Indisches 3-Euro-Smartphone erzeugt Misstrauen bei der Konkurrenz

Eine überwältigende Resonanz erlebte das indische Unternehmen Ringing Bells, als es vor einigen Tagen das Android-Smartphone Freedom 251 vorstellte. Dieses sollte für den Kampfpreis von 251 Rupien zu haben sein - umgerechnet knapp 3,33 Euro. Doch die Konkurrenz und auch namhafte Politiker äußern Zweifel an der Seriosität des Unternehmens. Jetzt ermittelt das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie.

Immense Nachfrage
Seit letztem Donnerstag akzeptiert Ringing Bells Vorbestellungen für das Freedom 251, das den Anspruch erhebt, die verarmte Mittelschicht des indischen Milliardenvolkes mit Smartphones zu versorgen. Angeblich erreichte die Zahl der Bestellungen schnell 70 Millionen - inzwischen sind keine Registrierungen mehr möglich. Jetzt möchte Ringing Bells rasch die notwendige Zertifizierung der indischen Normungsbehörde erlangen und die ersten 5 Millionen Geräte importieren. Die Bauteile stammen aus dem Ausland, wahrscheinlich Taiwan, sollen aber in Indien vor Ort zusammengesetzt werden.

Verdacht eines »Ponzi-Spiels«
Doch die in der Indian Cellular Association (ICA) organisierte, etablierte Smartphone-Industrie wittert Betrug. Ihr zufolge betragen allein die Materialkosten des beworbenen Gerätes mindestens 2.300 Rupien, also etwa 30,48 Euro. Mohit Goel von Ringing Bells dagegen behauptet, das Freedom 251 erwirtschafte sogar einen Gewinnüberschuss von 31 Rupien (gut 41 Euro-Cent) pro verkauften Gerät.

Doch auch Kirit Somaiya von den in Indien regierenden BJP argwöhnt, dass es sich bei dem Freedom 251 um ein sogenanntes »Ponzi-Spiel« handelt. Dabei handelt es sich um ein Geschäftsmodell, wo dem investierten Vermögen kein echter Gegenwert zugeordnet wird. Die versprochenen Gegenleistungen, in diesem Fall das Smartphone, würden für die ersten Kunden über die Investitionen der breiten Masse finanziert, um die Nachfrage noch größer zu machen. Selbstverständlich bräche ein solches System zusammen, da es sich nur über die größere Zahl der Vorbestellungen gegenüber den Auslieferungen hält.

Deswegen hat sich nun das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie eingeschaltet und überprüft die Finanzierungsgrundlage des Produktes und des Unternehmens.


Freedom 251
Für die verlangten 251 Rupien verspricht Ringing Bells ein Android-betriebenes 4-Zoll-Smartphone mit zwei Kameras. Die Rückkamera verfügt den Angaben des Herstellers zufolge über 3,2 Megapixel, die Frontkamera über 0,3 Megapixel. Dem 1,3 GHz Quadcore Prozessor steht 1 GB RAM zur Verfügung. Der Speicher von 8 GB ist gegen Aufpreis auf bis zu 32 GB aufrüstbar. Der Akku besitzt eine Kapazität von 1.450 mAh. Mit dem Kauf erhalten Kunden eine einjährige Garantie auf das Gerät, auf dem Android Lollipop 5.1 System sowie Apps wie WhatsApp, Facebook, YouTube und Google Play ebenso vorinstalliert sind, ebenfalls die lokalen Apps Women Safety, Swachh Bharat, Fisherman, Farmer und Medical.

Weiterführende Links:

Kommentare

Igor Detlev23.02.16 19:52
Nur so am Rande: Der deutsche Begriff für "ponzi scheme" lautet "Schneeballsystem".
0
RyanTedder
RyanTedder24.02.16 07:27
Bestellt heißt in dem Fall dann auch schon bezahlt? Bei 70 Millionen Geräten haben die schon 230 Millionen Euro verdient ohne irgendeine Leistung erbracht zu haben. Ich hoffe das wird noch was
0
Legoman
Legoman24.02.16 08:01
Igor

Nicht wirklich...

In den Vereinigten Staaten wurde seine Betrugsmasche unter dem Ausdruck ponzi scheme (Ponzi-Schema, Ponzi-Plan oder Ponzi-System) bekannt und teilweise auch fälschlicherweise als Synonym für Schneeballsystem verwendet.[2] Das Ponzi scheme unterscheidet sich jedoch in mehreren Punkten von einem Schneeballsystem:[3]
...
Gemeinsam an beiden Systemen ist, dass die Anzahl Teilnehmer exponentiell steigen muss, um nicht zu kollabieren (beim Schneeballsystem jedoch mit viel höheren Wachstumsraten), und dass mit den Beiträgen neuer Teilnehmer die Gewinnausschüttungen der bestehenden Teilnehmer gedeckt werden. Hauptsächlicher Unterschied ist aber, dass beim Ponzi scheme die „Kunden“ direkt mit den Betrügern im Kontakt stehen, während beim Schneeballsystem die Urheber verschleiert sind.


https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Ponzi#Ponzi_scheme
0

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.

OK MacTechNews.de verwendet Cookies unter anderem für personalisierte Inhalte, Seitenanalyse und bei der Auslieferung von Google-Anzeigen. Dies war zwar schon immer so, auf Wunsch der EU muss nun jedoch explizit darauf hingewiesen werden. Durch Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen