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Test Grell OAE2 offener Over-Ear: Warum dieser Kopfhörer anders tickt und damit besser klingt

Grell OAE2 – Praxis, Klang und Fazit

Was beim Aufsetzen des OAE2 als Erstes auffällt, ist sein relativ hoher Anpressdruck. Offene Kopfhörer sind da meistens etwas sanfter. Aber keine Angst, der Druck ist keineswegs unangenehm, auch nicht bei längerem Tragen. Die flauschigen und breiten Ohrpolster verteilen den Druck sehr gut. Der Sitz des OAE2 ist dadurch sehr sicher. Er ploppt förmlich auf die Ohren.

Auch merkt man schnell, dass der OAE2 ein „sehr offener“ Kopfhörer ist. Gemeint ist folgendes: Im Marketing ist fast immer nur von „offener“ oder „geschlossener“ Bauweise die Rede, aber das ist in der Realität nicht digital wie „1“ und „0“ zu verstehen. Eher wie Graustufen. Manche Kopfhörer, wie etwa der Dan Clark Audio Noire XO (Testbericht), sind eher als halboffen statt offen einzustufen. Andererseits gibt es als geschlossen vermarktete Kopfhörer, die aber auch eher in Richtung offen tendieren. Der OAE2 dämpft Außengeräusche nur sehr wenig und wirkt damit vom allgemeinen akustischen Ambiente her auch in keiner Weise bedrückend oder isolierend. – Ein sehr wichtiger Punkt für Genusshörer. Nur kann man damit natürlich keinen Straßenlärm blockieren, wofür der OAE2 letztlich auch nicht gedacht ist.

Grell wird übrigens demnächst noch optional einen Boom-Arm für Telefonie anbieten. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser Kopfhörer sehr gute Sprachqualität liefert. Vielleicht kann ich das zu einem späteren Zeitpunkt noch mal ausprobieren.


Hörtest: Offen für alles
Der OAE2 musste sich an verschiedenen Kopfhörerverstärkern unterschiedlichster Preisklassen zwischen ca. 250 und knapp 3.000 Euro beweisen. Unter Idealbedingungen, beispielsweise am Violectric HPA V324 (2.600 Euro), einem rein analogen KHV der Spitzenklasse, der sein Signal zeitweise vom eversolo DMP-A10 per XLR bekam und zeitweise über den sehr günstigen iFi Audio ZEN DAC 2 (inzwischen gibt es ihn als ZEN DAC 3 für 249 Euro), mit dem Mac als Quelle per USB. Die Musikzuspielung erfolgte über Roon.

Zum Vergleich kamen verschiedenste Kopfhörer unterschiedlicher Preisklassen aus meinem Bestand zum Einsatz. Darunter der T+A Solitaire T im Passivmodus, der Dan Clark E3 (geschlossener Magnetostat), sowie zwei Neuheiten von Yamaha, der YH-4000 (offener Magnetostat) und der YH-C3000 (geschlossen, dynamisch).

Wie schon angedeutet, wird das Im-Kopf-Gefühl auch mit dem OAE2 nicht komplett beseitigt. Es bleibt bei einem Kopfhörer-typischen Klangerlebnis ohne eindeutige Vorne-Ortung mit Entfernungsinformation. Aber das war ja auch nicht das Versprechen. Im Gegensatz zu anderen tappt Grell nicht in diese Marketingfalle. Beim OAE2 geht es mehr um eine Öffnung der Klangbühne, hin zu einem entspannteren Hören. Aber ohne dafür Klarheit und Details einzubüßen. Und das gelingt ihm famos!

Der OAE2 ist zudem ein typisch europäisch abgestimmter Kopfhörer mit eher neutralem Charakter. Und zwar auf sehr angenehme Weise, wie ich finde. Echte Schwachstellen sind ihm nicht nachzuweisen. Abgesehen von seiner Luftigkeit überzeugt der Grell mit guter Auflösung, solidem, aber nicht überbetonten Bassfundament mit genauer Kontur, ganz ohne übertriebenes Gerumpel, sowie mit tonal sehr ausgewogenen Mitten. Da klingt nichts topfig oder muffig. Vielleicht könnte er noch eine Spur herzhafter im Bass und Grundton auftreten. Etwas, das den geplanten OAE1.1 vermutlich auszeichnen wird und ihn damit auch wieder für den amerikanischen Markt attraktiv machen dürfte. Aber die Ehrlichkeit des OAE2 ist eigentlich genau das, was sich die meisten europäischen Ohren wünschen.


Dazu kommt aber seine besonders losgelöste Räumlichkeit, wie man es in dieser Preisklasse nirgendwo sonst findet. Das macht den OAE2 zu einem echten Genusshörer, statt zu einem seziererischen Besserwisser, der auf jeden noch so kleinen Makel der Darbietung hinweist. Was ihn aus meiner Sicht umso sympathischer macht.

Da ich meine Außenohren nicht wie Kopfhörer wechseln kann, vermag ich nicht einzuschätzen, ob damit das Ziel erreicht ist, für alle unterschiedlichen Hörkurven einen gleichermaßen ausgewogenen Klang zu erzeugen. Genau das soll ja der Vorteil dieses Konzepts sein. Das können nur Sie selbst für sich allein bei einem Hörversuch mit dem Grell ermitteln. Für mich passt der Schuh einwandfrei.


Fazit: Für Genussmenschen mit Freiheitsdrang
Eine absolut ehrliche Haut mit der Fähigkeit, die Musik angenehmer, ja schwebender als mit den meisten Kopfhörern dieser Klasse darzubieten, das zeichnet den Grell OAE2 aus und macht ihn aus meiner Sicht zu einem der attraktivsten derzeit verfügbaren Over-Ears in der Landschaft passiver Kopfhörer um 500 Euro. Er ist kein Studiokopfhörer für Mixing und Mastering, aber deswegen noch lange kein unechter Schönfärber.

Die Summe seiner Eigenschaften überzeugt. Damit reiht sich der Grell OAE2 selbstbewusst in die Liga renommierter Marken ein, bringt aber nicht nur ein eigenes Design mit, sondern auch eines der offensten und luftigsten Klangerlebnisse für Kopfhörer dieser Preisklasse.


Plus/Minus Grell Audio OAE2
+ angenehm weiträumiger, unbeschwerter Klang
+ Tonal sehr ausgewogen und dynamisch, tiefreichender Bass
+ elektrisch unkompliziert
+ gute Verarbeitung, keine Kabelgeräusche
+ gut reparierbar, Ersatzteile verfügbar
+ cleveres Kabel-Anschlusskonzept
+ strammer aber bequemer Sitz, langzeittauglich, nicht zu schwer

– Kopfhörerständer statt Kunststoff-Case wäre passender

Grell Audio OAE2
Preis 499 Euro
Wandlerprinzip dynamisch
Bauweise offen
Besonderheiten Klangcharakteristik: frontorientierte Lautheitsdiffusfeldentzerrung, Anpassung an die individuelle Hörkurve: Schallfeld-Ohrmuschel Interaktion, modulare Konstruktion
Frequenzgang 12 - 34.000 Hz (-3 dB), 6 - 46.000 Hz (-10 dB)
Empfindlichkeit 100 dB bei 1 kHz, 1 VRMS
Impedanz 38 Ω
Lieferumfang Aufbewahrungsbox und 2 x 1,8 m versilbertes OFC-Kabel, (Klinke 6,35 mm und 4,4 mm Pentaconn)
Ohrpolster flauschiger Stoff mit Memoryschaum, austauschbar
Gewicht 378 g

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