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15 Jahre Final Cut Pro X – erst Enttäuschung, dann Vorzeigeprodukt

Die erste Version von Final Cut Pro entstand nicht bei Apple, sondern aus einem Projekt namens KeyGrip, das zunächst bei Macromedia entwickelt wurde. Wegen eines Lizenzstreits mit Microsoft konnte Macromedia das Programm nicht veröffentlichen und suchte nach einem Käufer – den man in Cupertino fand. Apple übernahm das Team und das Projekt, ein Jahr später (1999) brachte man es als Final Cut Pro 1.0 auf den Markt. Die Schnittsoftware erlangte hohe Beliebtheit im professionellen Sektor, weswegen die Branche 12 Jahre später auch mit höchster Spannung auf die erwartete Neuentwicklung blickte. Apple zeigte diese im April 2011 auf der NAB (National Association of Broadcasters) in Las Vegas – doch die anfängliche Begeisterung verstummte schnell.


Auf Begeisterung folgte Ernüchterung
Viele Nutzer hatten die neue Version herbeigesehnt und daher direkt nach Erscheinen auch sofort gekauft. Die Ernüchterung folgte allerdings sofort und in den Rezensionen dominierte bisweilen Fassungslosigkeit. Während es kaum Zweifel gab, dass die Arbeitsgeschwindigkeit der Software beeindruckend war, sorgte der Wegfall zahlreicher Funktionen für großen Ärger. Sehr oft zu hören war, dass Apple unter Missachtung sämtlicher Anforderungen, die der Schnittmarkt stelle, lediglich ein aufgebohrtes iMovie auf den Markt gebracht habe.

Für den professionellen Einsatz sei die Software vollständig ungeeignet, da nicht einmal externe Monitore, Ausgabe auf Band, RED- und EDL-Unterstützung oder Import von Projekten der Vorgängerversion unterstützt wurden. Die ersten Reaktionen fielen derart negativ aus, dass Apple noch in derselben Woche Nachbesserungen und die Rückkehr einiger Funktionen versprach. In der Tat hielt Apple Wort und veröffentlichte zahlreiche Feature-Updates. Es dauerte allerdings Jahre, bis Apple die Nutzer zufriedenstellen konnte und die Bewertungen im Mac App Store von zwei auf 4+ Sterne kletterten.


Es war wohl ein erzwungener Schnellschuss
Final Cut Pro 7 war nicht einfach nur in die Jahre gekommen, sondern technisch an eine auslaufende Mac-Architektur gebunden. Zwei Dinge kamen zusammen: Erstens hing das klassische Final Cut Pro stark am alten QuickTime-7-Unterbau. Zweitens war es eng mit Carbon verknüpft. Apple erklärt in der eigenen Carbon indes ausdrücklich, für ein echtes 64-Bit-Programm müsse man auf Cocoa wechseln. Als Apple den Mac konsequent auf 64 Bit, Cocoa und eine neue Medienarchitektur (weg vom alten QuickTime) ausrichtete, blieb für Final Cut praktisch nur ein kompletter Neubau.

Nach Informationen aus dem damaligen Final-Cut-Umfeld musste Apple die Software in vergleichsweise kurzer Zeit praktisch neu entwickeln – und genau deshalb reichte die Zeit bei weitem nicht, all jene Funktionen direkt wieder zu implementieren, die im professionellen Einsatz als unverzichtbar galten. Die Schwächen von Final Cut Pro X beim Start waren damit wohl nicht nur eine Frage der Produktstrategie, sondern vor allem auch eine Folge enormen Zeitdrucks.

Auch 15 Jahre später: Updates kostenlos – zusätzlich ein Abomodell
Ein Faktor, der in all den Jahren aber stets gelobt wurde, war die Updatepolitik. Auch eineinhalb Jahrzehnte nach der Vorstellung muss man noch immer nichts für Aktualisierungen bezahlen. Eine wichtige Umstellung gab es dann aber doch, denn im Januar präsentierte Apple das Creator Studio. Zusätzlich zum Einmalpreis von 349,99 Euro ist FCPX seitdem zusätzlich als Abo erhältlich – was bei der 2023 erschienenen iPad-Version übrigens von Anfang an das einzige Modell war.

Kommentare

aMacUser
aMacUser09.04.26 15:17
So ätzend Apples vorgehen auch ist, so hat es einen Vorteil für Apple: Sie finden heraus, welche Funktionen tatsächlich von der Breiten Masse gebraucht werden und welche nicht, bzw. nur von einer kleinen Minderheit. Als Softwarehersteller ist man immer froh, wenig genutzte Features loszuwerden. Aber dieser Weg ist sicherlich der unschönste, den man wählen kann.
+3
maxhenli09.04.26 15:52
ich war begeisterter fcp nutzer der ersten stunde. als das x kam bin ich gegangen.
jede andere software war einfacher, flexibler und präziser zu bedienen. heute arbeite ich mit davince und bin glücklich.
ich kenne in meinem umfeld heute niemanden mehr, der fcpx nutzt.
+2
Tom56409.04.26 16:01
Leider hat Apple so einiges verbockt. Ganz schlimm fand ich, dass Aperture eingestellt wurde. Nutze es noch immer gerne auf meinem mac mini 2008.
FCP habe ich auch, aber nutze es eher selten.
+5
Fred G. Eger09.04.26 17:34
Ich bekam damals die Aufgabe zugeteilt, den Videoschnitt zu lernen und tätigen, als das in der Firma meiner Frau benötigt wurde.
So fing ich mit FCP 1.x an und machte alle Versionen bis vor dem X durch. Was hatte ich für ein Glück, denn unser "altes" Zeug reichte noch solange, bis Schnitt nicht mehr gebraucht wurde.

Das X habe ich in einer Testversion ausprobiert und dachte mir "wasdasdenn?".
Ähnliches dachten auch die ganzen Pro-Nutzer in unserem Umfeld. Für die meisen war X ein Kaufargument für AVID.
-1
Marhow
Marhow09.04.26 20:39
Ich liebe dieses Programm.
+8
teletower
teletower09.04.26 20:51
Marhow
Ich liebe dieses Programm.

Dem kann ich mich nur anschließen. Ich mochte auch FCP 7 Studio, aber FCP X gefiel mir von Anfang an.
+7
RAMses3005
RAMses300509.04.26 21:10
Ich nutze es auch häufig. Top Programm.
+7
Unwindprotect09.04.26 23:02
Ich bin ebenso ein großer FCPX fan
+6
horst110.04.26 00:16
Ich nutze FCPX seit der ersten Stunde, wo es auf dem Markt kam, Bin bis heute immer noch sehr zufrieden damit. Habe die Aufregung damals nie verstanden.
+6
FlyingSloth
FlyingSloth10.04.26 02:43
FCPX mach ich nur auf, wenn ich unbedingt muss. Fuehle mich mit DaVinci wohler und Flexibler. Ausserdem finde ich den Workflow um ein vielfaches schneller als in FCPX.
Fly it like you stole it...
-1
Mostindianer10.04.26 07:03
maxhenli
ich war begeisterter fcp nutzer der ersten stunde. als das x kam bin ich gegangen.
jede andere software war einfacher, flexibler und präziser zu bedienen. heute arbeite ich mit davince und bin glücklich.
ich kenne in meinem umfeld heute niemanden mehr, der fcpx nutzt.
in deinem Umfeld. In meinen, also Schule und Weiterbildung, sowie angehenden Profis, ist fcpx und davinci gleichauf
+3
Mostindianer10.04.26 07:06
Tom564
Leider hat Apple so einiges verbockt. Ganz schlimm fand ich, dass Aperture eingestellt wurde. Nutze es noch immer gerne auf meinem mac mini 2008.
FCP habe ich auch, aber nutze es eher selten.

war auch ein Hardcore Aperture fan, trotz dass es immer viel Arbeitsspeicher reservierte

vielleicht kommt irgendwann einmal ApertureX raus?
+2
Unwindprotect10.04.26 09:11
Mostindianer
Tom564
Leider hat Apple so einiges verbockt. Ganz schlimm fand ich, dass Aperture eingestellt wurde. Nutze es noch immer gerne auf meinem mac mini 2008.
FCP habe ich auch, aber nutze es eher selten.

war auch ein Hardcore Aperture fan, trotz dass es immer viel Arbeitsspeicher reservierte

vielleicht kommt irgendwann einmal ApertureX raus?

Ich war ebenso ein großer Aperture Fan.

Ich glaube das Problem mit Aperture war damals, dass die lautstarke „Fotoprofessional“-Community sich damals stets ununterbrochen um ein einziges Thema gedreht hat: Rauschen. Kameras wurden reduziert auf Rauschverhalten, Objektive mussten lichtstark sein damit nichts rauscht. Fotoworkflow-Software wie Aperture wurden auch hauptsächlich bezüglich ihrer Rauschminderung (und Lichter retten) bewertet. Mit Lightroom konnte jeder Idiot total verrauschte Bilder glattbügeln indem man einfach einen einzigen Regler hochzog.

War jemals wirklich relevant ob die Fotos die man am Ende wirklich macht und die dann gut sind vielleicht doch jene sind die durchdacht angefertigt und gut belichtet waren? (Also entweder mit ausreichend Licht oder lange genug belichtet). Ja - es gibt Grenzfälle wo alles zusammenkommt und nichts anderes möglich ist - aber die schwergewichtige Rauschreduzierung wurde IMHO dennoch massiv überbewertet.

Als PhotosKit an der WWDC vorgestellt wurde, konnte man der API ansehen, das sie für Aperture geschrieben war. Apple hatte offensichtlich insbesondere in Verwaltung und Cloudfähigkeit investiert… und ein modernisiertes Plugin-Interface.

Ich hege die starke Vermutung, das „Photos“ eigentlich ein Aperture X werden sollte, man aber nach dem Desaster von FCPX davon Abstand nahm. Man hat gesehen, dass der „Pro-Markt“ schlicht und einfach konservativ und wenig flexibel ist. Neue Konzepte werden tendenziell abgelehnt. Disruptive Veränderung ist grundsätzlich erstmal schlecht… und das Feedback ist meistens destruktiv und drohend (sonst gehe ich zur Konkurrenz).

Überspitzt formuliert: Den Tod von Aperture haben wir zu einem großen Stück jenen Pappenheimern zu verdanken die statt konstruktiven Feedback sofort zu Dramaqueens werden und einen Sinn darin sehen einen langjährigen Werkzeuggeschäftspartner öffentlich zu attackieren um ihn unter Druck zu setzen das zu tun was man will.

Was wäre wohl passiert mit weniger Drama und konstruktivem Feedback?
+1
pixler02.05.26 19:07
Ich war damals apple zertifizierter FCP Trainer. Version X konnte nicht mal Dateien der “vorgänger” Version 7 öffnen. Am Anfang funktionierte nicht mal ein Transfer via edl oder xml. Es war die reinste Katastrophe. Bin dann sofort zu Premiere gewechselt und bis heute geblieben. Das eine Programm Transition auch anders geht habe ich zum Beispiel am 3D Programm Maya erleben dürfen: über 3 Jahre wurde ein sauberer Übergang vom Vorgänger PowerAnimator zu Maya kommuniziert und Datenkompatibilität war ebenfalls gegeben. Was Apple damals fabrizierte macht mich heute noch fassungslos. Ansonsten bin ich ja ein ziemlicher Apple Fanboy…aber das war eine ziemlich dunkle Stunde.
+1
redbear04.05.26 22:49
Ich habe seit 30 Jahren mit Video Produktion im TV und Corporate Sektor zu tun.Ich kenne ausser ganz wenigen Ausnahmen niemanden mehr, der FCP X noch professionnel einsetzt...Mit dem Wechsel auf X gab es zuviele Probleme, fast alle meine Cutter Kollegen sind umgestiegen. Selbst die, die total auf Apple geschworen haben.
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