
Test Eversolo Lautsprecher SE100: Das nächste HiFi-Wunder aus China?
eversolo SE100: Der Ikea-FaktorImmerhin eine Sache fällt sofort ins Auge, die die SE100 aus der Masse hervorheben: ihre Bauform. Die ist in der Front quadratisch statt rechteckig, wie sonst üblich. Der Grund dafür ist nicht etwa, ein ausgefallenes Design liefern zu wollen. Tatsächlich sind die SE100 optisch so schlicht und „normal“, dass das nicht der Grund sein kann. Vielmehr dachten die Macher hier an vermutlich Millionen von Besitzern eines bestimmten Regals aus einem berühmten schwedischen Möbelhaus: nämlich an das
Kallax von Ikea. Dessen quadratische Regalfächer zieren unzählige Haushalte, insbesondere in Junggesellenbuden und bei Menschen, die einfach für wenig Geld ein ordentliches Regal haben wollen.
Die eversolo SE100 sind genau dafür geformt. Sie passen exakt in die Fächer der Kallax-Standardversionen (die Regale sind auch konfigurierbar und haben nicht nur quadratische Fächer). Damit das klanglich funktioniert, sind schon einige besondere konstruktive Maßnahmen erforderlich, die über eine quadratische Grundform hinaus gehen. So sollte die Abstrahlung der Treiber so ähnlich ausgelegt sein, wie für Wandeinbaulautsprecher. Die umliegenden Flächen – hier die Regalboards, die unterschiedlich bestückt sein können – beeinflussen die Räumlichkeit. Und auch die Auslegung des Tieftons muss gut überdacht sein. Ein kleiner sichtbarer Hinweis (aber kein Beweis dafür) ist bei den SE100 die vorne liegende Reflexöffnung zur Bassunterstützung.
Mit der zum Lieferumfang gehörenden magnetischen Frontabdeckung lassen sich die SE100 im besagten Ikea-Regal wunderbar unauffällig integrieren. Und genau das wollen viele Kunden: Die Anlage soll zwar gut klingen (na klar!), aber möglichst unsichtbar bleiben und/oder wenig Platz rauben. Zwei Dinge, die aufgrund akustischer Gesetzmäßigkeiten nur schwer unter einen Hut zu bringen sind.
Eine weitere, nur schwer lösbare Herausforderung: Wenn der Lautsprecher für so einen Regaleinsatz abgestimmt wurde, klingt er vermutlich freistehend nicht ganz so gut, denn wir haben es hier nicht mit einem aktiven System zu tun, bei dem man via DSP unterschiedliche Abstimmungen einfach umschalten könnte. Es gibt nicht mal Steckbrücken auf der Rückseite, um den Frequenzgang manuell zumindest dezent anpassen zu können, so wie es diverse andere Hersteller bieten (beispielsweise Nubert bei seiner
nuVero-nova-Serie).
Abgesehen von ihrer Form mit Kallax-Kompatibilität sind die SE100 technisch absolut konventionell. eversolo betont zwar die Hochwertigkeit der verwendeten Treiber und Weichenbauteile, aber das allein macht – ohne gehörmäßige Feinabstimmung – noch keinen guten Lautsprecher.
Bleibt nur eins zu tun: Ausprobieren und ganz in Ruhe anhören! Und da stehe ich schon vor dem nächsten Problem: Ich habe kein Kallax-Regal. Auch kein anderes, annähernd ähnliches, in das ich die SE100 stellen könnte. Überhaupt keine offenen Regale. Nur Schränke, Sideboards, Lowboards und natürlich Lautsprecherständer für die freie Aufstellung. Das ist meine bevorzugte Aufstellungsart für fast alle Kompaktlautsprecher, denn auf soliden Stands sind die Speaker nicht nur vom Boden, sondern auch von Regalen entkoppelt, auf denen noch viele andere Gegenstände stehen können. Die werden im schlimmsten Fall direkt durch Resonanzen zum Schwingen oder gar Klirren angeregt. Das muss natürlich mit allen Mitteln verhindert werden.
Immerhin passen die SE100 noch mit etwas Luft in besagte Kallax-Regalfächer. Das ermöglicht den Einsatz von geeigneten Entkopplungsfüßen. Denn die dünne Gummierung an der Unterseite der Boxen dient kaum als wirksame Maßnahme gegen Resonanzübertragung vom Gehäuse auf das Regal. Diese Tuning-Maßnahme sollten Käufer der SE100 auf jeden Fall auch im Hinterkopf behalten, um das Klanggeschehen zu optimieren.
Zurück zu mir und meinem Test: Mir blieb nichts anderes übrig, als die SE100 auf Standfüßen möglichst Wandnah (aber nicht in die Raumecken) aufzustellen. Das kommt einer Regalunterbringung noch am nächsten. Und ich kann hierbei Klangbeeinflussungen durch etwaige Resonanzen weitgehend ausschließen. – Außer Eigenresnanzen der Boxen, falls auffällig.
