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Vorwürfe gegen "Honey": Tauscht PayPals Rabatt-Dienst Affiliate-Links aus?

Anbieter wie Honey werben damit, bei jedem Online-Kauf den aktuell höchsten Rabatt-Code einzufügen. Dabei nutzen sie einerseits Kooperationen mit Web-Shops, übernehmen allerdings auch die manuellen Eingaben der Nutzer: Wer die Browser-Erweiterung von Honey installiert hat und einen Rabatt-Code eingibt, sendet diesen automatisch an die Server des Rabattdiensts. Doch damit nicht genug: Ein YouTuber hat das Verhalten des Browser-Plug-Ins von Honey analysiert und festgestellt, dass es Affiliate-Links von Wettbewerbern ersetzt und dieses Verhalten aktiv verschleiert.


Mit diesem Verhalten handele das Honey-Angebot entgegen einer Stand-Down-Regel, welche in der Affiliate-Marketing-Branche allgemeine Gültigkeit hat: Wenn ein Nutzer bereits einen Affiliate-Link geklickt hat, bleibt dieser unangetastet, damit der tatsächliche Ursprung des Klicks erhalten bleibt. Dem YouTuber MegaLag ist jedoch aufgefallen, dass ein Honey-Browser diese Stand-Down-Konvention absichtlich ignoriere. Dabei kämen Verschleierungstaktiken zur Anwendung, welche er mit dem Abgas-Skandal von VW gleichsetzt: Eine Abschaltautomatik analysiere Herkunft, Accountalter und Nutzer-Email, um bei Testszenarien Regelkonformität vorzutäuschen.

Etabliertes Nutzerkonto erhält Rabatte
Für seine Analyse verglich er das Verhalten eines frisch angelegten Nutzer-Kontos mit dem eines etablierten Honey-Nutzers. Letzterer bekam Rabatte präsentiert, die Neulinge nicht zu sehen bekommen. Er unterzog daraufhin verschiedenste Versionen des Browser-Plug-Ins einer Quellcode-Analyse und entdeckte: Das Überschreiben bestehender Affiliate-Links folgt einem komplexen Regelwerk, dessen Regeln stündlich aus dem Netz aktualisiert wurden. Darin sind unterschiedlichste Maßnahmen definiert: Enthält die E-Mail-Adresse des Accounts etwa das Wort „test“, verhält sich Honey stets regelkonform. Für manche Fälle gilt eine Verzögerung, bis Rabattangebote unterbreitet werden. In einer aufwendigen Spurensuche konnte er diese Abschaltautomatik bis ins Jahr 2017 zurückverfolgen.


Fatal für alle Beteiligten
Wenn sich der Vorwurf von MegaLag als wahr herausstellt, ist dieses Verhalten nicht nur ein Problem für konkurrierende Rabattaggregatoren: Viele Podcaster, Blogger und Streamer finanzieren sich über Werbung. Um deren Wirkung zu messen, setzen sie oft auf Rabatt-Codes und Affiliate-Links. Regelmäßig von Honey überschriebene Affiliate-Links rauben manchen Produzenten die Sichtbarkeit, während sie die gemessene Reichweite Anderer multiplizieren. In zwei vorherigen Videos führte MegaLag bereits vor, welche Auswirkungen dies auf Inhaltsproduzenten und auf Webshops haben kann.

Paypal weist Vorwürfe zurück
Im Jahr 2020 übernahm der Bezahldienstleister den Rabattdienst Honey. Seitdem findet jeder iPhone-Nutzer, welcher die PayPal-App installiert, die Honey-Erweiterung in den Safari-Einstellungen (sie ist glücklicherweise standardmäßig inaktiv). Als MegaLag den Konzern mit seinen Untersuchungen konfrontierte, wies er dessen Ergebnisse als falsch zurück und drohte mit rechtlichen Konsequenzen. Allzu große Sorgen muss sich der YouTuber allerdings nicht machen: Das erste Video, in dem er Honeys Geschäftspraktiken kritisiert, ist seit über einem Jahr online.

Wer PayPal auf seinem iPhone hat, bekommt unter Einstellungen/Apps/Safari/Erweiterungen stets die Honey-Erweiterung angeboten.

Kommentare

aMacUser
aMacUser02.01.26 17:01
MTN
Als MegaLag den Konzern mit seinen Untersuchungen konfrontierte, wies er dessen Ergebnisse als falsch zurück und drohte mit rechtlichen Konsequenzen.
Erinnert mich an den YouTuber McNallyOfficial. ProvenLocks hatte den mal verklagt, weil er gezeigt hat, wie grotten schlecht eines der Vorhängeschlösser sei. Das Schloss im Video sei manipuliert worden, behuapteten sie. Dann hat der YouTuber ein Single-Shot-Video gemacht, wie er das Schloss originalverpackt aus einer Amazon-Packstation holt und mit einer Getränkedose knackt. Danach hat ProvenLocks die Klage fallen gelassen. Die hatten wohl Angst, dass er das selbst auch vor Gericht den Geschworenen zeigt.

Dass PayPal hier mit rechtlichen Konsequenzen droht, ist, einfach gesagt, dumm. Jeder kann das prüfen. Der Quellcode von Browsererweiterungen ist effektiv öffentlich. Und es gibt mittlerweile genug Videos da draußen, die da Verhalten belegen. PayPal fährt hier eine klassische Einschüchterungstaktik. Allerdings sollte sowas unter Strafe stehen, denn effektiv ist es Erpressung.
+2
Oblivion02.01.26 17:18
Das ist doch was für die Wettbewerbshüter beiderseits des großen Teichs, sowohl was Konsumentschutz als auch die Rechte jener die sich mit dieser Werbung finanzieren betrifft
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