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Forderungen nach Ende von Apples “App Tracking Transparency”

Das im Jahr 2020 verpflichtende Framework „App Tracking Transparency“ verlangt, dass Apps nachfragen müssen, bevor sie das Nutzerverhalten aufzeichnen und Anwenderprofile zu Werbezwecken vermarkten dürfen. Diese Funktion ist bei Nutzern äußerst beliebt: Die Mehrheit der Anwender lehnt derlei Nachverfolgbarkeit bei direkter Nachfrage ab. Erwartbar unbeliebt war sie bei Social-Media-Unternehmen wie Meta, doch auch bei Medienunternehmen klassischer Prägung – diese erzielen mittlerweile ebenfalls mit personalisierter Werbung einen großen Teil ihrer Umsätze. Viele sahen sich benachteiligt, auch deshalb, weil Apples eigene Apps und der App Store selbst weiterhin ohne die Warnhinweise auskamen. Das Bundeskartellamt hat Apple dazu gebracht, die App-Tracking-Meldungen zu überarbeiten. Deutsche Medienverbände haben nun verkündet, dass sie diesen Vorschlag zurückweisen. Sie fordern eine Untersagungsentscheidung vom Kartellamt.


Die Untersuchung des Bundeskartellamts zielte wohlgemerkt nicht auf die Funktion der App Tracking Transparency selbst, sondern lediglich auf die Ungleichbehandlung von Apples eigenen Angeboten und denen von Drittanbieter-Apps. Im Dezember erklärte sich Apple bereit, die Funktion anzupassen. So solle der Text in den Tracking-Abfragen fortan neutral formuliert und frei von „Dark Patterns“ sein. Apple wolle zudem das Design vereinheitlichen. Diese Maßnahmen sollten in einen Markttest einfließen.

Werbewirtschaft unzufrieden
Zeitungs-, Zeitschriften-, Medien- und Werbeverbände ziehen nun ihr Fazit und erklären die Veränderungen aus ihrer Sicht für unzureichend. Die Zusagen, so die Kernaussage, würden an den negativen Auswirkungen nichts ändern. In einem Hintergrundpapier erläutern sie, was zur Ablehnung geführt hat:
Nach Einschätzung der Marktteilnehmer würden die Vorschläge die Situation eher verschlechtern, ohne erkennbare Vorteile für Datenschutz oder Wettbewerb zu schaffen. Aus Sicht der Unternehmen adressieren Apples Vorschläge das zentrale Problem nicht. App-Herausgeber müssten weiterhin zwei separate Verfahren zur Einholung von Einwilligungen für dieselbe Datenverarbeitung durchlaufen.


Apps fragen zweimal – einmal per iOS, einmal mittels DSGVO-Einverständniserklärung.

Generelle Ablehnung der Medienverbände
Auf die Kernfrage des Kartellamts, ob nun Apples eigene Werbung weiterhin bevorzugt gegenüber der anderer Apps behandelt würde, geht das Hintergrundpapier explizit nicht ein: „Die wettbewerblichen Bedenken richten sich dabei nicht in erster Linie gegen die konkrete Ausgestaltung von Apples eigenen Einwilligungsfenstern oder deren datenschutzrechtliche Bewertung.“ Stattdessen fordert das Hintergrundpapier vom Bundeskartellamt, die App-Tracking-Transparency-Funktion komplett zu verbieten, denn in der EU seien Tracking-Hinweise bereits hinreichend von der DSGVO abgedeckt.

Empfehlung der Verbraucherzentralen
Die Verbraucherzentralen haben sich bisher nicht öffentlich zum Markttest der überarbeiteten Tracking-Transparenz-Funktion in Apples Systemen geäußert. Allerdings empfiehlt beispielsweise die Verbraucherzentrale von Nordrhein-Westfalen das Unterbinden von App-Tracking: In den iPhone-Einstellungen unter Datenschutz & Sicherheit/Tracking ganz oben schaltet man App-Tracking ab – generell oder App-spezifisch. Ganz unten in den Datenschutzeinstellungen findet sich ein separater Eintrag namens „Apple-Werbung“, für den die Verbraucherschutzzentrale ebenfalls eine Deaktivierung der personalisierten Werbung empfiehlt.

An zwei Stellen schaltet man Tracking aus – einmal für Drittanbieter-Apps, einmal für Apples Werbung.

Kommentare

MacForAll11.03.26 15:34
„Allerdings empfiehlt beispielsweise die Verbraucherzentrale von Nordrhein-Westfalen das Aktivieren von App-Tracking“ ist falsch.
Es wird das Deaktivieren empfohlen 😊
+8
immo_j
immo_j11.03.26 15:39
MacForAll
„Allerdings empfiehlt beispielsweise die Verbraucherzentrale von Nordrhein-Westfalen das Aktivieren von App-Tracking“ ist falsch.
Es wird das Deaktivieren empfohlen 😊

Danke, ist repariert!
+5
Tech Berater11.03.26 15:59
Unglaublich, wie die Werbewirtschaft immer fordert den Nutzer gegen seinen ausdrücklich Willen digital verfolgen zu dürfen. Was haben die den für eine Rechtsverständnis...oder haben die gar keins?
+30
maikdrop11.03.26 16:05
“App-Herausgeber müssten weiterhin zwei separate Verfahren zur Einholung von Einwilligungen für dieselbe Datenverarbeitung durchlaufen.”

Lügen oder Inkompetenz gehört anscheinend mittlerweile zum guten Ton in der Wirtschaft, wenn das Geschäftsmodell für Datenschleudern wegbricht. Apple nutzt keine globale Werbe-ID sondern eine Apple Interne und somit ist der Kunde nicht über große Werbenetzwerke trackbar. Das ist eine komplette andere Datenverarbeitung.

Mich ärgert solch eine Desinformation!
+16
Apple@Wien
Apple@Wien11.03.26 16:05
Hab es für Drittanbieter und für Apple selbst aktiviert. Und hoffe das Apple nicht wieder gezwungen wird den Schutz zu lockern.
+4
Dunnikin
Dunnikin11.03.26 16:35
Wenn da so eine Aufregung herrscht, weiß ich, daß Apples System sehr gut funktioniert. Wunderbar.
+23
Spacely11.03.26 16:54
Schon frech das Firmen offen fordern, das der Verbraucher es möglichst schwer hat seinen Trackingwiderspruch geltend zu machen. Denen ist es nur lieb das es für uns so unbequem wie möglich ist das Tracking abzulehnen.

Es ist genau der richtige Weg von Apple, dass ich zentral für mich entscheiden darf, nicht getrackt zu werden.
Das selbe sollte übrigens auch für die lästigen Cookie Abfragen gelten. Warum muss ich mich jedes Mal aufs Neue durch ein Menü klicken, um irgendwo zu sagen: „Nein, ich will nur die wirklich notwendigen Cookies!“? Diese Abfragen sind ebenfalls unnötig kompliziert gemacht. Nur der Klick auf OK ist der einfachste.

Also Daumen hoch für Apple. Dafür bin ich bei der Marke. Weiter so und keine Gnade mit den Werbehaien.
+17
Oblivion11.03.26 17:30
[Viele sahen sich benachteiligt, auch deshalb, weil Apples eigene Apps und der App Store selbst weiterhin ohne die Warnhinweise auskamen.]
Das versteh ich nicht, in Apples eigenen Apps habe ich noch nie Werbung bekommen.
+1
System 6.0.1
System 6.0.111.03.26 17:45
Die Werbeindustrie könnte sich ja die Apple Methode zum Vorbild nehmen. Anstatt dutzende Auswahlmöglichkeiten, zum Teil mit doppelten Verneinungen arbeitend einfach die Frage stellen:

Dürfen wir dich digital vollkommen ausziehen und alles, was wir dann sehen, an jeden X-Beliebigen verkaufen?

Ja — Nein

Und diesen Zustand bei mir lokal speichern.

In einem Details-Dialog sollte ich mal knapp 90 Unternehmen einzeln den bedingungslosen Zugang zu meinen Daten verbieten. Ich war schon beim Anblick der Liste nicht mehr an deren „Leistung“ interessiert. Was denkt sich das Pack?
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+13
Hugo Bond11.03.26 19:26
"Die Werbewirtschaft ist dagegen" klingt für mich, wie 'der Verband der Drogenhersteller und Dealer ist dagegen". SO WHAT? Werbung ist ein ätzendes Geschwür unserer Gesellschaft und nur Maßnahmen und Gesetze, die der Werbewirtschaft nicht passen, sind gute Maßnahmen. Jedesmal wenn die Werbewirtschaft sich beschwert, wurde etwas Gutes gemacht!
+6
Grummel200711.03.26 19:32
Guten Abend,

wenn ich meine Trackingliste schaue, finde ich dort die üblichen Verdächtigen wie PayPal u.a. ABER warum dort die APP zur Verwaltung meines Mobilfunkanschlusse "Mein Magenta" und "Congstar" dort auftauchen ist mir völlig rätselhaft.

Auch die App mit der ich meine Ticket für den ÖPNV hier in NRW kaufe, die vom lokalen Anbieter stammt, dort steht, verstehe ich nicht.
0
Performant8411.03.26 20:18
Oblivion
[Viele sahen sich benachteiligt, auch deshalb, weil Apples eigene Apps und der App Store selbst weiterhin ohne die Warnhinweise auskamen.]
Das versteh ich nicht, in Apples eigenen Apps habe ich noch nie Werbung bekommen.
Offensichtlich…
…betreibst du dein iOS-Geräte nur mit den vorinstallierten Apps,
…hast noch nie eine App aus dem App Store runtergeladen
…trotzdem aber eine Apple-ID und quasi alle Services bei Apple abonniert (Music, TV+, Fitness, AppleCare, iCloud, One).

Frage mich nur, wie du das alles machst, ohne jemals die Einstellungs-App oder die Music-App zu öffnen (in denen diese Dienste beworben werden)? 🤷‍♀️

PS: Ach ja, verabschiede dich schon mal gedanklich von der Karten-App, den die soll ja auch dieses Jahr Werbung bekommen. Eine andere Navigations- oder Karten-App benutzt du ja offenbar auch nicht - denn wie oder wo würdest du die denn runterladen können, wenn du Apples App-Store-App noch nie geöffnet hast (die nämlich auch Werbung anzeigt).
-2
Zottel11.03.26 21:05
Wie ist das wenn ich mit Apples App-Tracking das Tracking ablehne und dann bei der DSGVO-Abfrage ´Erlauben´ auswähle, unterbindet Apple dann trotzdem das Tracking? Also bin ich dann quasi ´sicher´ vor dem Beispiel oben?: Wir verwenden deine Daten und schicken diese an unsere 25468 Partner!
0
sockenpuppe_23412.03.26 10:00
Tech Berater
Unglaublich, wie die Werbewirtschaft immer fordert den Nutzer gegen seinen ausdrücklich Willen digital verfolgen zu dürfen. Was haben die den für eine Rechtsverständnis...oder haben die gar keins?
Deren Rechtsverständnis ist schnell erklärt:
"Es gibt kein gut oder böse. Es gibt nur unsere Interessen und die der Anderen."
+1
Smrslina12.03.26 10:50
Warte schon seit Jahren auf ein Äquivalent der Mac App Cookie für iOS, mit der man Cookies fein auswählen und automatisch löschen lassen kann. Bisher muss man das händisch machen und sich lange durch Menüs scrollen, so dass man zu der Auffassung kommen könnte, so ganz unrecht sind die Cookies für Apple nicht (gibt jetzt hier ein paar Minuspunkte). Jedenfalls kann man bisher keine Cookies vom Löschen ausnehmen, so dass man nach dem Löschen alle Accounts mit Passwörtern neu ausfüllen muss. Also bitte eine Cookie App zum automatischen und differenzierten Löschen von Apps für iOS. Und nein, ich lass mir nicht einreden, die Cookies machen nichts, die wollen nur spielen. Ich möchte selbst entscheiden, welche Software auf meinem Device landet und welche nicht.
+2
Oblivion12.03.26 11:52
Performant84
Offensichtlich…
…betreibst du dein iOS-Geräte nur mit den vorinstallierten Apps,
…hast noch nie eine App aus dem App Store runtergeladen
34 Apple Apps und 23 andere
Performant84
…trotzdem aber eine Apple-ID und quasi alle Services bei Apple abonniert
Kein Abo (bei Apple)
Performant84
PS: Ach ja, verabschiede dich schon mal gedanklich von der Karten-App, den die soll ja auch dieses Jahr Werbung bekommen. Eine andere Navigations- oder Karten-App benutzt du ja offenbar auch nicht - denn wie oder wo würdest du die denn runterladen können, wenn du Apples App-Store-App noch nie geöffnet hast (die nämlich auch Werbung anzeigt).
Die Karten-App benutze ich selten, ich habe 2 andere Karten Apps, eine Routenplaner App und 6 andere Apps die Karten enthalten
Von Apples App-Store-App habe ich nicht geschrieben - genau lesen
0
K-Roc
K-Roc12.03.26 15:07
Tipp zum allgemeinen Blocken von Trackern über den DNS:

Zitat Fazit:
"Ein einfacherer Weg ist mir aktuell nicht bekannt, um auf Android bzw. iOS Werbung und Tracker systemweit (in allen Apps) auf Eis zu legen. Nach meiner Ansicht ist dies absolut erforderlich, um die größtenteils rechtswidrige Datensammlung bzw. -erhebung durch Tracking-Anbieter und Co. zu verhindern. Google und Apple tun diesbezüglich einfach zu wenig bzw. insbesondere Google profitiert (Werbung) selbst von dem datengetriebenen Geschäftsmodell. Das muss man so allerdings nicht einfach hinnehmen, sondern kann sich selbst behelfen – und das ist wirklich für jeden umsetzbar."
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