Corel wechselt Besitzer: CorelDRAW-Anbieter von Investmentfirma übernommen

Corel sorgte zuletzt in der Apple-Welt für Aufsehen, als das Unternehmen die Grafikdesign-Suite CorelDRAW nach vielen Jahren wieder zurück auf den Mac brachte. Zudem übernahm Corel im Dezember 2018 die Virtualisierungsschmiede Parallels, deren App es Nutzern ermöglicht, Windows und andere Betriebssysteme innerhalb von macOS auszuführen. Doch kürzlich wurde die Corel Corporation offenbar selbst von einem anderen Unternehmen aufgekauft.


Investmentfirma KKR übernimmt Corel
TechCrunch zufolge bestätigt eine firmeninterne Mitteilung an Corel-Mitarbeiter die Übernahme des kanadischen Softwareanbieters. Demzufolge ist die Investmentfirma KKR (Kohlberg Kravis Roberts) neuer Eigentümer von Corel. Zuvor hielt Vector Capital laut Berichten einen Großteil der Unternehmensanteile von Corel. Erste Gerüchte zum KKR-Deal kamen bereits im Mai auf. Seinerzeit war die Rede von einem Übernahmevolumen in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar.

KKR pumpt Kapital in Softwareschmiede
KKR zeigt sich laut des von TechCrunch genannten Memos äußerst optimistisch hinsichtlich der Zukunft von Corel. Das Wachstum des Unternehmens möchte KKR demzufolge mit dem Zuschuss von Kapital weiter vorantreiben. Zum einen sollen davon bisherige Unternehmensbereiche und Software wie WordPerfect, CorelDRAW, WinZip und PaintShop Pro profitieren, zum anderen möchte Corel mithilfe des Kapitals kleinere Firmen aufkaufen – wie zum Beispiel Parallels im letzten Jahr. Insbesondere Start-ups, über die Corel an innovative Lösungen und hochkarätige Fachkräfte gelangen kann, stehen dem Bericht zufolge ganz oben auf der Wunschliste des kanadischen Unternehmens.

Aktuellen Informationen zufolge geht der Eigentümerwechsel ohne Mitarbeiterentlassungen über die Bühne. Der Deal sollte ursprünglich erst nächste Woche verkündet werden. Doch wegen der zunehmenden Berichterstattung bezüglich der Übernahme könnten sich Corel und KKR auch schon diese Woche dazu entscheiden, die Übernahme offiziell bekanntzugeben und so für endgültige Klarheit zu sorgen.

Kommentare

kvoecking
kvoecking03.07.19 16:29
Ich hoffe inständig, das Corel das WordPerfect Office auch mal wieder für den Mac anbietet.
Zur weisen Belehrung gehört Intelligenz, zum Anschreien lediglich eine laute Stimme.
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ocrho03.07.19 17:40
Bei Software ist Ausdauer und geschickte Produktpolitik gefragt. Zwei Disziplinen bei denen eine Investmentfirma wenig eigene Managementratschläge geben kann (da meist nur Outsourcing + Kauf zusätzlicher Firmen) um das Investment nach ein paar Jahren weiterverkaufen zu können. Wenn der Komplettweiterverkauf nicht gelingt, dann werden die Einzelteile verkauft.

Ein Software-Unternehmen als Investmenunternehmen zu kaufen ist sehr mutig, weil der Wert der Software fällt sehr schnell im Rückblick von 2-4 Jahren (Software altert schneller als Hardware im heutigen Betriebssystem-Schnittstellen-Zirkus).

Auch die Preispolitik mit Abo taugt nur bedingt für eine Investmentfirma, weil der hohe Verkaufspreis des Investment in ein paar Jahren kommt aus der Fantasie des zukünftigen Wachstums.
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LoMacs
LoMacs03.07.19 17:57
Unter Mac OS 9 nutzte ich damals WordPerfect in der 3.5e-Version (damals kostenlos) für Seminararbeiten. Zwischendurch und ab OS X dann immer mehr Apple Works, dann ab dem Erscheinen nur noch Pages. Mit Word bin ich weder unter Windows noch am Mac warm geworden.
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massi
massi03.07.19 17:59
Corel haben bei mir verschissen, die haben damals Bibble aufgekauft und es verkümmern lassen.
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gfhfkgfhfk03.07.19 20:22
LoMacs
Unter Mac OS 9 nutzte ich damals WordPerfect in der 3.5e-Version (damals kostenlos) für Seminararbeiten.
Ich hatte mir damals meines Wissens die letzte deutsche Version (3.0A) für meinen 68k Mac gekauft, und habe sie sehr lange genutzt. Es war ein gutes Programm, was mir über viele Jahre gute Dienste leistete. Nur Updates gab es nach dieser Version nie, da die deutsche Version nicht mehr gepflegt wurde. Nach und nach wurden alle WordPerfect Versionen außer der Windows Version abgeschafft. Vor vielen Jahren gab es mal eine Linux Version, die wurde aber auch platt gemacht. Neben den Versionen für diverse UNICES, VMS, MacOS, …
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Der Mike
Der Mike03.07.19 20:43
Tja, die hatten ihre gefühlten Zenith so Anfang bis Mitte der 1990er Jahre, also zu Windows-3.x-Zeiten samt Corel Paint, danach allerdings...

(WordPerfect wurde erst 1996 von Corel übernommen, aber da war es dafür allerdings auch schon lange rum, dessen Glanzzeiten waren unter MS-DOS bis in die frühen 1990er, obgleich es sogar mal Versionen für TOS und AmigaOS gab...)
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Mac-Trek
Mac-Trek03.07.19 23:28
Das wird auf kurz oder lang das Ende von Corel. KKR ist eine der schlimmsten Heuschrecken, die auf dem Globus rauben. Erst mal ne gute Kuh kaufen und dann soweit auseinandernehmen und weiterverkaufen, bis keine Kuh mehr da ist, bzw. man nicht mal mehr erahnen kann, dass es mal ne Kuh war.

So geschehen, als Bosch Telecom Anfang der 2000er die traditionsreiche Telefonsparte (vormals Telefonbau und Normalzeit, danach Telenorma) an KKR verkaufte, den neuen Laden in Tenovis umbenannte und dann Stück für Stück filetiert hat. Gebäude, seit Jahrzehnten im Firmenbesitz, wurden verkauft und zur Eigennutzung wieder angemietet. Der Fuhrpark wurde ebenfalls verkauft und dafür Sixt Autos angemietet. Ware war nicht mehr bei den Technikern auf den Autos (weil totes Kapital), sondern musste jedes mal bestellt werden. Schnelle Störungsbeseitigungen oder spontane Erweiterungen im Sinne des Kunden wurden unmöglich. Dann wurde die Firma in weitere Firmen aufgesplittet. Es folgten Standordkonsollidierungen und letztlich Mitarbeiterentlassungen. Nachdem alles so weit verschlankt war, wurde der Rest von KKR ausgespuckt und an AVAYA verkauft, die letztlich noch die letzten deutschen Produkte eingestampft und den amerikanischen Telefonkram auf den Markt geschmissen haben (allerdings nicht ohne sich ne zeitlang ordentlich daran zu verbrennen).

Nur mal so als groben Umriss, wie es einer traditionsreichen Firma, dank KKR, letztlich ergangen ist. Produkte oder die Firma, gar die Menschen dahinter, interessieren einen Investor nicht. Lediglich, wieviel Geld raus gequetscht werden kann.
Live long and *apple* . Mögliche Rechtschreibfehler und grammatikalische Entgleisungen sind Gratisgeschenke. Jegliches Nörgeln ist Energieverschwendung >:-]...
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Ely
Ely04.07.19 09:23
Mac-Trek
Nur mal so als groben Umriss, wie es einer traditionsreichen Firma, dank KKR, letztlich ergangen ist. Produkte oder die Firma, gar die Menschen dahinter, interessieren einen Investor nicht. Lediglich, wieviel Geld raus gequetscht werden kann.

Wenn ich schon den Begriff "Investor" höre, winke ich direkt ab. Weil es einem Investor grundsätzlich nur darum geht, Geld rauszuziehen. Kein Investor steckt irgendwo Geld rein, ohne mehr rauszuholen als reingesteckt wurde. Weiter zu denken ist nicht im Sinne eines Investors, da zählt nur der schnelle Profit. Das geht immer zulasten der Menschen.
Wer gegen Datenschutz ist, weil er ja nichts zu verbergen habe, ist auch gegen Meinungsfreiheit, weil er ja nichts zu sagen habe.
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Moka´s Onkel
Moka´s Onkel04.07.19 12:16
kvoecking
Ich hoffe inständig, das Corel das WordPerfect Office auch mal wieder für den Mac anbietet.

WordPerfect war wirklich das beste Textprogramm mit dem ich gearbeitet habe - auf einer NeXTstation von Anfang der 90er - bis dann der Apple Cube kam. Seitdem kann ich mich zwischen Word und Pages nicht so richtig entscheiden.

Insofern hoffe ich auch immer noch auf einen neuen Release für den Mac.

off topic: Noch besser als WordPerfect im Vergleich zu anderen Textprogrammen war Lotus Improv als Tabellenkalkulation - was es m.E. kurioserweise nur für NeXT OS gab. Die Features, die Lotus Improv in den 90er Jahren geboten hat, werden weder von Excel noch von Numbers heute auch nur annähernd erreicht. Ist mir schleierhaft, warum das nie weiter entwickelt wurde, zumal der Code ja mit wenigen Anpassungen auch unter macOS laufen müsste.
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gfhfkgfhfk05.07.19 10:03
Moka´s Onkel
off topic: Noch besser als WordPerfect im Vergleich zu anderen Textprogrammen war Lotus Improv als Tabellenkalkulation - was es m.E. kurioserweise nur für NeXT OS gab. Die Features, die Lotus Improv in den 90er Jahren geboten hat, werden weder von Excel noch von Numbers heute auch nur annähernd erreicht. Ist mir schleierhaft, warum das nie weiter entwickelt wurde, zumal der Code ja mit wenigen Anpassungen auch unter macOS laufen müsste.
Quantrix von Lighthouse ist effektiv ein Clone von Lotus Improv, während die anderen Lighthouse Produkte durch den Kauf von Lighthouse durch SUN und dann die Übernahme von SUN durch Oracle für immer im Archive vermodern, gibt es Quantrix weiterhin als Produkt von gleichnamiger Firma.
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