Push-Nachrichten von MacTechNews.de
Würden Sie gerne aktuelle Nachrichten aus der Apple-Welt direkt über Push-Nachrichten erhalten?

Die (ferne) Zukunft der Kommunikation: Was kommt nach dem iPhone?

Seit fast 20 Jahren prägen das Apple iPhone und alle seine Nachahmer die kulturelle und kommunikative Landschaft der Menschheit. Es stellt einen bedeutenden Durchbruch dar. Aber was kommt danach? Oder bleibt das iPhone für die nächsten 100 Jahre? – Ein Blick in die Glaskugel.

Früher war alles besser. Sogar die Zukunft! Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an die Visionen der 50er, 60er und 70er Jahre, als die industrielle Revolution noch ungebremst und ohne zu viel hemmende Bürokratie in vollem Gange war und es gefühlt keine Limits beim technischen Fortschritt zu geben schien. Ob fliegende, atombetriebene Autos oder Rohrpostleitungen als Transportmittel für Menschen.

Ich selbst war als Kind von einem absolut seriös und aufwendig gemachten Buch fasziniert, das 1974 unter dem Titel "Die Zukunft – Das Bild der Welt von morgen" im Bertelsmann Verlag erschien und in dem Vorhersageversuche gemacht wurden, wie die Welt im Jahr 2000 und darüber hinaus aussehen könnte. Das Buch stammte aus der Zeit, in der die aufregendsten technologischen Konsumerprodukte digitale Quartz-Armbanduhren und Taschenrechner waren. Das Buch ist noch heute im Familienbesitz. Im Folgenden sehen Sie ein paar fotografische Auszüge.

Das Erscheinungsdatum lag noch vor der Heimcomputerrevolution, dem Videorecorder, Mobiltelefonen und dem Internet. Es ging um aufregende Visionen von ersten Siedlungen auf dem Mars in den 1990ern, Ferien auf dem Mond, von unendlicher Energie dank gemeisterter Kernfusion, von Flügen über den Atlantik mit Mach 15, aber auch um massive Überbevölkerung des Planeten mit 15 Milliarden Menschen und entsprechenden Nahrungsengpässen, sowie um Gesundheit und Lebensverlängerung.


Nur wenige der Visionen sind eingetroffen. Und selbst die vielleicht noch möglichen positiven Aussichten waren zeitlich gesehen oft viel zu früh angesetzt (z. B. Marskolonien in den 90ern). Von den Dingen, die unsere Welt hingegen tatsächlich massiv verändert haben, nämlich Internet, Smartphones, Social Media – im Guten wie im Schlechten –, oder auch Streaming, war überhaupt nichts vorher gesagt, denn das alles fußt auf dem Internet, das in seiner heutigen Ausprägung nicht abzusehen war. Aber eine gewisse Vorstellung von der vernetzten Welt existierte schon. So wie auch flache Großbildschirme abzusehen waren. Hier ein Zitat aus dem Buch, Seite 107:

"Das Bild kommt nicht mehr aus einem Kasten in der Ecke. Es füllt die ganze Wand. Menschen erscheinen in Lebensgröße, hautecht wie zum Anfassen. PAL-Erfinder Walter Bruch sagt voraus: »Die Größe des flachen Bildschirms wird in den Wohnraum harmonisch eingefügt sein. So wirkt das Fernsehbild wie ein Fenster, vor dem sich die Familie gruppiert, um nach draußen in die Welt zu sehen.« […] Die Fernsehwand von morgen wird ein Zauberspiegel sein. In Kombination mit einem Heimcomputer, der wiederum einem internationalen Verbundnetz angehört, lässt sich auf ihr (oder selbstverständlich auch auf den vielen tragbaren Geräten) perfekter Weltkontakt herstellen."


Faszinierend weitsichtig, oder?


Es gab (nicht nur in diesem Buch) auch Vorhersagen zu künstlicher Intelligenz, die ganz aktuell unsere Welt auf vielen Ebenen stark beeinflusst. Nur dass man früher eher an schlaue Hilfsroboter humanoider Form dachte, die uns die beschwerlichen Dinge des Lebens abnehmen, etwa zuhause Kaffee an den 150 Zoll Röhrenfernseher bringen. Nicht jedoch an mit dem Internet verbundene KI-Rechenzentren, die gigantische Ressourcen verschlingen und deren „Intelligenz“ nicht ganz so wie gedacht ausfällt. (Aber deswegen nicht minder beängstigend ist.) – Eine Parallele dazu sehe ich in dem 1970er-Jahre Sci-Fi-Streifen "Colossus: The Forbin Project" (basierend auf einer 1966er SF-Novelle), in dem ein riesiger, in einen Berg gebauter Computer von den Menschen zur Verteidigung beauftragt wird, was absehbar in einer Katastrophe endet.


So oder so: Zukunftsvisionen wie in dem Buch meiner Kindheit, das ich wirklich verschlungen und immer wieder hervorgeholt habe, sind heute irgendwie aus der Mode gekommen. Das liegt wohl an einer gewissen Ernüchterung, die eintrat, als all die wirklich tollen Vorhersagen einfach nicht kamen, andererseits vielleicht an einem gewachsenen Pessimismus in Bezug auf Fortschritt und Entwicklung durch Technik, oder auch an mehr Realismus, denn durch die heute dank Internet für jedermann verfügbaren Informationen muss man sich nicht mehr auf fremde Auguren verlassen, sondern kann selbst einschätzen, was vielleicht machbar ist, und was eher nicht.

Auszüge aus "Die Zukunft". Ein faszinierendes Buch mit interessanten teils in die richtige Richtung gehenden, oft jedoch völlig daneben liegenden Prognosen. Vor allem, weil die Auswirkungen des Internet nicht exakt vorher gesehen wurden.

Life after iPhone?
Womit wir bei der Frage wären, was eigentlich beim iPhone und seinen Konkurrenten technologisch gesehen noch großartig kommen kann, außer schnellere Hardware und immer komplexere Betriebssysteme mit immer mehr (KI-) Funktionen, die mal mehr, mal weniger nützlich für unser echtes Leben sind. Das altehrwürdige Telefon hat immerhin über 100 Jahre lang in fast unveränderter Form unser Leben geprägt. Erst mit der Befreiung von der Strippe, dem Siegeszug der Mobiltelefonie, sowie deren Transition zum heutigen Smartphone wurde das „Festnetztelefon“ in weiten Teilen obsolet.


Eine technologische Neuerung, die wir bereits kennen, und die Apple erst in Kürze nutzen wird, sind flexible Displays. Klappbare Smartphones oder Foldables werden aber absehbar keine wirklich Revolution auslösen. Sie stellen eher eine Möglichkeit für mehr Variantenreichtum bei der Nutzung von Smartphones dar, die aber im Kern unverändert bleiben.

Wenn wir mal anfangen zu spinnen und in die alte Euphorie der ungezügelten Zukunftsgläubigkeit verfallen, dann sind einige gravierende Weiterentwicklungen zumindest vorstellbar. Aber auch realistisch? Nehmen wir zum Beispiel die in der SF-Serie „The Expanse“ sehr überzeugend dargestellten Smartphones der Zukunft. Die arbeiten mit komplett transparentem Gehäuse (durchsichtige Chips und Akkus? Quantenschaltungen?) und verfügen vor allem über eine integrierte (und ebenfalls unsichtbare) Holografie-Projektion, die es erlaubt, den Anzeigebereich über den eigentlichen Rahmen der Hardware hinaus beinahe beliebig zu erweitern, und die sich mit „Luftgesten“ wie ein Touchdisplay bedienen lässt. – Cooool!


Das ist nicht komplett unrealistisch, aber faktisch fehlen dafür bis heute einige technologische Grundlagen. Holografische Projektion an sich ist aber schon in gewissen Grenzen möglich. Für einen Massenmarkt im Bereich iPhone ist aber noch nicht mal ansatzweise zu erkennen, ob so etwas in vielleicht 30 oder 50 Jahren mal Einzug in unseren Alltag halten könnte.

Früher gingen Zukunftsforscher auch oft davon aus, dass Mensch und Technik physisch irgendwann miteinander verschmelzen würden. Also etwa, dass wir uns Computer-, Kommunikations-, und Anzeigetechniken in den Körper implantieren würden. Per Gedankensteuerung und mittels KI könnte das iPhone der Zukunft Informationen direkt auf die Netzhaut projizieren, akustische Informationen an den Hörnerv weiterleiten und uns so ständig mit der „Datensphäre“ (a.k.a. Internet) verbinden.

Abgesehen davon, dass das Meiste der dafür benötigten Technologie noch komplett fehlt, haben solche Ansätze einen riesigen Haken: Sollen wir uns dann jährlich das jeweils neueste Bionic-iPhone im nächsten Apple Store chirurgisch einpflanzen lassen, oder bekommen wir dafür einen „Wechselslot“ in den Kopf? Und brauchen wir dann „Apple Health Care“ für defekte Implantate? Von den damit einher gehenden Gefahren für Datenschutz und Privatsphäre ganz zu schweigen. – Ich glaube, den bionischen Ansatz zur „smartifizierung“ des Menschen können wir bis auf weiteres vergessen.

Aber was könnte sonst noch kommen? Vielleicht ausrollbare Displays, á la Papyrus? Auch daran wurde schon gedacht und mit einer Weiterentwicklung der flexiblen Displaytechnik wäre das ein denkbarer Ansatz, um die Anzeigefläche von Smartphones zumindest in einem langen Streifen deutlich vergrößern zu können. Sinnvoll? Hmmmm …

Und was ist mit der Energieversorgung? Fairerweise muss man eingestehen, dass die Akkutechnologie in einem zwar langsamen aber stetigen Prozess doch schon recht weit gekommen ist und heutige, leistungsstarke Smart-Devices erst ermöglicht. Aber wie sehen Akkus in vielleicht 50 Jahren wohl aus? Werden sie mit irgendwelchen exotischen Materialien in der Lage sein, ein Vielfaches der heutigen Kapazitäten zu bieten? Oder sind die physikalischen Grenzen schon bald erreicht und wir brauchen so etwas wie die Mikro-Fusionsbatterie (bereits von Isaac Asimov für seine positronischen Roboter ersonnen) zum Betrieb des iPhones im Jahr 2076?

Was noch? Einen echten technologischen Durchbruch könnte die Quantencomputertechnologie bringen, sollte es gelingen, diese massentauglich zu machen und sie in mobile Devices zu integrieren. Damit könnte sich nicht nur die Art und Weise der globalen Kommunikation grundlegend verändern, sondern auch die Qualität und Leistung von KI-Systemen. Auch hier ist noch viel Grundlagenforschung nötig und es ist keineswegs sicher, ob und in welche Bereiche sich die Quantentechnologie tatsächlich in den Alltag der Menschen integrieren lässt.

Bei alledem darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass die gesamte mobile Kommunikation heute auf der komplexen Infrastruktur von Mobilfunknetzwerken aufbaut. Derzeit ist "5G" der angesagte Standard und der direkte Nachfolger "6G" wird voraussichtlich ab ca. 2030 ausgebaut. Aber was ist in 50 Jahren? Erfolgt die Übertragung dann noch immer auf die selbe Weise per Funk über lokale Antennenmasten und in Zellen eingeteilt? Oder direkt via Satellit, mit einem Netzwerk aus 1 Mio. Musk-Link-Mikrosatelliten, die per Quantenverschränkung Daten übertragen? …


"Schwer zu sehen, die Zukunft ist. Immer in Bewegung."
Meister Yoda hat natürlich Recht. Die Zeiten, in denen uns die abgefahrensten Phantasien als "schon bald real" versprochen wurden, sind vorbei. Nüchterner Realismus sagt uns, das wir nicht wissen können, was noch so kommt – nicht nur beim iPhone. Aber es schadet auch nichts, mal ein wenig zu spinnen und zu sinnieren, was sein könnte, wenn gewisse technische Hürden zu überwinden wären. Es könnte dabei meiner Meinung nach auch nicht schaden, wenn wir wieder ein klein wenig optimistischer in unsere technologische Zukunft blicken würden.

Was denken Sie, wie das iPhone in 50 Jahren aussehen, oder was es als Ersatz geben könnte?

Kommentare

sffan15.08.26 08:32
Hach, „die Zukunft“ habe ich auch noch im Regal. Das interessanteste Buch einer ganzen Serie. Nicht alle habe ich, aber einige. Unabhängig von den Prognosen nehme ich es auch heute noch gerne in die Hand. Alleine die Illustrationen sind für mich eine Augenweide.
„Das neue Universum“ Jahrbuch der Zeit haut auch in die Kerbe.
+8
sffan15.08.26 08:38
Wie sehe ich heute die Zukunft?
Eher gruselige Visionen wie „Ghost in the Shell“ könnten bald schrittweise real werden. Inklusive eingebautem Modem der Cyborgs. Bis zum Gehirn im Roboterkörper dauert es bestimmt noch. Bin nicht traurig drüber..
+2
WLanHexe
WLanHexe15.08.26 09:07
Warum müssen es immer Displays sein? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Zukunft ähnlich wie bei Raumschiff Enterpriese aussieht. Zumindest was die Computer angeht... Vielleicht wird es in ein paar Generationen der Menschheit völlig normal sein, dass ein Computer stets und ständig zuhört, einen ggF. sogar ins Wort fällt und Dinge im Hintergrund tut, ohne das man auf irgend einem Display oder irgend einer Tastatur oder Maus irgend etwas auslöst. Ganz unrealistisch sehe ich eine solche technische Entwicklung nicht, bereits heute ist es ja in Teilen möglich. Okay, was so ein Agent dann im Hintergrund tut etc,... daran müssen wir noch massivst arbeiten. Aber Ich kann mir vorstellen, dass ein Display in Zukunft nur noch eine unterstützende Komponente sein kann, um Dinge eben optisch darzubieten.

Gelegentlich lese ich aber auch mal in alten Büchern, oder schau mir Videos an, in denen die Zukunft von heute vorausgesagt wurde. Und nicht selten muss ich dabei schmunzeln. Naja und mitlerweile blicke ich selbst auch manchmal zurück und denke mir: "Hätte mir vor gut 25 Jahren jemand gesagt, dass wir bald an einem PC mit 20 Kernen oder mehr sitzen werden. Von denen jeder mit mehreren GHz Taktet, oder das wir Grafikkarten mit 12 oder 16 GB Grafikspeicher haben werden oder 32 oder gar mehr GB Arbeitsspeicher,..." ich ja selbst das hätte ich um die 2000-Wende fast noch illusorisch angesehen.
+9
mdmd15.08.26 09:09
Okay, alle Deutungen gehen hier von einem (weiterhin) ungebremsten Wachstum der Industriestaaten aus, das Resourcen ausnutzt und binded. Was passiert aber, wenn genau DAS zum Erliegen kommt?! Das Wachstum oder der Konsum wieder zurückgeschraubt werden müssten. Dann wären intelligente Lösungen sehr hilfreich, als immer höher, schneller, weiter…
+34
Niederbayern
Niederbayern15.08.26 09:33
mdmd

👍
+1
Fontelster
Fontelster15.08.26 11:01

Zukunftsvision von 1972. Nach 12 Minuten ändet die Utopie allerdings schon und mündet in Zukunftskritik.

Das Problem an all diesen Visionen ist, dass die in der Regel nur jeweils den aktuellen Zustand (und aktuelle Entwicklungen) in die Zukunft extrapolieren, aber darüberhinaus wirklich neue Entwicklungen kaum jemals vorhersehen.

Um die Jahrhundertwende, als die aufkommende Fliegerei »der heiße Scheiß« war, sah man die lustigsten Fluggeräte voraus (siehe Link unten)
Ab den dreißigern waren humanoide Roboter die Zukunft.
In den fünfzigern war in der Zukunft alles atomgetrieben.
In den sechzigern hatte in Zukunft alles mit Lasern und Raumfahrt zu tun.
Ab den siebzigern wurden aus den Utopien langsam Dystopien, wie z.B. Soylent Green, Flucht ins 23. Jahrhundert und Zardoz.
Dann waren Computer »in«, Gentechnik (Jurassic Parc) und heute eben Künstliche Intelligenz.
Zutreffende Vorhersagen waren und sind eher Zufallstreffer als echte Vision.
Obwohl das ARPANET als Vorgänger des Internets schon in den 60ern existierte, war das Internet in seiner heuten Form praktisch nicht vorhergesehen worden.

Hier ein paar Bilder, wie man sich ca. 1900 das Jahr 2000 vorgestellt hat.


Wieviele Gedanken sich die Zeichner gemacht haben, sieht man schon daran, dass nach deren Meinung im Jahr 2000 Möbel, Frisuren und Mode ganz genau wie 1900 aussehen sollten.

mtn
Nehmen wir zum Beispiel die in der SF-Serie „The Expanse“ sehr überzeugend dargestellten Smartphones der Zukunft. Die arbeiten mit komplett transparentem Gehäuse
Ich glaube, die Idee transparenter Monitore kam (zumindest nach meiner Erinnerung) erstmals in Minority Report (2002) vor und danach immer wieder, weil offensichtlich jede Menge Regisseure dachten »hey, das sieht cool aus, das will ich in meinem Film auch haben«.
Meiner Meinung nach ist diese Idee damals nur wegen dem »Coolness-Faktor« so umgesetzt worden und wäre ergonomisch eine Katastrophe. Ein Bildschirm, durch den man den Hintergrund sehen kann?

Schönes Wochenende
+18
Dunnikin
Dunnikin15.08.26 11:08
Zukunft? Tja, früher war alles besser, auch die Zukunft

Was in 50 Jahren ist? Entweder sind es heute 50 kühle Grad oder die AMOC, zu der der Golfstrom gehört, ist zusammengeklappt und es sind heute sehr heiße 5 Grad.

Vielleicht sitzen Nazis im Berliner Reichstag. Vielleicht ist dieses Land wieder von den Alliierten (F, UK, USA) besetzt, weil die die Nazis nicht zuließen.

Wie wir über Distanzen kommunizieren ist ob der völlig durchdrehenden Welt mehr eine Frage der Verschlüsselung und nicht eine Frage der Hardware.

Solche Mobilgeräte wie in The Expanse fände ich ganz nett.

Davon abgesehen — mir kann‘s wurscht sein, in 50 Jahren bin ich wohl six feet under …
+4
maculi
maculi15.08.26 11:26
Immerhin eine Vorhersage ist zutreffend. Hat sich die Bahn die Farben des ICE beim Titelbild abgeschaut?
+3
Gesperrt082615.08.26 11:39
Für mich ist seltsamerweise von solchen Büchern nie eine größere Faszination ausgegangen. Mir hat immer der Kern gefehlt: die gesellschaftliche Entwicklung. Das ist auch in den Bildern dieses Buchs zu erkennen. Wann immer Menschen in den Zeichnungen zu erkennen sind, handelt es sich um solche, die gekleidet sind und sich benehmen wie 50er-Jahre-Menschen (was durch die Menschen in den Fotos ein kleines Bisschen gebessert wird, die immerhin in die 60er-Jahre zu gehören scheinen). Es gibt keine Kinder in den Abbildungen, und der "Astrohafen" im ersten Bild würde ohne hohen Zaun und Fanggitter u.ä. heute niemals eine Zulassung erhalten (was weniger mit Architektur (die einer Art "Metropolis"-Vorstellung á la Fritz Lang zu folgen scheint) zu tun hat, als mit einem völlig veränderten Umgang mit Sicherheitsfragen.
Was sich nach den 50er-Jahren als erstes änderte, waren ebenfalls die Menschen: es folgten die 60er mit einer Jugend, die alles in Frage stellte, Hippies, Bikini, Diskussionen und Demos gegen Kriege, langhaarigen Männern, kurzhaarigen Frauen, '68, der Pille und freier Liebe. All das wird nicht einmal versucht vorwegzunehmen. Die Männer tragen Hut, die Frauen Kleider (in den Zeichnungen) und alles ist vor allem eines: ordentlich.
Wir hatten dieses Buch nicht im Bücherschrank, als ich ein Kind war, aber ähnliche, auf gleiche Weise gemachte. Mich hat damals diese Ordnung gegruselt, das Fehlen von Kindern ziemlich verstört un die Fantasielosigkeit in Bezug auf das Zusammenleben frustriert (aber ich bin eher in den 70er Jahren aufgewachsen als in den 60ern und war vielleicht schon mit den vielen Veränderungen dieser Zeit infiziert). Die Mondlandung war mein erstes "technisches" Highlight (und danach kam eine fast zehnjährige Pause, bis aus frühen Taschenrechnern echte Computer geworden waren).
Am deutlichsten tritt mir der Strukturkonservatismus allerdings aus dem Bild der Frau in ihrer merkwürdigen Plexiglashalbkugel entgegen sowie aus den Bildern der aufgeschlagenen "Buchmitte": leichtbekleidete Frauen, arbeitende Männer. Ich weiß nicht, ob auch damals das schon der Grund war, warum ich solche Bücher bestenfalls durchgeblättert, aber eigentlich nie gelesen habe, und (das weiß ich noch) irgendetwas "schmierig" an solchen Büchern fand, das ich damals natürlich überhaupt nicht benennen konnte.
+13
Gesperrt082615.08.26 11:49
Fontelster: Schöne Funde in den beiden Links, danke!
+7
Django6315.08.26 12:01
Fontelster
[yt=f4U2zW4IPDY
Ich glaube, die Idee transparenter Monitore kam (zumindest nach meiner Erinnerung) erstmals in Minority Report (2002) vor und danach immer wieder, weil offensichtlich jede Menge Regisseure dachten »hey, das sieht cool aus, das will ich in meinem Film auch haben«.
Meiner Meinung nach ist diese Idee damals nur wegen dem »Coolness-Faktor« so umgesetzt worden und wäre ergonomisch eine Katastrophe. Ein Bildschirm, durch den man den Hintergrund sehen kann?
[/quote]

Transparente Fernseher gibt es bereits. Der Bildschirm lässt sich wohl stufenlos von transparent auf schwarz umstellen. Wurde, wenn ich mich recht erinnere, von Samsung bereits 2024 auf der CES vorgestellt und ist seit Ende 2025 auch in Deutschland erhältlich. Ist allerdings sauteuer ...
+1
Somasi15.08.26 12:05
Was kommt nach dem iPhone?

Eventuell das kPhone 😉
+2
Django6315.08.26 12:08
Somasi
Was kommt nach dem iPhone?

Eventuell das kPhone 😉

Nee, zuerst das jPhone 😁
+2
Somasi15.08.26 12:13
Django63

Dachte ich mir schon, wie aufmerksam 👍… aber ich dachte eher an ei(n)Phone und kei(n)Phone (ausgesprochen) 🤭

Ist blöd, ich weiß
+1
sudoRinger
sudoRinger15.08.26 12:14
maculi
Immerhin eine Vorhersage ist zutreffend. Hat sich die Bahn die Farben des ICE beim Titelbild abgeschaut?
Das Titelbild ist KI-generiert, wie man sich heute die Zukunft vor 60 Jahren vorstellt.
Ob man früher schon wirklich ahnte, dass die automatische Zeichentrennung trotz allem nicht funktionieren wird? (ZUKUNFT-STECHNIK)

Die Zukunft ist vor allem unauffällig. Ein hochmoderner Airbus A 350 sieht aus wie eine McDonnell Douglas DC-10 in den 70er Jahren. Das iPhone fügt sich so nahtlos in den Alltag, dass auch die Smartphones in 30 Jahren im Prinzip aussehen wie heute. Auch die Elektroautos sehen aus wie die Verbrenner und sind unter der Haube doch ganz anders (und widersprechen der Erzählung von "alles wird immer schneller und weiter").
+5
sonorman
sonorman15.08.26 12:16
maculi
Immerhin eine Vorhersage ist zutreffend. Hat sich die Bahn die Farben des ICE beim Titelbild abgeschaut?
Eher umgekehrt: die KI sich bei der Bahn.
Das Bild ist KI-generiert (Hinweis im Bild).

Der Prompt lautete übrigens ganz simpel: "Erstelle eine urbane Szene, die aussieht, wie eine Zukunftsvision aus den 50ern. MIt fliegenden Autos etc."
+2
MacBelwinds
MacBelwinds15.08.26 12:21
Es werden noch phantastische Erfindungen erscheinen, die wir nicht einmal im Ansatz voraussehen können. Für mich entscheidender ist aber folgende Frage: Werden diese uns knechten oder freier machen?
+3
thomas b.
thomas b.15.08.26 12:24
Wie man an den ganzen Beispielen wieder eindrucksvoll sieht, Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.
+6
Django6315.08.26 12:31
MacBelwinds
Es werden noch phantastische Erfindungen erscheinen, die wir nicht einmal im Ansatz voraussehen können. Für mich entscheidender ist aber folgende Frage: Werden diese uns knechten oder freier machen?

Naja, wie lief es bisher mit Internet, Smartphone und Co? Haben die uns freier gemacht oder mehr geknechtet?

Und nicht zu vergessen: Zu allen noch kommenden phantastischen Erfindungen werden der EU-Kommission dann doch bestimmt auch neue Regelungen einfallen ...
-5
teorema67
teorema6715.08.26 12:37
Kehrblech
Fontelster: Schöne Funde in den beiden Links, danke!

Finde ich auch. Und das Heizen mit Radium könnte uns die Wärmepumpen ersparen? 😁 ☠️
— Hier könnte Ihre Werbung stehen —
+5
sonorman
sonorman15.08.26 12:43
Ich seh schon. Das mit der positiveren Einstellung zu unserer Zukunft wird wohl nix.

Leute, seid doch nicht immer solche Schwarzamaler! Don't worry, be happy! 🥳😊
+6
teorema67
teorema6715.08.26 12:44
Somasi
... Eventuell das kPhone 😉

Mein k-phone kam von Samsung war tatsächlich Made in Korea 😋
— Hier könnte Ihre Werbung stehen —
0
ssc15.08.26 12:51
Dystopie vs. Utopie - das ist wie Cyberpunk vs. Solarpunk. Vielleicht liegt die Wirklichkeit dann irgendwo dazwischen.
+3
gfhfkgfhfk15.08.26 12:58
WLanHexe
Naja und mitlerweile blicke ich selbst auch manchmal zurück und denke mir: "Hätte mir vor gut 25 Jahren jemand gesagt, dass wir bald an einem PC mit 20 Kernen oder mehr sitzen werden. Von denen jeder mit mehreren GHz Taktet, oder das wir Grafikkarten mit 12 oder 16 GB Grafikspeicher haben werden oder 32 oder gar mehr GB Arbeitsspeicher,..." ich ja selbst das hätte ich um die 2000-Wende fast noch illusorisch angesehen.
1997 kam die SGI Octane auf den Markt. 2×195MHz R10k CPUs, bis zu 8GB RAM, dass dank des Crossbar Switches auch für die GPU genutzt werden konnte. Die größere Onyx2 bot bis 128 CPUs und 256GB RAM.
+4
Fontelster
Fontelster15.08.26 13:08
sudoRinger
Ein hochmoderner Airbus A 350 sieht aus wie eine McDonnell Douglas DC-10 in den 70er Jahren.
Das allerdings ist Quatsch
Der A350 hat (wie heute üblich) zwei Triebwerke, die DC-10 hatte drei, das dritte über dem Rumpf, was durchaus markant war.

Tatsächlich haben sich Verkehrsflugzeuge immer weiter angeglichen, so dass sie heute kaum noch zu unterscheiden sind. Und für mich als Planespotter »langweilig«.

Während eine 707 (vier Triebwerke, Straurohr am Leitwerk), 727 (drei Triebwerke am Rumpf, T-Leitwerk), 737 (zwei Triebwerke, quasi »in den Flügel integriert [bei den ersten Versionen], 747 (vier Triebwerek und der bekannte Höcker), DC-9 (zwei Triebwerke am Rumpf, T-Leitwerk), DC-10 (drei Triebwerke, zwei unter den Tragflächen, eins auf dem Rücken) und TriStar (wie DC-10, nur mit abgeändertem Abgasstrahl aus dem Rumpf) auf den ersten Blick zu unterscheiden waren, ist das heute kaum noch möglich. Von vorn bis hinten: zwei Triebwerke unter dem Rumpf. Ausnahmen: A340, A380 und 747. A380 und 747 werden nicht mehr gebaut, so dass in einigen Jahrzehnten womöglich alle Flugzeuge gleich aussehen werden.

Falls es bis dahin nicht einen Concorde-Nachfolger geben wird.

sudoRinger
Das musste ich loswerden
+2
sudoRinger
sudoRinger15.08.26 13:34
Fontelster
Das allerdings ist Quatsch
Der A350 hat (wie heute üblich) zwei Triebwerke, die DC-10 hatte drei, das dritte über dem Rumpf, was durchaus markant war.
Da muss ich Dir zustimmen: Drei Triebwerke sehen selbstverständlich anders aus als zwei Triebwerke. Schließlich würde auch niemand einen dreirädrigen Piaggio Ape mit einem VW Bus verwechseln ...
+2
MLOS15.08.26 15:22
Ich fände einen Computer toll, der sich an die Bedürfnisse des Benutzers selbst anpasst.
Es sollte nicht mehr notwendig sein, Software zu entwickeln, der Computer erledigt die Aufgabe einfach von selbst und zwar so, wie man es als Nutzer möchte.
Wenn ich gerne mit einem GUI arbeite, dann wird halt einfach eines on-demand erzeugt. Wenn ich lieber nur per Sprache arbeite, dann geht das auch.
Solch einen Neural Computer fände ich total interessant. Nicht implantiert, aber als Universalgerät.
Häufig weiß man was man will, aber die Bedienung ist nicht selten eine Herausforderung und das, was die eigentliche Lernkurve für so vieles darstellt.
+2
TorstenW15.08.26 15:47
Das ist tatsächlich ein Artikel, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Danke dafür.

In der Tat ist aber auch mein Ausblick in die Zukunft eher getrübt.
Mag sein, dass ich langsam alt werde, aber gerade die Entwicklungen der letzten Jahre, die mir aufgezeigt haben, wie abhängig wir mittlerweile von vielen Dingen sind, die wir gar nicht kontrollieren (können). Sei es geopolitisch, aber auch gesellschaftlich.
Ich halte mich persönlich ja für einen relativ kritischen Menschen, der viele Dinge hinterfragt und ich merke, wie selbst mir immer mehr schwer fällt zu unterscheiden ob Informationen echt sind oder nicht. Mit dem rasanten Aufschwung von KI hat sich das natürlich extrem verstärkt.
Generell glaube ich, dass wir weltweit viel mehr Spielball von Mächten (politisch, finanziell, korporativ) werden, die nicht unser Bestes im Sinn haben und ich erwische mich immer mehr dabei, wie ich diese ganze technische Entwicklung ablehne und mich tatsächlich eher zu traditionellen handgemachten Dingen hingezogen fühle.
Jetzt in den Ferien oft raus in die Natur zu gehen, hat mich weit mehr fasziniert, als die nächste Apple News.
Auf meiner persönlichen Bucket-List stehen Dinge wie "selbst eine Gitarre bauen" und "eigene Designer-Kleidung nähen lernen". Also für mich selbst eher ein "zurück" in der Zeit. Aber ich fürchte das läuft diametral zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.
Insofern hoffe ich, dass es manche technischen Entwicklungen gibt, die dabei helfen den Einfluss von Technik/Medien auf unseren Alltag zu minimieren, so dass wir mehr Zeit haben uns gegenseitig positiv zu verstärken.
+15
docstuart15.08.26 15:55
Letztens eine Arte-Doku zum Thema Arbeit der Zukunft im Zusammenhang mit KI und Robotik gesehen. Hier wurde bei idealem Verlauf vorhergesagt, dass die Roboter die Sklaven der Zukunft sein werden, die alle ungeliebten Arbeiten verrichten werden, und wir uns den schönen Dingen widmen.
Zur Finanzierung der Allgemeinheit müssten dann die Roboter/KI Steuern zahlen.
+2
Moka´s Onkel
Moka´s Onkel15.08.26 15:58
Für mich ist das iPhone in erster Linie ein technisches Hilfsmittel, welches mir schnell und - verglichen mit "früher" - auch komfortabel Informationen zur Verfügung stellt und natürlich gleichzeitig auch ein Kommunikationsgerät ist. Wir interagieren mit dem iPhone entweder über Spracheingabe mit Siri - was für viele Aufgaben nur so mittelmäßig funktioniert - oder über das Display - was ja eher etwas altmodisch ist.

Angenommen, die Miniaturisierung, die Batterietechnik und auch KI macht weitere Fortschritte, könnte ich mir vorstellen, dass sich unsere Interaktion mit technischen Hilfsgeräten drastisch verändern wird. In den nächsten 10 bis 20 Jahren werden wir mit unseren technischen Hilfsmittel vielmehr rein sprachbasiert interagieren, vielleicht auch mit Gesten. Und ich 50 Jahren vielleicht per Übertragung von Gehirnströmen - wer weiß? Ich vermute, dass Eingaben per Tastatur weitestgehend verschwinden.

Im Übrigen: Herrliche Bilder von 1900, wie es 2000 alles funktionieren könnte!
+2
Weitere News-Kommentare anzeigen

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.