Telegram-Sperre: Angeblich durch Erpresser verursacht


Wie gerade erst berichtet, war Telegram vorübergehend aus dem App Store verschwunden, nachdem Apple Missbrauchsdarstellungen auf der Plattform entdeckt hatte. Der Messenger entfernte die Inhalte und sperrte den verantwortlichen Nutzer – woraufhin Apple die Anwendung anschließend wieder freigab. Nun
äußert sich Telegram-Gründer Pavel Durov erstmals ausführlicher zu dem Vorfall. Dabei spricht er von einem gezielten Erpressungsversuch, wie er leider nicht ganz selten vorkomme.
Das Problem der "Takedown Extortionists"Laut Durov handelte es sich beim Urheber um einen sogenannten "Takedown Extortionist". Solche Erpresser verlangten von den Betreibern öffentlicher Telegram-Gruppen Geld und drohten andernfalls damit, illegale Inhalte einzuschleusen, um diese anschließend direkt bei Apple zu melden. Ziel sei es, die Entfernung der jeweiligen Gruppe oder sogar der gesamten App aus dem App Store zu provozieren – außer natürlich, man kommt den Forderungen nach.
Inhalte platziert, dann gemeldetIm jüngsten Fall habe der Angreifer automatisierte Konten und einen technischen Kniff verwendet. Demnach bearbeitete er eine ältere Nachricht in einer weiterhin aktiven Gruppe und fügte dort nachträglich das verbotene Material ein. Da Telegram eine bearbeitete alte Nachricht nicht erneut im Chat hervorhebt, blieb der Inhalt für die Mitglieder selbst praktisch unsichtbar. Entsprechend meldete ihn auch niemand über die üblichen Moderationswege, sondern es kam zur Beschwerde direkt an Apple.
Sofortige Sperre, ohne vorherigen KontaktApple entfernte Telegram laut Durov aus dem App Store, bevor man überhaupt Kontakt aufnahm und Telegram die Chance einräumte, zeitnah zu reagieren. Es handle sich um eine "Überreaktion", führt er aus – und sieht ein grundsätzliches Risiko für alle Apps mit nutzergenerierten Inhalten. Angreifer könnten gezielt illegales Material platzieren, dieses unmittelbar bei Apple melden und damit versuchen, eine Sperre der gesamten Anwendung auszulösen.
Durovs Darstellung entlastet Telegram allerdings nicht vollständig, denn der Fall legt eine erhebliche Schwachstelle offen. Dieselbe Methode könnte schließlich nicht nur zur Erpressung dienen, sondern auch zum gezielten Austausch verbotener Inhalte.