Betrug und Täuschung im App Store: FlickType-Entwickler macht seinem Ärger Luft

Im App Store setzen Entwickler Milliarden um und wie in fast jedem Markt werden gute Ideen kopiert und es entsteht ein harter Konkurrenzkampf. Ist eine App erfolgreich, finden sich oftmals einige Tage bis Wochen später diverse Klone dieser App im App Store wieder und buhlen um Kundenaufmerksamkeit. Nun macht ein bekannter App-Entwickler seinem Ärger Luft: Er schaffe es nicht mehr, besser als die Konkurrenz zu sein – doch aus völlig anderen Gründen als er erwartet habe.


Kosta Eleftheriou bietet die bekannten Watch-Tastatur FlickType an, welche sich öfters in den Listen der meistverkauften Apps im App Store wiederfindet. Durch den Einbau eines Swipe-Algorithmus ist es möglich, annähernd so schnell auf der Watch zu tippen wie auf einer Smartphone-Tastatur.

Abo-Fallen durch Copycats
Eleftheriou sah sich bis vor einigen Monaten deutlich vor der Konkurrenz – weil er das bessere Produkt im Angebot hat. Doch seit einigen Monaten hat der Entwickler mit einer Fülle von schlecht programmierten oder gar völlig funktionslosen Klonen zu kämpfen, welche sich schnell als Abo-Fallen entpuppen:


Diese Apps wurden meist hastig nachprogrammiert und bieten, wie oben auf dem Screenshot zu sehen, nur einen einzigen Knopf, welcher zu einem über 400 Dollar pro Jahr teurem Abo führt.

Werbung mit Videos von FlickType
Wie dreist diese Klon-Entwickler sind, zeigt der Einsatz der Werbemittel: Über Instagram und Facebook bewerben diese Entwickler ihre Klone mit dem Video von FlickType, um möglichst viele Kunden zu bekommen.

Fake-Bewertungen
Da die meisten Klon-Apps kaum funktionsfähig sind, sollten Kunden eigentlich von negativen Bewertungen abgeschreckt werden – doch offensichtlich investierten die Betrüger auch eine Menge Geld in Bewertungen. Nach wie vor ist es möglich, massenhaft Bewertungen im App Store zu kaufen. Schon öfter kam ans Tageslicht, dass Apple nur sehr zögerlich mit dem Entfernen solcher Bewertungen reagiert und Entwickler nicht aus dem App Store ausschließt.

Aufgeben?
Kosta Eleftheriou bittet Apple öffentlich, endlich etwas gegen unfaire Konkurrenz, Abo-Fallen und gefälschte Bewertungen im App Store zu tun – er spiele mit dem Gedanken, mit seiner App aufzugeben.

Fraglich, wie Apps den Review-Prozess passierten
Normalerweise überprüft Apple, ob eine App die angepriesenen Funktionen auch bietet – oder ob sich die Screenshots und die Beschreibung nicht mit der angebotenen App decken. Es ist daher sehr verwunderlich, wie solche betrügerischen Apps den Review-Prozess des App Stores überwinden konnten.

Kommentare

Raziel103.02.21 09:38
Meine Ergebnisse bisher waren das Apple immer sehr genau bei uns geschaut hat. Fast jedes App Update musste mit Login Zugängen und sogar Videos (die eine Verwendung auf einem echten Geräte zeigen, also abgefilmt vom App start bis hin zur Bedienung) eingereicht werden. Auch mussten schon das App Icon abgeändert werden weil es Ähnlichkeiten mit anderen Apps hatte (die aber alle von uns selbst waren und teilweise nichtmal eingereicht sondern nur auf TestFlight zur internen Testzwecken)

Vielleicht ist das ja landesspezifisch, ich kenne Apple da nur extrem genau. Manchmal etwas zu genau wenn man nur mal nen schnellen Hotfix releasen will ^^
+4
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck03.02.21 09:47
Raziel1
Mir ist das auch ein Rätsel, wie solche Apps mit einem Knopf, welcher einen In-App-Purchase auslöst, durch den Review kommen.
+6
LoCal
LoCal03.02.21 09:51
Mendel Kucharzeck
Raziel1
Mir ist das auch ein Rätsel, wie solche Apps mit einem Knopf, welcher einen In-App-Purchase auslöst, durch den Review kommen.

Meine Vermutung ist da immer, dass die Apps sich im Review anders verhalten als im Store.
Ich hab zwar keine Lösung, doch ich bewundere dein Problem
+1
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck03.02.21 10:17
LoCal
Die Idee hatten wir hier in der Redaktion auch – was aber dagegen spricht, ist, dass In-App-Purchases auch reviewed werden. Sprich dort müsste aufgefallen sein, dass entweder der Purchase nicht zugänglich ist oder so gut wie gar nichts freischaltet/ermöglicht.
+1
d2o03.02.21 10:21
Es ist aber auch schon merkwürdig, wenn man sich eine App installiert, die einem dann auch nur eine Schaltfläche anzeigt, und dann nicht stutzig wird.
Kann mir nicht vorstellen, dass man (mit so einem Extremfall) Geld verdient.

VG
0
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck03.02.21 10:26
d2o
Würde die Arbeit sich nicht lohnen, wären nicht so viele Scam-Apps im App Store präsent.

Schlecht gemachte Spam-Mails lohnen sich auch weiterhin, sonst würden sie nicht milliardenfach am Tag verschickt werden. Bei 99.99% der Spam-Mails denkt man sich ja auch: Wie kann man nur darauf reinfallen?
+2
LoCal
LoCal03.02.21 10:27
Mendel Kucharzeck
LoCal
Die Idee hatten wir hier in der Redaktion auch – was aber dagegen spricht, ist, dass In-App-Purchases auch reviewed werden. Sprich dort müsste aufgefallen sein, dass entweder der Purchase nicht zugänglich ist oder so gut wie gar nichts freischaltet/ermöglicht.

Auch das kann man bestimmt "umbiegen" … die Frage ist, was passiert nachdem man auf "unlock now" gedrückt hat. Werden Funktionen freigeschaltet oder nicht?

Und das Review für InApp-Purchases besteht doch auch nur aus einem Screenshot und einer Beschreibung.
Ich hab zwar keine Lösung, doch ich bewundere dein Problem
-2
d2o03.02.21 10:31
Mendel Kucharzeck
Schlecht gemachte Spam-Mails lohnen sich auch weiterhin, sonst würden sie nicht milliardenfach am Tag verschickt werden. Bei 99.99% der Spam-Mails denkt man sich ja auch: Wie kann man nur darauf reinfallen?
Du wirst lachen, das frage ich mich tatsächlich. Aber bei einer SPAM-Mail wird man ja getäuscht, in dem versucht wird Echtzeit zu erzeugen. Aber bei einer App mit nur einem Button?
0
Dante Anita03.02.21 10:42
d2o

Naja, heutzutage muss man in jedem Webstore den Kaufen-Button eindeutig beschriften. In Österreich gilt meines Wissen der Text „Kostenpflichtig bestellen“. Da weiß jeder, woran er ist.

Und in App-Store? Man lädt sich eine kostenlose App, einfach mal ausprobieren. Dann gibts dort nur einen Button namens „Unlock now“. Klar dass die Leute da drauf klicken, sie wollen die App ja testen und es steht nirgends etwas von einem Abo. Reiner Scam, sowas darf Apple gar nicht durchgehen lassen.
+2
DTP
DTP03.02.21 10:48
Raziel1
Meine Ergebnisse bisher waren das Apple immer sehr genau bei uns geschaut hat. Fast jedes App Update musste mit Login Zugängen und sogar Videos (die eine Verwendung auf einem echten Geräte zeigen, also abgefilmt vom App start bis hin zur Bedienung) eingereicht werden. Auch mussten schon das App Icon abgeändert werden weil es Ähnlichkeiten mit anderen Apps hatte (die aber alle von uns selbst waren und teilweise nichtmal eingereicht sondern nur auf TestFlight zur internen Testzwecken)

Vielleicht ist das ja landesspezifisch, ich kenne Apple da nur extrem genau. Manchmal etwas zu genau wenn man nur mal nen schnellen Hotfix releasen will ^^
Bei uns ist es mal hypergenau und mal wird sie durchgewunken.
Wir haben schon Erfolg gehabt, eine App trotz Ablehnung durchzubekommen, indem wir sie einfach nochmal eingereicht haben.
Und umgekehrt das Problem gehabt, dass die Nutzung eines API trotz mehrfacher Genehmigung davor auf einmal als „das ist ein private API, bitte ändern“ abgelehnt wurde.
+1
Wiesi
Wiesi03.02.21 11:01
Mir scheint, daß Apple bei kostenlosen Apps nicht allzu heftig prüft. Bringt ja auch kein Geld. Die Apple-Tax fällt erst an, wenn der Nutzer "Unlock now" drückt.
Everything should be as simple as possible, but not simpler
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Mecki
Mecki03.02.21 13:35
Da das System noch einmal überdeutlich darauf hinweist, dass man gerade dabei ist ein $400 teures Abo abzuschließen, frage ich mich zu aller erst mal: Wer ist so dumm und macht dann trotzdem weiter? Denn wie bei SPAM: Würde sich SPAM nicht rechnen, würde es ihn nicht geben. So etwas wird nur gemacht, weil man damit Geld verdient. Niemand würde sich die Mühe machen, wenn er dabei nur Geld verliert, weil er ja $99 für den Entwickler Account bezahlen muss und wenn dann nicht ein einziger Kunde kauft, dann ist das ein reines Minusgeschäft.

Dann kann ich bestätigen, dass es nicht leicht ist einen Klon zu entfernen, weil hier muss Apple dann die Richterrolle übernehmen, denn woher soll Apple bitte wissen, wer der Klon vom wem ist? Kann ja jeder behaupten, er hat die Original App und der andere ist der Klon. Wer zuerst da war ist das Original? Das wäre naiv. Ich stehle meinen Arbeitgeber die fast fertige App, bringe sie in den Store und wenn mein (Ex-)Arbeitgeber dann 2 Monate später mit seiner App kommt, sage ich das ist der Klon, und ich war zuerst da und lasse ihn entfernen. Also so geht das nicht. Apple muss das genau nachprüfen und absolut sicher sein bevor sie handeln, denn eigentlich ist das ein zivilrechtliches Verfahren der beiden Parteien und geht Apple direkt gar nichts an.

Was ist denn, wenn Klone außerhalb der ganzen App Stores vertrieben werden? Wen ruft man da bitte um Hilfe? Die Ghostbusters? Richtig, niemanden. Da kann man nur Strafanzeige stellen (Urheberrechtsverletzung ist strafbar in Deutschland) und/oder eine Zivilklage einleiten. Das zeigt also mal wieder schön die Doppelmoral: Lehnt Apple eine App ab oder wirft sie aus dem Store, dann heißt es Apple ist ein Monopolist und missbraucht seine Marktmacht und die Plattform muss zwangsweise geöffnet werden. Aber in einem Fall wie diesem heißt es, Apple muss zur Hilfe kommen und Apple muss seine Kontrolle über die Plattform nutzen um das zu unterbinden - also die Kontrolle, wegen der sie zuvor kritisiert wurden und die man ihnen weg nehmen will? Was denn nun? Entscheidet euch mal, ihr könnt nicht beides haben! Nimmt man Apple die Kontrolle, dann kann Apple in so einem Fall in Zukunft sowieso nichts mehr unternehmen.

Und auch wenn es schwer ist Klone entfernen zu lassen, ist es nicht schwer Apps entfernen zu lassen, die eklatant die Richtlinien verletzen; und das tun diese Klone im vorliegenden Fall ganz eindeutig. Hier ist die richtige Herangehensweise wichtig. Statt mit dem Klon Argument, auf das Apple nur sehr zögerlich reagieren wird, sollte man sich direkt über das Fehlverhalten der App bei Apple beschweren, so wie ein verärgerter Kunde das tun würde und am besten direkt Apple darauf hinweisen, welche Richtlinie wo und wie durch den Klon verletzt wird, weil das führt viel schneller zum Erfolg. Denn hier kann Apple sehr leicht nachprüfen, ob das stimmt und hier gibt es keine Rechtsunsicherheit für Apple. Wer die Regeln verletzt, fliegt, fertig.

Zuletzt noch die Frage, warum kommen diese Apps durch den Review. Ich denke das liegt daran, dass hier Apples Review Prozess unterwandert wird.

Zum einen wird nur der erste Release einer App garantiert händisch geprüft, also von einem Menschen. Werden danach Updates geliefert, dann durchlaufen diese nur noch den automatischen Review Prozess. Updates werden nur stichprobenartig von Menschen überprüft (nach dem Zufallsprinzip) oder dann, wenn der automatisch Prozess der Meinung ist, dass so eine Prüfung erfolgen sollte (woran auch immer er das fest macht, denn das bleibt Apples Geheimnis; vielleicht daran, wie groß der Unterschied zur letzte Version ist oder ob bestimmte APIs genutzt werden oder hinzu gekommen sind). Hier kann man also manchmal was in den AppStore schummeln, indem man das erst mit einem Update liefert, sofern der automatische Review das nicht erkennen kann (API misuse z.B. erkennt er im Normalfall). Das problematische Update von Fortnite kam schließlich auch erst mal durch, oder?

Zum anderen kann eine App ihr verhalten jederzeit ändern. Nichts ist leichter als Code so zu schreiben, dass er sich bis zu einem bestimmten Datum so und danach eben anders verhält. Und so eine Weiche ist ganz leicht so zu verstecken, dass sie ein Review Prozess nicht finden kann. Man kann so was auch remote steuern. Die App holt Daten von einem Server, z.B. eine HTML Webseite und ändert ihr Verhalten je nach Hintergrundfarbe der Webseite, so kann ich remote kontrollieren wann sich die App wie verhält. Was also der Reviewer und was der Kunde sieht, können zwei komplett unterschiedliche Apps sein. Apple versucht zwar auch so etwas zu finden (beim Review Prozess wird die Systemzeit mehrfach manipuliert; das weiß ich, weil wenn das die App wegen einem Bug zum Absturz bringt, kommt man nicht durch den Review), aber hier gibt es so unendliche viele Möglichkeiten, da kann Apple unmöglich alles finden.
+6
lphilipp
lphilipp03.02.21 14:31
Ich verstehe die Daumenzeichen hier nicht mehr.
Ich bitte dringend darum dieses anonyme "Bewertungssystem" abzuschaffen. Wir sind hier doch nicht beim Fazzebuch.
Man muß sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen! Albert Camus (Il faut imaginer Sisyphe heureux)
-4
stefan03.02.21 20:05
Wiesi
Mir scheint, daß Apple bei kostenlosen Apps nicht allzu heftig prüft. Bringt ja auch kein Geld.
Ist das deine Erfahrung oder nur eine Vermutung?
Bei meiner kostenlosen App musste einiges aufgefahren werden, bis sie freigeben wurde. Auch bei jeder neuen Version lässt sich Apple was einfallen und verlangt solche Sachen, die schon Raziel1 erwähnt hat.
+1

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