Wird aus der Telekom ein US-Unternehmen? Angeblich Fusion mit US-T-Mobile und neuer Hauptstandort im Gespräch


Bald dreißig Jahre ist es her, dass die Telekom zur Aktiengesellschaft wurde: Im November 1996 startet der Handel der T-Aktie. Der Startpreis lag bei 28,50 DM, aktuell wird sie zu rund 27 Euro gehandelt. Die US-Tochter T-Mobile schafft deutlich mehr Umsatz und hat einen höheren Börsenwert. Nun
berichtet Bloomberg, dass der Konzernvorstand offenbar die Option erwäge, beide Unternehmen zu fusionieren.
Die Börsenwerte der beiden Unternehmen zusammengenommen überschreiten derzeit die 300-Milliarden-Dollar-Marke deutlich. Damit läge eine derart fusionierte Aktiengesellschaft deutlich vor dem bisherigen Branchenprimus China Mobile Ltd., ein Unternehmen, welches derzeit mit 234 Milliarden bewertet wird.
Komplexe BesitzverhältnisseEine Zusammenlegung der beiden Unternehmen bedarf höchstwahrscheinlich der Zustimmung von politischen Entscheidungsträgern auf beiden Seiten des Atlantiks: Trotz Börsennotierung hält die Bundesrepublik weiterhin 14,1 Prozent des Unternehmens. Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) besitzt zusätzlich 14,2 Prozent. Auch die Kartellbehörden der Vereinigten Staaten wünschen wahrscheinlich mitzureden: Als die Telekom die US-Tochter im Jahr 2011 an AT&T verkaufen wollte, wiesen dies die dortigen Wettbewerbsbehörden zurück.
Ende der EU-SouveränitätObendrein läuft die Umwandlung in eine internationale Holding den IT-Souveränitätsbestrebungen entgegen, welche in der Europäischen Union seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit stärker in den Fokus rücken. Die Fusionierung von Deutscher Telekom AG und T-Mobile US würde dazu führen, dass US-Behörden via Cloud Act Zugriff auf Kundendaten fordern dürften,
argumentiert Markus Feilner in einem Kommentar für Golem. Dabei habe die Bundesregierung erst in jüngster Vergangenheit der Telekom (nebst SAP) den Auftrag erteilt, eine „Deutschland-App“ als Portal für Verwaltungsleistungen zu entwickeln.
Kritik an Telekom-CEODer Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Tim Höttges, ist in der Vergangenheit mit markigen Worten aufgefallen. Im Jahr 2023 kritisierte er die angebliche Überregulierung im deutschen Kommunikationsmarkt und gab dieser die Schuld daran, dass die Margen hierzulande nicht so hoch wären wie in den USA. Im September 2024 meinte er, in Deutschland werde zu wenig gearbeitet.
Weltweit agierender KonzernDie US-Tochter T-Mobile wurde seit 2001 nach Aufkauf von VoiceStream zu einem der größten dortigen Mobilfunkanbieter aufgebaut; die Deutsche Telekom AG ist weiterhin Mehrheitseigner. Zusätzlich gibt es Untergesellschaften sowie
Beteiligungen in Argentinien, Brasilien, Kanada, Mexiko, Japan, China, Indien, Pakistan, Indonesien, Großbritannien, Türkei sowie in vielen Ländern der EU. Im Jahr 2025 lag der Umsatz des Unternehmens bei einem Rekordwert von 119 Milliarden Euro; Gewinne liegen seit 2022 durchgehend im zweistelligen Milliardenbereich. Die Zahl der Angestellten sinkt seit 2020.