
Test eversolo PLAY: Der beste und günstigste Streaming-Amp seiner Generation?
eversolo PLAY – Hat fast alles, kann fast allesDas Gehäuse des eversolo PLAY besteht nicht etwa aus Plastik oder gebogenem Blech, sondern rundum aus ziemlich soliden, ca. 3 mm starken Aluminiumwänden. Die Bodenplatte bildet gar einen massiven Alu-Kühlkörper, der die Wärme aus dem Gerät ableitet und aktive Lüfter überflüssig macht. Der PLAY arbeitet also geräuschlos, wie es sich gehört. Die Verarbeitungsqualität ist exzellent und erinnert eher an Geräte mit deutlich vierstelligem Preisschild.
Das Display mit 5,5“ Diagonale ist ein weiteres Highlight. So etwas gab (und gibt) es in dieser Preisklasse nur selten. Und selbst zig-fach teurere Streamer haben oft kein vergleichbar gutes Display. Das im PLAY verbaute Anzeigemodul mit Touch-Funktion hat die Qualität moderner Smartphone-Displays, ist aber ein LCD. OLED käme wegen möglicher Einbrenngefahr mit derzeitiger Technik wohl noch nicht in Frage, weil die Anzeige in Streamern teilweise doch sehr statisch ist und sich womöglich einbrennen könnte. Das LCD ist aber aus jedem Winkel bestens ablesbar und bietet eine hohe Auflösung.
Rechts neben dem Display ist ein fein gerasterter Dreh-/Drück-Steller für Lautstärke und Play/Pause. Die Lautstärkeregelung erfolgt hier – anders als bei seinen Geschwistern aus der DMP-Serie – nicht über ein (klanglich überlegenes) diskretes Widerstandsnetzwerk, sondern digital. Irgendwo muss ja gespart werden, um den Preis hinzubekommen.
Noch interessanter wird es beim Blick auf die Rückseite, denn die verrät auf einen Blick, was angeschlossen werden kann. Und das ist so ziemlich alles, was der Markt heute für eine Stereo-Komponente verlangt. Dazu gehört:
- ein analoger Line-Eingang (Stereo Cinch) für klassische HiFi-Komponenten wie Tuner
- ein analoger Phono-Eingang (Stereo Cinch), umschaltbar für MM oder MC, inkl. Erdungsklemme
- ein HDMI ARC Anschluss für Ton vom Fernseher oder der Spielekonsole
- ein optisch-digitaler Eingang (Toslink)
- zwei USB-3-Ports (für Audio Out und Massenspeicher oder CD-Drive, sowie Messmikrofon)
- Gigabit LAN (RJ45)
- ein Subwoofer-Ausgang
- ein koaxialer Digitalausgang (S/PDIF)
- ein Trigger-Eingang (für Ferneinschaltung durch ein anderes Gerät mit Trigger)
- und die Lautsprecherausgänge in Form von Terminals für Kabelschuhe, Pins oder Bananas
Gespeist wird der eversolo über ein normales Stromkabel mit Kaltgerätestecker. Das Netzteil ist also im Gerät verbaut und muss nicht als Teppichbrikett hinter dem Schrank verstaut werden. Über einen Hauptschalter kann das Gerät bei Bedarf komplett vom Strom getrennt werden.
Noch viel umfangreicher wird die Sache bei der Beschreibung des Funktionsumfangs. Den kann ich hier nicht komplett auflisten und erklären, ohne den Umfang massiv zu sprengen. Hervorhebenswert sind solche Dinge wie die Unterstützung für zahlreiche Musikdienste, darunter Qobuz Connect (eversolo gehörte zu den ersten, die die Connect-Variante der Franzosen beherrschten), Tidal Connect, Spotify Connect, Amazon Music, TuneIn Radio, Radio Paradise und auch Apple Music. Letzteres als einziger Streamer überhaupt in HiRes! Das ist ein Thema für sich und ich habe es
hier bereits ausführlich erläutert. Wer sich zu keinem anderen Streamingdienst als Apple Music durchringen kann (auch wenn meine Empfehlung nach wie vor Qobuz wäre), für den gibt es kaum eine bessere Option als eversolo.
Neben den vielen Online-Abo-Diensten für Musikstreaming und Internet-Radio spielt der PLAY natürlich auch eigene, in digitaler Form vorliegende Musik ab. Sei es per CD oder von einem Massenspeicher, der per USB angeschlossen wird, oder von einem im Netzwerk eingebundenen Speicher (NAS) oder auch von einem Cloud-Speicher wie Dropbox. Was dem PLAY gegenüber den Streaming-Vorverstärkern der DMP-Serie (siehe ergänzende Artikel) fehlt, ist ein Slot für M.2 SSD-Module. Aber der externe Anschluss per USB ist natürlich auch kein großer Komfort-Verlust.
Auch sogenanntes Casting ist möglich. Das ist die Musikzuspielung über Netzwerkprotokolle wie AirPlay oder Google Cast und im Grunde genommen auch Bluetooth, was der PLAY natürlich auch beherrscht. Aber nur als Empfänger, nicht als Sender. WLAN und Bluetooth verarbeitet der PLAY übrigens über innenliegende Antennen. Die üblichen, hinten angeschraubten Antennenstummel entfallen damit. Neben fehlendem Bluetooth TX (senden) bietet der PLAY auch keinen terrestrischen Radioempfang per UKW oder DVB-T. Das hat bei uns außer im Auto allerdings kaum noch Bedeutung. Wer Radio hören will, findet die Sender auch per Internet-Radio im PLAY.
Damit haben wir erst mal die Grundfunktionen des PLAY grob abgeklappert. Eine ganze Menge also. Die Kunst dabei ist, eine solche Fülle an Möglichkeiten auch für Nicht-Experten überschaubar und einfach bedienbar zu halten. Das gelingt eversolo mit seinem auf Android basierenden Betriebssystem so gut wie nur wenigen anderen. Der einzige Konkurrent, der da momentan heranreicht, ist WiiM, die mit dem Amp Ultra einen sogar noch etwas günstigeren Streaming-Amp am Start hat, der aber eine etwas andere Zielsetzung verfolgt. Mehr zum Amp Ultra und wie er sich im Vergleich zum eversolo PLAY verhält, klärt ein späterer REWIND-Test. Nur so viel vorweg: Der PLAY kann mehr und nur er beherrscht Apple Music in HiRes.