
REWIND erklärt: Darum klingen Deine Lautsprecher mies und meine gut
Grundprobleme bei der Akustik von WohnräumenNeben dem richtigen Aufstellungsort sind die allgemeinen akustischen Parameter des Raumes von größter Bedeutung. Kleine, mit Teppichen, Regalen, Möbeln, Vorhängen und anderem Zeugs vollgestopfte Räume klingen anders, als Marmorpaläste mit kühlem Charme und nackten Wänden. Eines der wichtigsten Kriterien, das für eine gute Raumakustik in den Griff bekommen werden muss, ist die
RT60-Nachhallzeit. Ein Raum, der wie eine Kirche oder wie Kopf-im-Eimer klingt, ist ebenso kontraproduktiv, wie ein akustisch zu Tode gedämpfter Raum. Ersteres wirkt vollkommen ungemütlich und verhindert eine präzise Wiedergabe, letzteres kann im Extremfall bei manchen Personen sogar körperliches Unwohlsein erzeugen, wenn jegliche raumakustische Rückmeldung fehlt, wie etwa in einer schalltoten Kammer für Messzwecke.
Neben der Nachhallzeit sind zwei weitere Parameter von überragender Bedeutung: Reflexion und Resonanz. Ersteres ist beispielsweise einer der wesentlichen Gründe dafür, warum Kopfhörer ganz anders als Lautsprecher klingen. Lautsprecher interagieren immer mit dem Raum, Kopfhörer nicht. Ein Teil des abgestrahlten Tons gelangt auf direktem Wege zum Ohr, ein anderer (nicht unerheblicher) Teil jedoch über Reflexionen von den Raumbegrenzungen und der Einrichtung. Wie bei der Nachhallzeit muss auch hier ein guter Kompromiss gefunden werden, um den Raum ein wohnliches Akustikambiente zu verleihen und mit einer für Lautsprecher optimalen Umgebung zu kombinieren.
Beim Thema Resonanz geht es nicht nur um Gegenstände, die bei lauter Musik zu rappeln und zu klirren anfangen, sondern vor allem um die sogenannten Raummoden. Das sind von der Raumgröße abhängige Frequenzbereiche, in denen der Schall wie beim Ping-Pong zwischen zwei Wänden hin und her prallt, und sich dabei an bestimmten Punkten im Raum überlappt, was zu Auslöschungen oder Frequenzüberhöhungen führt. Raumresonanzen sind (bei gängigen Wohnraumgrößen) meist im Bass ein Problem, Reflexionen hingegen eher in den Mitten und Höhen. Beides muss in den Griff bekommen werden, sonst ist der Kauf neuer Lautsprecher möglicherweise herausgeschmissenes Geld. Und ohne diese Maßnahmen, macht es auch keinen Sinn, sich über Dinge wie mehr Verstärkerleistung oder einen noch höher auflösenden DAC Gedanken zu machen.
Beispiel: Kommt es bei einer bestimmten Frequenz im Raum zu einer Auslöschung, sagen wir bei 90 Hz, dann wird es äußerst schwierig, diese Basssenke zu korrigieren. Man kann sie nicht einfach „auffüllen“, indem man bei 90 Hz per Equalizer den Pegel erhöht. So eine Auslöschung ist ein Fass ohne Boden. Was an zusätzlicher Energie reingepumpt wird, wird auch wieder ausgelöscht. Irgendwann wird einfach der Verstärker oder die Lautsprecher überlastet. Eine Bassüberhöhung ist deutlich einfacher zu bekämpfen, hat aber auch ihre Tücken.
