Apples ehemaliger Chefanwalt plaudert aus dem Nähkästchen: Google-Deal, Samsung-Klagen, massiver Arbeitsaufwand

Der ehemalige Chef von Apples Rechtsabteilung hat dem Sender CNBC ein Interview gegeben. Darin erzählt Bruce Sewell von drei Monaten täglicher Arbeit für den Suchmaschinen-Vertrag mit Google, dem hohen Aufwand von Gerichtsprozessen und Tim Cooks frühmorgendlichem Pensum.


Monatelang jeden Tag mit Google verhandelt
Unter anderem erzählt Sewell von der Zeit als Apple und Google den Suchmaschinen-Deal aushandelten. Die Alphabet-Tochter überweist dem iPhone-Hersteller jedes Jahr mehrere Milliarden US-Dollar dafür, dass der Suchdienst als Standard im Safari-Browser aller Apple-Geräte voreingestellt ist. Vier Monate lang haben die beiden Technologiegiganten laut Sewell um die Vertragsdetails gerungen. Während dieser Zeit habe er sich „fast jeden Tag“ mit Google-Chef Sundar Pichai und dem Chefanwalt des Konzerns, Kent Walker getroffen. Auf Apple-Seite seien neben ihm Tim Cook oder Eddy Cue mit von der Partie gewesen. „Das ist nur ein Beispiel dafür, dass diese Art von Verhandlungen einfach sehr viel Zeit in Anspruch nehmen,” sagte Bruce Sewell dem Fernsehsender.

2014: Eine Milliarde Dollar für Apple, 2018 schon über neun
Während Sewell keinen Betrag nennt – und vermutlich auch nicht nennen darf – haben Journalisten aus Gerichtsakten herausgelesen, dass Google 2014 bereits eine Milliarde US-Dollar nach Cupertino überwiesen hat. Diesen Februar rechneten die Analysten von Goldman Sachs vor, der Betrag sei im Jahr 2018 auf fast 9,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Apple lässt sich dabei nicht nur für Browser-Suchen, sondern auch für die Web-Ergebnisse von Siri bezahlen. Googles Anteil am Service-Umsatz soll im besagten Jahr etwa 20 Prozent betragen haben.

Eine Studentin interviewte den langjähigen Apple-Manager Bruce Sewell.

Samsung vs. Apple: Angestellte wälzten über sieben Milliarden Dokumente
In der Rechtsabteilung unter Sewell arbeiteten nach eigener Aussage 900 Menschen, davon 600 Anwälte und Fachangestellte aus beauftragten Kanzleien. Er habe zudem ein Budget von fast einer Milliarde US-Dollar verwaltet. Der ehemalige Chefanwalt präsentierte zusätzlich Zahlen zu dem Aufwand, den Prozesse nach sich ziehen. So beschäftigten sich in der Zeit der Samsung-Klagen 350 Leute mit einem Fall – insgesamt waren es zeitweise sieben Verfahren parallel, in denen sich Apple mit dem koreanischen Konzern stritt. Der größte Teil der Arbeit sei extern erledigt worden, da das Unternehmen Klagen in diesen Ausmaßen nicht intern bewältigen könne. Sieben oder acht Milliarden Dokumente habe man überprüft und die Anwaltskanzleien stellten für ihre Arbeit insgesamt rund 280.000 Stunden in Rechnung.

iBook-Deal: 450-Millionen-Dollar Fehler passieren
Neben erfolgreichen Prozessen und guten Deals passierten Sewell jedoch auch Fehler. Er spricht von einer Fehleinschätzung bei den Verträgen für den Buch-Dienst iBooks. Er habe nichts von den Deals zwischen den Verlegern gewusst und daher auch nicht die Gefahr einer Kartellklage gesehen. Die US-Regierung verdonnerte den Konzern zu einer Strafzahlung von 400 Millionen US-Dollar an die Kunden. Dazu sollen Anwaltskosten in Höhe von 50 Millionen Dollar aufgelaufen sein. Alleine der anwaltliche Prüfer, den das Gericht zur Einhaltung der Auflagen auf den Schoß Apples setzte, habe einen Stundenlohn von 1.100 US-Dollar plus Verwaltungsgebühren von 165 US-Dollar erhalten. Damit betrugen nur die Prüfungskosten für die ersten zwei Wochen im November 2013 fast 140.000 US-Dollar.

Cooks Morgenroutine startet in der Nacht
„Tim ist ein wenig verrückt mit seinem Arbeitsplan“, sagte Sewell zum Tagesablauf zwischen den beiden. Er erklärte, dass Cook schon zwischen 4.00 und 5.00 Uhr morgens aktiv sei. Wenn der Anwalt um 6:30 Uhr aufstand, wartete so schon immer eine Reihe E-Mails aus der Hand des Apple-Chefs. Sewell nennt die dort angewiesenen Aufgaben, liebevoll „die kleinen Kekse, die er mir hinterlassen hat.“ Bruce Sewell war von 2009 bis 2017 der General Counsel von Apple und ging anschließend in den Ruhestand. Katherine Adams hat seine Aufgaben übernommen.

Kommentare

veggie
veggie11.06.19 09:28
... endlich mal einer, der keine schmutzige Wäsche wäscht.
+3
conath11.06.19 09:57
Ein sehr schön geschriebener, interessanter Beitrag. 👍
+2
Sitox
Sitox11.06.19 13:00
Beeilt haben sie sich jedenfalls.
~2/1000 Sekunden pro Dokumentensichtung ist flott.
+1
ruphi12.06.19 23:08
Sitox
Beeilt haben sie sich jedenfalls.
~2/1000 Sekunden pro Dokumentensichtung ist flott.

komme zwar auf 0,144 sek/dok, aber ja das ist wirklich erstaunlich
+1

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