Vor 40 Jahren: Windows 1 erscheint – ein halbgares Experiment


Am 20. November des Jahres 1985 erschien die erste Version von Microsoft Windows. Damals war noch nicht abzusehen, dass Windows Jahre später zum Betriebssystem mit dem größten Marktanteil würde und dies auch bis zum heutigen Tag geblieben ist. Angekündigt wurde Windows bereits im November 1983, die tatsächliche Veröffentlichung verzögerte sich dann jedoch bis Ende 1985. Version 1.0 konnte noch nicht als "Betriebssystem" bezeichnet werden. Stattdessen handelte es sich um eine grafische Oberfläche für DOS, mit der Microsoft die Bedienung des Computers vereinfachen wollte.
Wenige sahen den Sinn von Windows 1 & 2Bill Gates war fasziniert von den Möglichkeiten, die Apple mit der grafischen Benutzeroberfläche ermöglichte und wollte das eigene System an diesen Ideen ausrichten. Den wenig ausgereiften Versionen 1 und 2 wurde allerdings kein sonderlicher Markterfolg zuteil. Die qualitativen Unterschiede im Vergleich zum Mac-System waren zu jenem Zeitpunkt unübersehbar, zumal es unter PC-Benutzern die simple Frage "Warum soll ich dafür Aufwand in Kauf nehmen und bezahlen, wenn DOS alles Nötige kann?" gab. Technische Limitierungen machten die Arbeit zudem recht unattraktiv, denn gegenseitiges Überlappen von Fenstern gab es nicht, die Hardware-Voraussetzungen waren vergleichsweise hoch, Software fehlte.
Eine gänzlich andere ZeitZudem war die Nutzerschaft in den 80ern noch eine andere. Apple, nicht zu vergessen der Commodore Amiga sowie Atari, hatten neue Zielgruppen erschlossen, welche sich von den jeweiligen Systemen angesprochen fühlten. Dennoch stellten in den Jahren 1985–1988 noch Entwickler, technisch versierte Anwender und Unternehmen den Großteil der potenziellen Kunden – und hier war DOS eingespielt, stabil, effizient und schnell. Microsoft bewarb das System auch kaum und Programme für den Mac galten zu jenem Zeitpunkt als wichtigeres Projekt. Das sollte sich erst mit Windows 3 ändern, wohingegen Windows 95 dann Microsofts führende Rolle zementierte.
Die angebliche Windows-Werbung – welche aber bewusst übertrieben und nie für Kunden gedacht war – mit Humor, den man nur Mitte der 80er verstandMicrosoft gewann den Desktop War – doch wurde dennoch verzichtbarerAls Steve Jobs 1997 wieder zu Apple zurückkehrte, gestand er offen ein: Der sogenannte "Desktop War" ist verloren. Seine Vorgänger hatten sich immer noch der Hoffnung hingegeben, Microsoft (wenn auch
gerichtlich) schlagen zu können und doch noch einen höheren Mac- als Windows-Marktanteil zu erreichen. Das ist bis heute nicht geglückt, allerdings nur, wenn man auf den klassischen Computermarkt blickt. Bei Smartphones spielt Windows indes keine Rolle (mehr) – bezeichnet man also alle Geräte des Alltags als Computer, so ist ein Microsoft-freier Alltag heute wesentlich normaler als vor 20 Jahren.