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Kurztest Dan Clark Audio Noire XO magnetostatischer Over-Ear – Black is Beautiful

Gleicher Klang für weniger Geld?
Zitat Dan Clark: „Mit dem Noire XO haben wir alles daran gesetzt, das bestmögliche Klangerlebnis zu bieten, unabhängig vom Preis. Wie bei uns üblich, machen wir bei Kopfhörern im unteren Preissegment keine Abstriche. Vielmehr versuchen wir, die Technologie, den Komfort und die Leistung unserer Flaggschiff-Kopfhörer zu nutzen und die Kosten zu senken, um überragende Leistung zu einem niedrigeren Preis zu erzielen […]"


Das klingt sehr ehrenhaft, aber aus wirtschaftlicher Sicht birgt ein solcher Ansatz Probleme. Wenn das neueste Produkt durch optimierte Technologien und Produktionsprozesse billiger, aber gleich gut wie die Vorbilder ist, dann werden von den teureren Modellen nicht mehr viele verkauft und sie verstauben in den Verkaufsregalen.

Kompakt
Marke Dan Clark Audio
Bezeichnung Noire XO
Art Over-Ear, halboffen, Magnetostat
Empf. Preis (€) 1.399
Verfügbarkeit sofort
Aber ganz so weit muss man es ja nicht treiben. Mit einem gewissen Respektabstand zu den Topmodellen – etwa durch nicht ganz so edle Materialien – bleiben auch Gründe für den Griff zu den Spitzenmodellen. Aber erst mal müssen wir hier die Frage klären, ob es DCA mit dem Noire XO tatsächlich gelungen ist, die klanglichen Fähigkeiten seiner teureren Modelle zu erreichen. Da bietet sich als Vergleichsmaßstab der DCA E3 an. Der kostet mit knapp 2.500 Euro fast doppelt so viel wie der Noire XO. Kann der Neuling dem E3 klanglich Paroli bieten?


Was zeichnet den Dan Clark Audio Noire XO aus?
Der Entwickler Dan Clark hat sich auf das magnetostatische Schallwandlerprinzip spezialisiert. So wundert es nicht, dass auch der Noire XO nach diesem Prinzip arbeitet. Und wie der E3 ist auch er ein Over-Ear, aber laut Datenblatt in offener Bauweise. Wäre das überhaupt ein statthafter Vergleich mit dem geschlossenen E3? Ich meine schon, denn wie sich in der Praxis herausstellte, ist es mit der „Offenheit“ der Gehäuse des Noire XO nämlich gar nicht so weit her.

Der Noire XO ist streng genommen allerhöchstens ein halboffener Kopfhörer. Umgebungsgeräusche werden mit ihm durchaus noch merklich gedämpft. Beim E3 ist diese Dämpfung kaum größer. Keine Ahnung, warum DCA beim Noire XO nicht eher von „halboffen“ redet. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch sein Bruder Noire X (ohne „O“, welches für „Open“ steht) erwähnt, der als geschlossen geführt wird und Außengeräusche viel stärker dämpft.

Zu den Besonderheiten des Noire XO gehört, dass auch er mit dem von Dan Clark entwickelten und in diversen teureren Modellen eingesetzten Metamaterial AMTS (Acoustic Metamaterial Tuning System) zur Klanganpassung ausgestattet ist. Eben dieses exakt berechnete akustische Material soll der Hauptgrund dafür sein, warum der Noire XO für seinen Preis so gut klingen soll. Das AMTS sei auch dafür verantwortlich, dass der Noire (und seine größeren Geschwister) die Harman-Zielkurve nachbilden können, was für magnetostatische Kopfhörer schon recht selten ist. Mehr Basspotenz ist das Resultat.

Laut Dan gehört der Noire XO zu der sehr kleinen Gruppe magnetostatischer Kopfhörer, die eine absolut ausgewogene Klangsignatur erzeugen können, mit einem Bassdruck, den man sonst eher von geschlossenen Kopfhörern kennt. – Das höre ich mir gerne mal an.


Noch ein Blick auf die elektrischen Parameter des Noire XO: Die Impedanz gibt der Hersteller bis jetzt gar nicht an, was merkwürdig ist, denn das ist einer der wichtigsten Parameter für ein optimales Zusammenspiel mit dem Kopfhörerverstärker. Der deutsche DCA-Vertrieb audioNEXT (audiodomain.de) hat nachgemessen und kommt auf etwas über 14 Ohm. (Damit bestätigt sich auch die automatische Messung des Luxsin X9 Kopfhörerverstärkers (siehe Testbericht).


Wie der E3 ist auch der XO nicht besonders empfindlich. Zwar spielt er etwas lauter als sein größerer Bruder, aber der Unterschied beträgt (nach gehörmäßigem Abgleich) nur etwa 3 dB. Damit ist er immer noch sehr viel leiser als die meisten herkömmlichen 16-Ohm Over-Ears und sollte daher an einem möglichst potenten und stabilen KHV betrieben werden.


Die wichtigsten technischen Daten des Noire XO:
  • Konzept: Over-Ear, halboffen
  • Wandlerprinzip: Magnetostat
  • Impedanz: ca. 14 Ohm (eigene Messung)
  • Empfindlichkeit: vom Hersteller nicht angegeben, ca. 93 dB/mW @ 1 kHz, eher als leise einzustufen
  • Gewicht: 408 g ohne Kabel
  • Besonderheiten: Einklappmechanismus, Case-Form, Metamaterial zur Abstimmung (AMTS), Bajonett-Anschlüsse

High Noon im Hörtest
Den Hauptgegner bei den Hörvergleichen habe ich schon genannt. Der E3 aus gleichem Hause setzt hier den Maßstab. Der E3 überzeugt für einen als geschlossenen konstruierten Kopfhörer mit einem außergewöhnlich guten Raumgefühl. Das von geschlossenen Kopfhörern üblicherweise gewohnte (und unschöne) Isolationsgefühl bleibt mit ihm nahezu vollständig aus. Darüber hinaus ist der E3 ein vorbildlich neutraler Kopfhörer mit sehr natürlichen Klangfarben, feinen Höhen, konturiertem und tiefreichendem Bass und einer vergleichsweise hohen Belastbarkeit.

Die erste Erkenntnis mit dem Noire XO ist, dass seine Familienzugehörigkeit klar erkennbar ist. Tonal verfügt er über einen sehr ähnlichen Charakter. Im Grundsatz neutral abgestimmt und mit natürlichen Klangfarben gesegnet, ist er tatsächlich schon sehr nahe am E3.


Auch im Bass konnte der XO mit dem E3 gut mithalten. Beide Kopfhörer überzeugen mit einer präzisen, tiefreichenden, aber nicht überbetonten Tieftonperformance. Tiefe und satte Bässe auf Topniveau, aber ohne Überbetonung. Auch hier bleibt der Noire XO auf der neutralen, ehrlichen Seite, was seinen audiophilen Charakter unterstreicht. Andererseits: Wer nach einem Kopfhörer sucht, der im Bass stets ein wenig schummelt und mehr zugibt, als in der Aufnahme vorhanden, der wird mit dem XO vermutlich nicht glücklich werden.

Die Ähnlichkeit in Charakter und Performance der beiden Kopfhörer ist wirklich frappierend, angesichts des Preisunterschiedes. Dennoch habe ich im Laufe der Testphase immer häufiger zum E3 statt zum XO gegriffen. Das lag vor allem daran, weil der E3 in der Summe aller Dinge doch noch etwas transparenter, luftiger und souveräner erschien. Aber ist das den deutlichen Mehrpreis für den E3 wert? Das kann wohl nur jeder für sich selbst beantworten. Doch wer auf den Preis achten muss, kann ohne zu zögern zum Noire XO greifen.


Fazit: Downzizing und Downprizing gelungen
Tatsächlich ist es DCA mit dem Noire XO gelungen, fast alle Qualitäten seines deutlich teureren E3 in einen Kopfhörer der Preisklasse unter 1.500 Euro zu transplantieren. Wer ganz genau hinsieht und hinhört, findet im E3 nach wie vor das bessere Gesamtpaket – aber eben zu einem erheblich höheren Preis. Darum kann die Mission Noire XO nur als gelungen bezeichnet werden. Dieser Kopfhörer dürfte viele Fans einer besonders natürlichen Abbildung begeistern.

Empfehlenswert ist aber auch für den Noire XO ein kräftiger, hochklassiger Kopfhörerverstärker. An kleinen Popel-Amps kann er sein Potenzial nicht wirklich entfalten und spielt im schlimmsten Fall auch nicht laut genug. Mit einem sehr guten Dongle-DAC, wie dem iFi Audio GO Bar Kensei (Test), ist der Noire XO aber auch für die Reise eine gute Wahl.


Plus/Minus Dan Clark Audio Noire XO
+ sehr natürlich, sauberer Bass nicht überbetont, räumlich-transparent
+ gute Verarbeitungsqualität
+ hoher Tragekomfort
+ auch symmetrisch nutzbar (optionales Kabel erforderlich)
+ cleverer Einklappmechanismus
+ diskreter „Stealth-Look“

– braucht kräftige Kopfhörerverstärker

Kommentare

Nebula
Nebula13.12.25 16:38
Dan Clark
Wie bei uns üblich, machen wir bei Kopfhörern im unteren Preissegment keine Abstriche.
Das behaupten doch irgendwie alle Hersteller. Beim neuen Meze 99 Classic V2 könnte man auch meinen, man braucht keinen der 2000-€-Hörer aus dem selben Hause. Spannend sind auch die Reviews. V1 würde ziemlich abgefeiert. Nun wird der V2 abgefeiert, und man hört, dass V1 gar nicht so gut war. Ich habe den V1 und finde ich klasse, bin aber dennoch geneigt, ihn auch mal mit V2 zu vergleichen.
»Wir sind hier, um eine Delle im Universum zu hinterlassen.« – Steve Jobs
+1
milk
milk14.12.25 15:24
Ah ja, diese untere Preisklasse. 1399,-
Ihr lebt wirklich in einem anderen Universum als ich.
+1
Michael Lang14.12.25 15:44
milk
Ah ja, diese untere Preisklasse. 1399,-
Ihr lebt wirklich in einem anderen Universum als ich.

Untere Preisklasse bei gut 1500€ anzusiedeln halte ich auch für dekadent.
Aber die Preisklasse ist halt relativ zu den Top Modellen des Hauses zu verstehen.
Über 1000€ bei Kopfhörern ist für mich Oberklasse, High-End. Oberhalb 3000€ hört für mich der Spaß definitiv auf und es wird unvernünftig bis unverschämt (eigentlich auch schon darunter). Immerhin muss man gescheiter Weise auch noch einen wirklich guten Kopfhöreramp dazurechnen.

Untere Preisklasse so ganz allgemein empfinde ich bei unter 500€.


Aber der Test war wie immer gut und die XO für High-Ender und Kopfhörerenthusiasten ein sehr interessantes und gutes Produkt. Danke dafür.
- Das größte Maul und das kleinste Hirn,wohnen meist unter derselben Stirn. - Hermann Oscar Arno Alfred Holz, (1863 - 1929), deutscher Schriftsteller
+3
Nebula
Nebula14.12.25 16:04
Ihr müsst das nur mit Autos vergleichen, dann passt das mit der Preisklasse. Wenn ihr euch einen 3000-€-Kopfhörer kauft anstatt eines Neuwagens, ist der Kopfhörer eben untere Preisklasse.

Idealerweise macht ihr das nicht erst mit 50, denn sonst bezahlt ihr den vollen Preis, bekommt aber nur einen Teil der Leistung. Denn euer Gehör kann dann nur noch 70 bis 80 % der besonders edlen Frequenzen wahrnehmen. Eigentlich müsste man so ein Teil weit vor der 30ern kaufen. Um wieder einen sinnlosen Autovergleich zu bringen: Für Eltern einer großen Familie ist es auch kaum sinnvoll, einen 9-Sitzer zu kaufen, wenn die Kinder schon alle ausgezogen sind und auch nicht mehr mit in einem gemeinsamen Urlaub fahren.

(Ich hoffe, die Emojiparade kennzeichnet die Ironie deutlich genug)
»Wir sind hier, um eine Delle im Universum zu hinterlassen.« – Steve Jobs
0
sonorman
sonorman14.12.25 16:21
milk
Ah ja, diese untere Preisklasse. 1399,-
Ihr lebt wirklich in einem anderen Universum als ich.
Also erstens: das ist keine Aussage von mir, sondern von dem Hersteller. Deine Aussage "Ihr lebt in einem anderen Universum als ich" suggeriert anderes.

Zweitens meint er damit mit nicht Kopfhörer im Allgemeinen, sondern die günstigsten Kopfhörer im Angebot von DCA (und auch nicht explizit den Noire XO). Es ist also keineswegs gemeint, dass 1.400€ für Kopfhörer allgemein "untere Preisklasse ist".
+1
Nebula
Nebula14.12.25 18:36
sonorman
sondern die günstigsten Kopfhörer im Angebot von DCA

Da zählt der Noire mMn aber eher zum mittleren Preissegment. Sie haben ja auch Teile für 500 €, 900 € und 1100 € im Sortiment. Ist halt die Frage wie man die Mitte definiert. Auf die einzelnen Geräte bezogen oder pauschal auf die Preisspanne (500–4500€). Runtergebrochen: Wenn ich drei Produkte für 10 €, 100 € und 1000 € im Angebot habe, gibt es dann ein mittleres Preissegment oder nicht (weil ein 500-€-Produkt fehlt)? Ich jedenfalls würde es immer auf die verfügbaren Produkte beziehen, sofern man sich nur auf das eigene Sortiment und nicht auf den Gesamtmarkt bezieht.

Es stellt sich ohnehin die Frage: Wenn sie keine Abstriche machen, was sagt das über die günstigeren Modelle aus. Machen sie da Abstriche? Und welche Abstriche sind gemeint? Klangliche? Ansonsten stünde ja noch die Frage im Raum, wie sich die teureren Modelle rechtfertigen, wenn sie ebenbürtig sind. Das Marketingzitat bringt mir hier ehrlich gesagt überhaupt keinen Mehrwert und erscheint mir überflüssig.
»Wir sind hier, um eine Delle im Universum zu hinterlassen.« – Steve Jobs
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sonorman
sonorman14.12.25 18:54
Nebula
sonorman
sondern die günstigsten Kopfhörer im Angebot von DCA

Da zählt der Noire mMn aber eher zum mittleren Preissegment. Sie haben ja auch Teile für 500 €, 900 € und 1100 € im Sortiment. …
Darum schrieb ich ja, dass damit nicht explizit der Noire XO gemeint ist.

Er meint natürlich die günstigsten in seinem Sortiment. Und natürlich ist dabei auch mit irgendwelchen Abstrichen zu rechnen, das habe ich im Artikel ja auch beschrieben. Der Noire ist NICHT in allen Bereichen exakt genau so gut, wie der E3. Und die kleineren sind NICHT exakt so gut, wie der Noire. Es geht um den Versuch, so wenige Abstriche wie möglich zu machen, wenn eine in teureren Klassen eingesetzte Technologie und Klangsignatur in günstigere Geräte gebracht werden soll.

Man muss nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage legen. Das erinnert mich an den wochenlangen sinnlosen Shitstorm gegen Merz wegen seiner „Stadtbild"-Aussage. Anstatt zu verstehen, was gemeint ist, wird da über Semantik gestritten. – Fettes Facepalm!🤦‍♂️
+1
Nebula
Nebula14.12.25 19:32
Ja, ich habe deine Einordnung gelesen, deshalb halte ich es ja auch für unnötig, die absolutistische Aussage des Herstellers überhaupt 1:1 „abzudrucken“. Der spricht explizit von "keine Abstriche". Das muss man ja nicht replizieren. Spätestens seit Faktenchecks üblich sind, weiß man ja, dass es schwierig ist, dabei die zu wiederlegende Aussage einfach zu wiederholen. Ist hier natürlich ein anderes Kaliber und tatsächlich Hirnwichserei meinerseits. 🙂
»Wir sind hier, um eine Delle im Universum zu hinterlassen.« – Steve Jobs
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