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Das Ende der Spiegelreflexkamera – Teil 2: Drei Jahre später ist der Wandel fast abgeschlossen

Vor etwas über drei Jahren veröffentlichten wir in REWIND einen Artikel über das möglicherweise bevorstehende Ende der Spiegelreflex-Ära. Damals noch mit einem Fragezeichen in der Überschrift versehen. Seit dem hat sich viel getan und das Fragezeichen kann getrost gestrichen werden. Zwar sind Spiegelreflex-Kameras (SLR – Single Lens Reflex) noch immer nicht vom Markt verschwunden, aber ihre Bedeutung hat doch stark verloren. Wer jetzt als Ein- oder Aufsteiger in ein Kamerasystem investieren möchte, greift zur spiegellosen Lösung.

Der Auslöser kam von Olympus und Panasonic
Kurzer Rückblick: Die Initialzündung für die langjährige Transition des Kameramarktes gab Olympus mit der Vorstellung der PEN E-P1 im Jahr 2009 (siehe Rewind 177). Genau genommen gab es auch schon früher spiegellose Systemkameras, wie die Epson R-D1 (2004) und die Leica M8 mit APS-C-Sensor. Diese hatten jedoch eher Exoten-Status und weniger Einfluss auf die allgemeine Marktentwicklung.

Nachtrag: Die erste spiegellose MFT-Kamera war tatsächlich die vom Systempartner Panasonic entwickelte Lumix DMC-G1, die einige Monate vor der E-P1 erschien. Damit hat Panasonic natürlich genauso seinen Anteil an den weiteren Entwicklungen des Mirrorless-Marktes. Ich bitte das Versäumnis zu entschuldigen.

Auch die sehr kompakte Olympus Mirrorless-Kamera mit Micro-Four-Thirds-Sensor war anfangs keine unmittelbare Gefahr für die bis dahin klar dominierenden SLRs, weil sie keinen TTL-Sucher und keinen Phasen-AF bot. Doch sie zeigte auch, dass es nennenswerte Vorteile bietet, auf eine komplexe Klappspiegelmechanik zu verzichten.
Wegbereiter: Mit der E-P1 aus dem Jahr 2009 führte Olympus das spiegellose Micro-Four-Thirds-Format ein und fuhr seine Entwicklungen im SLR-Bereich runter. Rund 12 Jahre später ist nun das Ende der SLR nah.

Von da an dauerte es jedoch noch sehr lange, bis sich eine Beschleunigung des SLR-Aussterbevorgangs ergab. Viele Faktoren spielten dabei eine Rolle. Beispielsweise, dass erst viel Später erste Kameras mit Vollformatsensor auf den Spiegel verzichteten. Sony war hier einer der Vorreiter und hat damit die Lawine erst so richtig losgetreten. Der zunehmende Erfolg ihrer Alpha-Serie und immer mehr professionelle Sony-Nutzer im Umfeld der bis dato von Canon und Nikon dominierten Sport- und Reportagefotografie mit immer schneller ratternden Spiegel-/Verschlusssystemen hat die trägen Elefanten der Szene erst viel später dazu bewogen, eigene spiegellose Vollformatkameras auf den Markt zu bringen. Die Angst davor, den bis dato gut sprudelnden Geldstrom von SLR-Verkäufen abzuschnüren, war lange ein Hemmnis.

2013: Sony Alpha 7: Die erste spiegellose Vollformat-Kamera.

Zum Zeitpunkt meines 2018er-Berichts hatten die Nikon Z7- und Canon EOS R-Serie-Kameras noch nicht das Licht der Welt erblickt. Deren Vorstellung folgte rund ein halbes Jahr später von Nikon (Vorstellung Z7) und einen Monat darauf mit der Canon EOS R.

Die Vorreiterrollen von Olympus und Sony in allen Ehren, aber erst die Z7 und EOS R machten den Trend zu einer überschaubaren Gewissheit. Von da an war klar, dass die altehrwürdige SLR-Technik bald Geschichte sein würde.

Nikon Z7Canon EOS R

Zurück ins Hier und Jetzt – Der Endkampf hat begonnen
Natürlich waren auch andere Hersteller an dem „Game of Mirrorless“ beteiligt und die Z7 bzw. R-Serie waren nicht die ersten spiegellosen Systemkameras der beiden (damaligen) Marktführer. Entscheidend war und ist aus meiner Sicht, dass das populäre und von vielen als goldener Mittelweg angesehene Sensorformat 24 x 36 mm (Kleinbild oder auch Vollformat genannt) Ende 2018 in den Mirrorless-Fokus von „Canikon“ rückte, sowie der Umstand, dass unzählige in Kundenhand befindliche SLR-Objektive auf unkomplizierte Weise (mit einem Adapter) an den neuen SLM-Kameras (Single Lens Mirrorless) weiter genutzt werden konnten und die Hersteller sich endlich zu großen Investitionen in das neue System bekannten.

Der „Krieg“ ist für Mirrorless eigentlich schon längst gewonnen. Niemand würde dem Klappspiegel noch so etwas wie ein Revival zutrauen. Jetzt geht es nur noch ums Aufräumen bzw. um ein würdiges Ende der verbliebenen Klapper-Schlachtschiffe.


Sowohl Canon als auch Nikon haben mit der EOS 1Dx Mark III bzw. der D6 erst in diesem Jahr ihre vermutlich letzten SLR-Flaggschiffe auf den Markt gebracht. Die 7.300-Euro-Boliden müssen noch irgendwie an die Fotografen gebracht werden. Denn auch für diese Galionsfiguren der Kameratechnik ist mit der Canon EOS R3, die voraussichtlich am kommenden Dienstag offiziell angekündigt werden wird, bereits Wachablösung auf dem Weg.

Canon EOS R3: Die erste "Flaggschiff"-Kamera von Canon ohne Spiegel kommt noch in diesem Jahr.

Über die Namensgebung der R3, wird derzeit noch heiß diskutiert und spekuliert. Aber es dürfte klar sein, dass die spiegellose High-End-Kamera aus rein technischer Sicht locker das Erbe der großen „Sportskanone“ EOS 1D antreten kann. Serienbildgeschwindigkeit, Auflösung, AF-Performance und andere Eckdaten lassen keinen anderen Schluss zu. Es ist nur noch die Frage, ob es dennoch später eine EOS R1 mit noch beeindruckenderen Specs geben wird, oder ob diese nur eine Variante der R3 mit höherer Sensorauflösung werden wird. – Andere Überraschungen natürlich nicht ausgeschlossen.

Sollten die Canon EOS 1D Mark III und die Nikon D6 die letzten großen SLR-Entwicklungen gewesen sein? Derzeit sieht alles danach aus. Ein paar Modellvorstellungen könnte es künftig zwar noch geben, aber die dürften eher als Beruhigungspille für diejenigen taugen, die noch nicht auf den Mirrorless-Zug aufgesprungen sind. Allein die Investitionen in die neuen Objektivsysteme (RF-Mount bei Canon, Z-Mount bei Nikon etc.) verbieten langfristige Lebenserhaltungsmaßnahmen für das alte SLR-Ökosystem. Die Single Lens Reflex Kamera ist damit praktisch Geschichte.

Randnotiz: Ist Ihnen aufgefallen, dass der ursprüngliche Hauptvorteil von Mirrorless-Kameras – kompaktere Abmessungen – heute kaum noch eine Rolle zu spielen scheint? Systemkameras werden wieder größer und "griffiger". Wer einen kleinen Fotoapparat will, greift zum iPhone.

Kudos to Sony
Im Segment der professionellen Fotokameras hat Sony lange Zeit gegen Canikon keinen Stich gemacht. Auch beachtenswerte Experimente, wie die Kameras der frühen Alpha-Serie mit feststehendem, halbdurchlässigem Spiegeln (SLT – Single Lens Translucent), hatten letztlich keine Durchschlagskraft und wurden, wenn ich mich recht erinnere, mit der A99 II Ende 2016 letztmals reanimiert.

Sony A99 II – Das Experiment SLT wurde eingestellt.

Dennoch ist es Sony zu verdanken, dass die SLR-Technik nicht noch viel länger künstlich am Leben erhalten wird. Denn es war dieser Hersteller, der erstmals mit größerer Ernsthaftigkeit auf spiegellose Vollformatkamares setzte, ohne größere Rücksicht auf SLR-Altlasten zu nehmen. Mit dem daraus resultierenden Erfolg, Ende 2019 als zweitgrößter Kamerahersteller an Nikon vorbei ziehen zu können. Auch wenn Canon und Nikon zu diesem Zeitpunkt selbst schon in den Mirrorless-Vollvormat-Markt eingestiegen waren, dürfte dies den endgültigen Todesstoß für die SLR bedeutet haben, denn nun mussten auch Canon und Nikon alles in die Mirrorless-Waagschale werfen.

Mit der technisch sehr ambitionierten A1 (Vorstellung) machte Sony Anfang diesen Jahres klar, sich noch lange nicht zufrieden geben zu wollen. Damit hat Sony allerdings auch eine Technologieschlacht eröffnet, die Quasi auf dem Geldbeutel der Kunden ausgetragen wird. Mit 7.300 Euro hat die A1 das Preisniveau der letzten großen SLR-Schlachtschiffe erreicht. – Wenn auch in einem anderen Formfaktor ohne fest integrierten Portraitgriff. Die kommende Canon EOS R3 wird vermutlich in ähnlichen Preissphären angesiedelt sein. Wann und womit genau Nikon nachzieht, steht noch in den Sternen, doch auch dieser Player wird das Preisniveau in der Top-Klasse sicher nicht nach unten drücken.


Abgesang – Auf Wiedersehen SLR, es war schön mit Dir
Die SLR könnte ein wenig das Schicksal der Langspielplatte teilen. Völlig aussterben wird die Klappspiegelkamera vorerst nicht – aber in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Und zwar ziemlich bald.

Inzwischen sind Mirrorless-Kameras der Stand der Dinge. Ihre ursprünglich größten Schwachpunkte, wie schlechte elektronische Sucher oder langsamer AF sind weitgehend ausgemerzt und auf oder sogar über dem Niveau der besten SLRs. (Nur die Akkuausdauer ist bei SLRs nach wie vor besser.) Weitere Entwicklungen, wie etwa der Sensor mit „Global Shutter“, der irgendwann den mechanischen Verschluss ganz obsolet machen dürfte, sind zwar noch nicht wirklich spruchreif für den Massenmarkt, führen aber schon wieder in eine ganz andere Richtung. Damit wird irgendwann auch das letzte mechanische Klicken beim Drücken des Auslösers verstummen, was irgendwie auch schade ist.

Zudem kommt heute keine anspruchsvolle Fotokamera mehr ohne extensive Videofähigkeiten aus. Bei Serienbildgeschwindigkeiten von 30 und mehr Schuss pro Sekunde (bei voller Sensorauflösung) kann von Fotografieren sowieso kaum noch die Rede sein. Eher von Video Frame Grabbing.

Keine Sorge: Die ruhige, quasi kontemplative Form des Fotografierens mit sorgfältig ausgewählten Bildausschnitten etwa in der Natur- oder Street-Fotografie geht deswegen wohl nicht verloren. Aber der technische Overkill moderner Digitalkameras hat doch schon etwas bedenkliches. Da blicke ich schon etwas wehmütig zu meiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera (einer Canon EOS 20D) zurück, die mit ihren 8 Megapixeln und maximal 5 Bildern pro Sekunde aus heutiger Sicht wie ein Lanz Bulldog im Vergleich zu einem Porsche Carrera wirkt.


Kann es wirklich sein, dass das kaum mehr als 15 Jahre her ist?

Kommentare

pentaxian
pentaxian26.06.21 08:24
Totgesagte leben länger!
Pentax z.B. ist auf den mirrorless-Zug bisher überhaupt nicht aufgesprungen und wird das auch in Zukunft nicht tun. Und ich bin froh drüber.
Ein großer Vorteil der mirrorless-Kameras in der Vergangenheit war die Kompaktheit und das geringere Gewicht, was aber in schöner Regelmäßigkeit durch die größeren Objektive zunichte gemacht wurde.
mine is the last voice that you will ever hear (FGTH)
+2
ckingpin26.06.21 08:28
Ist die Z7 oder wirklich die Z1 von Nikon gemeint ?
+1
sonorman
sonorman26.06.21 08:49
ckingpin
Ist die Z7 oder wirklich die Z1 von Nikon gemeint ?
Z7 natürlich. Danke für den Hinweis!
+1
massi
massi26.06.21 09:01
Unerwähnt sollte vielleicht nicht bleiben, daß trotz geringeren Produktionsaufwands, die Dinger immer teurer wurden(werden).
+1
colouredwolf26.06.21 09:06
Leider war beim Nikon Z-System die Objektivkompatibilität nicht sehr groß. Da ich manches Objektiv hätte nur kaufen müssen - es wäre kaum als Kastrat einsatzfähig gewesen - bin ich auf Canon R umgestiegen. Auf die RP, weil schön kompakt aber dennoch mit sehr viel Potenzial. Und die Objektive des R-Systems erscheinen mir besser als die des Z-Systems
+1
colouredwolf26.06.21 09:07
massi
Unerwähnt sollte vielleicht nicht bleiben, daß trotz geringeren Produktionsaufwands, die Dinger immer teurer wurden(werden).

Weil immer weniger verkauft werden.
Aber die Canon RP ist ihr Geld wert und hat hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis
+1
becreart
becreart26.06.21 09:09
Wieso wird die XT oder GFX Serie nicht erwähnt?
-1
massi
massi26.06.21 09:15
Eigentlich war es ja die Panasonic Lumix G1(2008), die die spiegellose Zeit einläutete, wenn auch in Kooperation mit Olympus.
+2
Borbarad26.06.21 09:47
Schöner Artikel aber m.M. nach nicht ganz da.

Sony hat viel für Mirrorless 35mm gemacht, ohne Frage, aber hat Sony je in den Bereich Vorstoßen können der Prestige und Name bedeutet? Ich meine nicht mal im Ansatz. Das ist der Bereich der 1D und D6… da gabs bisher kaum Veränderungen. Natürlich haben da A9 und R5 ein bisschen dran geknabbert und Sony hofft mit der A1 Fuß zu fassen aber in Wirklichkeit wird es doch so sein das erst mit der R3 und der Z7 der wirkliche Wechsel passiert.

Und erst da wird dich dann entscheiden wie der Markt samt Prestige und Sogwirkung auf potentielle Kunden entwickelt.

Obwohl Sony sehr stark im Bereich 12-200 mm ist und den ein oder andere Preisbrecher hat (200-600) so denke ich wird der echte Markt der Kameras Marken erst Ende 2022 zeigen wie die Verteilung ist. Und von den Großen drei sehe ich Sony als den die dann zum ersten Mal verlieren werden.

DSLR ist tot, ohne frage aber erst R3 und Z7 werden zeigen wie der Mirrorlessmarkt sein wird.

Als Olympus Nutzer hab ch da ehr nicht mitzureden. Aber bei Ende 21 hab ich dann hoffentlich das 150-400 F4.5 und wir wissen dann was die EM1X MKII Landy

B
-2
Thyl26.06.21 09:56
Es ist ja nicht nur das Sterben der SLRs, sondern das Sterben der Amateurkameras insgesamt zu beobachten, die von Smartphones verdrängt werden.

Dass sich bei Berufsphotographen das Konzept elektronischer Sucher jetzt etabliert hat, sieht man am großen Erfolg der Hasselblad X1D, deren Nachfrage Hasselblad bis an die Schmerzgrenze belastet hat. Sollten wir von denen nochmal eine Spiegelreflex sehen, so nur, weil das bislang verbaute TTL-Blitzsystem, SCA, tot ist, und sie auf Nikon umstellen dürften (wie bei der X1D).

Nebenbei bemerkt ist die X1D auch erfrischend im Bedienkonzept, da sie den Menü-Overkill anderer Marken vermeidet. Das sollten sich SoNiCa mal ansehen.
+5
Mostindianer26.06.21 10:09
pentaxian
Totgesagte leben länger!
Pentax z.B. ist auf den mirrorless-Zug bisher überhaupt nicht aufgesprungen und wird das auch in Zukunft nicht tun. Und ich bin froh drüber.
Ein großer Vorteil der mirrorless-Kameras in der Vergangenheit war die Kompaktheit und das geringere Gewicht, was aber in schöner Regelmäßigkeit durch die größeren Objektive zunichte gemacht wurde.

Die Objektive sind genau so wichtig wie das Kamera-Body selbst! Also ich begrüsse die grossen Objektive!
+2
FlyingSloth26.06.21 10:16
stimmt genau!
massi
Eigentlich war es ja die Panasonic Lumix G1(2008), die die spiegellose Zeit einläutete, wenn auch in Kooperation mit Olympus.
+3
pentaxian
pentaxian26.06.21 10:22
Mostindianer
Die Objektive sind genau so wichtig wie das Kamera-Body selbst! Also ich begrüsse die grossen Objektive!
Objektive sind m.M.n. viel wichtiger als der Body selbst, insofern ist es - für mich - viel wichtiger, dass diese neben der notwendigen Lichtstärke (von der man eh nie genug haben kann) auch kompakt und leicht sind. Ich habe keinen Bock drauf, zig Kilos extra durch die Landschaft/Berge schleppen zu müssen.
mine is the last voice that you will ever hear (FGTH)
+3
Borbarad26.06.21 10:30
pentaxian
Mostindianer
Die Objektive sind genau so wichtig wie das Kamera-Body selbst! Also ich begrüsse die grossen Objektive!
Objektive sind m.M.n. viel wichtiger als der Body selbst, insofern ist es - für mich - viel wichtiger, dass diese neben der notwendigen Lichtstärke (von der man eh nie genug haben kann) auch kompakt und leicht sind. Ich habe keinen Bock drauf, zig Kilos extra durch die Landschaft/Berge schleppen zu müssen.

Amen 🙏 Objektive sind as A und O , genauso wie Lichtstärke, Bauqualität und verbaute Technik. Um kompakt zu bleiben muss man da leider bei 35mm immer Kompromisse eingehen. Die Hersteller verbauen immer nur das Gute wo auch Lichtstärke drinnen ist damit die Geld verdienen. Nur wird es dann groß und teuer. Selbst der gehobene Amateur bekommt da das schlucken.

Und die Zukunft gehört BSI Stacked. Neuveröffentlichungen wirklich unter 4000,- gibt’s nur nicht.

B
0
lautsprecher26.06.21 10:36
ich verstehe den Abgesang und die mehr oder weniger versteckte Freude über den Tod der DSLRs in diesem Artikel nicht.

Sicher, die Bodys werden kleiner und leichter. Deswegen schrauben fast alle meiner Fotobuddys Batteriegriffe drunter, damit sie etwas in der Hand haben, um die schwere Linse vor der Kamera besser halten zu können.

Klar, die Spiegelmechanik verschleißt irgendwann. Aber mal Hand aufs Herz: wie viele User kommen wirklich in die Nähe der von den Premuimherstellern garantierte Zahl an Auslösungen?

Und dann der Digitalsucher. Zugegeben, der Sucher in der Nikon Z7 II ist schon nett. Und auch das Feature, gleich im Sucher das Endergebnis direkt sehen zu können hat Vorteile. Vielleicht liegt es an meinen Augen im fortgeschrittenem Alter, aber es geht für mich nichts über ein echtes, analoges Sucherbild.

Was bleibt also unterm Strich? Für mich ist der Umstieg auf Mirrorless eine Evolution, bei weitem keine Revolution und der gesamte Mehrwert ist überschaubar. Man könnte meinen, dass die Industrie eine Sau durchs Dorf getrieben hat, um dem schwächelnden Absatz ein wenig Leben einzuhauchen.
+6
wormstar
wormstar26.06.21 10:47
Ich bin relativ früh auf die Canon R gewechselt (von der Eos 5 Mark III) und war schon recht zufrieden. Richtig glücklich bin ich aber erst seit enden 2020 mit der Kombi R5 + 28-70 2.0. Ein Traum!
+2
pentaxian
pentaxian26.06.21 10:53
lautsprecher
ich verstehe den Abgesang und die mehr oder weniger versteckte Freude über den Tod der DSLRs in diesem Artikel nicht.

Sicher, die Bodys werden kleiner und leichter. Deswegen schrauben fast alle meiner Fotobuddys Batteriegriffe drunter, damit sie etwas in der Hand haben, um die schwere Linse vor der Kamera besser halten zu können.

Klar, die Spiegelmechanik verschleißt irgendwann. Aber mal Hand aufs Herz: wie viele User kommen wirklich in die Nähe der von den Premuimherstellern garantierte Zahl an Auslösungen?

Und dann der Digitalsucher. Zugegeben, der Sucher in der Nikon Z7 II ist schon nett. Und auch das Feature, gleich im Sucher das Endergebnis direkt sehen zu können hat Vorteile. Vielleicht liegt es an meinen Augen im fortgeschrittenem Alter, aber es geht für mich nichts über ein echtes, analoges Sucherbild.

Was bleibt also unterm Strich? Für mich ist der Umstieg auf Mirrorless eine Evolution, bei weitem keine Revolution und der gesamte Mehrwert ist überschaubar. Man könnte meinen, dass die Industrie eine Sau durchs Dorf getrieben hat, um dem schwächelnden Absatz ein wenig Leben einzuhauchen.

Da kann ich jetzt nur "Amen" sagen, Danke für diesen Beitrag! 👍🏼
mine is the last voice that you will ever hear (FGTH)
-1
sonorman
sonorman26.06.21 10:59
lautsprecher
Freude ist bei mir nicht dabei. Weder versteckt noch offen. Eher habe ich im letzten Kapitel ja mein Bedauern darüber ausgedrückt, das taktile Feedback zu verlieren. Ansonsten ist es einfach das Ende einer (technologischen) Ära.

pentaxian
Stimmt. Objektive sind wichtig. Ob sie wichtiger als der Body sind, sei mal dahingestellt. Beides gehört untrennbar zusammen. Das Bajonett hat hier einen wesentlichen Einfluss, und da sind Mirrorless-Kameras gegenüber SLR dank geringerem Auflagemaß klar überlegen.

Wie klein die Objektive letztlich werden, ist aber auch eine Frage der Zielsetzung für das optische Design. Moderne, lichtstarke Festbrennweiten sind heute oft größer und schwerer als frühere Objektive mit den gleichen Werten, aber das liegt weniger am Mount oder ob SLR oder Mirrorless, sondern viel mehr in dem optischen Aufwand, der da betrieben wird. Siehe dazu diesen Artikel auf DPR, "Why are modern 50mm lenses so damned complicated?"
+5
Wurzenberger
Wurzenberger26.06.21 11:15
MTN
Die Initialzündung für die langjährige Transition des Kameramarktes gab Olympus mit der Vorstellung der PEN E-P1 im Jahr 2009 (siehe Rewind 177).
Panasonic G1: Am I a joke to you?
-1
ela26.06.21 11:17
Da wird keine „Sau durchs Dorf getrieben“ Die Vorteile von spiegellosen System erkennt man schnell wenn man damit arbeitet. Nur ein Auszug:
- optional Belichtungsvorschau / Überbelichtungswarnung im Sucher
- bei manuellem Fokus eine Schärfeanzeige die präziser als jede „matt“Scheibe ist (die guten alten Mattscheiben aus analogen Zeiten gibt es lange nicht mehr)
- Lupe im Sucher
- Objekterkennung und Tracking für Action
- Bildbetrachtung im Sucher auch bei praller Sonne
- helles Sucherbild auch bei Dunkelheit
-…

Von völliger Geräuschlosigkeit konnte ich auch schon profitieren
Usw.

Ich trauere dem Spiegel seit Jahren nicht mehr nach. Ich rede den nicht schlecht, es ist immer noch das direkteste Bild und funktioniert auch ohne Batterien (mal kurz das Tele als Fernrohr nutzen ohne einzuschalten) - aber arbeiten möchte ich damit nicht mehr
+5
winfel26.06.21 12:07
Einer der größten Vorteile von spiegellosen Kameras wird immer vergessen. Er liegt im Autofokus! Bei einer Spiegelreflexkamera wird vom Sucherbild etwas Licht abgezwackt und umgeleitet auf die AF-Sensoren. Damit das funktioniert, muss das ganze System aus Kamera-Body und Objektiv extrem gut justiert sein. Ich hatte schon manches mal das Problem des Front- oder Backfokus. Mit meiner Zweitkamera 200D hatte ich mit einem bestimmten Objektiv (und nur mit dem, das aber wiederum an anderen Kameras perfekt funktionierte) einen ganz extremen Frontfokus, der erst plötzlich auftrat und zwar bei einem Urlaub in Amsterdam.

Glücklicherweise habe ich das gemerkt und ab dem Zeitpunkt nur noch Live View fotografiert und damit die Kamera faktisch wie eine spiegellose ohne Sucher genutzt. Ich kam mir damit mit einer DSLR zwar sehr komisch vor und hätte die Kamera schon gerne am Auge gehabt, aber in Live view funktionierte der Fokus perfekt.

Dass das so ist, ist auch logisch, denn beim Live View wird nicht an einer Stelle gemessen die so ausgetüftelt ist, dass sie genau so weit weg ist von der Linse wie der Sensor, sondern es wird auf dem Sensor selbst gemessen. Dass es auf dem Sensor scharf wird wenn es beim DSLR-Fokusssensor scharf ist, ist "Zufall", bei einer spiegellosen ist das qua Definition so.
+8
Heinz-Jörg Wurzbacher
Heinz-Jörg Wurzbacher26.06.21 12:25
Ich habe mir 2019 die R zu meiner 7DII und 6D gekauft und war direkt überrascht. Schnell war die 6D nur noch Reservekamera. 2020 kam dann als Sportkamera die R6 dazu, nachdem ich eine beim Fußballspiel testen konnte. Daraufhin verkaufte ich die 7DII und den Restbestand an EF-S-Objektiven. Mittlerweile habe ich diverse Adapter für RF (EF/RF, M42/RF, NIK/RF) und kann auch mein "Altglas" gut nutzen. Die 6D wird nicht mehr gebraucht und geht demnächst an einen Käufer. An RF-Objektiven habe ich bereits das RF70-200/f2.8 und als Reisezoom das RF24-240 (war ein Gebraucht-Schnäppchen), ansonsten werden meine EF-L-Objektive weiter genutzt.
+1
clandestin26.06.21 12:34
Ein Artikel über Spiegellose Kameras ohne Fuji zu erwähnen ???
+1
dogdoc26.06.21 12:34
In diesen höheren Preisregionen gibt es ja mittlerweile auch die Fuji GFX 100s (unterhalb der GFX 100) mit noch größerem Sensor, die insgesamt aber nicht größer ausfällt. Und die Fuji-Objektive sind in der Regel auch von sehr hoher Güte. Das Rennen an der Spitze ist m.M.n. noch lange nicht entschieden.
0
Hans Hoos
Hans Hoos26.06.21 12:52
Ist mir echt ein Rätsel, wie wir überhaupt die letzten 20 Jahre ohne Mirrorless-Kameras fotografieren konnten? Ich kapiere es einfach nicht!
-4
Quickmix
Quickmix26.06.21 14:45
ela

+1
-1
schaudi
schaudi26.06.21 15:32
Das Bild von der R zeigt aber die RP.

@ pentaxian:
Große Lichtstärke aber trotzdem Leicht wie eine Feder am besten? Das passt nicht zusammen. Pentax hat vom Marktanteil leider gar keine Relevanz mehr, die haben mal tolles Zeug gemacht, aber ja - es kauft halt kaum jemand. Jetzt nur, weil die noch keine SLMs gemacht haben, darauf zu schließen, dass die SLR noch lange nicht tot ist ist seltsam. Vermutlich wird ehr umgedreht ein Schuh drauß.
Hier persönlichen Slogan eingeben.
0
sonorman
sonorman26.06.21 15:38
schaudi
Das Bild von der R zeigt aber die RP.
Jetzt nicht mehr.
Adlerauge sei wachsam.
0
fliegerpaddy
fliegerpaddy26.06.21 15:56
So religiös würde ich das alles gar nicht sehen. Ich bin auch seit einigen Jahren mit Spiegellos unterwegs und mag die Vorteile wie Sensorstabilisierung, elektronischer Sucher und so weiter. Letztlich sind die Spiegellosen aber weiterhin ganz normale Kameras, die nicht mal nennenswert kleiner sind als ihre DSLR-Schwestern. Nach einem Abstecher zu Olympus bin ich seit zwei Jahren jedenfalls wieder bei der alten Liebe Nikon angekommen. Die Z7 tut alles, was sie soll, lässt sich hervorragend bedienen und macht dank FTZ-Adapter das Leben für Umsteiger von F-Mount ziemlich einfach. Ich nutze selbst noch einige F-Mount-Objektive und sehe darin keine gravierenden Nachteile. Die Z-Linsen sind halt durch die Bank noch eine Spur besser, schärfer, brillianter, aber schlecht sind die alten Linsen deshalb nicht. Unterm Strich gibt es wohl kaum noch Argumente, sich heute noch eine DSLR zu kaufen. Wer eine hat, muss sich aber aus meiner Sicht nicht abgehängt fühlen. Ich denke, der nächste große Schritt wird Computational Photography – verglichen mit der KI in Smartphones sind Fotokameras immer noch reichlich dumm. Was für ein Potenzial mag in den großen Sensoren stecken, wenn man sie mit der künstlichen Intelligenz eines iPhones ausstatten würde?
+7
Thyl26.06.21 16:36
schaudi
Das Bild von der R zeigt aber die RP.

@ pentaxian:
Große Lichtstärke aber trotzdem Leicht wie eine Feder am besten? Das passt nicht zusammen. Pentax hat vom Marktanteil leider gar keine Relevanz mehr, die haben mal tolles Zeug gemacht, aber ja - es kauft halt kaum jemand. Jetzt nur, weil die noch keine SLMs gemacht haben, darauf zu schließen, dass die SLR noch lange nicht tot ist ist seltsam. Vermutlich wird ehr umgedreht ein Schuh drauß.
ich denke auch, dass Pentax im Konzern nicht genug Geld zur Verfügung gestellt bekommt, um den Kraftakt des Umstiegs auf spiegellos bewältigen zu können, und das Geld auch nicht selbst erwirtschaften kann. Im Mittelformat tut sich da gar nichts mehr. Vermutlich wird Ricoh die gesamte Kameraproduktion demnächst einstellen.

Allerdings frag ich mich auch, wie es mit Fuji weitergeht. Trotz jahrelanger Entwicklung und innovativen Produkten, und letztlich einem der Vorreiter von spiegellosen Systemkameras liegt der Marktanteil bei um die 5%, soweit ich weiß. Nicht sehr viele Kameras für einen derartigen Großkonzern. Kann durchaus sein, dass sie auch aufgeben.
+1
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