Push-Nachrichten von MacTechNews.de
Würden Sie gerne aktuelle Nachrichten aus der Apple-Welt direkt über Push-Nachrichten erhalten?

Klage gegen OpenAI: Apple beharrt auf Verfahren – und belegt fehlerhaftes Verhalten

Vor vierzig Tagen erhob Apple Klage gegen OpenAI, nachdem über Monate eine große Zahl an Angestellten vom iPhone-Hersteller zum LLM-Entwickler abgewandert sind. Der Vorwurf richtete sich gegen bestimmte Praktiken bei Bewerbungsgesprächen und schließlichem Transfer: OpenAI habe Apple-Bewerber dazu gedrängt, Unternehmensgeheimnisse im Bewerbungsgespräch preiszugeben und beim Wechsel mitzunehmen. OpenAI hielt dagegen, man halte sich an etablierte Industriestandards, und verwies auf Apples unsaubere Trennung zwischen privaten und dienstlichen Netzwerkfreigaben. In seiner Antwort weist Apple die Entgegnungen als Nebelkerzen zurück und zitiert aus der Kommunikation zweier ehemaliger Apple-Angestellter.


Die zitierte Kommunikation fand zwischen Chang Liu und Alyssa P. statt. Liu war acht Jahre lang bei Apple beschäftigt und wechselte zum Jahresbeginn zu OpenAI. Dabei, so stellt Apples Schreiben es dar, ignorierte er Aufforderungen zu einem abschließenden Interview sowie der Rückgabe konzerneigener Geräte. Stattdessen schrieb er seiner Ex-Kollegin, dass er noch einen weiteren Rechner habe, mit dem er plane, auf vertrauliche Unternehmensdaten zuzugreifen. Dies gelang ihm, so legt es Apple dar, am 9. Februar, als er einen Fehler in der Authentifizierungsprozedur entdeckte. Anstatt sie dem Ex-Arbeitgeber zu melden, nutzte er sie aus: Über Wochen lud er vertrauliche Dokumente herunter. Damit protzte er seiner Ex-Kollegin gegenüber: „LOL, I found out I can access the [network storage], so funny“. Später überzeugte er sie, ebenfalls zu OpenAI zu wechseln.

Bewerbungsgespräche missbraucht
Gegen Tang Yew Tan (früher 28 Jahre bei Apple angestellt) erhebt Apple Vorwürfe anderer Art: Er soll Job-Anwärter aufgefordert haben, elektronische Komponenten zum Vorstellungsgespräch mitzubringen. Anhand dieser sollten sie erklären, woran sie arbeiteten. Dabei wurde er recht spezifisch und schlug vor, dass sie Akkus, Systems-in-Packages oder Mainboards mitbrächten. Wurde man handelseinig und OpenAI stellte den Bewerber ein, gab Tan zudem Tipps, wie sie Apples Sicherheitsmaßnahmen am besten umgehen könnten.

„Abkürzungen“ bei Hardware-Entwicklung
Im Abschnitt „OpenAI and io“ geht das Schreiben darauf ein, was Apple als Grund für die aggressive Methodik betrachtet: OpenAI sei 2015 als nicht profitorientierte Organisation gestartet und habe sich in ein kommerzielles Unternehmen gewandelt, welches mit nie dagewesener Geschwindigkeit Geld verbrenne. Um mehr Kapital zu ergattern, sei ein Börsengang geplant, und CEO Sam Altman stehe unter Druck von Investoren. Um profitabel zu bleiben, plane OpenAI den Verkauf von dedizierter Hardware. Da die Zeit fehle, um ein eigenes Endkundengeschäft aufzubauen, sei OpenAI dazu übergegangen, illegale Abkürzungen zu nehmen.

Verhandlung am 1. Oktober
Apples Schreiben hat das Ziel, das Gericht von einer sofortigen Einstellung des Verfahrens abzuhalten, was OpenAI am 5. August gefordert hatte. Es handelt sich also um juristische Vorgefechte. Im Verfahrensverlauf wurden bisher insgesamt 89 Dokumente ausgetauscht. Eine erste Verhandlung ist für den 1. Oktober angesetzt, hier wird über „Discovery“ entschieden, also der Übermittlung von relevanter unternehmensinterner Kommunikation für das weitere Verfahren.

Kommentare

maikdrop20.08.26 22:36
Wer ohne Ende illegal Texte aus dem Internet lädt, um die eigenen Modelle zu trainieren, schreckt doch nicht vor anderen illegalen Methoden zurück. Altman ist vom gleichen Schlag wie Musk und Zuckerberg. Für Geld machen die alles. Die haben keinerlei Skrupel.
+17
Hans G21.08.26 00:04
Larry Page, Mark Zuckerberg, Sam Altman, … die dürfen das
Werde, der der du bist!
+3
CommodoreVC2021.08.26 09:57
maikdrop

Ich bin mir nur nicht sicher, wer schlimmer ist. Ob es derjenige ist, der einen auffordert etwas widerrechtliches zu machen oder derjenige, der lediglich widerrechtlich handelt. Diejenigen, die gebeten wurden Unterlagen oder Hardware mitzubringen und dies taten, statt ihnen Arbeitgeber (Apple) unverzüglich zu informieren, sind meines Erachtens nicht weniger kriminell und gehören eigentlich mit maximaler Härte bestraft. Wenn es nach mir ginge, würden all diese Personen unverzüglich standrechtlich erschossen werden.
Unabhängig davon, würde ich diese als potenziell neuer Arbeitgeber nicht einstellen, nachdem ich gesehen habe, dass diese der nicht legitimen Bitte nachgekommen sind, den ich könnte denen niemals trauen, den wer sagt mir, dass die dies zukünftig zum Schaden meines Unternehmens wieder tun.
-1
Stefanie Ramroth21.08.26 10:39
CommodoreVC20
Wenn es nach mir ginge, würden all diese Personen unverzüglich standrechtlich erschossen werden.
Ich hoffe, Du meinst das nur sinnbildlich.
Hinsichtlich der beruflichen Konsequenzen bin ich aber grundsätzlich bei Dir. Wer auf eine solche Aufforderung nicht seinen Arbeitgeber informiert, sondern tatsächlich Betriebsgeheimnisse oder vertrauliche Unterlagen weitergibt, sollte aus meiner Sicht künftig keine Position mehr ausüben dürfen, in der ihm vergleichbare Geheimnisse anvertraut werden.
Sowohl die Aufforderung, Betriebsgeheimnisse oder Hardware mitzubringen, als auch das anschließende Einstellen solcher Personen wirft für mich Fragen auf. Denn wenn einem Unternehmen bekannt ist, dass jemand bereit war, seinen bisherigen Arbeitgeber auf diese Weise zu hintergehen, warum sollte diese Person später nicht genauso gegenüber dem neuen Arbeitgeber handeln? Das sagt für mich auch etwas über die Unternehmenskultur und die ethischen Maßstäbe eines Unternehmens aus.
+7
Tom56422.08.26 09:02
maikdrop

Ich befürchte, solche Menschen haben generell ein anderes Rechtsverständnis. Die gehen nach der Methode vor: Solange mir ein Gericht nicht was verbietet, mache ich was ich will.
0

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.