

Das Thema Raumakustik-Optimierung hat im HiFi lange Zeit ein Schattendasein gefristet. Dabei ist es unendlich wichtig, wenn das Ziel der bestmögliche Klang aus Lautsprechern ist. REWIND möchte (mal wieder) für das Thema sensibilisieren.
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Natürlich ist die Überschrift äußerst provokativ. So funktioniert
Clickbaiting. Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat es offenbar funktioniert, auch wenn ich im Teaser ja schon verraten habe, worum es wirklich geht. Aber bitte nicht gleich wieder weg klicken, denn wer sich ernsthaft dafür interessiert, seiner HiFi-Anlage neues Leben einzuhauchen, sollte sich das Folgende zu Herzen nehmen.
Wir alle hier in der einzigartigen MTN-Community sind irgendwie Gearheads. Wir lieben Macs, iPhones, iPads, Smartwatches, aber viele unter uns auch „traditionellere“ Hardware, wie Komponenten und Lautsprecher zur Musikwiedergabe. HiFi-Magazine in aller Welt und auch REWIND berichten stetig über die neueste und tollste Technikspielzeug ever, wie uns die Hersteller weismachen wollen. Tatsächlich hat sich über die Jahre im HiFi technisch sehr viel getan, auch wenn man es nicht immer gleich sieht. Zwar gibt es auch alte Lautsprecher, deren Konzept noch heute gut aufgeht, aber dank stark verbesserter Material- und Fertigungstechnik, optimierter Computerberechnung, einem größeren Wissen über die Fallstricke bei der Konstruktion und anderen Faktoren, hat sich das Klang-/Preis-Verhältnis von Lautsprechern heute deutlich verbessert.
Doch das alles nützt wenig, denn was immer nur am Rande ein Thema war und daher bei den Endverbrauchern kaum auf der To-Fix-Liste steht, ist die Akustik der Räume, in denen die HiFi-Systeme betrieben werden. Das hat sich in letzter Zeit etwas verbessert. HiFi-Tester und auch Hersteller weisen häufiger und offensiver auf diesen Themenkomplex hin. Auch ich habe das Thema schon mehr als einmal angesprochen (wie beispielsweise
hier), möchte es aber noch mal in Erinnerung rufen. Das ist nötig, denn die Raumakustik hat einen wesentlichen Anteil am Klangerlebnis daheim. Lautsprecher und Raumakustik gehen Hand-in-Hand, sind untrennbar miteinander verwoben und voneinander abhängig.
Sollten Sie der Meinung sein, dass Ihre Anlage mal wider ein Upgrade bräuchte, weil sie sich irgendwie mehr Bass-Power, feinere Auflösung und ein räumlicheres Erlebnis wünschen, geht das nicht einfach, indem sie die neuesten, am höchsten bewerteten Lautsprecher kaufen. Selbst wenn Sie zwei oder dreimal so viel dafür ausgeben, wie für die alten Boxen, führt das nicht automatisch zu einer echten Verbesserung. Im schlimmsten Fall kann es sogar schlechter als vorher klingen, wenn die neuen Speaker akustisch so gar nicht in den Raum passen wollen. – Oder wenn Sie absolut nicht dazu bereit sind, den Lautsprechern mehr Abstand von den Wänden zu gönnen, obwohl sie nur dann wirklich frei aufspielen können.
Noch heikler wird die Thematik, wenn wir über Themen wie Lossless- oder gar HiRes-Streaming reden. Die Klangunterschiede hierbei betragen nur einen winzigen Bruchteil dessen, was durch eine kleine Verschiebung der Lautsprecher passieren kann. Das bedeutet nicht, dass diese Themen komplett zu vernachlässigen wären. Sie kommen nur erst ganz zum Schluss in der Optimierungskette.
Wer meint, all diese Probleme könne man heute doch ganz einfach per DSP-gestützter Einmessung und Raumkorrektursoftware in den Griff bekommen, täuscht sich gewaltig. Das ist wie in der Medizin: Man kann Schmerzen lindern, aber besser ist stets, die Ursache zu finden, zu beseitigen, und die Medikamente überflüssig zu machen. DSP-Korrekturen doktern nur an den Symptomen. Sie können bei einfacheren Problemen helfen, sind aber auch nicht ohne Fallstricke. Besser das Übel an der Wurzel packen und herausreißen.
Kleiner Hinweis zwischendurch: Dies soll kein Seminar für Raumakustik werden. Die nachfolgend Erklärungen dienen nur zum Aufzeigen der Problematik.
