eversolo PLAY – Komplex und doch KinderleichtWer REWIND aufmerksam verfolgt, hat in der Vergangenheit bestimmt schon von eversolo gehört und vielleicht auch die Tests der Geräte
DMP-A6 Master Edition,
DMP-A8 und
DMP-A10 gelesen. Mit dem DMP-A6 gelang eversolo erst vor wenigen Jahren der Durchbruch. Das war das erste Gerät des Herstellers mit der Android-Grundlage in einem speziell für HiFi optimierten Gerät, das für Schlagzeilen sorgte und den Grundstein für den PLAY legte. Zwischendurch kamen noch der hervorragende A8 und das aktuelle Topmodell und meine derzeitige Referenz DMP-A10 auf den Markt. Bei der DMP-Serie handelt es sich um Streaming-DAC-Vorverstärker. Es fehlt ihnen also der Leistungsverstärker, um Passivlautsprecher direkt anschließen zu können. Das bietet nun der PLAY in Form einer chipbasierten Class-D-Endstufe. Übrigens exakt die selben Vielbeiner, die auch im WiiM Amp Ultra stecken.
Die TI-Chips vom Typ TPA3255 können laut Datenblatt erstaunliche 315 W im Stereobetrieb und bis zu 600 W Mono mobilisieren. Hersteller haben hiermit die Wahl, wie viel der möglichen Gesamtleistung sie abfordern, indem sie das dafür nötige Netzteil entsprechend kräftiger oder nicht ganz so stark auslegen. Eversolo hat sich vermutlich aus zwei Gründen dazu entschlossen, nicht aufs Ganze zu gehen. Erstens aus Kostengründen, denn Netzteile gehören zu den teuersten Baugruppen in den Geräten. Und zweitens aus thermischen Gründen.
WiiM geht an dieser Stelle mit dem Amp Ultra etwas weiter und kitzelt mit seinem Netzteil 100 W an 8 und 200 W an 4 Ohm aus den selben TI-Chips heraus. Die Leistung des eversolo ist aber für etliche marktübliche Lautsprecher völlig ausreichend. Und über den Klang sagt die Ausgangsleistung schon mal gar nichts aus. Tappen Sie also nicht in die „Watt-Falle“ und wählen Sie nicht blind nach dem Prinzip „mehr Watt = besser“. Sofern Sie keine besonders wirkungsgradschwachen und/oder impedanzkritischen Lautsprecher einsetzen und keine Konzertpegel haben müssen, reicht die Leistung des PLAY locker aus. Die Mehrleistung des Amp Ultra ist in der Praxis nicht viel. Wenn Sie diesbezüglich wirklich auf der sicheren Seite sein wollen, wäre die Anschaffung eines Streaming-Vorverstärkerkers wie den DMP-A6 plus ein passender Endverstärker wie den
eversolo AMP-F2 sinnvoller. Oder einen noch potenteren Amp. Die Skala ist nach oben offen.
Ein entscheidender Punkt bei der Betrachtung der eversolo-Geräte ist, dass sie alle im Wesentlichen den gleichen Funktionsumfang beim Streaming bieten. Der PLAY beherrscht also softwareseitig alles, was auch der mehr als fünfmal so teure DMP-A10 kann. Einschließlich der sehr umfangreichen DSP-Features samt parametrischem EQ und automatischer Einmessfunktion auf die Raumakustik. (Bitte lesen Sie für eine nähere Beschreibung dieser Funktionen auch die Testberichte der DMP-Geräte.) Der preisliche Unterschied entsteht im Wesentlichen durch die nicht ganz so aufwendige Gehäusekonstruktion und vor allem durch deutlich einfachere (günstigere) Bauteile und eine höhere Integration der Schaltung mit Standardkomponenten anstatt diskreter Bauweise.
Die zugehörige eversolo App kann alle eversolo Streaming-Geräte des Herstellers kontrollieren. Über die App kann ganz einfach ausgewählt werden, welche Geräte im Haus die gerade gespielte Musik wiedergeben sollen. Eine individuelle Wiedergabe pro Gerät mit unterschiedlicher Musik ist damit nicht möglich. Aber da die eversolo-Streamer allesamt auch Roon Ready sind, ist auf diesem Weg echte, individuelle Multiroom-Wiedergabe machbar.
Hier ein paar Screenshots aus der App, die übrigens wie die Firmware der Geräte sehr liebevoll und kontinuierlich gepflegt wird. Ein Beispiel: Ich hatte während des Tests bei eversolo angefragt, ob man nicht die Traffic-LEDs der LAN-Buchse abschaltbar machen könnte. Der Wunsch wurde binnen weniger Tage mit einem Firmware-Update erfüllt, das neben diesem Feature noch 36 weitere funktionale Verbesserungen und kleine Bug-Fixes beinhaltete.
Sowohl über die App als auch am Touch-Display des PLAY ist alles steuerbar. Das heißt, sämtliche Funktionen zur Musiksteuerung, die Auswahl der Musik auch über die Streamingdienste wie Apple Music, die Systemparameter, die DSP-Funktionen … einfach alles. Und das Ganze ist auch noch logisch und leicht verständlich aufbereitet, was beileibe nicht selbstverständlich ist.
Für den PLAY hat eversolo seine Display-Oberfläche noch etwas angepasst bzw. gegenüber dem DMP-A6 modernisiert. Falls Umsteiger vom A6 das nicht leiden mögen, können sie auf die klassische Ansicht zurückkehren. In beiden Fällen stehen neben den Menüs auch verschiedene Wiedergabeansichten und auf Wunsch auch schicke virtuelle VU-Meter zur Anzeige bereit.
Hier nur ein paar der möglichen Wiedergabe-Screens und VU-Meter.
Auch toll ist die App-Funktion Screencast. Damit kann in der App das Display des PLAY 1:1 gespiegelt und genau so wie am Gerät bedient werden. Das ist manchmal unglaublich nützlich, um selbst einen besseren Überblick zu behalten, oder um Freunden die Funktionen besser zeigen zu können. – Oder um Screenshots zu machen, so wie die obigen.
NACHTRAG: Kurz vor Schluss kam noch die Meldung rein, dass everolo ab sofort eine App speziell für Android TVs anbietet (herunterzuladen aus dem Google PLAY Store), mit der der Fernseher zum komfortablen und entsprechend großen Wiedergabescreen wird.
Zwar sind die in den Geräten verbauten Displays der eversolo DMP- und PLAY-Komponenten schon vergleichsweise groß, aber in typischen Wohnrauminstallationen können dennoch nicht alle Informationen problemlos vom Hörplatz aus erkannt und gelesen werden. Da macht der Einsatz des Fernsehers, der nun mal in sehr vielen Fällen zentral im Bereich der Anlage hängt, absolut Sinn. Im Gegensatz zu anderen Lösungen, die eine Bildverbindung per HDMI-Kabel zwischen Streamer und TV erfordern (was die eversolos nicht bieten), hat diese Lösung ein paar sympathische Vorteile. Etwa, dass kein weiteres Kabel verlegt werden muss und dass keine Inkompatibilitäten mit dem manchmal etwas zickigen HDMI-Protokoll und den Kabeln auftreten können.
Momentan ist diese neue Lösung nur für Android-basierte TV-Geräte verfügbar, aber eversolo ließ verlauten, dass eine Version für tvOS und das Apple TV bereits in der Mache sei. – Nice!