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Recht auf Reparatur per Gesetz – es könnte in den USA ernst für Apple werden

Diskussionen rund um das "Recht auf Reparaturen" werden seit Jahren geführt. Es geht dabei nicht nur um die Frage, wie lange Hersteller Ersatzteile zur Verfügung stellen müssen, sondern auch um die oft erzwungene Verwendung von Originalteilen. Letzteres sehen Kritiker als Problem an, da Instandsetzungen für Kunden sehr teuer sind – und manch Hersteller dies wohl als Hebel sieht, Anwender lieber zu Neukäufen zu bewegen. Apple zählt zu den aktiven Lobbyisten, volle Reparatur-Freiheit zu verhindern. Zu den Argumenten zählen Sicherheitsrisiken bei der Verwendung nicht-autorisierten Zubehörs sowie die Gefahr von Folgedefekten, wenn minderwertige Ersatzteile zum Einsatz kommen. Im Mai hatte ein Bericht der Federal Trade Commission allerdings Apples Verhalten beanstandet und in Teilen als wettbewerbswidrig bezeichnet (siehe )


FTC wird beauftragt
Auf Grundlage jenes FTC-Berichts sollen in den USA nun neue Regeln ausgearbeitet werden, wie Hersteller mit Reparaturen zu verfahren haben. Zunächst ist die Handelskommission an der Reihe, konkrete Vorschläge zu erstellen, welche in einem späteren Schritt Gesetzstatus erlangen könnten. Betroffen sind zahlreiche Gerätekategorien, darunter Smartphones, Konsolen – bis hin zu Traktoren. Politische Unterstützung zeichnet sich längst ab, denn günstigere Reparaturpreise bzw. längere Lebensdauer von Geräten zählen als Möglichkeit, die Bevölkerung finanziell zu entlasten.

Auswirkungen wären nicht nur in den USA spürbar
Man kann davon ausgehen, dass Apple und Co. weiterhin alles daran setzen, schärfere Regulierungen zu verhindern. In Großbritannien waren die Bestrebungen beispielsweise erfolgreich: Zwar gibt es neuerdings ein Recht auf Reparaturen, doch ausgerechnet Smartphones sind davon explizit ausgenommen. Sollten die USA hingegen konsequenter voranschreiten – und in Fällen von Wettbewerbseinschränkungen ist das Land traditionell sehr streng – könnte dies auch international weitreichende Auswirkungen haben. Bis zur Umsetzung dürfte dennoch einige Zeit vergehen, es handelt sich um keine Sache von wenigen Monaten.

Kommentare

Gammarus_Pulex
Gammarus_Pulex07.07.21 12:59
Also ich hatte schon ein Macbook in Händen, welches angeblich vom Reparaturdienst mit Apple Premium Service Auszeichnung repariert wurde. Das Ergebnis war, dass da jemand stümperhaft einen anderen Akku eingeklebt hat, sodass der tatsächliche APS sich nicht mehr getraut hat, den Akku anzufassen um nicht am Ende für ein komplett defektes Gerät verantwortlich sein zu müssen.

Da müsste es für den Kunden also irgendeine Form von Garantie geben, damit nicht jeder selbsternannte Bastler da irgendwas drin rumfuhrwerken darf...
+6
Hannes Gnad
Hannes Gnad07.07.21 13:09
Deshalb wird es, egal wie sich das hier entwickelt, nach wie vor Firmen geben, die offiziell autorisiert sind, und solche, die das eben nicht sind. Ist ja jetzt auch schon so. Und der Kunde hat die Wahl...
+7
KingBradley
KingBradley07.07.21 13:35
Sehr schön.

Die druckerhersteller sollte man auch mal ins Visier nehmen✌️
+5
sonorman
sonorman07.07.21 13:45
Das ist genau wie in der Autoindustrie ein Balanceakt. Seit bei Autos dieses "Recht zur Reparatur" eingeführt wurde, gibt es in der Tat viele günstigere Möglichkeiten, aber es landen halt immer wieder auch Leute in der (Fach-)Werkstatt, die sich zuvor schrottige China-Nachbau-Ersatzteile ins Auto geschraubt haben und sich nun wundern, warum die Karre nicht mehr läuft.
+6
deus-ex07.07.21 13:58
Ich bin der Meinung das Apple mit einem "Recht auf Reparatur" weit weniger Problem haben wird als Billig-China-Wegwerf-Smartphone-Hersteller.
+2
Sindbad07.07.21 14:40
Bei kritischen Bauteilen ist die Verwendung von Originalteilen unverzichtbar:

Billige/gefälschte Ersatzteile können massive Sicherheitsrisiken aufwerfen.
Z.B. Bremsbeläge in Autos oder Li-Akkus, die hochgehen.
+4
Bitsurfer07.07.21 16:09
Ich kann beim iPhone das Display beim Hützer oder bei Apple austauschen lassen. Komischerweise ist der Hützer immer gleich, oder teurer als Apple.
+1
Mecki
Mecki07.07.21 16:41
Da aktuell niemand von Apple Originalersatzteile bekommt, außer zertifizierte Werkstätten, weiß man aktuell immer genau was man bekommt. Ist es keine zertifizierte Werkstatt, dann bekommt man mit Sicherheit kein Originaldisplay bei Displaybruch, sondern (oft minderwertige) Nachbauten von Drittherstellern . Dito Akkus. Ist es hingegen eine zertifizierte Werkstatt, dann bekommt man ein Originalbauteil, weil Apple diese Werkstätten extrem genau kontrolliert bis hin zu dem Punkt, dass die Werkstätten z.B. Buch führen müssen wie viele iPhone Displays sie getauscht haben (getrennt nach Modell) und Apple diese Zahl den Ersatzteillieferungen gegenüber stellt; mehr von einem Modell getauscht als überhaupt Ersatzteile geliefert wurden? Zeit für einen vor unangekündigten Kontrollbesuch, den man laut Vertragsbedingungen zulassen muss, wenn man zertifiziert werden möchte.

Diese strikte Kontrolle ist genau das, was Werkstätten stört und warum sie sagen, es ist fast unmöglich die Auflagen zu erfüllen. Es ist aber nicht unmöglich, es macht nur mehr Arbeit hier wirklich sauber Buch führen zu müssen, statt einen Schlamperladen zu betreiben, es stört beim Gewinn machen, hier wirklich nur Originalteile verbauen zu dürfen und man will Apple nicht kontrollieren lassen, weil man weiß, dass man Dreck am Stecken hat. Jeder vernünftige Reparaturbetrieb hingegen hat überhaupt keinen Probleme sich zertifizieren zu lassen, möchte das aber ggf. nicht, weil sie viel lieber eben Nachbauten verbauen wollen, weil die Gewinnspanne dabei einfach größer ist und das ist strikt verboten, sobald man zertifiziert ist (sollte Apple nur solche Bauteile bei einer Kontrolle finden, ist die Zertifizierung sofort futsch, egal wie oft man beschwört die nie verbaut zu haben).

Kommt hingegen jeder an Ersatzteile ran, dann kann auch jeder behaupten Originalersatzteile zu verbauen, denn das könnte natürlich wahr sein. In > 80% der Fälle wird es aber gelogen sein, nur kann das jetzt der Kunde nicht mehr genau wissen und muss aufs beste hoffen. Zertifizieren wird sich aber dann auch keiner mehr lassen, denn das Hauptargument warum das gemacht wurde, nämlich um an Originalteile zu kommen, das ist damit auch weg gefallen. Wie viel Schindluder bei Reparaturen getrieben wird, sieht man regelmäßig mit versteckter Kamera im Fernsehen. Denkt ihr bei SmartPhone Reparatur wird weniger beschissen als bei Fernsehern, Waschmaschinen, Autos und Co? Eher im Gegenteil, da wird noch viel mehr beschissen, weil die Margen kleiner sind.

Was hier also dringend nötig wäre, ist ein Weg, wie Kunden sicherstellen können, dass sie wirklich Originalersatzteile bekommen haben, wenn die Werkstatt das auch versprochen hat. Bei einigen Bauteilen warnt das System ja mittlerweile, wenn es keine Originale sind, aber das geht nicht bei allen Bauteilen und anscheinend kann man auch diesen Schutzmechanismus aushebeln. Die Werkstätten müssten eigentlich dazu verpflichtet werden die Seriennummern der Ersatzteile preis zu geben und Apple sollte eine Seite anbieten, wo man die Echtheit dieser Nummern prüfen kann und wo auch die Werkstatt angeben muss, wann sie welches Bauteil zu Reparatur welches Gerätes verwendet wurde, so dass ausgeschlossen ist, dass das Bauteil "zweimal" verbaut wurde (dann wäre eines natürlich eine Fälschung) oder in einem anderen Gerät gelandet ist, als es hätte landen sollen oder ein Bauteil verbaut wurde, dass Apple noch an gar keine Werkstatt ausgeliefert hat, usw.
-2
cps07.07.21 16:53
Hannes Gnad
Deshalb wird es, egal wie sich das hier entwickelt, nach wie vor Firmen geben, die offiziell autorisiert sind, und solche, die das eben nicht sind. Ist ja jetzt auch schon so. Und der Kunde hat die Wahl...

Zumindest solange bis Apple das Modell noch nicht auf die Vintage-Liste gesetzt hat.
Wenn dann nicht zufällig irgendwo noch Ersatzeile im Lager sind - was mit zunehmenden Alter der Geräte immer unwahrscheinlicher wird. Dann wird der Kunde ja praktisch gezwungen zur Werkstatt im Hinterhof mit ihren minderwertigen und vielleicht sogar gefährlichen Ersatzteilen zu gehen.
+5
cps07.07.21 17:09
sonorman
Das ist genau wie in der Autoindustrie ein Balanceakt. Seit bei Autos dieses "Recht zur Reparatur" eingeführt wurde, gibt es in der Tat viele günstigere Möglichkeiten, aber es landen halt immer wieder auch Leute in der (Fach-)Werkstatt, die sich zuvor schrottige China-Nachbau-Ersatzteile ins Auto geschraubt haben und sich nun wundern, warum die Karre nicht mehr läuft.

Den umgekehrten Weg gibt es aber auch. Leute die von der „Fach“Werkstatt kommen, denen dort aber nicht geholfen werden konnte, entweder weil der Fehler nicht gefunden wurde, oder weil die veranschlagten Reparaturkosten viel zu hoch waren, da werden meist ja nur noch Baugruppen getauscht.
Und was bringen mir Originalteile wenn die von der Fachwerkstatt falsch montiert wurden? Oder von denen bekannt ist, dass die nur eine eingeschränkte Lebensdauer haben und damit meine ich keine Verschleißteile.
+4
eiq
eiq07.07.21 17:09
Ich habe lieber ein Gerät, das lange ohne Probleme funktioniert und gar nicht erst repariert werden muss als ein Gerät, das problemlos in sekundenschnelle repariert werden kann, dafür aber auch ständig repariert werden muss. Ich denke da an das Fairphone/Fairphone 2, die bei uns in der Firma nach wenigen Monaten aussortiert und wieder gegen iPhones eingetauscht wurden, weil die Hardware einfach Müll war.
+1
Langer
Langer07.07.21 17:49
Ich finde, den wichtigsten Punkt hast Du in der Aufzählung vergessen: Die Maßnahmen von Apple halten die Produktqualität hoch.
Mecki
... es stört beim Gewinn machen, hier wirklich nur Originalteile verbauen zu dürfen und man will Apple nicht kontrollieren lassen, weil man weiß, dass man Dreck am Stecken hat. Jeder vernünftige Reparaturbetrieb hingegen hat überhaupt keinen Probleme sich zertifizieren zu lassen,
...

Und hier hakt der Ansatz von Recht auf Reparatur. Er besteht auf die Notwendigkeit des Durchführend der Reparatur, aber nicht auf vergleichbar hohe Qualität. Wie auch, letzteres wäre auch schwer nachzuweisen. Kosten durch mangelnde Qualität wird kein Hersteller transparent machen.

Es ist doch klar, dass ungenügend ausgeführte Reparaturen letztlich auf die Marke zurückfallen. Die Gegenseite wird argumentieren, dann konstruiert es halt so, dass es jeder reparieren kann.

In den letzten Jahren wurden in der Automobilindustrie verschiedene Fertigungsverfahren wegen negativer Einflüsse auf Qualität ausgemustert. Beispiel elektrische Bauelemente (BE). Selektives Löten von bedrahteten Bauelementen wurde durch Reflow Löten mit SMD BE ersetzt, Steckerleisten werden eingepresst anstatt Wellengelötet usw.. Natürlich kann ich so ein Gerät selber schwerer reparieren.

Kritisch sehe ich hohe Reparaturkosten im Zusammenspiel mit Designmängeln. Beispiel Butterfly Tastatur: Warum soll ich aufwendige Klebe- anstatt Schraubreparaturen bezahlen, um letztlich einen Designmangel beheben zu lassen?

Ich kann bei Apple auch keine Obsoleszenz erkennen. Im Gegenteil: Die Geräte werden extrem lange genutzt. Solange Apple (und alle anderen Hersteller) nachweisen, dass sie auf dem aktuellen Stand der Technik schonend mit Ressourcen umgehen, passt es aus meiner Sicht. Letztlich kann ich ja woanders kaufen.
+1
TorstenK07.07.21 20:38
Ich denke, ich bin bei Reparaturen direkt im Apple Store gut aufgehoben
-2
NX4U207.07.21 21:54
Vielleicht mal paar Videos von Louis Rossmann angucken, da kriegt man ´nen guten Eindruck davon, was alles über die Reparaturoptionen von Apple hinaus machbar wäre. Natürlich ist es schwer die Qualität eines solchen Rep.-Service im Vorhinein einzuschätzen.
+2
cdxdatentechnik08.07.21 17:59
Solange es erlaubt ist Akkus fest zu verkleben, Mixer zu bauen die sich nach 5 Sekunden zerlegen und Apple auch noch einen Reparaturverhinderungschip auf die Hauptplatinen setzen darf wird das nichts mit Nachhaltigkeit und weniger Müll.
+4
RustyCH
RustyCH09.07.21 15:37
Ich gehöre zu den Verfechtern zur Recht auf Reparatur, da teilweise die Originalersatzteile nicht (mehr) erhältlich oder Schweineteuer sind, vor allem, falls man das Gerät etwas länger als die 2 vom Hersteller vorgesehenen Jahre benutzen möchte.
Da wird man zu den einschlägigen chinesischen Onlineshops getrieben.
Nicht nur Apple ist da in Sachen Reparierbarkeit mäh: Habe ein Microsoft Surface pro 4 mit geblähter Batterie repariert. Die verdächtigen Werkstätten wollten mindestens 200-300 CHF, aber ohne Garantie, dass der Bildschirm das Prozedere überlebt (Kostenpunkt: > 250.-). Was einem wirtschaftlichen Totalschaden entspricht.
Ich gebe zu, beim Zerlegen wurde mir klar, weshalb es so teuer ist:
- der Kleber des Bildschirm überlebt den 3. Weltkrieg (iPads sind easy im Vergleich)
- Der Bildschirm ist so dünn, dass man extrem vorsichtig arbeiten muss, zum "Glück" war das Akku so stark gebläht, dass es den Bildschirm schon etwas abgehoben hat
- Das Akku ist das erste Bauteil nach ein paar Flachbandkabeln, welches ganzfächig(!) ins Gehäuse geklebt wurde, alles andere daraufgeschraubt!
- gefühlte 30 Schrauben der Grösse 0.5 mm, bevorzugt verborgen unter 10 Metalldeckelchen (Hütchenspiel)

Hauptsache man kann es schnell und billig zusammenklatschen.
Unmögliches wird sofort erledigt - Wunder dauern etwas länger
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