Canon EOS R spiegellose Vollformatkamera vorgestellt – Sanfte Revolution und Aufbruch in eine neue Ära

Erst kürzlich schrieb ich an dieser Stelle zur Vorstellung der Nikon Z ():

"Nicht markengebundene Nutzer sollten sich einen schnellen Kauf vielleicht noch eine Weile verkneifen, denn es wird sicher nicht lange dauern, bis Erzrivale Canon nachzieht und seine Mirrorless-Vollformat-Bombe platzen lässt. Mal sehen, wie ähnlich Canons Antwort auf die Nikon Z sein wird…"


Nachdem von verschiedenen Marktbeobachtern kurz vor der Veröffentlichung erste Details zur spiegellosen Canon-Vollformatkamera geschürft und auf den einschlägigen Gerüchteportalen veröffentlicht wurden, bestätigt sich die Prognose nun sogar etwas früher als erwartet. Am Mittwoch dieser Woche lüftete Canon das streng gehütete Geheimnis und stelle die EOS R samt vier neuer Objektive für den RF-Objektivanschluss vor:

  • RF 24-105mm F4L IS USM
  • RF 28-70mm F2L USM
  • RF 50mm F1,2L USM
  • RF 35mm F1,8 Macro IS STM[/b]


Die Kamera sieht aus, wie eine leicht gewachsene, etwas modifizierte EOS M. Ihre größte Besonderheit ist, wie bei der Nikon Z, ein komplett neuer Objektivanschluss namens "RF". Dieser hat mit 54mm den selben Innendurchmesser, wie der bisherige Canon EF-Mount, aber natürlich aufgrund des Wegfalls des Spiegels ein geringeres Auflagemaß, was neue Konstruktionsperspektiven für Objektive ermöglicht. Mit 20mm ist das RF-Auflagemaß allerdings noch nicht ganz so kurz, wie die 16mm des Nikon Z-Mount (Sony: 18mm), der auch noch einen etwas größeren Durchmesser hat.

Mittels Adapter ist der Anschluss voll kompatibel zu allen bisherigen EF- und EF-S-Objektiven, inkl. TS-E und MP-E. Hingegen können am RF-Mount keine Canons EOS M-Mount Objektive genutzt werden. Außerdem sind alle Canon EF Speedlite Blitzgeräte uneingeschränkt verwendbar.

Das geringere Auflagemaß erlaubt es, das hintere Linsenelement größer zu gestalten, wodurch sich eine bessere Lichtverteilung bis in die Ecken auf dem Sensor ergibt. Eine größere Linse hinten erlaubt wiederum kleinere Frontlinsen, was der Abbildungsleistung in verschiedenen Bereichen zugute kommt.


Die Kommunikation zwischen Objektiv und Kameragehäuse erfolgt über 12 Kontaktpins und soll deutlich schneller und flexibler geworden sein. Canon wird drei Mount-Adapter anbieten: Einen einfachen, einen mit einem zusätzlichen Einstellring, der das entsprechende Feature der neuen RF-Objektive ergänzt (dazu später mehr) und einen mit einem Filtereinschub für variablen ND- oder Polfilter.


Wie die Nikon Z (und schon etwas länger die Fujifilm X-H1) besitzt die EOS R ein OLED-Statusdisplay auf der rechten Schulter. Die Rückseite zeigt ein klapp- und schwenkbares Display und eine neuartige "Multi-Function Bar", eine Art Swipe-Pad zum Einstellen beispielsweise der ISO oder anderer Funktionen, je nach Belegung. Diese dient als Ergänzung zum ebenfalls vorhandenen Daumenrad. Als Sucher kommt ein OLED-Display mit 3,69 Mio. Bildpunkten zum Einsatz.


Hier eine kurze Feature-Übersicht:

  • Vollformatsensor mit 30,3 Megapixeln
  • DIGIC 8 Prozessor
  • neuer EOS R Mount: bisherige EOS-Objektive können per Adapter weiter genutzt werden
  • Dual Pixel CMOS AF mit 5.655 AF-Messpunkten, Touch & Drag
  • AF-Empfindlichkeit -6(!) bis +18 EV
  • angeblich "schnellster Autofokus der Welt" – ca. 0,05 Sekunden
  • geräuschloser Modus per elektronischem Verschluss
  • OLED-Sucher mit 0,76x Vergrößerung, 3,69 Mio. Bildpunkte
  • 3,15“ Touch-LCD-Screen, 2,1 Mio. Bildpunkte
  • ISO 100 bis 40000 (erweitert: ISO 50, 51200, 102400)
  • Bis zu 5 Bilder/s mit kontinuierlichem AF, 8 B/s mit Single-AF
  • Video: 4K30p, Full HD 60p, HD 120p
  • 4K-Videoausgabe mit 10-Bit-Ausgang über HDMI
  • Maße: 135,8 x 98,3 x 84,4 mm bei 660g mit Akku und Speicherkarte
  • Akku: LP-E6N/LP-E6 (LP-E 6 kann nur extern geladen werden), 370 Aufnahmen (CIPA)
  • USB 3.1
  • 1x SD-Card-Slot, UHS-II-Support (Jawohl. Nur ein Slot!)
  • Bluetooth/Wi-Fi
  • Optional: Batteriegriff BG-E22


Interessanterweise ist nirgends die Rede von einem Sensor-basierten Bildstabilisator. Canon verzichtet tatsächlich auf einen IBIS (In-Body Image Stabilizer) und setzt weiter auf Objektive mit optischem Stabi (IS). Ein gefundenes Fressen für böse Schelte. Das Netz wird auch wegen eines anderen Details mit Sicherheit wieder in Rage geraten: Die EOS R hat nur einen SD-Speicherkartenslot! – GEFAHR, Will Robinson!

Anstatt wie Nikon auf zwei Modelle mit unterschiedlicher Sensorauflösung zu setzen, positioniert sich Canon mit 30,3 MP quasi zwischen der Nikon Z6 (24,5 MP) und Z7 (45,5 MP) und verzichtet auf Zweigleisigkeit. Das erspart zumindest die Qual der Wahl. Preislich bewegt sich die Canon R mit einem UVP von €2.499 nur knapp über der Nikon Z6 (€2.450) und deutlich unterhalb der Z7 (€3.850).

Die Einführung eines neuen Objektivanschlusses bedeutet natürlich auch, dass Canon zum Start der Kamera dafür ein paar optimierte Objektive liefern muss. Siehe die Liste oben. Und die sind ziemlich interessant. Da wäre zum Beispiel das angenehm kompakte und im Kit erhältliche 24-105mm f/4 IS mit L-Designation (Nikon bringt zum Start der "Z" nur ein 24-70 f/4), sowie ein 28-70mm f/2 L (ohne IS), das jedoch wegen der hohen Lichtstärke erheblich voluminöser als das 24-105mm ausfällt und keinen IS hat. Außerdem wird es zum Start ein sehr lichtstarkes 50 mm f/1,2 L geben – ebenfalls ohne IS. Neben den drei L-Linsen ist noch ein 35mm f1,8 mit IS angekündigt. Die RF-Objektive besitzen konfigurierbare "Control"-Ringe, die mit diversen Funktionen frei belegt werden können, z.B. zur Einstellung einer Belichtungskorrektur oder der ISO.

Wie Nikon wird auch Canon die Spezifikationen seines neuen Mount nicht mit Drittherstellern teilen. Wollen Anbieter wie Sigma oder Tamron Objektive für den RF-Mount bauen, müssen Sie sich, wie früher auch, durch Reverse Engineering an die Funktionsweise herantasten.


Preise und Verfügbarkeiten:
EOS R Body – €2.499 - Verfügbar ab 9. Oktober 2018
EOS R Body + RF 24-105 – €3.499 - Verfügbar ab 9. Oktober 2018
RF 24-105mm f/4 L IS USM – €1.199 - Verfügbar ab 9. Oktober 2018
RF 28-70mm f/2 L USM – €3.249 - Verfügbar ab Dezember 2018
RF 50mm f/1.2 L USM – €2.499 - Verfügbar ab Ende Oktober 2018
RF 35mm f/1.8 Macro IS STM – €549 - Verfügbar ab Dezember 2018
Mount Adapter EF-EF-EOS R – €109 - Verfügbar ab 9. Oktober 2018
Control Ring Mount Adapter EF-EF-EOS R – €219 - Verfügbar ab 9. Oktober 2018 Drop-In Filter Mount Adapter EF-EF-EOS R (V-ND) – €449 - Verfügbar ab Februar 2019 Drop-In Filter Mount Adapter EF-EF-EOS R (C-PL) – €329 - Verfügbar ab Februar 2019

Hier geht es zu EOS R Produktseite.


Kommentare

radneuerfinder
radneuerfinder08.09.18 09:01
Mal sehen, was Panasonic und Olympus im FullFrame Bereich vorstellen.
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macimator08.09.18 09:11
Aus dem selben Grund wie ich bei Erscheinen der 5D MK IV zu Sony wechselte, würde ich das spätestens jetzt wieder tun. Innivation - Fehlanzeige. Hat Canon jemals auf seine treuen Nutzer gehört? Fehlanzeige ! Anstattdessen der alte Sensor mit bescheidenem Dynamic Range, kein IBIS, 1.7 Crop bei Video, kein Dual card Slot - für den Hochzeitsfotografen ein must have.
Ich habe schon seit Jahren das Gefühl, dass Canon seine user nicht mehr „sieht“. Das Schlimme ... Canon könnte ja, aber offensichtlich will es nicht. Für mich absolut unverständlich.
+3
Alexhibition08.09.18 09:44
Mich würde interessieren warum nach all den Jahren genau jetzt Nikon und Canon genau in der gleichen Woche ihre Vollformat Cams präsentieren, die auch noch fast den gleichen Preis haben.
Sprechen die sich ab?

Die Cams sind ja nicht schlecht aber aber auch nicht besonders herausragend. Nichtmal in den offiziellen Nikon und Canon Foren werden sie gelobt.

Als Newcomer sollten sie sich entweder durch den Preis oder durch überlegende Hardware von Sony unterscheiden, was sie, leider nicht tun.

Ich frage mich auch, warum beide Firmen, sich dafür entschieden haben in wichtigen Punkten, weniger zu bieten als Sony.

Denn selbst, wenn sie Sony nur ein wenig überlegen wären, würde es DSLR und Sony User nicht zum Switch überzeugen.

Ich gehe davon aus, dass Oly & Panasonic mit ihren Vollformat Cams die Messlatte noch etwas erhöhen werden.
+4
wolfgag
wolfgag08.09.18 09:51
Artikel
Insbesondere bei Video dürften viele Nutzer dieses Feature schmerzlich vermissen, wenn das bevorzugte Objektiv ohne IS daherkommt
Auf der Produktseite wirbt Canon für den Video Modus allerdings explizit mit Bildstabilisation:
Canon
Und wenn du ohne Stativ filmst, sorgt der Dual Sensing IS mit seinem leistungsstarken 5-Stufen-Bildstabilisator für ruhige Aufzeichnungen – auch wenn das Licht nachlässt.


Irgendwie verwirrend.
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sonorman
sonorman08.09.18 10:09
wolfgag

Nicht alle Objektive haben einen IS.
Geht aus dem nur teilweise zitierten Satz ja auch hervor.
+1
radneuerfinder
radneuerfinder08.09.18 10:14
Die Canon R nutzt bei Video einen elektronischen Bildstabi, den sie, falls vorhanden, mit dem Objektivstabi kombinieren kann „Dual IS“.
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+1
sonorman
sonorman08.09.18 10:20
Ja, aber ein elektronischer Stabilisator ist für viele kein Ersatz für einen echten "mechanischen" Sensor-Stabi. Deswegen wird es ja kritisiert. Siehe auch den Kommentar von macimator.

Ob es in der Praxis mit dem elektronischen Stabilisator ausreicht – wenn ein Objektiv ohne IS montiert ist – muss sich erst zeigen. Der elektronische Stabi kann (edit: meines Wissens) nur zwei Achsen ausgleichen.
+1
wolfgag
wolfgag08.09.18 10:20
radneuerfinder
Die Canon R nutzt bei Video einen elektronischen Bildstabi, den sie, falls vorhanden, mit dem Objektivstabi kombinieren kann „Dual IS“.
OK in dem Artikel wirds auch etwas klarer:
slashCAM
Der Sensor ist zwar definitiv nicht beweglich gelagert, hat jedoch dennoch eine Überraschung für Filmer parat. Es gibt eine elektronische Bildstabilisierung, die auch beim Filmen in 4K funktioniert, indem sie die Randpixel um das Crop-Fenster zur Verschiebung des 4K-Fensters nutzen kann. In einem (sehr kurzen) Test fanden wir die Wirkung der elektronischen Stabilisation dabei durchaus überzeugend. Stabilisierte Optiken können zusätzlich mit dem elektronischen Stabilisator der Kamera zusammenarbeiten.
0
redbear08.09.18 11:10
Ist doch schön , dass die beiden Riesen ihre Babys vorgestellt haben . N bisschen warten , dann sind die Kinderkrankheiten beseitigt . Solange Sony keinen Profi Service anbietet und die Handhabung gewöhnungsbedürfig ist , wird's keine Einbrüche in dem Markt für die Platzhirsche geben .
0
barabas08.09.18 11:34
Ich denke man muss nicht gleich auf den Mirrorless-Zug aufspringen, man kann dieses neue System durchaus zunächst noch etwas reifen lassen. Irgendwann ermöglichen dann die Adapterlösungen hier ja auch einen weichen Übergang.
indes, mit so manchen Klapperspiegel Modellen kann man ja aktuell schon spiegellos und geräuschlos arbeiten, ich hab da keine Eile...
+1
olilech08.09.18 11:34
redbear
Ist doch schön , dass die beiden Riesen ihre Babys vorgestellt haben . N bisschen warten , dann sind die Kinderkrankheiten beseitigt . Solange Sony keinen Profi Service anbietet und die Handhabung gewöhnungsbedürfig ist , wird's keine Einbrüche in dem Markt für die Platzhirsche geben .
Sony bietet einen Profiservice an und das mit der Handhabung ist SEHR subjektiv. Ich (achtung subjektiv) komme mit der Sony SEHR gut zurecht. Mit dem Body der 3er Generation ist sie jetzt für meine Hände perfekt.
+2
Dante Anita08.09.18 12:05
„Hingegen können am RF-Mount nicht keine Canons EOS M-Mount Objektive genutzt werden“

Doppelt hält zwar besser, war aber wohl nicht so gemeint 😉
+1
sonorman
sonorman08.09.18 12:11
Dante Anita
Danke, ist korrigiert!
+1
wolfgag
wolfgag08.09.18 12:46
Dante Anita
Doppelt hält zwar besser, war aber wohl nicht so gemeint 😉
Also ich tät niemals nicht verweigern, ein Karl Valentin Zitat negativ zu kritisieren.
+1
adiga08.09.18 13:16
Vom Preis her (Katalogpreis) zielt es her auf die 6D. Ich denke, diese Kamera wurde lanciert um den Markt zu testen und nächstes Jahr wird wohl ein 5D-Äquivalent vorgestellt. Danke für die Fotos, sieht ein bisschen wie ein Spielzeug aus, aber muss sie wohl selbst mal in die Hand nehmen und gucken wie gross der Gewicht-/Grössengewinn wirklich ist.
+1
locoFlo
locoFlo08.09.18 13:19
Mein Fazit aus den Vorstellungen der letzten Tage: Ich habe eine X-T3 vorbestellt. 😁
Nobody dies as a virgin, life fucks us all. KC
+5
cps08.09.18 13:24
olilech
Sony bietet einen Profiservice an (...)

Ich habe den Sony-Fotoservice bisher noch auf keiner Veranstaltung selbst gesehen, bei denen auch Canon und Nikon vor Ort waren.
+1
olilech08.09.18 13:50
cps
olilech
Sony bietet einen Profiservice an (...)

Ich habe den Sony-Fotoservice bisher noch auf keiner Veranstaltung selbst gesehen, bei denen auch Canon und Nikon vor Ort waren.

Ich sagte nur, dass Sony einen Profi Service anbietet. Wie gut er im Vergleich zu Canon/Nikon ist kann ich nicht beurteilen. Die Aussage, dass Sony KEINEN Profiservice anbietet ist schlichtweg falsch.

https://alphauniverse.com/prosupport/
+1
alephnull
alephnull08.09.18 13:52
macimator
Aus dem selben Grund wie ich bei Erscheinen der 5D MK IV zu Sony wechselte, würde ich das spätestens jetzt wieder tun. Innivation - Fehlanzeige. Hat Canon jemals auf seine treuen Nutzer gehört? Fehlanzeige ! Anstattdessen der alte Sensor mit bescheidenem Dynamic Range, kein IBIS, 1.7 Crop bei Video, kein Dual card Slot - für den Hochzeitsfotografen ein must have.
Ich habe schon seit Jahren das Gefühl, dass Canon seine user nicht mehr „sieht“. Das Schlimme ... Canon könnte ja, aber offensichtlich will es nicht. Für mich absolut unverständlich.

Ich denke, bei solchen "Wuttiraden" schimmert auch ein wenig Frust durch, irgendwann zu Sony gewechselt zu haben und nun sehen zu müssen, wie Canon so gaaaanz langsam, aber sicher Erst macht.

Keine Angst, obwohl ich 5D IV Nutzer bin mit 'nem Sack voll L-Linsen, bin ich kein bedingungsloser Canon-Fanboy! Und ich gebe freimütig zu, ab und an hatte ich auch schon über einen Wechsel zu Sony nachgedacht, es mir aber letztlich verkniffen. Die Vorteile wären bei weitem nicht so groß gewesen, wie ich hätte in die Neuausrüstung investieren müssen.

Ja, die Entscheidung gegen IBIS finde ich nur mäßig gut - obwohl das in der täglichen Praxis wahrscheinlich nicht DIE Bedeutung haben wird, weil die meisten modernen Canon-Linsen halt stabilisiert sind (im Gegensatz bspw. zur Fuji, wo die hochgelobten T1/2/3 auch kein IBIS haben) und das Gros der Nutzerschaft eh' keine (ur-)alten Objektive nutzen wird - falls die sich überhaupt ans R-Bajonett adaptieren lassen werden. Trotzdem, Schade! Wäre ein Sahnehäubchen gewesen.

Kein zweiter Karten-Slot? Ja, okay, für Hochzeitsfotografen nicht eben lustig. Ansonsten bin ich ziemlich überzeugt, dass 90% keinen zweiten Slot brauchen und die, die einen haben, zu 90% nicht nutzen (wie z.B. ich. ).

Klar ist aber auch, die jetzige R wird bald sowas sein wie die "Ur-R". Sie ist im Moment das Pendant zu Nikon Z6 und Sony A7 III. Sie ist die Einsteiger-DSLM und dürfte in nicht ferner Zukunft von einer Profi- oder zumindest professionelleren R ergänzt werden - dann vermutlich immer noch ohne IBIS, aber sicher mit zweitem Slot, neuem Sensor und noch ein paar anderen Zugaben.

Trotz allen Kritikpunkten bin ich von Canons Einstieg in die FF-Mirrorless-Welt eher positiv als negativ überrascht, angesichts von Canons konservativer Modellpolitik der letzten Jahre und vor allem angesichts des Desasters mit dem M-System:

Die R ist, so wie sie ist, für das anvisierte Klientel mehr als brauchbar und erschwinglich (der Straßenpreis wird sich noch einpegeln).

Und die vorgestellten R-Objektive hätte man so auch nicht unbedingt erwarten dürfen. Das 28-70/f2 ist Bombe (allerdings auch so schwer ). Das 24-105, kleiner u. etwas leichter als die EF-Varianten und mit Nano-Antrieb, ist ein tolles Kit-Objektiv (mit Nano gerade auch fürs Filmen) - in jedem Fall praxistauglicher als die langweiligen 24-70/f4. Das 1,2/50 ist auch nett und vielleicht ein Fingerzeig, dass es nicht mehr - wie eigentlich zuvor erwartet - als EF kommt. Mir wäre es trotzdem zu schwer, würde das 1,8/35 bevorzugen - ist aber natürlich Geschmacksache und praxisabhängig.

Adapter war klar. Okay, Adapter-Lösung ist nie sonderlich "sexy", aber die 3 vorgestellten Teile sind auch wiederum mehr als erwartet, vor allem der Basis-Adapter als kostenlose Zugabe - für den man bei Nikon Z satte 300 Euronen löhnen muss.
+2
sonorman
sonorman08.09.18 13:59
locoFlo
Mein Fazit aus den Vorstellungen der letzten Tage: Ich habe eine X-T3 vorbestellt. 😁
Naja, sei ehrlich. Das machst Du doch, weil Du ohnehin ein großer Fuji-Fan bist und sicherlich schon Objektive hast. Von daher wäre ein Wechsel auf Canon oder Nikon für Dich doch sowieso eher unwahrscheinlich, egal wie gut die neuen Kameras wären, oder?

Die Meisten entscheiden sich doch eher für ein SYSTEM, das ihrer Meinung nach das Beste ist. Einzelne Kamera-Features spielen doch kaum eine Rolle. Von daher sehe ich es auch nicht als so kritisch an, dass der EOS R ein paar „wichtige“ Prospektdaten fehlen (IBIS, 2. Slot und so). Die Kamera ist als Erstling sowieso nicht ganz so wichtig. Vielmehr stellt sich für mich die Frage, welcher Mount das größte Potential hat, denn der wird die nächsten Jahrzehnte unverändert bleiben, wären Kamera-Bodys regelmäßig erneuert/weiterentwickelt werden.

Die nächsten paar Monate werden noch spannend. Oly will angeblich Anfang 19 eine neue High-End-MFT bringen, Panasonic kommt evtl. mit Vollformat, Sony will in ein paar Tagen auch noch was ankündigen u.s.w.
Endlich kommt mal wieder Bewegung in den Markt.
+1
sonorman
sonorman08.09.18 14:05
Nein, ich muss mich selbst verbessern: Die meisten entscheiden sich wohl am ehesten für eine MARKE, die ihnen am sympathischsten ist und verteidigen die dann vehement mit Argumenten gegen alle anderen. Man muss sich seine Entscheidung ja irgendwie selbst rechtfertigen.
Marken- und Systemwechsel wagen nur die Wenigsten.
+1
adiga08.09.18 14:45
sonorman
Nein, ich muss mich selbst verbessern: Die meisten entscheiden sich wohl am ehesten für eine MARKE, die ihnen am sympathischsten ist und verteidigen die dann vehement mit Argumenten gegen alle anderen. Man muss sich seine Entscheidung ja irgendwie selbst rechtfertigen.
Marken- und Systemwechsel wagen nur die Wenigsten.
Kein Wunder, ein Systemwechsel ist auch mit enormen finanziellen Aufwänden verbunden. Vor allem Amateure scheuen dies, man kriegt ja "nichts" mehr. Bei Profis sieht es anders aus, aber wenn man sich mal in ein System hineingedacht hat und die Bedienung im Schlaf kann, wieso sollte man wechseln, wenn das eigene System nicht absolut schlecht ist? Nikon und Canon sind nun mal die Platzhirsche, Sony, Fuji, Olympus sind Randerscheinungen. Panasonic, Samsung etc. haben ihre Stärken anderswo und versuchen krampfhaft auch im Kameramarkt Fuss zu fassen.

Ist ja im PC Markt auch so. Windows ist der grosse Dominator, macOS und Linux nur Randerscheinungen. Wenn auch relativ gewichtige. Auch wenn wir überzeugt sind, dass macOS und Linux besser sind. Die grosse Masse wurde noch nicht überzeugt.
-1
locoFlo
locoFlo08.09.18 15:15
Das machst Du doch, weil Du ohnehin ein großer Fuji-Fan bist und sicherlich schon Objektive hast.

Halb, halb. Die Zs und Canon R haben mir gezeigt/bestätigt warum APS-C für mich der sweet spot ist. Auch wenn von neuen Konstruktionsmöglichkeiten der Objektive gesprochen wird, die Gläser sind im vergleich riesig und teuer. Kleinbild für ambitionierte Amateure ist für mich jedenfalls overkill.
Aber ja, bin Fan und werde auch noch mal Geld in Glas stecken. Ein Systemwechsel war aber immer möglich, ist mit den Entwicklungen der letzten Tage aber wieder unwahrscheinlicher geworden.
weil die meisten modernen Canon-Linsen halt stabilisiert sind (im Gegensatz bspw. zur Fuji, wo die hochgelobten T1/2/3 auch kein IBIS haben)

Auch bei Fuji sind die modernen Linsen abgedichtet und stabilisiert. Außerdem hat die X-H1 IBIS. Einen zweiten SD-Karten Slot haben sowohl X-H1 als auch X-T3.
Nobody dies as a virgin, life fucks us all. KC
0
joSchmiedel08.09.18 15:51
Hat die Kamera kein GPS eingebaut? Warum nicht?
+2
sonorman
sonorman08.09.18 16:23
joSchmiedel
Hat die Kamera kein GPS eingebaut? Warum nicht?
Selbe Antwort, wie bei der Nikon Z: weil man die Kamera mit dem iPhone verbinden und dessen GPS zum Geotaggen benutzen kann.

Die R wird dort zwar noch nicht explizit erwähnt, aber da sie WLAN und Bluetooth an Bord hat, wird die Connect App höchstwahrscheinlich auch damit funktionieren.
+1
kaizen08.09.18 16:49
Das Objektivangebot für den neuen Canon Mount finde ich deutlich attraktiver als dass was Nikons S Serie im Moment bietet. Warum kein 24-105/4 oder 24-120/4 ?
Schöner Kommentar über die Canon R:
Das Leben ist wie ein Brot. Irgendwann wird es hart.
0
alephnull
alephnull08.09.18 16:59
locoFlo
Auch bei Fuji sind die modernen Linsen abgedichtet und stabilisiert.

Das, was mich interessieren würde...
XF 23mm F1.4
XF 23mm F2
XF 35mm F1.4
XF 56mm F1.2
XF 60mm F2.4
XF 90mm F2
...ist nicht stabilisiert.

Und die wertigen Zooms sind weder leicht noch billig.
+1
locoFlo
locoFlo08.09.18 19:26
Ich bin wirklich nicht der Typ um Marken oder gar Firmen zu verteidigen. Kann gut verstehen wenn man andere Bedürfnisse hat als ich. Für mich haben die Objektive ein gutes Verhältnis aus Preis/Gewicht/Leistung und das System eine klare Roadmap. Für viele liegt dieser sweet spot bei den Micro-Four-Thirds, andere haben kein Problem damit tausende von Euro, diverse Kilo und eine Kamera die stets nach vorne wegkippt rumzutragen .
PS: meine derzeitige Lieblingsobjektiv ist das 35 f2, an der X-E2 komplett ohne Stabilisierung, trotzdem ein Traum.
Nobody dies as a virgin, life fucks us all. KC
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wolfgag
wolfgag08.09.18 19:52
kaizen
Schöner Kommentar über die Canon R:
Na ja - schon bisschen weinerlich.
-1
sonorman
sonorman08.09.18 21:37
locoFlo

Das ist doch die Hauptsache, dass man selbst seinen Sweet Spot findet! Da bin ich absolut bei Dir.

Interessanterweise bin ich nach mehreren Jahrzehnten der Fotografie noch immer nicht endgültig „angekommen“. Ich habe selbst über einen langen Zeitraum drei unterschiedliche Systeme genutzt: Canon am längsten, dann einige Jahre Nikon und inzwischen einige Jahre Olympus. An alle Systeme konnte ich mich sehr gut gewöhnen (mit Ausnahme der blöden umgekehrten Drehrichtung bei Nikon vielleicht). Alle haben ihre Vor- und Nachteile, keines der Systeme ist perfekt. Darüber hinaus habe ich diverse andere Marken intensiv getestet, darunter auch Sony. Deren Kameras mögen noch so gute Daten haben, aber sie stehen mit Ihrer Bedienung dem eigentlichen Fotografieren irgendwie immer im Weg. Fuji hat – spätestens mit der X-T3 – ein wirklich beeindruckendes Feature-Set, aber die Kameras mit ihrem fast schon Steam-Punk-Look und ihrer Bedienung sagen mir nicht so ganz zu. Panasonic hat auch ganz gut was auf dem Kasten, aber die letzten Kameras waren mir zu Video-zentrisch (die Lumix G9 reißt es auch nicht raus). Und viel mehr gibt‘s dann ja auch nicht mehr.

Ich bleibe wohl erst mal bei Olympus, bin aber nicht abgeneigt, mir ein Vollformat-System mit ein, zwei Objektiven zusätzlich zuzulegen. Für die Bereiche, die mit Four Thirds nicht so gut abgedeckt sind. Und bei den beiden Neulingen R und Z tendiere ich momentan ein klein wenig mehr in Richtung Canon. Aber ich werde den beiden erst mal näher auf den Zahn fühlen. Gute Fotos machen sie alle. Wegen ein paar kleiner Unterschiede in der Technik oder den Daten mache ich mir keine Sorgen. Hauptsache die Technik steht dem Fotografieren nicht im Weg.
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