Es wird ungemütlich für Big Tech: Werbeverbot, erzwungene Datenweitergabe, Zerschlagung?

Sowohl in den USA als auch in Europa laufen seit geraumer Zeit Untersuchungen, ob und in welchem Ausmaß die weltweit agierenden Tech-Konzerne ihre Marktmacht ausnutzen. Sowohl in der Bewertung als auch möglichen Auswegen sind sich viele Gedanken dabei ziemlich ähnlich – dies sogar parteiübergreifend. So stimmen fast alle darüber ein, dass es zu einer nicht mehr gesunden Machtkonzentration gekommen ist. Zudem gibt es diverse Beispiele dafür, wie Amazon, Google, Facebook und auch Apple dafür sorgen, es Konkurrenten sehr schwer zu machen. Ob dies in wettbewerbswidriger Weise geschieht, ist immer noch eine offene Frage, Belege führten die verschiedenen Ausschüsse indes zahlreiche an.


Erzwungene Weitergabe von Daten
Wirft man einen Blick auf die Vorschläge des US-Unterausschusses für Kartell-, Handels- und Verwaltungsrecht, so könnten diese auch aus der Hand europäischer Behörden stammen. Manche Punkte gleichen sich nämlich im Wortlaut. So soll dem Kongress nämlich eine Gesetzesvorlage präsentiert werden, der die Großkonzerne zum Datenaustausch zwingt. Gemeint ist damit natürlich, dass jeder Anwender seine Daten zu einem anderen Anbieter mitnehmen kann – und keine Aufweichung von Datenschutz und Privatsphäre.

Verbot der Besserstellung eigener Produkte
Auch den zweiten Punkt kennt man bereits aus Europa, denn zur Einschränkung der "Online-Marktmacht" würde man es den Herstellern gerne verbieten, ihre Produkte und Dienstleistungen auf eigenbetriebenen, öffentlichen Plattformen zu bevorzugen. Im Falle Apples wäre dies faktisch ein Werbeverbot für Apple-Apps im App Store und selbst auf den Online-Store hätte es Auswirkungen. Zwar bietet Apple dort nur selten Produkte an, die in Konkurrenz zu eigenen Produkten stehen – doch wenn dies im Audio- oder Monitor-Bereich dann doch einmal erfolgt, müsste Apple große Vorsicht walten lassen. Viel stärker davon betroffen ist allerdings Amazon, denn der Shopping-Gigant betreibt bekanntlich unzählige Eigenmarken.

Unternehmen zerschlagen
Besonders drastisch klingt dann die dritte Forderung: Je nach Art des Geschäftsbetriebs müsse man auch über eine Zerschlagung nachdenken. Während die ersten beiden Vorschläge noch eher moderate Eingriffe darstellen, wäre jener Punkt die ganz große Keule. Ganz so theoretischer Natur, wie es vielleicht klingen mag, sind derlei Erwägungen nicht mehr. Von ganz verschiedenen Seiten ist zu hören, dem aktuellen Treiben müsse Einhalt geboten werden – und zwar immer dann, wenn die Weltkonzerne beliebig Angebote positionieren können, nur weil sie in einem anderen Markt bereits dominant sind. Dies erinnert etwas an die Situation in den 90ern, als Microsoft beinahe beliebig diktieren konnte, welche Software der Standard sein soll. Der Vorsitzende des Unterausschusses unterstreicht den Ernst der Lage folgendermaßen: "Merkt euch meine Worte. Es wird Veränderungen geben. Gesetze kommen."

Kommentare

MikeMuc26.02.21 13:39
Welche Daten müßte Apple denn dann zur Weitergabe bereitstellen und vor allem, in Welcher Form? Das Adressbuch und der Kalender kann ja eh schon (auf dem Mac) als carddav oder caldav exportiert werden. Emails sind eh "unteroperabel", macht halt nur Arbeit, die komplett auf einen anderen Server umzuziehen, wenn man nur IMAP genutzt hat und "alles online" ist. Fehlt nur noch iMessage... das wird ja schon in einem parallelen Thread hier "gebastelt und gesucht Haben EU und die Amis hier etwa mitgelesen
+2
Mecki
Mecki26.02.21 15:15
Gemeint ist damit natürlich, dass jeder Anwender seine Daten zu einem anderen Anbieter mitnehmen kann
Relativ praxisfernes Politikergesülze. Was genau soll er hier mitnehmen können, das er aktuell nicht mitnehmen kann? Kann hier einer mal das Kind beim Namen nennen? Und wie soll das technisch möglich sein, wenn jeder Anbieter ganz andere Daten erhebt/verarbeitet und ganz anders speichert, verwaltet und verwendet? Was will soll Google mit meinem Twitter Posts anfangen? Was interessieren Apple meine YouTube Videos? Und so etwas wie Mails, Adressbücher, Kalendereinträge und Clouddateien kann man schon immer problemlos jederzeit beliebig umziehen. Hier wir dalso entweder etwas gefordert, dass es schon gibt oder das aus technischer Sicht komplett unsinnig ist.

Im Falle Apples wäre dies faktisch ein Werbeverbot für Apple-Apps im App Store und selbst auf den Online-Store hätte es Auswirkungen.
Apple bewirbt dort aber auch Apps anderer Anbieter. Wenn sie da ihre eigenen nicht mehr bewerben dürfen, dann würde man sie zwingen die eigenen schlechter stellen zu müssen. Aber von mir aus sollen Apple das verbieten, ich denke das kann Apple verschmerzen.

Unternehmen zerschlagen
Hat bisher nicht so toll funktioniert in der Vergangenheit. Man schaue sich nur das AT&T Debakel an. Dadurch entstanden nur viele kleine Konzernen, die lokal wieder Monopole waren und am Ende wieder zu wenigen große fusioniert sind. Woran erinnert mich das? Ach ja, deutscher Kabel TV Markt. Selbe Idee, gleich schlecht umgesetzt, gleiches Endergebnis.

Was am US Telefonmarkt die Dominanz gebrochen hat, waren lokale Internetanbieter die Telefon durch VoIP realisieren konnten und der Siegeszug des Mobilfunks. Beides hätte es aber genauso gegeben, hätte man AT&T damals nicht zerschlagen.

Und die wahren Probleme entstehen fast nie weil Konzerne von sich aus wachsen oder neue Geschäftsbereiche erschließen, sondern weil sie fusionieren (so wurde auch AT&T so groß und mächtig). Dabei untersucht der Staat jede diese Fusionen im Vorfeld und kann sie unterbinden. Tut er aber so gut wie nie. Das wäre aber viel sinnvoller als Konzerne übermächtig werden zu lassen und sie dann hinterher zerschlagen zu wollen.

Warum ist denn Google so dominant geworden? Na weil sie den Werbemarkt kontrollieren. Und warum kontrollieren sie den Werbemarkt? Na weil Google 2007 für 3,1 Mrd das Werbenetzwerk DoubleClick übernommen hatte, den damaligen Branchenprimus. Und wie schreibt die Wikipedia so schön dazu:

US-Gesetzgeber haben mögliche Datenschutz- und Wettbewerbsfolgen der Übernahme überprüft.

Anscheinend aber nicht wirklich. Denn selbst den letzten Idioten muss doch aufgegangen sein, dass wenn derjenige mit der größten Werbefläche den größten Anbieter von Werbung kauft, hier ein unfairer Wettbewerbsvorteil entsteht, gegen den alle anderen am Markt chancenlos sein werden und genauso ist es dann ja auch gekommen.
+6
ilig
ilig26.02.21 15:21
…den Herstellern gerne verbieten, ihre Produkte und Dienstleistungen auf eigenbetriebenen, öffentlichen Plattformen zu bevorzugen. Im Falle Apples wäre dies faktisch ein Werbeverbot für Apple-Apps im App Store…
Im App Store sind bei ben »Highlights« genau zwei kostenpflichtige Apple-Apps zu finden. Final Cut Pro X und Logic Pro X. Der Rest sind Apps von Drittanbietern. Bei den »Top-Hits« sind keine kostenpflichtigen Apple-Apps zu finden. Nur kostenlose Apple-Apps und kostenpflichtige Apps von Drittanbietern. Was hat das mit Besserstellung eigener Produkte zu tun.
+1
Sindbad26.02.21 15:50
Es könnte für Apple inzwischen ratsam sein, nicht in jedem Feld eine marktbeherrschende Stellung zu erreichen.

Beispiel: Video-On-Demand: "Hätte Apple Netflix übernehmen sollen ?"
Genau deswegen: Nein !!

Und offene Schittstellen zu bieten (bei Hard- und Software).
(z.B. auch iPhone Jailbreak wahlweise)

=>> Erfolgreich bleiben durch ein perfekt integriertes Angebot
- aber bewusst ohne Barrieren für Konkurrenten/Kundenwünsche.
+4
awk26.02.21 16:02
ilig
Im App Store sind bei ben »Highlights« genau zwei kostenpflichtige Apple-Apps zu finden. Final Cut Pro X und Logic Pro X. Der Rest sind Apps von Drittanbietern. Bei den »Top-Hits« sind keine kostenpflichtigen Apple-Apps zu finden. Nur kostenlose Apple-Apps und kostenpflichtige Apps von Drittanbietern. Was hat das mit Besserstellung eigener Produkte zu tun.

Das Anbieten kostenloser Software und ihrer Bewerbung stellt eine besonders gewichtige Wettbewerbsverzerrung dar. Damit wird es anderen Anbietern fast unmöglich gemacht in den Markt einzusteigen. Gäbe es mit Microsoft nicht einen starken Wettbewerber mit seinen Office Produkten würde es finster aussehen. Und auch dieser Anbieter ist problematisch.
Damit wird auch nahezu jede Weiterentwicklung verhindert.
+3
ilig
ilig26.02.21 16:51
awk
Hast Du die Bannerwerbung auf der App-Store-Seite »Highlights« ganz oben gesehen? Da werden sehr prominent Adobe, Microsoft, Serif Labs, Bare Bones, Bloom Built u.a. beworben. In welcher Form siehst du auf dieser Seite eine deutliche Besserstellung der Apple-Apps und damit eine Benachteiligung der Drittanbieter?
0
KingBradley
KingBradley26.02.21 18:09
Sehr gut!
ein weiter so bei Amazon, Google und Co. Sollte es nicht mehr geben.👍
Mehr Rechte für User, Datenschutz etc.

Wie war eigentlich die Sache mit den digitalen „Käufen“ bei Amazon, Apple...
Kann man die vererben? Auch ein Punkt den man mal gesetzlich regeln sollte.
(War da nicht mal Bruce Willis am klagen?)
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DTP
DTP26.02.21 18:22
KingBradley
Sehr gut!
ein weiter so sollte es nicht mehr geben.👍
Mehr Rechte für User, Datenschutz etc.

Wie war eigentlich die Sache mit den digitalen „Käufen“ bei Amazon, Apple...
Kann man die vererben? Auch ein Punkt den man mal gesetzlich regeln sollte.
(War da nicht mal Bruce Willis am klagen?)
Nicht nur nicht vererben.

Auch Umzug ist problematisch. Wenn ich (bei Apple) meinen Account in ein anderes Land umziehe, war‘s das, alle meine Kaufinhalte (Apps, Filme, Musik) sind weg. Auch innerhalb der EU.
+2
KingBradley
KingBradley26.02.21 19:21
DTP
Nicht nur nicht vererben.

Auch Umzug ist problematisch. Wenn ich (bei Apple) meinen Account in ein anderes Land umziehe, war‘s das, alle meine Kaufinhalte (Apps, Filme, Musik) sind weg. Auch innerhalb der EU.

Das wusste ich nicht.
Krass, Wundert mich das da noch niemand am klagen war!?
+3
coosmannc27.02.21 10:49
Sindbad
Es könnte für Apple inzwischen ratsam sein, nicht in jedem Feld eine marktbeherrschende Stellung zu erreichen.

Beispiel: Video-On-Demand: "Hätte Apple Netflix übernehmen sollen ?"
Genau deswegen: Nein !!

Und offene Schittstellen zu bieten (bei Hard- und Software).
(z.B. auch iPhone Jailbreak wahlweise)

=>> Erfolgreich bleiben durch ein perfekt integriertes Angebot
- aber bewusst ohne Barrieren für Konkurrenten/Kundenwünsche.

Jailbreak ja, aber ohne weitere Garantie und Support. Warum sollte sich ein Hersteller das denn antun? Da frickeln irgendwelche Leute (auch viele Amateure) herum und beklagen sich dann beim Hersteller, dass etwas nicht mehr funktioniert?
+1
strateg
strateg28.02.21 00:47
DTP

das war mal bis im frühling 2018 so —.
ausser ein paar songs oder einzelnen apps die im neuen land meist aus copyright gründen nicht verfügbar sind, bleiben alle deine downloads/käufe erhalten beim länderwechsel
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DTP
DTP01.03.21 08:12
strateg
DTP das war mal bis im frühling 2018 so —.
ausser ein paar songs oder einzelnen apps die im neuen land meist aus copyright gründen nicht verfügbar sind, bleiben alle deine downloads/käufe erhalten beim länderwechsel
Hast du dazu Informationen? Der Apple Support weiß davon nichts, im Netz sind auch in den letzten 12 Monaten unzählige Forenposts von Nutzern zu finden, deren Inhalte bei Länderwechsel des Stores verloren sind.

Und auf Apples Seiten steht nur, dass man alle Inhalte und Apps vorher herunterladen soll und dass manche Inhalte nach Wechsel "nicht mehr verfügbar sein könnten". Und was nützt mir eine App, die danach nicht mehr aktualisiert werden kann oder die – nach Auslagerung – sich nicht mehr herunterladen lässt?

Ich würde das ungern auf gut Glück probieren, dafür habe ich zu viele Apps gekauft, die ich immer noch nutze.
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