Apple-Klage: OpenAI fordert Einstellung des Verfahrens


Seit Monaten wandern Apple-Angestellte zu OpenAI ab. Über 400 ehemalige Mitarbeiter des iPhone-Herstellers arbeiten mittlerweile bei dem Unternehmen hinter ChatGPT. Viele vermuten, dass diese Tatsache die ursprüngliche Motivation hinter der Klage ist, welche Apple am 10. Juli einreichte. Darin beschuldigte der Konzern ehemalige Angestellte, Geschäftsgeheimnisse weitergegeben zu haben. OpenAI fordert in einem
Schreiben an das Gericht die Einstellung des Verfahrens. Die OpenAI-Anwälte argumentieren, dass Apple vollkommen legitime Vorgänge missinterpretiert habe.
Die Argumentation der Verteidigung bringt vier Hauptpunkte vor:
- Apple stelle die Vorgehensweisen von Tang Tan als Entwendung von Unternehmensgeheimnissen dar; in Wirklichkeit habe dieser jedoch etablierte Industriestandards befolgt.
- Chiang Liu habe ehemalige Kollegen beim Aufspüren vertraulicher Informationen unterstützt, zu welchen er nach Beendigung des Angestelltenverhältnisses weiterhin Zugang hatte. Apple habe dies fälschlicherweise als Datendiebstahl dargestellt.
- Das Informations-Management des Konzerns sei unerklärlich, die Vermischung von privaten und dienstlichen iCloud-Konten erzeuge unausweichlich Verwirrung, welche Apple jetzt als Entwendung von Unternehmensdaten auslege.
- Apple habe zudem die Kommunikation zwischen ehemaligen Angestellten und der Unternehmensleitung falsch dargestellt. In der Klage wurde behauptet, OpenAI habe nicht mehr geantwortet, tatsächlich hätten aber Apples Anwälte die falsche Person kontaktiert.
"Kein Nutzen für Apples Geschäftsgeheimnisse"Im weiteren Verlauf argumentieren die Anwälte, dass kein Interesse an Apples Unternehmensinterna bestünde. „OpenAI entwickelt etwas völlig Neues, was sich von allem unterscheidet, was es bei Apple gibt. OpenAI ist hingegen sehr daran interessiert, die besten Ingenieure, Erfinder, Entwickler und Kreativen einzustellen. Von denen haben sich viele dazu entschlossen, Apple zu verlassen und zu OpenAI zu wechseln“ – diese würden „angezogen von der innovativen und spannenden Arbeit, welche das Unternehmen leistet.“
Langwieriges Verfahren wahrscheinlichOb die Richter des Gerichts in San José der Forderung von OpenAI folgen und das Verfahren einstellen, ist bisher nicht entschieden. Wahrscheinlicher ist eine mehrjährige Auseinandersetzung zwischen den beiden kalifornischen Unternehmen. Möglicherweise zielt Apple vorwiegend auf „Discovery“ ab, einer Veröffentlichung relevanter Unternehmenskommunikation. Dies dürfte umfangreiche Details über die Funktionsweise und Anwerbepraktiken des KI-Pioniers offenbaren.