Bundeskartellamt geht gegen Facebook vor

Das Bundeskartellamt will Facebook das Sammeln und Weitergeben von Nutzerdaten teilweise verbieten. Das berichtet die Bild am Sonntag.


Ermittlungen seit 2015
Die Maßnahme soll das Ergebnis drei Jahre langer Ermittlungen sein. Die Behörde sei zu dem Schluss gekommen, der amerikanische Konzern missbrauche unzulässigerweise seine Marktmacht und zieht daraus Konsequenzen. Konkret will das Amt Facebook anweisen, den Datenaustausch mit Drittanbietern einzuschränken. Das betreffe Spiele-Anbieter, Webseiten-Betreiber und die Facebook-Tochterplattformen WhatsApp und Instagram. Für die Nutzer bliebe allzu oft im dunkeln, welche Daten wann gesammelt würden, und was genau damit passiere. Angeblich will das Kartellamt dem Social-Media-Giganten eine Frist einräumen, um die Vorwürfe zu prüfen und zu reagieren. Bei einer Verweigerung drohen Facebook Zwangsgelder in Höhe von bis zu 10 Millionen Euro. Das US-Unternehmen soll bereits Widerstand angekündigt haben.

Neuer Vorstoß in einer Reihe von Verfahren
Der Informationsausstausch zwischen Facebook und dritten Unternehmen ist Behörden aus aller Welt seit den Enthüllungen um die Weitergabe an Cambridge Analytica ein Dorn im Auge. Zuletzt reichte Washington D.C. eine Klage ein. Der Distrikt wirft dem Konzern darin vor, die Plattformnutzer in die Irre geführt zu haben. Facebook habe jahrelang bewusst zugelassen, dass Drittanbieter auf der Plattform ohne Nutzereinverständnis Daten sammelten und weiterverkauften. Zuvor war herausgekommen, dass 150 Facebook-Partner auf sensible Nutzerdaten zugreifen konnten. Zusätzlich pikant dabei: Zuckerberg hatte vor dem US-Kongress gesagt, die Facebook-Nutzer hätten volle Kontrolle über ihre Daten. Jetzt fragen sich Beobachter, ob er vorsätzlich log. Auch ein Abkommen mit der US-Verbraucherschutzbehörde FTC könnte Facebook verletzt haben, darin versprach der Social-Media-Riese einen sorgfältigeren Umgang mit den persönlichen Daten seiner Kunden. Sollte er dagegen verstossen haben, drohen dem Konzern empfindliche Strafen.

Kommentare

UmustHave14.01.19 10:16
Seit geraumer Zeit wird versucht, FB zu zähmen und mit persönlichen Daten nicht so großzügig zu sein. Es wäre wünschenswert, wenn dies gelänge, letztlich der Glaube daran fehlt mir. Andererseits ist FB nicht mehr das, was es mal war und wenn es den gleichen Weg wie SchülerVZ o.ä. einschlägt, sehr gerne
+12
macsmac
macsmac14.01.19 10:39
😂
0
Cliff the DAU
Cliff the DAU14.01.19 10:39
/// Zwangsgelder in Höhe von bis zu 10 Millionen Euro ///

Da lachen die doch drüber. Faktor 100 wäre gerecht, aber nicht bis zu, sondern ab
„Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum.“
+8
elBohu
elBohu14.01.19 10:43
Und Facebook schüttelt sich danach einmal und es geht weiter.
Wie schon zuvor: Zuckerjunge entschuldigt sich und alle sind wieder gute Freunde.
Es interessiert hier doch keine Sau, was die machen. Jeder benutzt WA mit den Worten, geht ja nicht anders.
Ich habe es nicht und lebe auch nicht auf einer einsamen Insel.
Wir sind alle einfach zu gutmütig.
Aber egal, warten wir mal ab, was passiert.
Untergang ala StudiVZ etc.. wäre schön...
wyrd bið ful aræd
+14
UmustHave14.01.19 11:10
elBohu
Und Facebook schüttelt sich danach einmal und es geht weiter.
Wie schon zuvor: Zuckerjunge entschuldigt sich und alle sind wieder gute Freunde.
Es interessiert hier doch keine Sau, was die machen. Jeder benutzt WA mit den Worten, geht ja nicht anders.
Ich habe es nicht und lebe auch nicht auf einer einsamen Insel.

ich hab mich vor 2 Jahren von WA verabschiedet, habe alle meinen Kontakten mitgeteilt, dass ich jetzt auf Telegram zu erreichen bin und siehe da, gut 3/4 aller Kontakte haben sich Telegram zugelegt, wenn auch nur parallel zu WA. Wenn mehr Leute den Mut hätten, WA zu verlassen...
+18
Peter Eckel14.01.19 11:23
UmustHave
ich hab mich vor 2 Jahren von WA verabschiedet, habe alle meinen Kontakten mitgeteilt, dass ich jetzt auf Telegram zu erreichen bin und siehe da, gut 3/4 aller Kontakte haben sich Telegram zugelegt, wenn auch nur parallel zu WA. Wenn mehr Leute den Mut hätten, WA zu verlassen...
Das habe ich an dem Tag gemacht, als der Kauf von WA durch FB öffentlich wurde (Februar 2015, wenn ich mich recht entsinne). Am gleichen Tag einen Account bei Threema eingerichtet, allen Bescheid gesagt, und bis auf einige weniger Ausnahmen sind jetzt alle ehemaligen WA-Kontakte dort.

Der Rest ist dann halt per iMessage/SMS erreichbar. Wer meint, mich dazu überreden zu müssen, wieder WA zu nutzen, bekommt eine Erklärung, warum ich das mit Sicherheit nicht machen werde, und dann ist das Thema beendet.
+14
Stefan-s14.01.19 14:53
Na, mal sehen, was dabei rauskommt.
Die Zeit ist ja schon lange reif, dieser Bande das Handwerk zu legen.
Aber finanzielle Sanktionen werden vermutlich wenig bewirken.
De Zuckerzwerg muß dahin, wo er hingehört: hinter Gitter.
+1
ratti14.01.19 16:29
Ich fress' einen Besen, wenn es eines Tages dazu kommt, dass der Staat höchstpersönlich das Geschäftsprinzip von Facebook, Analytics & Co illegalisiert. Nie. Im. Leben.
ich hab mich vor 2 Jahren von WA verabschiedet

Facebook trackt dich, sobald auf der Seite ein Like-Button oder Tracking-Pixel ist. Punkt. Ob Du da einen Account hast oder nicht. Dann ist der Account eben „anonym“, das ändert aber nichts daran, dass deine anonymen ID dann eben anonym getrackt wird.

Facebook macht übrigens nicht nur „Like“ und „Kommentiere“. Die tracken auch komplett die Artikelpalette von Onlineshops und wer die kauft. Deine anonyme ID kauft in einem Shop die Klobürste, dann bekommt die gleiche ID in einem anderen Shop das Klopapier zugeordnet. Das funktioniert wunderbar, dazu braucht man gar keine persönlichen Daten, es reicht vollkommen, dass Du in beiden Shops ID 12345567 hast.
+3
Peter Eckel14.01.19 16:33
ratti
Ich fress' einen Besen, wenn es eines Tages dazu kommt, dass der Staat höchstpersönlich das Geschäftsprinzip von Facebook, Analytics & Co illegalisiert. Nie. Im. Leben.
Man hat schon Pferde ... und das direkt vor der Apotheke.

Wenn es, was keinesfalls ausgeschlossen ist, zur Verabschiedung der ePrivacy-Verordnung durch die EU kommt, wird das Geschäftsmodell der Tracker und Datenhändler ziemlich schwierig. Nicht unmöglich, aber schwierig. Deswegen ziehen sie ja auch mit aller Lobby-Gewalt dagegen zu Felde.

Von der Bundesregierung ist da nicht viel zu erwarten, aber das EU-Parlament hat zuweilen erstaunliche Erleuchtungen. Und EU-Verordnungen sind bindend für die Mitgliedsstaaten.
+1
MetallSnake
MetallSnake14.01.19 17:57
ratti
Facebook trackt dich, sobald auf der Seite ein Like-Button oder Tracking-Pixel ist. Punkt. Ob Du da einen Account hast oder nicht.

Dafür hat man ja Plugins die genau das blockieren. Wer ohne JavaScript Blocker und AdBlocker rumsurft handelt grob fahrlässig.
Erwachsensein ist halb gestorben --Relatives Menschsein
+2
ratti14.01.19 20:16
MetallSnake
Dafür hat man ja Plugins die genau das blockieren. Wer ohne JavaScript Blocker und AdBlocker rumsurft handelt grob fahrlässig.
Soweit die Theorie. Ich bin Webentwickler, ich muss sowas einbauen. „Einfach einen Adblocker installieren“ war eine einfache Lösung, solange das nur eine Randgruppe ohne Relevanz war.

Inzwischen geben sich die Anbieter Mühe, dass das Tracking auch klappt, notfalls meldet man selber aus dem Backend.
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