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Faire Steuern für Apple und Co.: Initiative aus Frankreich und Deutschland

Jedes Unternehmen in der Europäischen Union muss einen Teil des erwirtschafteten Gewinns als Steuer an das jeweilige Land abführen. Dabei unterscheiden sich die Gesetze in jedem Einzelstaat deutlich, was große Konzerne zu phantasievollen Tricks animiert, um ihre Steuerlast zu minimieren. Besonders bekannt dafür sind große US-Unternehmen wie Starbucks, Google, Amazon oder eben auch Apple. Über das Konstrukt an Tochterfirmen in Irland und Absprachen mit der dortigen Regierung führte Cupertino zwischenzeitlich nur 0,005 Prozent des Europa-Gewinns an Steuern ab.


Benachteiligung für europäische Firmen?
In der deutschen und vor allem auch französischen Politik regt sich zunehmend Widerstand. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sieht darin eine strukturelle Benachteiligung einheimischer Firmen gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder China. „Europa muss lernen, seine ökonomischen Interessen nachdrücklicher zu vertreten“, sagte er in einem Interview. „China tut das, die USA tun das. Sie können nicht die Vorteile daraus ziehen, in Frankreich oder Europa Geschäfte zu machen, ohne dafür genauso viel Steuern zu zahlen wie französische oder europäische Firmen.“

Harmonisierung der Unternehmenssteuern gefordert
Um diesem Missstand zu begegnen sollen sich den französischen Vorstellungen zufolge alle 19 Euroländer auf »einfachere Regeln« für eine »echte Besteuerung« von Unternehmensgewinnen verständigen. Allerdings können die Verhandlungen darüber frühestens bei einem EU-Treffen im September beginnen, da der wichtigste Partner, Deutschland, bis dahin noch mit dem Bundestagswahlkampf beschäftigt ist. Frankreichs Präsident Macron kündigte bereits an, die Unternehmensbesteuerung in seinem Land von aktuell 33 auf 25 Prozent zu senken und rief andere Länder dazu auf, auf ähnliche Steuersätze zu kommen, egal ob dafür eine Erhöhung oder Absenkung der aktuellen Besteuerung notwendig sei. Nur harmonisierte Unternehmenssteuern verhinderten Steuervermeidung. In Deutschland liegt die reale Unternehmensbesteuerung jüngsten Zahlen zufolge bei etwa 30 Prozent. Diese besteht je nach Unternehmen aus Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag, bzw. Einkommenssteuer.

Weiterführende Links:

Kommentare

JackBauer
JackBauer08.08.17 09:47
Wer sich tiefgründiger für diese Thematik interessiert, erfährt darüber sehr viel in diesem sehr lesenswerten Artikel:
+3
nane
nane08.08.17 10:00
JackBauer
Danke fürs teilen. Sehr interessant! +1
Das Leben ist ein langer Traum, an dessen Ende kein Wecker klingelt.
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Bilbo08.08.17 11:08
Deutsche Großkonzerne wie zB. die Autoindustrie zahlen fast gar keine Steuern in DE! VW ist einer der größten Steuer-Vermeider in Deutschland!
Man will, dass Apple mehr zahlt, was ok ist. Dann bitte aber auch die deutschen Konzerne! Und Schluss mit "Stiftungen", "Lizenzen" usw., mit denen Milliarden an Steuern "vermieden" werden.
Also, gleiches Recht(und Pflicht) für Alle!
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Simoon
Simoon08.08.17 11:54
Bilbo
Deutsche Großkonzerne wie zB. die Autoindustrie zahlen fast gar keine Steuern in DE! VW ist einer der größten Steuer-Vermeider in Deutschland!

Kannst Du das bitte belegen? Ich gehe davon aus, dass bei VW - auch was Steuern angeht - nicht alles mit rechten Dingen zu geht, aber ich lese den Geschäftsbericht so, dass in 2016 alleine >3 Mrd. Euro an Ertragsteuern gezahlt wurde.
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Esperanto08.08.17 12:39
Was sind schon faire Steuern? Davon hat wahrscheinlich jeder seine eigenen Vorstellungen. Ich hätte auch einen Wunschkatalog, z. B. keine Subventionen mehr für Großunternehmen, weniger Rüstungsausgaben (= mehr Vertrauen bei den Nachbarn), vor allem viel weniger Bürokratie usw.

Ich bin seit vierzig Jahren selbständig, habe aber keine Lobby wie die Bauern, die Pharma-Industrie oder die Agrarindustrie.

Aber wo auch immer man sucht: das Steuerchaos haben nicht die Unternehmen verursacht, sondern die Politiker. Die brauchen sich deshalb nicht zu beklagen. Ein Unternehmen wie Apple ist seinen Aktionären gegenüber verantwortlich. Dazu gehört selbstverständlich auch, die Steuerregeln nach Schwachpunkten abzusuchen und diese dann zu nutzen.
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Stereotype
Stereotype08.08.17 12:49
Simoon


Kannst Du das bitte belegen? Ich gehe davon aus, dass bei VW - auch was Steuern angeht - nicht alles mit rechten Dingen zu geht, aber ich lese den Geschäftsbericht so, dass in 2016 alleine >3 Mrd. Euro an Ertragsteuern gezahlt wurde.

Für den gesamten Konzern? Weltweit?
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Simoon
Simoon08.08.17 12:57
Esperanto
Aber wo auch immer man sucht: das Steuerchaos haben nicht die Unternehmen verursacht, sondern die Politiker. Die brauchen sich deshalb nicht zu beklagen. Ein Unternehmen wie Apple ist seinen Aktionären gegenüber verantwortlich. Dazu gehört selbstverständlich auch, die Steuerregeln nach Schwachpunkten abzusuchen und diese dann zu nutzen.

Ob gegen Gesetze verstoßen wird, oder nicht, entscheiden aber nicht die jeweiligen Unternehmen. Und selbst wenn durch kreative Auslegung von Gesetzen der Fiskus (semi-)legal ausgetrickst werden kann, heißt das noch lange nicht, dass man das auch Gutheißen muss, sondern man muss daran arbeiten, dass entsprechende Schlupflöcher zukünftig verhindert werden.

Und Politiker die sich "nicht beklagen" sollen - das deutet auf mangelndes Demokratieverständnis hin, denn politischer Diskurs ist in einer Demokratie unverzichtbar.
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Simoon
Simoon08.08.17 13:06
Stereotype
Für den gesamten Konzern? Weltweit?

Für den gesamten Konzern in Deutschland, so verstehe ich es. Ich bin aber weder Steuerexperte, noch VW-Insider, sondern stehe den Machenschaften von Großkonzernen kritisch gegenüber. Aber nach der pauschalen (und offensichtlich falschen) Aussage von Bilbo habe ich mir eben zwei Minuten Zeit genommen und kurz recherchiert...
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Esperanto08.08.17 13:43
Simoon
Esperanto
Aber wo auch immer man sucht: das Steuerchaos haben nicht die Unternehmen verursacht, sondern die Politiker. Die brauchen sich deshalb nicht zu beklagen. Ein Unternehmen wie Apple ist seinen Aktionären gegenüber verantwortlich. Dazu gehört selbstverständlich auch, die Steuerregeln nach Schwachpunkten abzusuchen und diese dann zu nutzen.

Ob gegen Gesetze verstoßen wird, oder nicht, entscheiden aber nicht die jeweiligen Unternehmen. Und selbst wenn durch kreative Auslegung von Gesetzen der Fiskus (semi-)legal ausgetrickst werden kann, heißt das noch lange nicht, dass man das auch Gutheißen muss, sondern man muss daran arbeiten, dass entsprechende Schlupflöcher zukünftig verhindert werden.

Und Politiker die sich "nicht beklagen" sollen - das deutet auf mangelndes Demokratieverständnis hin, denn politischer Diskurs ist in einer Demokratie unverzichtbar.

Na, ich würde es mal so sehen: von 1998 - 2005 hatten wir Rot-Grün, seither Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb und wieder Schwarz-Rot. Das ist eine lange Zeit, in der man sich um die Vereinheitlichung der Steuergesetze hätte einigen können. Die Politiker, die daran mitgewirkt haben, nichts zu tun, sollen sich nicht beschweren, weil sie es durch Nichtstun verschuldet haben. Die anderen dürfen sich natürlich beklagen.

Leider ist es ein Demokratiedefizit, dass diejenigen Personen, die Verantwortung hatten, nie dafür belangt werden, wenn sie Mist gebaut haben. Im Gegensatz zum normalen Bürger.
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Simoon
Simoon08.08.17 14:06
Esperanto
Na, ich würde es mal so sehen: von 1998 - 2005 hatten wir Rot-Grün, seither Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb und wieder Schwarz-Rot. Das ist eine lange Zeit, in der man sich um die Vereinheitlichung der Steuergesetze hätte einigen können. Die Politiker, die daran mitgewirkt haben, nichts zu tun, sollen sich nicht beschweren, weil sie es durch Nichtstun verschuldet haben. Die anderen dürfen sich natürlich beklagen.

Leider ist es ein Demokratiedefizit, dass diejenigen Personen, die Verantwortung hatten, nie dafür belangt werden, wenn sie Mist gebaut haben. Im Gegensatz zum normalen Bürger.

Ja, ich sehe es auch so, dass Verantwortliche zu selten wirklich auch Verantwortung übernehmen. Es ist Fluch und Segen zugleich, dass Veränderungen in demokratischen Systemen lange brauchen. Aber das kann keine Ausreide dafür sein, dass wir seit langem einen Reformstau in Deutschland, Europa und bei der WTO haben. Ich kann die Qualität der Initiative, von der hier berichtet wird, nicht beurteilen, aber ich betrachte das als ein gutes Zeichen...
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