zur Hälfte des Preises (der PowerMac 9500 bzw. 9600 kostete zwischen 10.000 und 12.000 DM, gleichwertige Clones bekam man für knapp 6.000,- DM).

Als dann die Clone-Lizenz auslief, fielen die Preise von 6.000,- auf bis zu 2.000,- DM.

So kam ich zu meinem ersten eigenen Mac – einen UMAX Pulsar 3000 mit PPC 604e/233 MHz, 256 MB RAM, 8 MB Grafikkarte, 4 GB SCSI-HD und CD-Brenner. Damals, als "Nachfolger" meines geliebten AMIGA 4000, eine Traummaschine.

UMAX übernahm 1996 die Mac OS Lizenz von Radius, die Mac-Clones von UMAX (Taiwan) wurden unter den Namen "UMAX" und "SuperMac" (USA) verkauft. UMAX erhielt übrigens als einziger Clone-Hersteller die "Mac OS 8"-Lizenz und durfte diese auch an andere Firmen weitergeben (Gravis, Storm, Powerex, PowerTools, PowerComputing usw.). Im Juli 1998 verlor diese Lizenz ihre Gültigkeit, aber schon im Mai 1998 stieg UMAX endgültig aus dem Clone-Geschäft aus.

Vermutlich war das dann die Zeit, in der die Preise auf knapp 2.000,- DM fielen …

Hier gibt es eine nette Übersicht über die Clone-Vielfalt von damals:

0
Marcel_75@work
Marcel_75@work13.07.15 11:28
PS: Die HighEnd-Maschine "MP 932+ Genesis" von Daystar mit ihren 4x 604e PPCs beeindruckte insbesondere unter BeOS.

Unter Mac OS war, außer bei einigen wenigen Filtern in Photoshop und AfterEffects, nichts von der Multiprozessor-Leistung zu spüren ... das zeigte deutlich, wie altbacken Mac OS mittlerweile war.
0
carboom
carboom13.07.15 12:41
fen
.... Speicherschutz zwischen Programmen sowie präemptives Multitasking brachte jedoch auch Mac OS 8 nicht mit - Mac-Nutzer mussten noch bis Mac OS X warten.

Sag mal, warum reitest DU bei jeder Geschichtsstunde des MacOS darauf rum?
Das klingt für mich immer so, als konnte man damals mit nur einem Programm (+Finder) arbeiten.
Das war aber nicht so.
Nichts ist wichtig, dazu ist die Welt zu gross.
0
Mr BeOS
Mr BeOS13.07.15 12:45
Jawoll - BeOS
http://www.youtube.com/watch?v=ggCODBIfWKY ..... “Bier trinkt das Volk!“ - Macht Claus Nitzer alkoholfrei :-P
0
carboom
carboom13.07.15 12:47
cab
.......Kaum zu glauben, dass Apple noch 1995 mit so einem Schwarzweiß am Start war.
System 7.5.x war bunt, nicht nur schwarz/weiß. Es hatte ein keinen 3D-Look wie MacOS 8, sondern war eher der Vorläufer vom heutigen "FLAT-Design".
Nichts ist wichtig, dazu ist die Welt zu gross.
+1
gfhfkgfhfk13.07.15 12:58
Marcel_75@work
PS: Die HighEnd-Maschine "MP 932+ Genesis" von Daystar mit ihren 4x 604e PPCs beeindruckte insbesondere unter BeOS.
Ich habe noch zwei funktionierende UMAX Pulsars, wenn man von der PCI-PCI Bridge Problematik absah, waren die Geräte mindestens genauso gut wie die Original Apple Systeme. Leider hat Apple den Stecker gezogen bevor es wirklich Eigenentwicklungen gab. Motorola hatte das nämlich vor. Es gab nämlich zeitgleich AIX bzw. NT Workstations von Motorola mit einem deutlich besseren Boardesign.

Bis zum PowerG3 b/w war das Systemdesign der PowerMacs immer suboptimal. Beeindruckend waren die gleich schnell getakteten IBM RS/6000 die durch ihre bessere System Architektur deutlich schneller waren. Insbesondere das Thema Bustakt und Anbindung der SCSI Schnittstelle war bei Apple ein Trauerspiel.
0
daschmc13.07.15 14:16
Zufällig heute nen Shirt gefunden. Passt ungefähr in die Zeit von MacOS 8 nur von der Größe passt es mir nicht mehr 😅
https://instagram.com/p/5EzwRNqEDE/
0
cab13.07.15 14:27
carboom
System 7.5.x war bunt, nicht nur schwarz/weiß.

Aber SEHR sparsam, den Bildern nach zu urteilen. Farbe hat damals anscheinend nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden dürfen. So ähnlich wie heute.
0
MetallSnake
MetallSnake13.07.15 14:40
cab
Aber SEHR sparsam, den Bildern nach zu urteilen. Farbe hat damals anscheinend nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden dürfen. So ähnlich wie heute.

Den Bildschirmhintergrund hätte man schon in einem farbigen Muster darstellen können. Bildschirmfüllende Bilder gingen aber glaub erst mit 7.6 oder 8. Gab aber ne Erweiterung namens Décor damit konnte man dann schon unter 7.5 richtige Bilder statt nur Bildmuster als Hintergrund nehmen.

Aber stimmt insgesamt schon, OS X war einfach ne Zeitlang sehr knallig bunt (gab auch viel Kritik als das bunte OS X eingeführt wurde), aber über die Zeit hat OS X dann ja wieder viel Farbe verloren, vielleicht dachten ja einige dass früher alles besser war, oder haben sich einfach an den Farben satt gesehen so dass jetzt wieder mehr Grautöne in den Vordergrund rücken und in 10-20 Jahren kommt dann wieder was knallig buntes.
Die Ordner unter Yosemite sehen ja schon aus wie unter 7.5
Die Menschheit ist eine völlig außer Kontrolle geratene Primatenspezies.
0
gfhfkgfhfk13.07.15 16:13
System 6 war noch komplett s/w, mit System 7 wurde dann das Pseudo 3D eingeführt, aber nur bei bestimmten Piktogrammen. Die meisten Dialoge waren noch s/w.
0
sudox
sudox13.07.15 18:20
Ich hatte damals einen Gravis TT und ich hätte weiter Clones gekauft. Benutze nun seit über 3 Jahren einen i7 Hackintosh als Produktivsystem mit genau der Ausstattung die ich will/brauche.
Die Welt ist Kunst in der wir leben – macht die Augen auf...
0
wolfgag
wolfgag13.07.15 22:15
Marcel_75@work
Unter Mac OS war, außer bei einigen wenigen Filtern in Photoshop und AfterEffects, nichts von der Multiprozessor-Leistung zu spüren ... das zeigte deutlich, wie altbacken Mac OS mittlerweile war.
Für Multiprocessing ist aber damals wie heute hauptsächlich die Anwender Software zuständig - es gibt auch jetzt noch jede Menge Programme, die hauptsächlich auf einem Kern laufen und alle anderen drehen derweil Däumchen. Der Cinema 4D Renderer zB hat auch auf MacOS 8 alle CPUs voll ausgelastet (auch wenn Cinema selbst damals noch komplett unbrauchbarer Schrott war - aber das ist ein anderes Thema).
0
tdassel14.07.15 12:43
Die Story, daß die Clones Apple geschadet haben, erzählt Apple nur zu gerne, um vom eignen Unvermögen der damaligen Zeit abzulenken.
Die 4400er waren totaler Schrott, 7 von 10 auf einer Palette direkt DOA, die katastrophalen 5300er Laptops kennt auch jeder aus der damaligen Zeit.
Die Cloner haben Apple da technologisch richtig unter Druck gesetzt und für einen kräftigen Innovationsschub gesorgt. Ich kenne viele, die sich erst wegen der günstigeren Clonepreise zum Mac hingewendet haben.
Da konnte Apple nicht mithalten und hat deshalb die Cloner mit dem miesen Trick das 8er rauszubringen abgesägt ( Die Lizenzen waren alle auf 7er OS gebunden ).

Als Apple Jünger brauchte man da schon einiges an Leidensfähigkeit in der damaligen Zeit und so war es auch kein Wunder, daß Apple für lange Zeit völlig aus der Geschäftswelt verschwand.

OS 8 war o.k., aber die ganze Copeland Geschichte aussenrum zeigte auch deutlich, wie schlecht es bei Apple damals wirklich lief, da ging nix zusammen.
0
gfhfkgfhfk11.12.15 10:47
Weshalb wird ein alter Thread wieder auf die Startseite verlinkt?
0
ssb
ssb11.12.15 11:04
Oho.. der Author des Artikels hat das böse Wort benutzt. Eigentlich der Nachname eines Komponisten, aber weil das Projekt, welches seinem Namen erhielt, dann eingestampft wurde, darf man das Wort bei Apple nicht mehr erwähnen, kostet angeblich 5 US$ Strafe
0
pult11.12.15 12:41
Ich hatte einen UMAX Apus und später Pulsar.

Der Apus war eine sehr solide Maschine und wirklich günstig im Vergleich zu Apple.

Heute wäre es wieder ein Wunsch von mir, OS X auf frei wählbarer Hardware nutzen zu können.
0
Tzunami
Tzunami11.12.15 18:37
carboom
fen
.... Speicherschutz zwischen Programmen sowie präemptives Multitasking brachte jedoch auch Mac OS 8 nicht mit - Mac-Nutzer mussten noch bis Mac OS X warten.

Sag mal, warum reitest DU bei jeder Geschichtsstunde des MacOS darauf rum?
Das klingt für mich immer so, als konnte man damals mit nur einem Programm (+Finder) arbeiten.
Das war aber nicht so.

Ganz einfach, weil eigentlich für MacOS 8 Speicherschutz geplant war. Da aber Copland ein Fehlschlag war wurde einfach nur MacOS 7 aufgebohrt. Ganz ehrlich, ich hatte schon ein paar nervige Programmabstürze die das System zum Neustart gezwungen haben und die Arbeit dadurch fürn "Arsch" war.
0
Tzunami
Tzunami11.12.15 18:41
daschmc
Zufällig heute nen Shirt gefunden. Passt ungefähr in die Zeit von MacOS 8 nur von der Größe passt es mir nicht mehr 😅
https://instagram.com/p/5EzwRNqEDE/

Hey, habe die passende Kaffetasse dazu^^
0
Moka´s Onkel
Moka´s Onkel27.03.20 14:36
Um ganz ehrlich zu sein (und unter Inkaufnahme vieler Daumen nach unten) fand ich das Mac OS 8 optisch ziemlich grauenvoll. Es war die zeit, in der ich mich so langsam umstellen musste von NeXT OS auf Mac OS und bis zum Release von Mac OS X habe ich meine NeXTStation auch nicht richtig eingemottet, sondern für die meisten Aufgaben weiter genutzt.

Das UI von NeXT gefiel mir optisch einfach so viel besser!
-1

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.