Bundeskartellamt fordert neutralere Gestaltung von App-Tracking Transparency


Seit 2022 gibt es eine Regel für iOS-Apps: Wenn sie das Nutzerverhalten App-übergreifend nachverfolgen wollen, müssen sie eine explizite Erlaubnis des Anwenders einfordern. Diese Regel gilt für alle Anbieter von iOS-Software – bis auf eine Ausnahme: Apple selbst räumt dem vorinstallierten App Store und dessen Werbung besondere Rechte ein, welche nicht im App-Tracking-Dialog erscheinen. Das rief die Bundeskartellbehörde auf den Plan, die einen unfairen Wettbewerbsvorteil sah. Nun fällte diese ihr endgültiges
Urteil: Apple muss innerhalb von vier Monaten die entsprechenden Dialoge umgestalten.
Die vom Bundeskartellamt verlangten Änderungen lauten im Detail:
- Abschreckende Icons wie die flache, ausgestreckte Hand müssen verschwinden, um eine Vorverurteilung zu vermeiden.
- Mehr Platz für Erklärungen: App-Entwickler dürfen zukünftig in bis zu 4.000 Zeichen erklären, warum Anwender sich für das Aktivieren von App-Tracking entscheiden sollten.
- Keine Doppelabfragen: Haben Nutzer bereits in der App dem Tracking zugestimmt, etwa im Rahmen einer DSGVO-Abfrage, muss dies zukünftig nicht erneut in der Einstellungen-App separat eingestellt werden.
- Direkt-Link in der App: App-Entwickler dürfen zukünftig direkt in den passenden Dialog unter Einstellungen/Datenschutz/App-Tracking verlinken, um Nutzern das (De-)Aktivieren von Tracking zu erleichtern.
Die gute Nachricht: Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Button zum
generellen Unterbinden von App-Tracking bleiben darf.
Forderung von Werbe- und Publishing-IndustrieAusgelöst wurde die Untersuchung durch Forderungen von Industrieverbänden, welche Geld mit Werbung verdienen. Der Stein des Anstoßes war die Ungleichbehandlung von Apples hauseigenen Annoncen, etwa im iOS App Store. Die nun vorgenommenen Änderungen sind allerdings keine reine Erfindung des Bundeskartellamts, sondern basieren auf Vorschlägen und Zugeständnissen, welche Apple im Jahr 2025 eingereicht und in Zusammenarbeit mit der Behörde nachgebessert hat. Dass Apples eigene Nutzerbeobachtung schlicht in den Tracking-Dialog integriert werden könnte, kam Apple anscheinend nicht in den Sinn.
Abschreckende Symbolik, kaum Platz für Begründung: Die Dialoge für App-Tracking-Zustimmung muss Apple neutraler gestalten.
Wirksamkeit begrenztNicht nur Apple selbst verweigert sich dem strengen Regelwerk des App-Trackings, sondern auch viele Diensteanbieter. Mit einer hohen Rate an Tracking-Verweigerern konfrontiert, suchten manche Entwickler nach alternativen Möglichkeiten, Nutzer app-übergreifend zu tracken. Durch bestimmte, von jeder App abrufbare Werte lässt sich ein Gerät oftmals eindeutig identifizieren. Die kostenlose App „Loupe“
macht sichtbar, was Apps über ein iPhone herausfinden können, und erläutert die Hintergründe.