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REWIND erklärt: Darum klingen Deine Lautsprecher mies und meine gut

Und was man dagegen tun kann (sollte)

Die Frage ist, mit welchem Ernst und Aufwand man an die Sache herangeht. Die beste Methode ist, einen Profi zu engagieren und Scheuklappen bei Veränderungen der optischen Erscheinung des Raumes abzulegen, oder zumindest Kompromissbereit zu sein. Denn eins ist sicher: Resonanzen und Reflexionen bekommen Sie nicht damit in den Griff, indem sie einen Vorhang vor das Fenster hängen oder ein plüschiges Sofa in den Raum stellen. Solche Maßnahmen sind nicht zielgerichtet und bringen in der Regel so gut wie nichts.

Die Sache mit dem Profi und der Anschaffung wirksamer Roomtuning-Elemente, wie Diffusoren, Bass- Ecken- und Wandabsorber, ist, dass sie Geld kosten. Geld das sie aber erst mal investieren sollten, anstatt in neue Lautsprecher. Und alle in einem Haushalt müssen sich natürlich dabei mit den unvermeidbaren optischen Veränderungen im Raum einverstanden erklären. Wer der beleuchteten Glasvitrine neben dem Fernseher einen höheren Stellenwert einräumt, als diesen Platz zum Beispiel für eine Bassfalle zu nutzen, hat schlechte Karten. Denn es gilt: entweder, oder!


Genau das ist wohl das größte Dilemma bei dieser Thematik. Zwar können auch akustisch optimierte Räume mit den richtigen Tuning-Maßnahmen richtig schick aussehen, aber die Meisten bevorzugen dann doch lieber ein konventionelles Wohnzimmerdesign. in dem die Möbel und Schränke die optische Dominanz haben, auch wenn die akustisch ein Desaster sind. Auch tendieren viele Nutzer dazu, die Lautsprecher aus Platzgründen und weil sie den Raum optisch nicht so sehr dominieren sollen, an akustisch ungünstige Orte zu rücken.


Last but not least muss auch der Hörplatz bedacht werden. Beim klassischen Stereo gibt es nur einen relativ eng begrenzten Punkt im Raum, an dem sich eine wahrhaft „räumliche“ Klangbühne entfaltet, auf der man die Musiker akustisch zentimetergenau zwischen Boxen orten und verfolgen kann. Nämlich am berühmten Sweet Spot im Stereodreieck. Schon wenige Zentimeter daneben kippt das Klangbild komplett auf die eine oder andere Seite und die „Bühne“ verschwindet.

Vorsicht in diesem Zusammenhang auch mit den Versprechungen mancher Lautsprecherhersteller, einen „größeren Sweet Spot als andere“ zu bieten. Das geht zwar, aber jede Verbreiterung der Abstrahlung und auch sogenannte Rundumstrahler gehen stets mit einer verminderten Ortungs- und Abbildungspräzision einher, weil sie mehr Raumreflexionen in Kauf nehmen oder gar provozieren. Wer ein diffuses Klangbild eher mag, als eine präzise Bühnenabbildung, der könnte damit klar kommen. Aber das ist dem eigentlichen Ziel, eine virtuell exakte Klangbühne zu erzeugen, eher abträglich.

Im Klartext: Selbst wenn Sie die Boxen in einem sinnvollen Abstand zueinander und in der ihnen gebührenden Distanz von den Wänden aufstellen, nützt das nicht viel, wenn der Hörplatz auf dem Liegesofa seitlich an der Wand, oder vielleicht auch nahe an einer Rückwand ist. Nur an der Spitze des Stereodreiecks ist der Ort der klanglichen Glückseligkeit. (Aus dem Grund sind übrigens auch Messeerfahrungen fast immer mit Vorsicht zu bewerten, sofern man nicht den Sweet Spot erwischt.)

Vorsicht (Bass-) Falle: Es soll keine pauschale Unterstellung sein, aber mache Anbieter im Bereich Roomtuning tendieren dazu, es zu gut zu meinen und den Raum mit unnötig vielen Akustikelementen vollzustopfen. (Was natürlich auch mehr Geld in die Kasse spült.) Seriöse Anbieter werden auf Ihren ausdrücklichen Wunsch darauf achten, das Wohnzimmer nicht komplett in einen rein zweckoptimierten Hörraum zu verwandeln, sondern bei Bedarf nur die schlimmsten Probleme zu bekämpfen. Es muss nicht die allerletzte kleine Reflexion mit dicken Paneelen erstickt oder zerstreut werden. Ein gangbarer Kompromiss ist auch die Kombination aus DSP-Korrektur im Bass (was im Idealfall riesige Bassabsorber vermeiden kann) und Akustikmodulen für die Mitten und Höhen. Funktionen zur Raumeinmessung wirken sowieso überwiegend nur im Bass richtig gut. Mit zunehmender Frequenz wird die Korrektur immer rechenintensiver und ungenauer. Nur sehr wenige DSP-gestützte Korrektursysteme berücksichtigen zudem solche Probleme, wie Phasendrehungen und Richtungsermittlung. Letzteres ist mit den gewöhnlichen Mikrofonen gar nicht direkt erfassbar. Das erfordert Spezialmikrofone, wie etwa Trinnov sie einsetzt.


Plädoyer: Gönn Dir Roomtuning!
Ein akustisch professionell behandelter Raum ist nicht nur die Grundvoraussetzung für den seriösen Umgang mit dem Hobby HiFi. Es kann auch eine optische Aufwertung bedeuten. Vergessen Sie solche Spar-Tricks wie Eierkartons oder Noppenschaum an die Wand zu klatschen. Das bringt so gut wie nichts und ist zudem absolut nicht zielgerichtet. – Und sieht wirklich grausam aus.

Wer nicht selbst mindestens einen Intensivkurs in Sachen Raumakustik absolvieren will, sondern schnell gute Ergebnisse erwartet, kommt um eine professionelle Beratung und die Anschaffung speziell für den richtigen Zweck geschaffener Akustikmodule nicht herum. Es muss ja nicht gleich ein speziell konstruierter Hörraum mit kompletter Raumakustik-Behandlung sein, aber zumindest die dringendsten Akustikprobleme im eigenen Wohnzimmer sollten bekämpft werden. Die Investition lohnt sich. Schon die vorhandene Anlage wird danach um Welten besser klingen. Und auch zukünftige Anschaffungen im Bereich HiFi-Komponenten oder Lautsprecher profitieren davon.

Und an wen wendet man sich dafür?
Hier eine kleine Liste mit Herstellern von Akustikelementen und Dienstleistern für Raumakustik im Heimbereich:

GIK Acoustics
Auer Acoustics
Vicoustic
MW Acoustics
R.T.F.S.

Kommentare

Starfish14.02.26 09:44
Ich denke das dieser Bericht viele Hi-Fi Enthusiasten hier ansprechen wird, aber eben praktisch leider nicht , denn gedanklich hat jeder eine Frauen/Männerhöhle im Hinterkopf! Praktisch scheitert das erstens an den notwendigen Räumlichkeiten, zweiten am Ehepartner und eventuell Kinder!
Selbst der akustisch durchgestylte Raum ist naja nicht unbedingt wohnlich oder mit der Kabelführung „praktikabel“ ( Wortspiel).
Ich denke das Problem Boxen kennt so ziemlich jeder, als ich mein 5.1 System ohne wissen meiner Frau installiert habe - war erst mal eine Woche lang in Demut leben angesagt !
Aber ansonsten ein wie immer durchweg lesenswerter und toller Beitrag, also falls eine Scheidung bei mir ansteht, weis ich schon mal was ich mit den neuen Möglichkeiten anstelle !

Mit freundlichen Grüßen und
Schönes Wochenende
Der Macintosh ist katholisch: das Wesen der Offenbarung wird in einfachen Formeln und prachtvollen Ikonen abgehandelt. Jeder hat das Recht auf Erlösung.
+8
Pjotr14.02.26 09:48
Das war überfällig und ein wirklich gutes Rewind. Vielleicht sollte man noch darauf hinweisen, dass man mit etwas handwerklichem Geschick eine Menge Geld sparen kann und man im Tieftonbereich meist an einer DSP-Lösung nicht vorbei kommt.
+2
hal5314.02.26 09:55
Das war mal ein richtig guter Beitrag zur Raumakustik ohne esoterische Inhalte. Der Hinweis von Starfish bezüglich der Woche in Demut hat mich zum Schmunzeln gebracht. Ich glaube, dass wir alle dann und wann ähnliche Erfahrungen durchleben mussten.
+4
sffan14.02.26 11:12
Kann man nicht oft genug wiederholen. Erstaunt mich immer wieder wie sehr das Thema vernachlässigt wird. Statt bei hochgerüsteten Anlagen auch mal die Akustik abzuklopfen, wird über sündhaft teure Kabel gegrübelt.
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Roony14.02.26 11:31
Also meine beste Geldausgabe in Sachen Akustik -Tuning war – ganz im Gegensatz zu dem was im Text steht – die Anschaffung von Vorhängen hinter meinem Schreibtisch. Kann zwar jetzt nicht mehr sehen, ob es draußen wieder geschneit hat, aber es klingt um Welten besser aus meinen Genelecs
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dsp8024
dsp802414.02.26 11:38
Sorry, aber ich finde den Artikel nicht gut ausgearbeitet

Dass er auf einem Apple-Blog erscheint, kann man noch als „breites Publikum“ durchgehen lassen. Auch eine bewusst allgemein gehaltene Einführung für Einsteiger ist völlig legitim. Das Problem ist nur: Er wirkt stellenweise nicht nur vereinfacht, sondern unscharf und fachlich wacklig – und genau das kippt dann von „niedrigschwellig“ in irreführend.

Was mich konkret stört:
• Absorption wird fast als Königsweg verkauft – nach dem Motto „viel hilft viel“: alles abhängen, vollkleben, teuer, optisch fragwürdig. Das triggert bei vielen eher Abwehr als Motivation. Schade, weil man Einsteiger damit unnötig verschreckt.
• Absorber als Gamechanger, Diffusion quasi nicht existent. Dabei ist genau die Balance (und der Einsatz je nach Raum) oft der Punkt, an dem es von „geht so“ zu „wow“ wird.
• Gear-Fetisch statt Praxis: Es klingt so, als würden teure Spezialprodukte und „Alien-Mikrofone“ das Problem lösen. In der Realität arbeiten selbst viele Studios erstaunlich bodenständig – und Systeme à la Trinnov sind eher Sonderfall als Standardlösung.
• Kostenlose / konsumfreie Hebel werden viel zu wenig und zu flach behandelt: Aufstellung, Wandabstände, Symmetrie, Stereodreieck, Hörposition, Erstreflexionen (Spiegelmethode), Bass-Hotspots – das sind die Stellschrauben, die man ohne Budget sofort testen kann.
• Alltagsmittel fehlen als legitimer Einstieg: Sofa, Vorhänge, Teppiche, Regale/Bücher, Bilder (auch modern und wohnlich) – das sind oft die ersten realistischen Schritte, bevor man überhaupt über „Akustikprodukte“ nachdenkt.

Kurz: Wenn man Einsteiger adressiert, sollte man präzise vereinfachen – nicht ungenau verallgemeinern. Sonst nimmt man Leute entweder auf eine teure, hässliche Holzhammer-Route mit oder man erzeugt den Eindruck: „Akustik ist Hexerei und kostet fünfstellig.“ Beides ist unnötig – und verschenkt Potenzial.
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