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Messebericht: Norddeutsche HiFi-Tage 2026 in Hamburg – Eiseskälte und heiße Klänge

Auf der ersten großen HiFi-Messe des Jahres, den Norddeutschen HiFi-Tagen in Hamburg, gab es wieder viel zu entdecken. Der Besuch erforderte allerdings aufgrund eisiger Temperaturen und einer haarigen Parkplatzsituation einiges an Überwindung. Doch es lohnte sich.

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Im letzten Jahr konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht dort sein, daher war der diesjährige Besuch der Norddeutschen HiFi-Tage im Hamburger Hotel Le Meridien direkt an der Alster auch für mich eine Premiere. Bei recht frischen -5°C und gefühlt eisigen -15° durch einen teils schneidenden Wind war die Anreise fast nur mit arktistauglicher Kleidung möglich. Wer mit dem Zug kam, konnte – gut eingemummelt – in ein paar Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof zum Veranstaltungsort gelangen. Auch mit den Öffis ist die Anreise gut möglich gewesen. Wer wie ich (und viele andere) von außerhalb mit dem Auto in die Hansestadt fuhr, brauchte allerdings im Hamburger Großstadtdschungel und den umliegenden Straßen etwas Glück, um einen geeigneten Parkplatz zu finden. Und dann waren es meist noch einige Minuten Fußmarsch bis zum Ziel.

Schon im letzten Jahr wagten die Messeveranstalter das Experiment, Eintritt zu verlangen. Obwohl mit Ausnahme der Leitmesse High End die Regionalmessen in aller Regel kostenlosen Zutritt gewähren. Scheinbar hat das Experiment funktioniert, denn auch in diesem Jahr kostete ein Ticket für Erwachsene stramme 15 Euro – plus 4 Euro für die Garderobe, wenn man sein Winterzeug nicht durch die Flure schleppen wollte, so wie ich Trottel. Weitere Kosten wie Kaffee oder Snacks natürlich nicht inbegriffen. Parkkosten erst recht nicht.

Wie bei derartigen Hotelmessen üblich verteilten sich die Aussteller über mehrere Stockwerke und im Foyer-Bereich, um ihre Neuheiten und Highlights zu präsentieren und oft auch vorzuführen. Das Le Meridien Hotel erweist sich dabei für meinen Geschmack als nicht wirklich ideal. Ist der Bereich im Erdgeschoss noch recht übersichtlich und in nicht allzu langer Zeit abgegrast, erfordert die Orientierung für Erstbesucher des Hotels einiges an räumlicher Vorstellungskraft und guten Kartenlese-Skills. (Das Programmheft mit Lageplänen gab's aber kostenlos. Noch.)

Die Etagen 2-6 sind entweder über Aufzüge zu erreichen, was in der Regel zu lange dauert, oder über teilweise unbeheizte Garagen-Treppenhäuser. Dazu sind die Ebenen in einen linken und einen rechten Bereich unterteilt, die nur im 3. Stock eine Verbindung miteinander haben. Ist der linke Bereich noch einigermaßen übersichtlich (weil nur wenige Räume), erweist sich der rechte Bereich als sehr verwinkelt, sodass man schnell die Orientierung verliert und einige Aussteller leicht übersehen kann. In manchen Bereichen hatten die Ausstellungsräume dafür größere Abstände zueinander, sodass sie sich mit ihren Vorführungen nicht gegenseitig stören konnten. Aber nicht überall.

Ich war am Sonntag dort. Wie mir gesagt wurde, war es am Samstag bis etwa 17 Uhr proppenvoll, sodass meine Wahl für den Sonntag wohl richtig war, denn die Besuchermassen und deren Verteilung waren überschaubar, und es kam in den Gängen nicht wie früher auf den NDHT im Holiday Inn üblich zu unangenehmen Gedrängen. Vom Ambiente her gefiel mir aber das Steigenberger Hotel Treudelberg – Austragungsort der NDHT im Jahr 2023 – deutlich besser. Doch dort war die Anreise eben sehr umständlich, wenn man nicht mit dem Auto fuhr. Das mitten in Hamburg an der Alster gelegene Le Meridien ist für alle besser erreichbar. Trotzdem: Richtig schön fand ich es nicht. Vor allem die unübersichtliche Raumanordnung und die teils eisigen Treppenhäuser empfand ich wenig einladend. Nur ein paar Häuser weiter ist übrigens auch das berühmte Hotel Atlantic, das schon Schauplatz für einen Bond-Film war und "wo Udo wohnt". Das aber nur am Rande. Für die NDHT kommt die Edel-Absteige kaum in Betracht.

Die beschriebenen Umstände und der nach ein paar Stunden einsetzende Stalldrang sorgten dafür, dass wir (ich war mit meinem Bruder dort) die Messe schon deutlich vor Toresschluss (Sonntag um 16 Uhr) verließen und uns auf den Heimweg machten. So habe ich auch nicht jeden Raum bis ins kleinste Detail fotografiert und der Messebericht fällt entsprechend etwas knapper aus als üblich.


Hier die Entdeckungen und Highlights in Bildern:

Die Dänen der Audio Group Denmark, bekannt für ihren extremen und kompromisslosen Entwicklungsaufwand (und die damit verbundenen Preise) waren mein erstes Ziel im Erdgeschoss. Und das war auch eine der besten Vorführungen, bei der mein Bruder stehend hinter der letzten Sitzreihe anmerkte, dass es mit geschlossenen Augen durchaus mit einer echten Live-Auführung verwechselt werden könnte.

Vorgeführt haben die Dänen mit ihrer eigenen Elektronik der Marken Aavik und Zubehör/Kabel von Ansuz. Im Zentrum des Geschehens standen die Traumhaft schönen Børresen T5 Lautsprecher und der brandneue Subwoofer BM3 in "gefalteter Dipol"-Technik.

Gleich nebenan spielte die junge deutsche Firma Auer Acoustics (gegründet 2021) ihren Toplautsprecher in einem akustisch umfangreich optimierten Raum.

Ebenfalls noch blutjung ist die Marke AP Elektroakustik aus Neu-Ulm mit interessanten passiven und teilaktiven Lautsprechern, die statt auf Kalotte oder Bändchen auf einen Breitbänder für den Hochton setzen. Zu sehen waren diese Lautsprecher erstmals auch letzten Oktober auf der Messe Deutsche HiFi-Tage in Darmstadt (Messebericht).

Einer von mehreren Trends: Elektrostatische Lautsprecher sind wieder auf dem Vormarsch. Natürlich waren sie nie ganz verschwunden, besetzen aber stets nur eine Nische – was auch so bleiben wird. Trotz ihrer definitiv vorhandenen Qualitäten, wie hier bei den Lautsprechern von Final aus den Niederlanden zu hören war.

Ein weiterer Trend: Tonbandmaschinen gewinnen wieder deutlich an Beliebtheit. Kein Wunder, bieten sie doch wie Plattenspieler ein musikalisches, optisches und haptisches Gesamterlebnis. Hier ein von der HiFi-Zeile restauriertes Exemplar von Revox. Übrigens war Revox selbst auch auf der Messe vertreten und zeigte unter anderem die brandneue Bandmaschine B77 MK III. Und Revox stellt jetzt auch wieder Compact Kassetten her.

Noch ein Beispiel für die neue Tonbandleidenschaft.

Trend Nummer drei: Hörner! Dass auf den NDHT26 so viele davon zu finden waren, lag vor allem an der Präsenz der beiden Hornspezialisten Avantgarde Acoustic und Acapella (hier im Bild).

Fast schon ein moderner Klassiker sind die aktiven Avantgarde Acoustics ZERO, die erstmals im Jahr 2016 vorgestellt wurden, und die hier in ihrer neuesten Version dankend von Innuos gespielt wurden, um ihren neuesten High-End-Streamer vorzuführen. Das Gehörte war mir aber ein Stück zu aufdringlich. Die Lautsprecher brauchen größere Hörabstände.

In einem anderen Raum klappte das mit dem neuen kleineren Modell Opus 1 von Avantgade Acoustic deutlich besser. Diese schicken und durchaus noch wohnraumfreundlichen aktiven Hornlautsprecher konnte man sogar gewinnen.

Es waren überdurchschnittlich viele Aktivlautsprecher unterschiedlicher Art und Größe zu entdecken. Neben den zuvor genannten Hörnern gehörten dazu auch die Lautsprecher der Marke Backes & Müller, die ihre zusammen mit dem Fraunhofer Institut entwickelten Linienstrahler spielten. Aufgrund der Musikauswahl empfand ich diese Vorführung allerdings sehr nichtssagend. Überhaupt wurden oft nur zwei Arten von Musik gespielt: Die Vorführ-Klassiker, die in jedem zweiten Raum zu hören waren, und viel minimalistisches Geplänkel, das wenig über die Gesamtfähigkeiten der Wiedergabekette aussagt. Zum Glück (und dank Streaming) konnte man fast überall Musikwünsche äußern, wovon auch oft Gebrauch gemacht wurde.

Fast schon deutsches Kulturgut und auf jeder wichtigen Messe präsent ist die Marke Canton, die hier ihr neustes kompaktes Reference-9-Modell in der überarbeiteten GS-Version in den Fokus stellten.

Vor dem AVM-Raum war das All-In-One-Topmodell der Marke zu sehen. Der AVM 30. Ein Streamer, CD-Player, Receiver, DAC und Vollverstärker Made in Germany. Hier mit der optional verchromten Front und einem Glasdeckel, der den Blick auf das komplexe Innenleben erlaubt.

Und noch ein Elektrostat. Diesmal von der legendären Marke Quad aus England, die das Wandlerprinzip in den 50ern berühmt machte.

Kurzer Blick über die teilweise zugefrorene Alster. – Brrr! Wo stehen eigentlich die warmen Röhrenverstärker? – Überall verteilt auf der Messe natürlich.

Immer wieder schön zu hören und auch sehr fotogen sind die "Männerlautsprecher" Pylon Jade 30 im Vertrieb bei Audium. Und hier auch ein schöner Röhrenverstärker von Fezz, an dem man sich die Hände wärmen konnte. … Aber nicht anfassen!

Noch mal Horn, diesmal in einem Workshop mit HiFi-Urgestein Ingo Hansen.

Natürlich gab es auch zahlreiche Kopfhörer, wie hier der außergewöhnliche Grell Audio OAE2. Ein Test in REWIND wird kommen, dauert aber noch ein bisschen.

Schon länger ein Geheimtipp: Die Lautsprecher von Voxativ. Gespielt wurde das fast 65.000 Euro teure Topmodell Elektra mit Feldspulentreiber, die ohne Frequenzweiche auskommen, sowie mit Dipol-Subwoofermodulen (ähnlich wie die Børresen oben) und Stromversorgung per Akku. Es klang verdammt gut hier!

Dass guter Klang nicht ausschließlich über hohe Preise und große Lautsprecher realisierbar ist, konnte man zum Beispiel bei KEF erleben. Hier wurden u. a. die erst kürzlich vorgestellten aktiven Coda W für 899 Eur das Paar gespielt (die kleinen Speaker), die auch für einen Test in REWIND vorgesehen sind.

Im Lautsprecherbau gibt es immer wieder sehr außergewöhnliche Designs, was nicht nur die Beleuchtung in diesem Raum unterstrich. Hier zu sehen sind die Vivid Audio Giya 2.


Was Gunter Kürten (ehemals u. a. ELAC) nach seiner Übernahme mit der Marke Thorens erreicht hat, verdient größten Respekt. Unter seiner Leitung lebte die traditonsreiche Plattenspielermarke wieder sensationell auf. Zu verdanken ist dieser Erfolg einer sehr liebevollen Modellpolitik, die immer auch die am meisten geschätzten Klassiker zitiert. Eines der modernsten Konzepte im Hinblick auf die Optik ist der hier gezeigte TD 404 DD. Das "DD" steht für Direct Drive. Und das Plattenteller-Design ist – wer hätte das gedacht – an Spulen von Tonbandmaschinen angelehnt. Ein Plattenspieler von der Sorte, bei der ich fast noch mal schwach werden könnte. Geil!

Ascendo ist vor allem im professionellen Bereich wie Kino eine bekannte Größe. Der Hersteller baut vielleicht die bestklingenden Kinolautsprechersysteme überhaupt und hält den Weltrekord für den größten Subwoofer-Treiber (100 Zoll). Doch auch HiFi liegt Ascendo-Chef Stefan Köpf (hier im Bild) sehr am Herzen. Hier erklärt er seinen aktiven Live 6 Humming Bird Aktiv Lautsprecher, die sich dank DSP und Einmessung flexibel an unterschiedliche Wohnraumverhältnisse anpassen lassen. Das klang vielversprechend, aber auch hier war die Musikauswahl für meinen Geschmack nicht aussagekräftig genug. Nichtsdestotrotz ein spannendes System!

Journalisten-Kollegen rieten mir dringend zu einem Besuch des Raums von Progressive Audio, deren Vorführung überragend gut klingen solle. Hmm, vielleicht hatte ich wieder nur ein wenig Pech mit der Musik und der Platzwahl. Wirklich gut klingt es bekanntlich nur am Sweet Spot und auch nur dann, wenn man keine Sitzriesen in der Reihe vor sich hat, zwischen denen man hindurch hören muss. Das sind eben die Einschränkungen einer gut besuchten Messe, die man berücksichtigen muss. Zwar ließen die kleinen Aktivlautsprecher mit Coax-Treiber riesiges Potenzial erkennen, aber die Vorführ-Speaker erzeugten auch ein kleines Rappeln von der Rückseite eines der Lautsprecher. Für so etwas bin ich überempfindlich. Dennoch erstaunlich, was aus diesen kompakten Boxen kommt – auch in Sachen Bass.

Fazit: Gelungener Messe-Saisonauftakt mit kleinen Schwächen
Auf den Norddeutschen HiFi-Tagen gab es auch diesmal wieder viel zu entdecken und zu bestaunen. Mag sein, dass mir der Besuch der Messe in Darmstadt letzten Oktober, die auch bei deutlich freundlicheren Temperaturen stattfand, ein zu hoher Maßstab als Austragungsort ist. Jedenfalls finde ich das im Erdgeschoss und in den Treppenhäusern sehr zugige und in der Raumaufteilung sehr verwirrende Le Meridien nicht optimal für eine HiFi-Messe. Doch von meinem persönlichen Befindlichkeiten abgesehen war es inhaltlich wieder ein sehr lohnender Besuch.

Kommentare

wackenfan
wackenfan07.02.26 09:38
Vielleicht passt hier der Hinweis auf die gestern von Steven Wilson gelaunchte Seite Headphone Dust, auf welcher er anfängt seine eigenen Projekte wie auch von ihm aufgearbeitete Klassiker in Studioqualität digital zu vertreiben.

Mir fehlt aktuell die Hardware um die Qualität beurteilen zu können, aber unter den Lesern mag sich ja wer berufen fühlen.
Viel Spaß
+1
sonorman
sonorman07.02.26 10:45
Ich gestatte mir mal, den Link dazu nachzureichen.
+2

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