REWIND erklärt: Darum klingen Deine Lautsprecher mies und meine gut

Und was man dagegen tun kann (sollte)

Die Frage ist, mit welchem Ernst und Aufwand man an die Sache herangeht. Die beste Methode ist, einen Profi zu engagieren und Scheuklappen bei Veränderungen der optischen Erscheinung des Raumes abzulegen, oder zumindest Kompromissbereit zu sein. Denn eins ist sicher: Resonanzen und Reflexionen bekommen Sie nicht damit in den Griff, indem sie einen Vorhang vor das Fenster hängen oder ein plüschiges Sofa in den Raum stellen. Solche Maßnahmen sind nicht zielgerichtet und bringen in der Regel so gut wie nichts.

Die Sache mit dem Profi und der Anschaffung wirksamer Roomtuning-Elemente, wie Diffusoren, Bass- Ecken- und Wandabsorber, ist, dass sie Geld kosten. Geld das sie aber erst mal investieren sollten, anstatt in neue Lautsprecher. Und alle in einem Haushalt müssen sich natürlich dabei mit den unvermeidbaren optischen Veränderungen im Raum einverstanden erklären. Wer der beleuchteten Glasvitrine neben dem Fernseher einen höheren Stellenwert einräumt, als diesen Platz zum Beispiel für eine Bassfalle zu nutzen, hat schlechte Karten. Denn es gilt: entweder, oder!


Genau das ist wohl das größte Dilemma bei dieser Thematik. Zwar können auch akustisch optimierte Räume mit den richtigen Tuning-Maßnahmen richtig schick aussehen, aber die Meisten bevorzugen dann doch lieber ein konventionelles Wohnzimmerdesign. in dem die Möbel und Schränke die optische Dominanz haben, auch wenn die akustisch ein Desaster sind. Auch tendieren viele Nutzer dazu, die Lautsprecher aus Platzgründen und weil sie den Raum optisch nicht so sehr dominieren sollen, an akustisch ungünstige Orte zu rücken.


Last but not least muss auch der Hörplatz bedacht werden. Beim klassischen Stereo gibt es nur einen relativ eng begrenzten Punkt im Raum, an dem sich eine wahrhaft „räumliche“ Klangbühne entfaltet, auf der man die Musiker akustisch zentimetergenau zwischen Boxen orten und verfolgen kann. Nämlich am berühmten Sweet Spot im Stereodreieck. Schon wenige Zentimeter daneben kippt das Klangbild komplett auf die eine oder andere Seite und die „Bühne“ verschwindet.

Vorsicht in diesem Zusammenhang auch mit den Versprechungen mancher Lautsprecherhersteller, einen „größeren Sweet Spot als andere“ zu bieten. Das geht zwar, aber jede Verbreiterung der Abstrahlung und auch sogenannte Rundumstrahler gehen stets mit einer verminderten Ortungs- und Abbildungspräzision einher, weil sie mehr Raumreflexionen in Kauf nehmen oder gar provozieren. Wer ein diffuses Klangbild eher mag, als eine präzise Bühnenabbildung, der könnte damit klar kommen. Aber das ist dem eigentlichen Ziel, eine virtuell exakte Klangbühne zu erzeugen, eher abträglich.

Im Klartext: Selbst wenn Sie die Boxen in einem sinnvollen Abstand zueinander und in der ihnen gebührenden Distanz von den Wänden aufstellen, nützt das nicht viel, wenn der Hörplatz auf dem Liegesofa seitlich an der Wand, oder vielleicht auch nahe an einer Rückwand ist. Nur an der Spitze des Stereodreiecks ist der Ort der klanglichen Glückseligkeit. (Aus dem Grund sind übrigens auch Messeerfahrungen fast immer mit Vorsicht zu bewerten, sofern man nicht den Sweet Spot erwischt.)

Vorsicht (Bass-) Falle: Es soll keine pauschale Unterstellung sein, aber mache Anbieter im Bereich Roomtuning tendieren dazu, es zu gut zu meinen und den Raum mit unnötig vielen Akustikelementen vollzustopfen. (Was natürlich auch mehr Geld in die Kasse spült.) Seriöse Anbieter werden auf Ihren ausdrücklichen Wunsch darauf achten, das Wohnzimmer nicht komplett in einen rein zweckoptimierten Hörraum zu verwandeln, sondern bei Bedarf nur die schlimmsten Probleme zu bekämpfen. Es muss nicht die allerletzte kleine Reflexion mit dicken Paneelen erstickt oder zerstreut werden. Ein gangbarer Kompromiss ist auch die Kombination aus DSP-Korrektur im Bass (was im Idealfall riesige Bassabsorber vermeiden kann) und Akustikmodulen für die Mitten und Höhen. Funktionen zur Raumeinmessung wirken sowieso überwiegend nur im Bass richtig gut. Mit zunehmender Frequenz wird die Korrektur immer rechenintensiver und ungenauer. Nur sehr wenige DSP-gestützte Korrektursysteme berücksichtigen zudem solche Probleme, wie Phasendrehungen und Richtungsermittlung. Letzteres ist mit den gewöhnlichen Mikrofonen gar nicht direkt erfassbar. Das erfordert Spezialmikrofone, wie etwa Trinnov sie einsetzt.


Plädoyer: Gönn Dir Roomtuning!
Ein akustisch professionell behandelter Raum ist nicht nur die Grundvoraussetzung für den seriösen Umgang mit dem Hobby HiFi. Es kann auch eine optische Aufwertung bedeuten. Vergessen Sie solche Spar-Tricks wie Eierkartons oder Noppenschaum an die Wand zu klatschen. Das bringt so gut wie nichts und ist zudem absolut nicht zielgerichtet. – Und sieht wirklich grausam aus.

Wer nicht selbst mindestens einen Intensivkurs in Sachen Raumakustik absolvieren will, sondern schnell gute Ergebnisse erwartet, kommt um eine professionelle Beratung und die Anschaffung speziell für den richtigen Zweck geschaffener Akustikmodule nicht herum. Es muss ja nicht gleich ein speziell konstruierter Hörraum mit kompletter Raumakustik-Behandlung sein, aber zumindest die dringendsten Akustikprobleme im eigenen Wohnzimmer sollten bekämpft werden. Die Investition lohnt sich. Schon die vorhandene Anlage wird danach um Welten besser klingen. Und auch zukünftige Anschaffungen im Bereich HiFi-Komponenten oder Lautsprecher profitieren davon.

Und an wen wendet man sich dafür?
Hier eine kleine Liste mit Herstellern von Akustikelementen und Dienstleistern für Raumakustik im Heimbereich:

GIK Acoustics
Auer Acoustics
Vicoustic
MW Acoustics
R.T.F.S.

Kommentare

Starfish14.02.26 09:44
Ich denke das dieser Bericht viele Hi-Fi Enthusiasten hier ansprechen wird, aber eben praktisch leider nicht , denn gedanklich hat jeder eine Frauen/Männerhöhle im Hinterkopf! Praktisch scheitert das erstens an den notwendigen Räumlichkeiten, zweiten am Ehepartner und eventuell Kinder!
Selbst der akustisch durchgestylte Raum ist naja nicht unbedingt wohnlich oder mit der Kabelführung „praktikabel“ ( Wortspiel).
Ich denke das Problem Boxen kennt so ziemlich jeder, als ich mein 5.1 System ohne wissen meiner Frau installiert habe - war erst mal eine Woche lang in Demut leben angesagt !
Aber ansonsten ein wie immer durchweg lesenswerter und toller Beitrag, also falls eine Scheidung bei mir ansteht, weis ich schon mal was ich mit den neuen Möglichkeiten anstelle !

Mit freundlichen Grüßen und
Schönes Wochenende
Der Macintosh ist katholisch: das Wesen der Offenbarung wird in einfachen Formeln und prachtvollen Ikonen abgehandelt. Jeder hat das Recht auf Erlösung.
+18
Pjotr14.02.26 09:48
Das war überfällig und ein wirklich gutes Rewind. Vielleicht sollte man noch darauf hinweisen, dass man mit etwas handwerklichem Geschick eine Menge Geld sparen kann und man im Tieftonbereich meist an einer DSP-Lösung nicht vorbei kommt.
+4
hal5314.02.26 09:55
Das war mal ein richtig guter Beitrag zur Raumakustik ohne esoterische Inhalte. Der Hinweis von Starfish bezüglich der Woche in Demut hat mich zum Schmunzeln gebracht. Ich glaube, dass wir alle dann und wann ähnliche Erfahrungen durchleben mussten.
+6
sffan14.02.26 11:12
Kann man nicht oft genug wiederholen. Erstaunt mich immer wieder wie sehr das Thema vernachlässigt wird. Statt bei hochgerüsteten Anlagen auch mal die Akustik abzuklopfen, wird über sündhaft teure Kabel gegrübelt.
+3
Roony14.02.26 11:31
Also meine beste Geldausgabe in Sachen Akustik -Tuning war – ganz im Gegensatz zu dem was im Text steht – die Anschaffung von Vorhängen hinter meinem Schreibtisch. Kann zwar jetzt nicht mehr sehen, ob es draußen wieder geschneit hat, aber es klingt um Welten besser aus meinen Genelecs
+2
dsp8024
dsp802414.02.26 11:38
Sorry, aber ich finde den Artikel nicht gut ausgearbeitet

Dass er auf einem Apple-Blog erscheint, kann man noch als „breites Publikum“ durchgehen lassen. Auch eine bewusst allgemein gehaltene Einführung für Einsteiger ist völlig legitim. Das Problem ist nur: Er wirkt stellenweise nicht nur vereinfacht, sondern unscharf und fachlich wacklig – und genau das kippt dann von „niedrigschwellig“ in irreführend.

Was mich konkret stört:
• Absorption wird fast als Königsweg verkauft – nach dem Motto „viel hilft viel“: alles abhängen, vollkleben, teuer, optisch fragwürdig. Das triggert bei vielen eher Abwehr als Motivation. Schade, weil man Einsteiger damit unnötig verschreckt.
• Absorber als Gamechanger, Diffusion quasi nicht existent. Dabei ist genau die Balance (und der Einsatz je nach Raum) oft der Punkt, an dem es von „geht so“ zu „wow“ wird.
• Gear-Fetisch statt Praxis: Es klingt so, als würden teure Spezialprodukte und „Alien-Mikrofone“ das Problem lösen. In der Realität arbeiten selbst viele Studios erstaunlich bodenständig – und Systeme à la Trinnov sind eher Sonderfall als Standardlösung.
• Kostenlose / konsumfreie Hebel werden viel zu wenig und zu flach behandelt: Aufstellung, Wandabstände, Symmetrie, Stereodreieck, Hörposition, Erstreflexionen (Spiegelmethode), Bass-Hotspots – das sind die Stellschrauben, die man ohne Budget sofort testen kann.
• Alltagsmittel fehlen als legitimer Einstieg: Sofa, Vorhänge, Teppiche, Regale/Bücher, Bilder (auch modern und wohnlich) – das sind oft die ersten realistischen Schritte, bevor man überhaupt über „Akustikprodukte“ nachdenkt.

Kurz: Wenn man Einsteiger adressiert, sollte man präzise vereinfachen – nicht ungenau verallgemeinern. Sonst nimmt man Leute entweder auf eine teure, hässliche Holzhammer-Route mit oder man erzeugt den Eindruck: „Akustik ist Hexerei und kostet fünfstellig.“ Beides ist unnötig – und verschenkt Potenzial.
+14
Nebula14.02.26 12:22
Auf den ersten Blick dachte ich, das Aufmacherbild wäre aus Doom.
+1
Michael Lang14.02.26 12:23
dsp8024:
Der Artikel ist erstmal recht allgemein gehalten. Er soll kein Seminar Raumakustik darstellen.

Sehr gut finde ich zum Schluss die verlinkten Adressen.
Da findet man explizite Lösungen und dort wird sehr wohl Adsorption als auch Diffusion aufgezeigt. Auch mit optisch interessanten Varianten.

Klar kostet das Geld, aber bevor man sich zig-tausend € teure Lautsprecher in ein akustisch stark ungünstiges Umfeld stellt, sollte man das Geld besser zuerst in die Verbesserung der RA investieren. Zumindest überlegenswert….
Man findet Anlaufstellen und wahrscheinlich ist eine fachliche Beratung in den eigenen 4 Wänden mit Messungen mehr als nur sinnvoll. Einfach nur ein paar Elemente nach Geschmack zu kaufen ist vor allem bei dem Invest meist suboptimal.
Das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente am richtigen Platz macht den Erfolg aus.

Diese Sache adressiert vor allem HiFi Fans mit (sehr) hohem Anspruch.

Mein Raum ist mit der gewählten Aufstellung gar nicht so schlecht (gemessen) mit wenigen nicht sehr ausgeprägten Raummoden am Hörplatz. Da hat die Einmessung und Korrektur mit Dirac Life schon einen ordentlichen Sprung gemacht. Bin damit sehr zufrieden.
- Das größte Maul und das kleinste Hirn,wohnen meist unter derselben Stirn. - Hermann Oscar Arno Alfred Holz, (1863 - 1929), deutscher Schriftsteller
+4
sonorman
sonorman14.02.26 12:51
dsp8024

Sorry, aber vielleicht hast Du den Artikel nich aufmerksam genug gelesen. Absorption wird keineswegs als Königsweg verkauft und Diffusion wird keineswegs ausgespart. Die Hinweise auf die Nachhallzeit das damit verbunden natürlich eine gewisse Ausgewogenheit einher geht, fehlt nicht im Text.

Alltagsgegenstände werden ebenfalls erwähnt, und zwar mit dem klaren Hinweis, dass damit nicht viel zu holen ist. Vor allem nicht auf gezielte Weise. Stell Dir Dein Zimmer mit Plüsch-Sofas voll, dann dämpfst Du den Raum vielleicht tot, aber Raummoden kriegst Du damit nicht im Mindesten bekämpft. u.s.w.
+4
Lang2114.02.26 13:40
Das funktioniert alles gut in rechteckigen Räumen. In offenen Wohnungen wird es viel komplexer. Ich habe einen Wohnraum, dem es fast keine parallele Wände gibt, was schon mal hilft, aber auf einer Seite nur Glas. Dazu kommt noch eine lichte Raumhöhe von über 4m. Gott sei Dank ist die Decke aus Holzlamellen und schräg abgehängt. Zumindest klingt es sehr anständig, aber außer am de Wand hinter den Lautsprechern und auf der rechten Seite, sehe ich keine Optionen für eine akustische Optimierung.

In meiner Arbeitsecke ist es ähnliche.Eine Seite verglast, an der anderen Backstein und zudem nicht streng rechteckig. Eigentlich eine ungeeignete Räumlichkeit, aber im Nahfeld mit eingesessenen Lautsprechern und Sub, geht es halbwegs.
0
MLOS14.02.26 13:40
Mal eine Frage: Klingt ein Lautsprecher denn im Freien auf einem großen Feld oder so, wo nichts drumherum ist, was großartige Reflexionen oder Resonanzen erzeugen kann repräsentativ? Sprich sollte er dann auch so in einem gut optimierten Raum klingen?
Ich habe das mal testweise mit einem Sonos Move 2 ausprobiert und fand es erstaunlich, wie bassarm er draußen doch war, ohne jegliche Begrenzungsflächen in der Nähe, ist ja klar, wenn nichts mehr für Bassbetonung sorgen kann. Vom Sound her gefiel mir das gar nicht, da fehlte mir dann doch irgendwie der Punch. Wäre das nach einer Raumoptimierung auch so bzw. ist das explizit so gewünscht? Mir ist natürlich klar, dass ein Move 2 nicht vergleichbar mit einem guten Mehrwege-System vergleichbar ist, wo ja viel mehr Membranfläche vorhanden wäre.
Was ich auch interessant fände, vielleicht hat dda ja jemand Einblicke: Wie werden Frequenzbereiche von Lautsprechern denn gemessen? Wirklich in nahezu schalltoten Räumen? Im Beispiel Sonos Move 2 ist draußen ohne Begrenzungsflächen unter 70/80 Hz nicht mehr viel zu hören (sofern das mit einem Raum, der so resonanz- und reflexionsarm wie möglich gemacht wurde überhaupt vergleichbar ist). Da werden ja bei der Bewerbung ganz andere Bassbereiche angegeben (die ich allerdings nur in bisher nicht optimierten Räumen wirklich hören kann).
0
TorstenW14.02.26 16:51
MLOS
Klingt ein Lautsprecher denn im Freien auf einem großen Feld oder so, wo nichts drumherum ist, was großartige Reflexionen oder Resonanzen erzeugen kann repräsentativ? Sprich sollte er dann auch so in einem gut optimierten Raum klingen?
Nein, natürlich nicht.
Die Konstrukteure gehen bei ihren Berechnungen natürlich davon aus, dass der Lautsprecher hinterher in einem Raum steht und nicht auf freiem Feld.
Das ist ja auch eine sehr ungewohnte Hörsituation für uns, wenn wir Musik nicht in einem Raum hören.
Zum Beispiel open air Konzerte sind für Tontechniker noch einmal eine ganz andere Geschichte als Indoor. Du wirst open air (wie du ja schon festgestellt hast) etwa viel potentere Bass-Speaker finden, weil sich die Energie eben ins Nirgendwo verabschiedet und auf einmal viel mehr Direktschall eine Rolle spielt, der im Bassbereich auch erst einmal erzeugt werden möchte.
MLOS
Wie werden Frequenzbereiche von Lautsprechern denn gemessen? Wirklich in nahezu schalltoten Räumen?
Im Optimalfall ja. Generell sind Messungen immer am besten je mehr Störfaktoren ausgeschlossen sind. Allerdings ist so ein wirklich schalltoter Raum natürlich auch unglaublich teuer, so dass nicht jeder kleine Hersteller sich so einen Raum leistet. Möglicherweise wird dann mal zu Testzwecken so ein Raum angemietet, ansonsten können viele Messungen aber auch an einer Schallwand mit geringem Abstand gemacht werden.
Ansonsten hat jeder Hersteller mit Sicherheit einen Testraum der genau ausgemessen ist und wo alle Stärken und Schwächen bekannt sind.

Man muss sich ja klar machen, dass es eh keinen perfekten Raum gibt. Dazu kommt, dass jeder Mensch anders hört und dass nicht einmal die Ohren beide gleich sein müssen.
Ich weiß z.B. durch Testmessung beim Ohrenarzt, dass mein rechtes Ohr bei höheren Frequenzen im Vergleich zum linken Ohr schwächelt. Das merke ich auch im Tonstudio, wenn ich wirklich absolut im Stereodreieck sitze, dass meine Bühne einen kleinen Tick nach links verschoben ist.
Aber ich bin halt auch jemand, der primär den realen Einsatz sieht: Der Fall, wo ich mehrere Stunden reglos auf dem Sofa in optimaler Höhe und Position zu den Lautsprechern sitze... kommt einfach nicht vor. Ich bewege mich ja ständig ein bisschen, oder lese nebenher noch ein Buch oder liege sogar auf der Couch.
Durch meine Arbeit und Hobbies, bin ich auch täglich vielen Geräuschen ausgesetzt, so dass ich z.B. einen starken Unterschied wahrnehme, ob ich nun am Wochenende frühmorgens Musik höre oder nach einem langen Arbeitstag, weil dann die Ohren einfach schon "müde" sind.

Insofern ist das eh alles ein Kompromiss. Und eine Frage des Wohlstandes.
Wenn ich natürlich die finanziellen Möglichkeiten habe mir so einen Hörraum einzurichten. Großartig. Für mich persönlich ergibt das aber unter 50-70.000€ insgesamt (also Lautsprecher, Klangkette, akustische Maßnahmen, Messungen) kaum einen Sinn. aber wenn man das Maximum rausholen will ist das natürlich toll.

Ansonsten schließe ich mich dsp8024 an:
Man kann auch ohne großes Budget relativ einfach die kritischsten Probleme angehen.
Einfach ein paar Gedanken machen, Lautsprecher nicht an die Wand oder ein Schränke stellen (wenn sie nicht dafür entwickelt wurden), die Position zum Sofa so wählen, dass Symmetrie hergestellt wird. Und selbst so simple Dinge, wie ein Teppich vor dem Sofa, um Reflexionen vom Fußboden zu bremsen sind Maßnahmen, die schon richtig viel bringen.
In den meisten Fällen geht es mMn eher darum wirklich große Problemzonen zu vermeiden, als akustisch bis ins Letzte zu optimieren. dafür fehlen bei quasi allen menschen, die ich kenne die richtigen Lebensumstände, weil in den Räumen halt auch gewohnt wird. Ein Kompromiss eben.
+6
MLOS14.02.26 17:13
TorstenW

Vielen Dank für die detailreiche Antwort. Ich hatte irgendwie, nachdem ich mir aus Interesse einige Vorträge auf YouTube zu dem Thema angehört hatte, irgendwie den Eindruck bekommen, dass gerade der Direktschall das ist, was man letztlich möchte. Daher auch der Vergleich mit dem freien Feld.
Dass solche Systeme wie Sonos natürlich so konsturiert wurden, dass sie in einem Raum besonders gut klingen, ist mir klar. Aber gerade bei besonders hochwertigen Lautsprechern dachte ich tatsächlich, so viel Direktschall wie möglich wäre gewünscht.
0
pogo3
pogo314.02.26 17:14
Ich frage mich ob man in derart hässlichen Räumen verweilen sollte. Egal aus welchem Anlass, und sowieso nicht zum Musik hören. Die gezeigten Räume sind derart hässlich, da möchte ich nicht mal zum sterben drin sitzen müssen, geschweige zum Musik hören. Das würde ich meiner Seele nicht antun wollen, und der Musik auch nicht.
Ich schmeiss alles hin und werd Prinzessin.
+10
sonorman
sonorman14.02.26 17:30
Pogo3
Es gibt Akustikelemente in zahllosen unterschiedliche Designs. Von Barock bis Modern. Nur weil die gezeigten Beispiele Deinen Geschmack nicht treffen, heißt das nicht, dass es nicht auch Lösungen für Dich gibt.

Davon abgesehen: wer Raumästhetik grundsätzlich über Raumakustik stellt und nicht bereit ist, beides miteinander zu verbinden, ist vermutlich auch nicht die Zielgruppe für konsequentes HiFi.
+2
TorstenW14.02.26 17:45
MLOS
Aber gerade bei besonders hochwertigen Lautsprechern dachte ich tatsächlich, so viel Direktschall wie möglich wäre gewünscht.
Beide Punkte sind mehr oder minder falsch:
Zum einen haben die benutzten Lautsprecher kaum einen Einfluss darauf ob du nun viel Direktschall oder viele Reflexionen hast. Hier ist der Raum das bestimmende Element. So ein Speaker verbreitet den Schall mehr oder minder wie ein Konus. d.h. auch nach links und rechts. (Es gibt Tricks, wie d'Appolito, oder die 4x12er Boxen von E-Gitarren, um darauf Einfluss zu nehmen, aber gehen wir einfach davon aus, dass die allermeisten Lautsprecher quasi nach vorne in alle Richtungen (seitlich, oben, unten) abstrahlen.
Ob der Lautsprecher nun 100€ kostet oder 5000€ ist der Physik egal. Der Ton mit 2000Hz Schwingung, der von deinem Marmorfußboden reflektiert wird, wird reflektiert, ganz egal, welcher Lautsprecher ihn erzeugt hat.
Die einzige Möglichkeit solche Reflexionen zu umgehen, ist ein Kopfhörer. Da hast du dann eben nur den Direktschall. manche Menschen mögen das sehr, andere (wie ich) überhaupt nicht.

Die Frage ob man viel Direktschall wünscht oder gerne auch ein paar Reflektionen dabei hat, ist mehr eine Frage des eigenen Musikgeschmacks und der Hörerfahrung.
Jemand der viel mit Kopfhörern hört, wird vielleicht Musik in einen Raum mit vielen Reflexionen als ungewohnt und verwaschen wahrnehmen.
Für die meisten Menschen ist es aber eher natürlich Musik in einem Raum zu hören, weil wir halt in Räumen leben und es gewohnt sind, dass unsere Umgebung eben auch Reflektionen etc hat. Wie viele... ist dann Geschmacksache und auch von der Musik abhängig.
Sonorman hat netterweise im Artikel einen schönen Link zu RT60 verlinkt, der sich lohnt zu lesen. Da sind gute Beispiele für verschiedene Räumen und deren Nachhallzeit:
Konzersäle haben oft eine längere Nachhallzeit von bis zu 10s (ich glaub 4,6s war mal eine Zahl, die mir im Gedächtnis geblieben ist, bei vielen modernen Konzertsälen), weil eben Orchesterinstrumente durchaus davon profitieren, wenn alles ein wenig ineinander klingt und sich mischt.
Klassen-/Seminarräume sind oft sehr "trocken" (also kurze Nachhallzeit), weil es dort primär darum geht das gesprochene Wort zu verstehen. Niemand würde eine Klasse in einer Kirche unterrichten, das wäre super anstrengend.
Auch Tonstudios sind häufig sehr trocken angelegt und wenn man den Raum betritt wirkt erstmal alles dumpf. Hier geht es eben darum möglichst genau zu hören was passiert, die Frequenzen gut isolieren zu können. Aber es macht dort eher wenig Spaß Musik zu hören, wenn man nicht wirklich analytisch hören möchte.

Du merkst also: Es ist eher eine Frage dessen was man erreichen möchte und womit man sich persönlich wohl fühlt.
Das ist auch mein Knackpunkt, wieso ich bei vielen HiFi-Diskussionen nicht mitreden möchte: Das was der eine als warm und angenehm empfindet, kann der nächste als dumpf wahrnehmen. Und beide haben recht, nur einfach andere Ohren (biologisch) und andere Hörerfahrung (im Gehirn verankert) und Vorlieben.
Deswegen ergeben viele Diskussionen einfach gar keinen Sinn. Von zig psychischen Effekten noch mal ganz abgesehen. Und es gibt halt auch super viel Esoterik zwischen den ganzen wirklichen Erkenntnissen und viel Halsabschneiderei und Dinge, die keinerlei Sinn ergeben.
+10
Black Coffee14.02.26 17:45
Danke für den Artikel!

Beschäftigung mit der Raumakustik ist schon Grundvoraussetzung für guten Klang, lange vor Fragen nach Equipment.
Near- (oder Midfield) kann auch schon einiges lösen.
Bei den Yamaha-Räumen kommt mir als erstes in den Sinn, warum ist das Sofa direkt an die Wand “geklatscht“?!
0
TorstenW14.02.26 17:49
Black Coffee
Bei den Yamaha-Räumen kommt mir als erstes in den Sinn, warum ist das Sofa direkt an die Wand “geklatscht“?!
Ist es nicht? Das steht mindesten 40cm von der Wand weg.
0
TorstenW14.02.26 17:52
Fragwürdiger ist eher die Aussage, dass auf dem ersten (optimalen) Bild der Hörplatz im Stereodreieck steht. Das würde ich so nicht unterschreiben wollen..
Aber das sind Kleinigkeiten.
0
Black Coffee14.02.26 17:59
ThorstenW
Ist es nicht? Das steht mindesten 40cm von der Wand weg.

einigen wir uns auf 30cm?
Aber Du hast recht, ich hatte die Bilder nur als thumb im Artikel angeschaut und nicht in Originalgrösse.
0
Absalom14.02.26 19:45
Danke für den Artikel

Kurze Frage.
Ich hatte den Gedanken meinen Kinoraum aufzurüsten und an die Wände diverse Absorber zu hängen. Schauen aber doof aus.

Jetzt war mein Gedanke Fotoleinwände mit eigenen Bildern zu bedrucken und diese dann mit Steinwolle auszufüllen.
Hat jemand einen Anbieter, der Fotoleinwände bedrückt die mehr Tiefe haben?
+1
sonorman
sonorman14.02.26 20:09
Absalom

Das kannst Du machen, aber der Erfolg ist da eher Glückssache.

Die Leinwand muss akustisch transparent sein. Dazu kommt: jedes (Dämm-) Material hat unterschiedliche akustische Eigenschaften und jeder Raum Probleme in unterschiedlichen Frequenzbereichen. Im Idealfall fragt man einen Experten, der erstmal messtechnisch ermittelt, wo die Problemzonen sind (auch Anwendungsbezogen, wie für Heimkino) und empfiehlt passende Absorber/Diffusoren.

Falls Dir das zu viel Aufwand ist oder Du die Kosten scheust, google mal nach Akustikbildern oder Absorbern mit eigenem Bildmotiv. Das Netz ist voll mit Angeboten. Problem dabei ist, dass ich Dir nicht sagen kann, wer von den vielen Anbieter gute und wer weniger gute Lösungen hat. Teuer muss das jedenfalls nicht sein. Und soviel kann ich Dir auch sagen: Im Bassbereich wirst Du damit nicht viel retten.
0
pogo3
pogo314.02.26 21:22
sonorman

Meine Liebe zur akustischen Raumgestaltung endet in den Räumen meiner Liebsten. Gute Musik läuft da wo gut gelebt und geliebt wird. Und so oder so: derart hässliche Wandverkleidungen würde die sofort durch edelste gemalte Leinwand ersetzen. Absorber, Diffusoren u. Akustikbilder der allerbesten Art: Klimt, Dali, Monet, Casagrande etc.
Ich schmeiss alles hin und werd Prinzessin.
+2
Nebula16.02.26 07:49
pogo3
…, Casagrande etc.

Gemalte Leinwand? Du meinst wohl, du hängst da einen Bildschirm an die Wand, auf dem Casagrande in Dauerschleife zu sehen ist, oder?

0
pogo3
pogo316.02.26 23:57
Gemalte Leinwand? Du meinst wohl, du hängst da einen Bildschirm an die Wand, auf dem Casagrande in Dauerschleife zu sehen ist, oder?
Natürlich nicht. Peter Casagrande, Meister des großen Formates:
Ich schmeiss alles hin und werd Prinzessin.
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Nebula17.02.26 08:23
Der kann gerne vorbeikommen und mir noch großformatiger die Wände streichen. Danach bewundern wir dann gemeinsam Eloys Stamina. 😉
0
Portugeno18.02.26 08:30
Made my day
Nebula
pogo3
…, Casagrande etc.

Gemalte Leinwand? Du meinst wohl, du hängst da einen Bildschirm an die Wand, auf dem Casagrande in Dauerschleife zu sehen ist, oder?

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System 6.0.1
System 6.0.101.03.26 22:31
Meine Lautsprecher klingen gar nicht mies, und ob Deine gut klingen wage ich zu bezweifeln.

„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
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