Klage gegen ChatGPT-Entwickler: Apple legt „schockierende Beweise“ vor – OpenAI: Selber schuld


In den vergangenen Monaten verließen einige Apple-Mitarbeiter das Unternehmen und wechselten zu OpenAI. Dabei ging es nach Ansicht des iPhone-Herstellers nicht immer mit rechten Dingen zu: Der ChatGPT-Entwickler habe Bewerber aufgefordert, Prototypen und detaillierte Dokumente zu Einstellungsgesprächen mitzubringen, lautet einer der erhobenen Vorwürfe. OpenAI sei dadurch illegal an Geschäftsgeheimnisse gelangt. Apple reichte deshalb im Juli dieses Jahres eine entsprechenden Klage ein, nachdem direkte Kontakte zwischen den Unternehmen zuvor in dieser Angelegenheit zu keiner Beilegung des Streits geführt hatten (siehe
). Zwei ehemalige Mitarbeiter, welche vertrauliche Unterlagen entwendet haben sollen, verklagte Apple ebenfalls. Das kalifornische Unternehmen führt zudem hausinterne Ermittlungen durch und durchsucht unter anderem die Geräte ehemaliger Angestellter nach Beweisen für ein justiziables Fehlverhalten.
Apple untersuchte Laptop eines ehemaligen AngestelltenDabei ist Apple nach eigenen Angaben fündig geworden und hat „schockierendes Beweismaterial“ auf dem MacBook von Chang Liu gefunden. Der zu OpenAI gewechselte Elektroingenieur ist einer der beiden beklagten Ex-Mitarbeiter. Das Notebook hatte Apple von Lius Anwälten erhalten und forensisch untersucht. Die so gewonnenen Erkenntnisse finden sich in einem Dokument wieder, welches Apple jetzt bei Gericht einreichte. Dem ehemaligen Angestellten wird darin unter anderem vorgeworfen, vertrauliche Schaltkreis-Zeichnungen von Apples Servern heruntergeladen und für seine Tätigkeit bei OpenAI genutzt zu haben. Außerdem soll er, nachdem er von Apples Ermittlungen gegen ihn erfahren hatte, eine Kollegin beim ChatGPT-Hersteller aufgefordert haben, Beweismaterial zu vernichten. Darüber hinaus legt Apple Liu zur Last, dass er bei OpenAI ein Software-Tool einsetzte, welches denselben Namen trug wie eine von Apple eingesetzte Entwicklungs-App.
Vorwurf: OpenAI vernichtet BeweismittelOpenAI hat sich Apple zufolge geweigert, Lius Laptop zu untersuchen und stattdessen im Zuge des Verfahrens „Theorien vorgebracht, welche von den Daten auf dem Gerät widerlegt werden“. Der iPhone-Hersteller sieht sich laut dem
9to5Mac vorliegenden Dokument daher in der Auffassung bestätigt, dass der ChatGPT-Entwickler Apples Geschäftsgeheimnisse nutzt und Beweismittel vernichtet.
OpenAI: Durcheinander wurde von Apple selbst verursachtDiese Vorwürfe will OpenAI nicht auf sich sitzen lassen und übermittelte dem Gericht eine Stellungnahme. Darin heißt es unter anderem, die derzeitige Situation sei ein von Apple selbst verursachtes Durcheinander. Der iPhone-Hersteller ermutige Mitarbeiter beispielsweise dazu, private iCloud-Konten für den Zugriff auf dienstliche Dokumente zu nutzen. Ehemalige Angestellte würden zudem von früheren Kollegen kontaktiert und von diesen um Hilfe gebeten; hierfür müssten sie auf Informationen ihres ehemaligen Arbeitgebers zugreifen. Schließlich gewähre Apple scheidenden Mitarbeitern nicht hinreichend Zeit, beruflich genutzte Geräte zurückzugeben und Dateien auf Firmenrechner zu übertragen. Das Verfahren geht am 1. Oktober mit einer Anhörung der Parteien vor Gericht weiter.