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Test Onkyo Muse Y-50: Streaming-Verstärker „Well Done“

In bester japanischer Elektronik-Tradition hat Onkyo mit dem Y-50 einen vielseitigen Streaming-Vollverstärker auf den Markt gebracht, der eine rundum-glücklich-Lösung zum echt fairen Preis darstellt. Der REWIND-Test.

Ich erinnere mich noch an meine ersten Gehversuche mit Netzwerk-Audiostreaming in den frühen 2000er Jahren. Als jemand, der früh und rückblickend vielleicht auch etwas zu vorschnell seine analoge Plattensammlung auf- bzw. weggegeben hat, um sich voll auf digitale Musikwiedergabe zu konzentrieren, hat mir das einen wichtigen Erfahrungsschatz eingebracht. Aber auf Kosten zahlreicher frustrierender Erlebnisse.

Kompakt
Marke ONKYO
Bezeichnung Muse Y-50
Art Streaming-Vollverstärker
Empf. Preis (€) 1.499
Verfügbarkeit sofort
Kurze Vorgeschichte
Hinweis: Wer unmittelbar zur Beschreibung des Gerätes gelangen will, springt bitte zur nächsten Seite. Aber ein wenig Backstory kann nicht schaden.

Aller Anfang ist schwer. Auch dieser. Zunächst stand in der Frühzeit des Musikstreamings bzw. der Musikwiedergabe von Computern und Netzwerkgeräten die Frage des Datenformats und der Komprimierung noch stark im Vordergrund. Das alles dominierende MP3-Format aus der iPod-Ära (und schon davor zum CDs brennen) war wichtig, um viel Musik – überwiegend von der Silberscheibe, aber manchmal auch aus eher dubiosen Downloadquellen – auf lächerlich kleine Datenspeicher quetschen zu können. Mein erster iPod hatte eine 1,8" Mini-Festplatte mit sagenhaften 5 GB, was zu der Zeit sehr ordentlich war.


Das zu Lasten der Klangqualität gehende, stark verlustbehaftete Datengequetsche hat mir damals schon nicht gefallen und ich habe mich bereits etwa Mitte der 2000er dazu entschlossen, neue Musik, wenn überhaupt nur noch lossless komprimiert anzulegen. Das war nicht nur wegen des teuren Speicherplatzes eine Herausforderung, sondern auch weil die meisten Wiedergabegeräte entweder nur mit MP3 oder – wenn überhaupt – nur mit komplett unkomprimierten Formaten wie WAV klarkamen, die aber nun mal besonders viel Speicherplatz benötigten. Die verlustfreie Komprimierung mittels FLAC oder ALAC hat sich erst nach und nach durchgesetzt, und das Speicherplatz-Problem hat sich mit ständig steigenden Kapazitäten irgendwann von selbst erledigt. So wie auch das Bandbreitenproblem bei Online-Aktivitäten mit Musikdaten, was letztlich erst das heutige unkomplizierte Streaming von Video und Musik ermöglicht. Jedenfalls in den meisten Regionen. Schwarze Flecken gibt es bekanntlich noch immer in der Internetversorgung.

Am Ende war meine Musiksammlung trotz aller Bemühungen doch sehr „gemischt“, was die Qualität der Files anging. Von lausigen 128-kbit/s MP-3-Files, die ich nicht in höherer Qualität wiederbeschaffen konnte (oder weil es sich nicht lohnte), über Dateien in Ogg Vorbis, AAC, WMA, RealAudio und was ich nicht alles ausprobiert habe, war alles auf der Festplatte (inzwischen SSD) zu finden. Später dann auch ALAC als verlustfreien Codec, der sich aber gegen FLAC nicht durchsetzen konnte. Die meisten dieser Formate können heutige Player noch wiedergeben, nur ist die Notwendigkeit dafür zum Glück stark gesunken.


Auch die lückenhaften Metadaten selbst gerippter oder runtergeladener Musik waren ein ständiges Ärgernis. Ich erinnere mich mit Grausen daran, wie viele Stunden ich damit verbrachte, kleine JPG-Bildchen der Cover und Titelinformationen manuell hinzuzufügen. Viele Alben waren dennoch stark „zerfasert“, was die Metadaten und damit die Erkennung als zusammenhängendes Album anging. Jeder kleine Schreibfehler oder Abweichungen in der Schreibweise in den Titelinformationen führte dazu, dass ein Album nicht als Ganzes erkannt wurde.

Abenteuerlich war auch der Umgang mit den ersten netzwerkfähigen Playern. Dabei galt es, sich neben der Metadaten auch mit Netzwerkproblemen herumzuschlagen. Eine stabile Verbindung über das Heimnetzwerk und unterbrechungsfreie Wiedergabe war oft ein Glücksspiel. Von Online-Streaming ganz zu schweigen.

Doch die Entwicklung schritt zum Glück zügig und unaufhaltsam voran. So haben wir heute wahrhaft paradiesische Zustände. Nicht nur, dass dank Online-Streaming jedem ein gigantisches Musikangebot zu einem vergleichsweise sehr günstigen Preis und in (meistens) sehr hoher Qualität zur Verfügung steht. Auch müssen wir uns heute nicht mehr um das „Tagging“ der Musik mit manueller Metadatenbearbeitung kümmern. Jedes Album, jeder Titel – egal welcher Musikrichtung – kommt heute mit umfangreichen Informationen ins Haus. Erst recht, wenn Plattformen wie Roon genutzt werden.


Dabei ist ein Großteil des ursprünglich betriebenen Aufwands zur Erstellung einer eigenen Musik-Library irgendwann hinfällig geworden, als ich meine komplette CD-Sammlung noch einmal unter optimalen Bedingungen mit einem hochwertigem CD-Laufwerk in verlustfreier Qualität digitalisiert und automatisch über das Internet mit den richtigen Metadaten versehen konnte. Plus etliche im Laufe der Zeit angesammelte LowRes- und wenige HiRes-Downloads macht das dennoch nur eine Sammlung von vergleichsweise lächerlichen ca. 35.000 Titeln aus. Praktisch jeder bekanntere Streamingdienst hat heute mehr als 100 Millionen Tracks im Angebot.


Und dann ist da noch die Hardware. Netzwerk- oder streamingfähige Audiokomponenten haben in Sachen Usability eine ebenso radikale Evolution durchgemacht. Man benötigt heute kein IT-Studium mehr, um einem Streamer Musik zu entlocken. Einfach Netzwerkkabel anstöpseln oder mit einer vergleichsweise einfachen Prozedur per WLAN verbinden, und los geht’s. Nur bei der Bedienung gibt es immer noch ziemlich deutliche Unterschiede. – Und damit komme ich nach langer Vorrede nun zu meinem heutigen Testkandidaten, denn der Onkyo Y-50 Streaming-Vollverstärker ist ein Paradebeispiel dafür, wie Benutzerfreundlich und übersichtlich ein Netzwerk-Verstärker heute sein kann, wenn man kein Hans-Dampf-in-allen-Gassen sein will.



Kommentare

Kuziflu
Kuziflu04.07.26 08:20
Apropos iPod der ersten Generation. Wo verkauft man so ein Teil bzw. was sind die Dinger wert?
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