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Die (ferne) Zukunft der Kommunikation: Was kommt nach dem iPhone?

Seit fast 20 Jahren prägen das Apple iPhone und alle seine Nachahmer die kulturelle und kommunikative Landschaft der Menschheit. Es stellt einen bedeutenden Durchbruch dar. Aber was kommt danach? Oder bleibt das iPhone für die nächsten 100 Jahre? – Ein Blick in die Glaskugel.

Früher war alles besser. Sogar die Zukunft! Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an die Visionen der 50er, 60er und 70er Jahre, als die industrielle Revolution noch ungebremst und ohne zu viel hemmende Bürokratie in vollem Gange war und es gefühlt keine Limits beim technischen Fortschritt zu geben schien. Ob fliegende, atombetriebene Autos oder Rohrpostleitungen als Transportmittel für Menschen.

Ich selbst war als Kind von einem absolut seriös und aufwendig gemachten Buch fasziniert, das 1974 unter dem Titel "Die Zukunft – Das Bild der Welt von morgen" im Bertelsmann Verlag erschien und in dem Vorhersageversuche gemacht wurden, wie die Welt im Jahr 2000 und darüber hinaus aussehen könnte. Das Buch stammte aus der Zeit, in der die aufregendsten technologischen Konsumerprodukte digitale Quartz-Armbanduhren und Taschenrechner waren. Das Buch ist noch heute im Familienbesitz. Im Folgenden sehen Sie ein paar fotografische Auszüge.

Das Erscheinungsdatum lag noch vor der Heimcomputerrevolution, dem Videorecorder, Mobiltelefonen und dem Internet. Es ging um aufregende Visionen von ersten Siedlungen auf dem Mars in den 1990ern, Ferien auf dem Mond, von unendlicher Energie dank gemeisterter Kernfusion, von Flügen über den Atlantik mit Mach 15, aber auch um massive Überbevölkerung des Planeten mit 15 Milliarden Menschen und entsprechenden Nahrungsengpässen, sowie um Gesundheit und Lebensverlängerung.


Nur wenige der Visionen sind eingetroffen. Und selbst die vielleicht noch möglichen positiven Aussichten waren zeitlich gesehen oft viel zu früh angesetzt (z. B. Marskolonien in den 90ern). Von den Dingen, die unsere Welt hingegen tatsächlich massiv verändert haben, nämlich Internet, Smartphones, Social Media – im Guten wie im Schlechten –, oder auch Streaming, war überhaupt nichts vorher gesagt, denn das alles fußt auf dem Internet, das in seiner heutigen Ausprägung nicht abzusehen war. Aber eine gewisse Vorstellung von der vernetzten Welt existierte schon. So wie auch flache Großbildschirme abzusehen waren. Hier ein Zitat aus dem Buch, Seite 107:

"Das Bild kommt nicht mehr aus einem Kasten in der Ecke. Es füllt die ganze Wand. Menschen erscheinen in Lebensgröße, hautecht wie zum Anfassen. PAL-Erfinder Walter Bruch sagt voraus: »Die Größe des flachen Bildschirms wird in den Wohnraum harmonisch eingefügt sein. So wirkt das Fernsehbild wie ein Fenster, vor dem sich die Familie gruppiert, um nach draußen in die Welt zu sehen.« […] Die Fernsehwand von morgen wird ein Zauberspiegel sein. In Kombination mit einem Heimcomputer, der wiederum einem internationalen Verbundnetz angehört, lässt sich auf ihr (oder selbstverständlich auch auf den vielen tragbaren Geräten) perfekter Weltkontakt herstellen."


Faszinierend weitsichtig, oder?


Es gab (nicht nur in diesem Buch) auch Vorhersagen zu künstlicher Intelligenz, die ganz aktuell unsere Welt auf vielen Ebenen stark beeinflusst. Nur dass man früher eher an schlaue Hilfsroboter humanoider Form dachte, die uns die beschwerlichen Dinge des Lebens abnehmen, etwa zuhause Kaffee an den 150 Zoll Röhrenfernseher bringen. Nicht jedoch an mit dem Internet verbundene KI-Rechenzentren, die gigantische Ressourcen verschlingen und deren „Intelligenz“ nicht ganz so wie gedacht ausfällt. (Aber deswegen nicht minder beängstigend ist.) – Eine Parallele dazu sehe ich in dem 1970er-Jahre Sci-Fi-Streifen "Colossus: The Forbin Project" (basierend auf einer 1966er SF-Novelle), in dem ein riesiger, in einen Berg gebauter Computer von den Menschen zur Verteidigung beauftragt wird, was absehbar in einer Katastrophe endet.


So oder so: Zukunftsvisionen wie in dem Buch meiner Kindheit, das ich wirklich verschlungen und immer wieder hervorgeholt habe, sind heute irgendwie aus der Mode gekommen. Das liegt wohl an einer gewissen Ernüchterung, die eintrat, als all die wirklich tollen Vorhersagen einfach nicht kamen, andererseits vielleicht an einem gewachsenen Pessimismus in Bezug auf Fortschritt und Entwicklung durch Technik, oder auch an mehr Realismus, denn durch die heute dank Internet für jedermann verfügbaren Informationen muss man sich nicht mehr auf fremde Auguren verlassen, sondern kann selbst einschätzen, was vielleicht machbar ist, und was eher nicht.

Auszüge aus "Die Zukunft". Ein faszinierendes Buch mit interessanten teils in die richtige Richtung gehenden, oft jedoch völlig daneben liegenden Prognosen. Vor allem, weil die Auswirkungen des Internet nicht exakt vorher gesehen wurden.

Life after iPhone?
Womit wir bei der Frage wären, was eigentlich beim iPhone und seinen Konkurrenten technologisch gesehen noch großartig kommen kann, außer schnellere Hardware und immer komplexere Betriebssysteme mit immer mehr (KI-) Funktionen, die mal mehr, mal weniger nützlich für unser echtes Leben sind. Das altehrwürdige Telefon hat immerhin über 100 Jahre lang in fast unveränderter Form unser Leben geprägt. Erst mit der Befreiung von der Strippe, dem Siegeszug der Mobiltelefonie, sowie deren Transition zum heutigen Smartphone wurde das „Festnetztelefon“ in weiten Teilen obsolet.


Eine technologische Neuerung, die wir bereits kennen, und die Apple erst in Kürze nutzen wird, sind flexible Displays. Klappbare Smartphones oder Foldables werden aber absehbar keine wirklich Revolution auslösen. Sie stellen eher eine Möglichkeit für mehr Variantenreichtum bei der Nutzung von Smartphones dar, die aber im Kern unverändert bleiben.

Wenn wir mal anfangen zu spinnen und in die alte Euphorie der ungezügelten Zukunftsgläubigkeit verfallen, dann sind einige gravierende Weiterentwicklungen zumindest vorstellbar. Aber auch realistisch? Nehmen wir zum Beispiel die in der SF-Serie „The Expanse“ sehr überzeugend dargestellten Smartphones der Zukunft. Die arbeiten mit komplett transparentem Gehäuse (durchsichtige Chips und Akkus? Quantenschaltungen?) und verfügen vor allem über eine integrierte (und ebenfalls unsichtbare) Holografie-Projektion, die es erlaubt, den Anzeigebereich über den eigentlichen Rahmen der Hardware hinaus beinahe beliebig zu erweitern, und die sich mit „Luftgesten“ wie ein Touchdisplay bedienen lässt. – Cooool!


Das ist nicht komplett unrealistisch, aber faktisch fehlen dafür bis heute einige technologische Grundlagen. Holografische Projektion an sich ist aber schon in gewissen Grenzen möglich. Für einen Massenmarkt im Bereich iPhone ist aber noch nicht mal ansatzweise zu erkennen, ob so etwas in vielleicht 30 oder 50 Jahren mal Einzug in unseren Alltag halten könnte.

Früher gingen Zukunftsforscher auch oft davon aus, dass Mensch und Technik physisch irgendwann miteinander verschmelzen würden. Also etwa, dass wir uns Computer-, Kommunikations-, und Anzeigetechniken in den Körper implantieren würden. Per Gedankensteuerung und mittels KI könnte das iPhone der Zukunft Informationen direkt auf die Netzhaut projizieren, akustische Informationen an den Hörnerv weiterleiten und uns so ständig mit der „Datensphäre“ (a.k.a. Internet) verbinden.

Abgesehen davon, dass das Meiste der dafür benötigten Technologie noch komplett fehlt, haben solche Ansätze einen riesigen Haken: Sollen wir uns dann jährlich das jeweils neueste Bionic-iPhone im nächsten Apple Store chirurgisch einpflanzen lassen, oder bekommen wir dafür einen „Wechselslot“ in den Kopf? Und brauchen wir dann „Apple Health Care“ für defekte Implantate? Von den damit einher gehenden Gefahren für Datenschutz und Privatsphäre ganz zu schweigen. – Ich glaube, den bionischen Ansatz zur „smartifizierung“ des Menschen können wir bis auf weiteres vergessen.

Aber was könnte sonst noch kommen? Vielleicht ausrollbare Displays, á la Papyrus? Auch daran wurde schon gedacht und mit einer Weiterentwicklung der flexiblen Displaytechnik wäre das ein denkbarer Ansatz, um die Anzeigefläche von Smartphones zumindest in einem langen Streifen deutlich vergrößern zu können. Sinnvoll? Hmmmm …

Und was ist mit der Energieversorgung? Fairerweise muss man eingestehen, dass die Akkutechnologie in einem zwar langsamen aber stetigen Prozess doch schon recht weit gekommen ist und heutige, leistungsstarke Smart-Devices erst ermöglicht. Aber wie sehen Akkus in vielleicht 50 Jahren wohl aus? Werden sie mit irgendwelchen exotischen Materialien in der Lage sein, ein Vielfaches der heutigen Kapazitäten zu bieten? Oder sind die physikalischen Grenzen schon bald erreicht und wir brauchen so etwas wie die Mikro-Fusionsbatterie (bereits von Isaac Asimov für seine positronischen Roboter ersonnen) zum Betrieb des iPhones im Jahr 2076?

Was noch? Einen echten technologischen Durchbruch könnte die Quantencomputertechnologie bringen, sollte es gelingen, diese massentauglich zu machen und sie in mobile Devices zu integrieren. Damit könnte sich nicht nur die Art und Weise der globalen Kommunikation grundlegend verändern, sondern auch die Qualität und Leistung von KI-Systemen. Auch hier ist noch viel Grundlagenforschung nötig und es ist keineswegs sicher, ob und in welche Bereiche sich die Quantentechnologie tatsächlich in den Alltag der Menschen integrieren lässt.

Bei alledem darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass die gesamte mobile Kommunikation heute auf der komplexen Infrastruktur von Mobilfunknetzwerken aufbaut. Derzeit ist "5G" der angesagte Standard und der direkte Nachfolger "6G" wird voraussichtlich ab ca. 2030 ausgebaut. Aber was ist in 50 Jahren? Erfolgt die Übertragung dann noch immer auf die selbe Weise per Funk über lokale Antennenmasten und in Zellen eingeteilt? Oder direkt via Satellit, mit einem Netzwerk aus 1 Mio. Musk-Link-Mikrosatelliten, die per Quantenverschränkung Daten übertragen? …


"Schwer zu sehen, die Zukunft ist. Immer in Bewegung."
Meister Yoda hat natürlich Recht. Die Zeiten, in denen uns die abgefahrensten Phantasien als "schon bald real" versprochen wurden, sind vorbei. Nüchterner Realismus sagt uns, das wir nicht wissen können, was noch so kommt – nicht nur beim iPhone. Aber es schadet auch nichts, mal ein wenig zu spinnen und zu sinnieren, was sein könnte, wenn gewisse technische Hürden zu überwinden wären. Es könnte dabei meiner Meinung nach auch nicht schaden, wenn wir wieder ein klein wenig optimistischer in unsere technologische Zukunft blicken würden.

Was denken Sie, wie das iPhone in 50 Jahren aussehen, oder was es als Ersatz geben könnte?

Kommentare

sffan15.08.26 08:32
Hach, „die Zukunft“ habe ich auch noch im Regal. Das interessanteste Buch einer ganzen Serie. Nicht alle habe ich, aber einige. Unabhängig von den Prognosen nehme ich es auch heute noch gerne in die Hand. Alleine die Illustrationen sind für mich eine Augenweide.
„Das neue Universum“ Jahrbuch der Zeit haut auch in die Kerbe.
+2
sffan15.08.26 08:38
Wie sehe ich heute die Zukunft?
Eher gruselige Visionen wie „Ghost in the Shell“ könnten bald schrittweise real werden. Inklusive eingebautem Modem der Cyborgs. Bis zum Gehirn im Roboterkörper dauert es bestimmt noch. Bin nicht traurig drüber..
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WLanHexe
WLanHexe15.08.26 09:07
Warum müssen es immer Displays sein? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Zukunft ähnlich wie bei Raumschiff Enterpriese aussieht. Zumindest was die Computer angeht... Vielleicht wird es in ein paar Generationen der Menschheit völlig normal sein, dass ein Computer stets und ständig zuhört, einen ggF. sogar ins Wort fällt und Dinge im Hintergrund tut, ohne das man auf irgend einem Display oder irgend einer Tastatur oder Maus irgend etwas auslöst. Ganz unrealistisch sehe ich eine solche technische Entwicklung nicht, bereits heute ist es ja in Teilen möglich. Okay, was so ein Agent dann im Hintergrund tut etc,... daran müssen wir noch massivst arbeiten. Aber Ich kann mir vorstellen, dass ein Display in Zukunft nur noch eine unterstützende Komponente sein kann, um Dinge eben optisch darzubieten.

Gelegentlich lese ich aber auch mal in alten Büchern, oder schau mir Videos an, in denen die Zukunft von heute vorausgesagt wurde. Und nicht selten muss ich dabei schmunzeln. Naja und mitlerweile blicke ich selbst auch manchmal zurück und denke mir: "Hätte mir vor gut 25 Jahren jemand gesagt, dass wir bald an einem PC mit 20 Kernen oder mehr sitzen werden. Von denen jeder mit mehreren GHz Taktet, oder das wir Grafikkarten mit 12 oder 16 GB Grafikspeicher haben werden oder 32 oder gar mehr GB Arbeitsspeicher,..." ich ja selbst das hätte ich um die 2000-Wende fast noch illusorisch angesehen.
+2
mdmd15.08.26 09:09
Okay, alle Deutungen gehen hier von einem (weiterhin) ungebremsten Wachstum der Industriestaaten aus, das Resourcen ausnutzt und binded. Was passiert aber, wenn genau DAS zum Erliegen kommt?! Das Wachstum oder der Konsum wieder zurückgeschraubt werden müssten. Dann wären intelligente Lösungen sehr hilfreich, als immer höher, schneller, weiter…
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Niederbayern
Niederbayern15.08.26 09:33
mdmd

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