

Klimaschädliche Gase entstehen in vielen Industriezweigen: Kohlendioxid, Methan, Stickoxide und andere sorgen dafür, dass sich die Erdatmosphäre stärker erwärmt als ohne sie. Apple gehört zu den Unternehmen, welche damit werben, schnellstmöglich CO₂-neutral zu produzieren. Da mag es überraschen, wenn der Konzern einer Initiative entgegensteht, welche eine striktere Regulierung der Klimagasemission vorsieht: Apple gehört zu den Unterzeichnenden einer
Petition, welche eine Verschärfung der Klimagasaufrechnung aus Energieverbrauch (
Scope 2) des Greenhouse-Gas-Protokolls auf freiwilliger Basis leisten will, anstatt sie zur Pflicht zu erklären.
Das Greenhouse-Gas-Protokoll ist ein industrieweiter Standard, welcher seit 2015 in Kraft ist. Teilnehmende Unternehmen verpflichten sich dazu, ihren Verbrauch an erderwärmenden Emissionen aufzuschlüsseln. Sie werden in drei Bereiche (Scopes) unterteilt. „Scope 2“ beschreibt dabei den Anteil, der aus Wärme-, Dampf-, Kühlungs- und Energiebedarf entsteht. Um in diesem Bereich CO₂-neutral zu gelten, genügt bisher die jährliche Bilanz: Unternehmen konnten am Jahresende Bilanz ziehen und ihre Scope-2-Emissionen durch Investitionen in nachhaltige Energie oder Wiederaufforstungsprojekte ausgleichen.
Stundenaktuell – wie der MarktDer tatsächliche Energiemarkt hat allerdings eine viel dynamischere Taktung: Der Preis einer Kilowattstunde wird stündlich neu berechnet. Die vom World Resources Institute (WRI) vorgeschlagene Änderung trägt dieser Tatsache Rechnung und sieht vor, dass der Bericht zur Erzeugung von CO₂ und Äquivalenten auf Stundenbasis erfolgen soll. Obendrein sollen Unternehmen angeben, an welchem Ort die Klimagase entstanden sind.
Späte PetitionDie Neuregelung wurde bereits im Oktober 2025 veröffentlicht, bis Mitte Januar 2026 hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit, Kritik zu äußern. Drei Monate später melden sich nun 66 Unternehmen mit einer Petition, welche
ein einziges Wort ändern möchte: „müssen“ soll zu „dürfen“ abgemildert werden. Mit anderen Worten: Die detaillierte Aufschlüsselung wird in Zukunft eine freiwillige Leistung bleiben. Unter den Unternehmen finden sich Konzerne wie Amazon, Akamai, General Motors, Hewlett Packard, aber auch als umweltbewusst wahrgenommene Unternehmen wie Patagonia, Oatly und Apple.
Vier GründeDie Petition führt vier Befürchtungen aus, welche sie mit 13 Einzelquellen untermauert. Demgemäß würden die zusätzlichen Berichtspflichten
- einen begrenzten Vorteil bezüglich der Genauigkeit zeigen,
- Ineffizienzen im privaten Sektor fördern, was die CO₂-Minderung insgesamt verlangsamt,
- Unternehmen entmutigen, freiwillig klimaneutrale Energieformen zu erwerben, sowie
- zu höheren Energiepreisen für Individuen und Unternehmen führen.
Apple bekräftigt KlimazieleNachdem Apples Unterstützung für die Petition öffentlich geworden ist, erklärte sich der Konzern gegenüber
9to5mac:
Um entscheidende Fortschritte im Klimaschutz zu erzielen, ist es unerlässlich, dass wir diese Überarbeitung richtig angehen. Wir fordern das Greenhouse Gas Protocol nachdrücklich auf, die bestehenden Leitlinien zu verbessern, jedoch keine entscheidenden Investitionen in die Dekarbonisierung der Stromerzeugung zu behindern, indem sie eine Änderung vorschreibt, welche eine Teilnahme an diesem freiwilligen Markt grundlegend gefährdet, der als Dreh- und Angelpunkt der Dekarbonisierung in fast allen Wirtschaftssektoren fungiert. Die überarbeiteten Leitlinien müssen die Beschaffung sauberer Energie fördern und wirkungsvollere Maßnahmen von Unternehmen ermöglichen, anstatt diese unbeabsichtigt zu behindern.
Auffällig ist, wie Apple hier die Freiwilligkeit betont. Ob ein Unternehmen den Regeln des "Greenhouse Gas Protocol" folgt, bleibt gänzlich deren eigene Entscheidung. Apple wurde in der Vergangenheit vorgeworfen,
Greenwashing zu betreiben, und bewirbt Mac mini sowie Apple Watch in Deutschland nicht mehr als klimaneutral.
GHG Protocol: Initiative aus der IndustrieDie vorgeschlagene Verschärfung stammt übrigens keineswegs von Umweltverbänden oder aus staatlichen Regulierungsbehörden: Das federführende WRI wird hauptsächlich von Großspendern der US-Wirtschaft finanziert. Die ebenfalls an der Erstellung mitwirkende NGO namens
WBCSD setzt sich hauptsächlich aus globalen Unternehmen wie Nestlé, Microsoft, Shell, Unilever, IKEA und Volkswagen zusammen.