WhatsApp: Deutsche Behörde untersagt Datenaustausch mit Facebook - Unternehmen ist uneinsichtig

Vor vier Wochen eröffnete Johannes Caspar, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI), ein Dringlichkeitsverfahren gegen WhatsApp. Grund waren die neuen Nutzungsbedingungen des Messenger-Dienstes, welche einen erweiterten Datenaustausch mit Facebook vorsehen. Anwender wurden in den Apps um Zustimmung ersucht, ohne diese sei eine weitere Nutzung von WhatsApp nicht möglich, so das Unternehmen. Ein Opt-out ist künftig nicht mehr vorgesehen.


Verbot des Datenaustauschs gilt ab sofort
Eigentlich sollten die neuen Nutzungsbedingungen sowie die entsprechend geänderte Datenschutzerklärung bereits im Februar dieses Jahres in Kraft treten. WhatsApp verschob die Einführung jedoch nach Protesten und der Abwanderung zahlreicher Nutzer auf den 15. Mai. Kurz vor diesem Termin hat Johannes Caspar Facebook im Rahmen des Dringlichkeitsverfahrens per behördlicher Anordnung verboten, personenbezogene Daten des Messenger-Dienstes für eigene Zwecke zu verarbeiten. Der Zuckerberg-Konzern darf diese also nicht für Werbezwecke oder andere eigene Interessen nutzen. Dazu zählen etwa die vom Sozialen Netzwerk vor einiger Zeit neu eingeführte Funktion des Business-Marketings sowie Direktwerbung.

"Rechte und Freiheiten der Nutzer sichern"
Der geplante Datenaustausch sowie das Vorgehen von WhatsApp und Facebook stehen nach Auffassung der Hamburger Datenschutzbehörde nicht im Einklang mit den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Es handele sich um ein "Black-Box-Verfahren", so Caspar in einer Pressemitteilung. Mit der sofort vollziehbaren Anordnung will er die "Rechte und Freiheiten der vielen Millionen Nutzerinnen und Nutzer sichern, die deutschlandweit ihre Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen geben." Die Datenschutzskandale der letzten Jahre zeigten das Ausmaß und die Gefahren, welche von massenhafter Profilbildung ausgehen. Aus rechtlichen Gründen ist die Anordnung der HmbBfDI lediglich drei Monate gültig. Caspar will daher den Europäischen Datenschutzausschuss einschalten, um in dieser Angelegenheit eine dauerhafte Entscheidung auf EU-Ebene zu erreichen.

WhatsApp: Anordnung ist nicht legitim
WhatsApp hält die Anordnung der Datenschutzbehörde nicht für legitim. Die Maßnahme basiere auf einem "fundamentalen Missverständnis", erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber Golem. Caspars Verbot des Datenaustauschs mit Facebook werde daher keine Auswirkungen auf die weitere Umsetzung des Updates haben. WhatsApp will also offenbar die geänderten Nutzungsbedingungen wie geplant in Kraft setzen. In einer Hinsicht kommt das Unternehmen den Nutzern allerdings anscheinend entgegen: Wer den neuen Regeln nicht zustimmt, kann den Messenger wohl zumindest vorerst weiter nutzen. Der Hinweis, welcher für diesen Fall die Abschaltung ankündigte, findet sich derzeit nicht mehr auf den Internetseiten des Unternehmens. Zustimmungsunwillige WhatsApp-Nutzer müssen aber möglicherweise zunehmend mit Funktionseinschränkungen rechnen, wie eine Hilfeseite zeigt.

Kommentare

Plebejer
Plebejer11.05.21 15:30
Das ist doch ein Tod auf Raten. Würde mir wünschen, WhatsApp hätte die Eier und setzt es endlich um, dann reguliert sich der Markt im Sinne der User. Mansche muss man zu ihrem Glück zwingen.
+1
Florian Lehmann11.05.21 15:31
Hab soeben WhatsApp gelöscht. Warum sollte ich dieses Geschäftsgebaren auch weiter unterstützen?
Nur weil Menschen bequem sind?
Ein Stück Facebook weniger. Je mehr zu Signal wechseln, desto besser.
+42
d2o11.05.21 15:44
Ich vermute, dass es so ist wie immer. Erst wollen alle wechseln, dann ziehen nicht alle mit und am Ende bleibt alles so wie es war.
Die Meisten scheinen es mit Datenschutz und mit dem, was mit den eigenen Daten passiert, nicht so genau zu nehmen bzw. es ist ihnen schlichtweg egal - es tut ja nicht weh (oder was auch immer für Ausreden kommen).
+15
nagi_muc
nagi_muc11.05.21 15:55
d2o

Wie damals in der Schule, als wir uns alle (!!) geeinigt hatten falls Lehrer X heute eine Stehgreifaufgabe schreibt, einfach nicht zu Schreiben beginnen. Bei der ersten Androhung „dann bekommt ihr halt alle eine 6“ sah man sie alle einknicken und anfangen zu schreiben. Geschichte wiederholt sich, leider!
+4
Borimir
Borimir11.05.21 15:58
d2o
Ich vermute, dass es so ist wie immer. Erst wollen alle wechseln, dann ziehen nicht alle mit und am Ende bleibt alles so wie es war.
Die Meisten scheinen es mit Datenschutz und mit dem, was mit den eigenen Daten passiert, nicht so genau zu nehmen bzw. es ist ihnen schlichtweg egal - es tut ja nicht weh (oder was auch immer für Ausreden kommen).
Ich habe erstaunlich viele Menschen bei Signal wieder gefunden....und gebe die Hoffnung nicht auf....
+13
teorema67
teorema6711.05.21 16:54
Unternehmen ist uneinsichtig

Das ist vielleicht ein bisschen vorschnell. Letztlich wird ein Gericht klären, ob die Behörde oder das Unternehmen uneinsichtig ist
Wären alle Passagiere eines voll besetzten Trams mit dem Auto unterwegs, gäbe es eine Kolonne von etwa 3 Kilometern Länge.
-1
Hamsterhai11.05.21 17:09
„Nicht legitim“???

Es wird wirklich Zeit, weniger englischen Sprachgebrauch (legitimate) und damit Interpretationen zu importieren.

Was f*cking Fratzenbuch für „legitim“ hält, ist einen feuchten Dreck wert, wenn eine deutsche Behörde zu einer Entscheidung kommt.

Das Letzte, was ich in unsere staatlich Regulierung und Rechtssprechung integriert sehen möchte, ist die Meinung eines amerikanischen Konzerns.
+10
strateg
strateg11.05.21 17:09
whatsapp, facebook, silverlight, flash player, adobe- & microsoft software hatte ich noch nie & werde nie damit arbeiten — obwohl oder gerade weil seit 37 jahren in der it tätig

es gab & gibt seit jeher gute alternativen die fast immer preiswerter, fehlerfreier & auch besser designer sind

apple software, threema, html, iwork, grandtotal, tresorit, crashplan, proton mail/vpn, open office, anydesk, pdf expert, affinity software, ...
+6
Dupondt11.05.21 17:30
Hamsterhai
„Nicht legitim“???

Es wird wirklich Zeit, weniger englischen Sprachgebrauch (legitimate) und damit Interpretationen zu importieren.

Legitim ist zwar ein Fremdwort, gehört aber ohne Zweifel zum deutschen Sprachgebrauch und bedeutet laut Duden unter anderem "rechtmäßig; im Rahmen bestimmter Vorschriften".

wenn eine deutsche Behörde zu einer Entscheidung kommt.

Dann muss diese Entscheidung noch lange nicht legitim sein. Das zeigen unzählige Urteile von Verwaltungsgerichten und auch des Bundesverfassungsgerichts.

Man mag von WhatsApp/Facebook halten, was man will, die Unternehmen haben aber natürlich das Recht, die Anordnung für illegitim, also unrechtmäßig zu halten und juristisch dagegen vorzugehen.
+9
iQuaser
iQuaser11.05.21 18:09
Soll sich WhatsApp doch wehren. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte kann auch empfindliche Geldbußen verhängen - insbesondere, wenn seine Anordnungen ignoriert werden.
Wird Zeit, dass hier endlich mal durchgegriffen wird. Die Arroganz von Facebook und WhatsApp gegenüber geltendem Recht geht mir schon lange gehörig auf die Nerven.
+8
Singdudeldei11.05.21 18:16
Gestern bin ich mit einer WhatsApp-Gruppe von 26 Mitgliedern zu Signal gewechselt. 19 von der Gruppe sind jetzt bei Signal. Also nur 7 sind so hartnäckig, dass sie nicht wechseln wollten. Also so schlimm, wie viele hier schreiben, ist der Wechselunmut und die Gleichgültigkeit gar nicht. Die meisten meiner Familie und Freunde sind jetzt bei Signal.
+8
Steph@n
Steph@n11.05.21 18:29
Ich habe mehrere Messenger, außer WhatsApp, bei manchen tat sich Jahrelang nix.
Jetzt haben die für ihre Verhältnisse deutlich zugelegt, zumindest was meine Kontakte angeht.
Schon lustig das WhatsApp einen großen Anteil daran hat, wie ich finde.
+4
Wessalius11.05.21 19:05
Ich verstehe irgendwie immer noch nicht, weshalb man diesen Nutzungsbedingungen in Europa überhaupt zustimmen muss, wenn sie doch nicht relevant für die Nutzer in Europa sein sollen.
+3
cyberbutter
cyberbutter11.05.21 19:12
Ich bitte euch! Jetzt mal im ernst. Ihr habt das alle völlig falsch verstanden. Es geht hier nicht um einen AUSTAUSCH. Denn ein Tausch würde ja bedeuten das WhatsApp etwas bekommt. Hier handelt es sich um reines senden zum Mutterschiff Facebook.
Man könnte fast von einem wohltätigem Zweck seitens WhatsApp sprechen.
BÄM!
+8
Peter Eckel11.05.21 20:51
cyberbutter
Man könnte fast von einem wohltätigem Zweck seitens WhatsApp sprechen.
So wohltätig ist man doch gern mal, wenn man für 19 Milliarden Dollar gekauft wurde, nicht wahr?
Ceterum censeo liberum facierum esse delendum.
0
Hamsterhai12.05.21 15:28
Dupondt
Legitim ist zwar ein Fremdwort, gehört aber ohne Zweifel zum deutschen Sprachgebrauch und bedeutet laut Duden unter anderem "rechtmäßig; im Rahmen bestimmter Vorschriften". […]
Ich weiß, was Du meinst und hätte mich mit weniger Furor und zudem präziser ausdrücken sollen.

Ich weiß aus dem beruflichen Umfeld, daß zwischen dem im Deutschen gebräuchliche „legitim“ und dem amerikanisch-englischen „legitimate“ eine Deutungslücke besteht.

Das Erste entspricht dem, was Du bereits geschrieben hast, Letzteres wird jedoch häufig im Sinne von „angebracht“/„allgemein akzeptiert“ verwendet, jenseits von Rechtsnormen.

Ähnlich der Wandel im englischen Sprachgebrauch weg vom eher sachlichen „we think“ hin zum aufgeladenen „we believe“, das verstärkenden, visionären Pathos zur „Rechtfertigung“ der Aussage transportiert. (Sehr gut an der Kommunikation vom Zuckerbübchen selbst recherchierbar.)

Davon ab und trotz Deines zutreffenden Kommentars vertraue ich einer in Europa ansässigen staatlichen Behörde per se deutlich bereitwilliger, als einem nordamerikanischen Internetkonzern. (Letzterem nur soweit, wie ich das Hauptgebäude werfen kann.)
+2
Meierseppl14.05.21 10:03
Ich hatte aus versehen zugestimmt, wie kann ich dies wieder rückgängig machen?
+1

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