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"Es ist immer noch Steves Unternehmen" – Interview mit Tim Cook

In drei Wochen jährt sich die Firmengründung von Apple zum fünfzigsten Mal. Zu diesem Anlass unterhielt sich der Journalist David Pogue mit Apples CEO Tim Cook. Dieser begleitet Apple seit beinahe 28 Jahren – mehr als die Hälfte davon als Steve Jobs’ designierter Nachfolger. In einem gut zwanzigminütigen Interview blickt er zurück und benennt, was Apple in seinen Augen so besonders macht.


Als Steve Jobs ihn überredete, vom damals größten Computer-Hersteller Compaq zu Apple zu wechseln, sah es eher düster aus – der Umsatz war auf 1,2 bis 1,4 Milliarden US-Dollar geschrumpft; es reichte kaum, um die Gehälter zu zahlen. Was ihn aber überzeugt habe, wäre Jobs' einzigartige Vision. Anstatt wie die gesamte IT-Industrie damals auf Unternehmen zu setzen, stellte der zurückgekehrte Gründer den Anwender ins Zentrum.

Immer noch „Steves Unternehmen“
Tim Cook ist überzeugt, dass bestimmte Grundüberzeugungen dem Unternehmen von Steve Jobs eingepflanzt wurden. So müssten Produkte nicht nur gut sein, sondern „insanely great“. Gutes Design bedeute, für einmal Ja tausendmal Nein zu sagen. Jobs sei geradezu besessen von der Art und Weise gewesen, wie Anwender Apples Produkte erlebten, und dies präge den Ethos des Unternehmens bis heute. Gleichzeitig habe ihm Jobs mit auf den Weg gegeben, sich niemals zu fragen „Was würde Steve tun?“, sondern stets das zu machen, was richtig sei.

Betonung der Zusammenarbeit
Auf Nachfrage, was Apple so einzigartig macht, erläutert Cook seine Überzeugung, dass es der Grundgedanke der Zusammenarbeit sei – ebenfalls ein Kerngedanke von Steve Jobs. Ideen, die ausgetauscht und diskutiert würden, wüchsen und verbesserten sich dadurch. Am Ende sei es die Unternehmenskultur unter den Mitarbeitenden, welche Apple einzigartig mache. Diese müsse über Jahre gestaltet und gepflegt werden – dies sei auch der Hauptgrund, weswegen es bis heute niemandem gelungen sei, Apples Erfolg zu kopieren.

Cooks eigene Schwerpunkte
Als CEO brachte Tim Cook eigene Werte ein. Seiner Überzeugung nach ist ein Unternehmen eine Ansammlung von Menschen, und Menschen sollten Werte haben, weshalb ein Unternehmen ebenfalls solche aufweisen müsse. Für ihn seien dies Barrierefreiheit, Privatsphäre, Gleichberechtigung, Bildung und Nachhaltigkeit. Diese Werte helfen dem Unternehmen, Entscheidungen zu treffen.

Buch zu fünfzig Jahren Apple
David Pogue moderiert unter anderem die Sendung „Sunday Morning“ beim US-amerikanischen TV-Sender CBS. Für den Beitrag durfte er Tim Cook in der Firmenzentrale interviewen. Am 10. März erscheint zudem sein Buch „Apple: The first 50 Years“, für das er viele ehemalige und aktuelle Angestellte des Konzerns interviewte. Es ist unter anderem bei Amazon und in Apples Bücher-App verfügbar. Eine ins Deutsche übersetzte Fassung ist für den 8. Juni angekündigt.

Kommentare

esc
esc10.03.26 08:43
Apple ist unter Tim Cook genau zu dem geworden, wogegen man früher angetreten ist. Ein marktbeherrschender Konzern wie IBM. Statt den Nutzer zu befreien, setzt Apple heute auf ein geschlossenes System, starke Kontrolle und maximale Bindung. Innovation wird zunehmend inkrementell, Risiken werden vermieden, Services und Abos stehen im Fokus. Das ist betriebswirtschaftlich sehr erfolgreich, aber kulturell weit entfernt vom rebellischen Apple der Jobs‑Ära.
-1
MLOS10.03.26 08:47
Wo Apple in jedem Fall einzigartig ist und was bisher niemandem sonst in dieser Form gelungen ist, ist die Barrierefreiheit.
Produkt auspacken, einschalten, einrichten, nutzen -- von Anfang an barrierefrei. Egal ob sehbehindert, hörbehindert oder motorisch eingeschränkt etc.
Features können einfach genauso genutzt werden, wie von nicht-Behinderten. Das rechne ich Apple sehr hoch an.
Bei anderen Herstellern wirkt Barrierefreiheit hingegen eher wie oben drauf gesetzt statt im Kern vorhanden.
Sowas wie bei Apple würde ich mir bei allen Geräten wünschen. z.B. bei Waschmaschine, Backofen/Herd etc, was man halt sonst so braucht.
Und damit meine ich keine speziell für xyz entwickelten Geräte, sondern die gleiche Auswahl, die auch jeder sonst hat.
+24
MLOS10.03.26 08:50
esc
Apple ist unter Tim Cook genau zu dem geworden, wogegen man früher angetreten ist. Ein marktbeherrschender Konzern wie IBM. Statt den Nutzer zu befreien, setzt Apple heute auf ein geschlossenes System, starke Kontrolle und maximale Bindung. Innovation wird zunehmend inkrementell, Risiken werden vermieden, Services und Abos stehen im Fokus. Das ist betriebswirtschaftlich sehr erfolgreich, aber kulturell weit entfernt vom rebellischen Apple der Jobs‑Ära.

Auch unter Jobs gab es diese Bindung und das geschlossene System doch schon. Der iPod war stark an iTunes gebunden. Das iPhone OS / iOS war schon immer sehr restriktiv mit Drittanbietern.
+12
silversurfer2210.03.26 09:00
hast du mal hinterfragt, warum das so war und sein musste ?
oder warum der iPod eine "Einbahnstrasse" für Music sein sollte / musste ?
MLOS
esc iPod war stark an iTunes gebunden..
[/quote
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Electric Dave10.03.26 09:05
esc
Apple ist unter Tim Cook genau zu dem geworden, wogegen man früher angetreten ist. Ein marktbeherrschender Konzern wie IBM. Statt den Nutzer zu befreien, setzt Apple heute auf ein geschlossenes System, starke Kontrolle und maximale Bindung. Innovation wird zunehmend inkrementell, Risiken werden vermieden, Services und Abos stehen im Fokus. Das ist betriebswirtschaftlich sehr erfolgreich, aber kulturell weit entfernt vom rebellischen Apple der Jobs‑Ära.

Also ich finde das System ist nur dann geschlossen, wenn man sich komplett ins Ökosystem begibt - dann bekommt man aber auch eine ziemlich unvergleichliche Integration.
Was mich am meisten nervt ist die nicht gegebene Erweiterbarkeit der Hardware. Ich opfere gern etwas Speicherbandbreite für steckbare RAM- und SSD-Bausteine. Auch ein SD-Kartenleser im iPhone würde meiner Ansicht nach nicht das Ende der Apple-Welt sein ...
+1
iWilson10.03.26 09:07
Steve's letzte Keynote, März 2011:
“It is in Apple’s DNA that technology alone is not enough—it’s technology married with liberal arts, married with the humanities, that yields us the results that make our heart sing.”

Wenn ich die Entwicklung von iOS die letzten Jahre sehe, wie wenig intuitiv es an manchen Stellen wurde - weiß nicht, ob die Kreuzung aus Technologie und freier Kunst noch immer so präsent bei Apple ist.
+5
Tom56410.03.26 09:20
Na ja, der Anwender soll im Zentrum stehen? Das stimmt zwar, aber Apple zwingt die Anwender seine Produkte nur auf die Art zu nutzen, wie Apple es sich vorstellt.
Für Apple geht oft Design vor Funktion, das war mal anders.
Was wirklich gut funktioniert ist die echt gute Integration und Verknüpfung der Applelprodukte untereinander. Leider sieht man auch wie bockig Apple in der EU reagiert und Funktionen beschneidet, wo dann plötzlich die Anwender nicht mehr im Zentrum stehen. Das zeigt, Apple erzählt viel wenn der Tag lang ist. 😉
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MetallSnake
MetallSnake10.03.26 10:53
iWilson
Steve's letzte Keynote, März 2011:
“It is in Apple’s DNA that technology alone is not enough—it’s technology married with liberal arts, married with the humanities, that yields us the results that make our heart sing.”

Und im September 2013 kam dann iOS 7 welche das alles über Board geworfen hat und wir bis heute in immer schlimmerer Form drunter zu leiden haben. Am Mac sehen jetzt alle Icons ziemlich gleich aus. Das Dock ist für mich komplett nutzlos geworden, ich finde da nichts wieder weil alles gleich aussieht. Es fehlt an Formen, Farben, Design.

MLOS
Wo Apple in jedem Fall einzigartig ist und was bisher niemandem sonst in dieser Form gelungen ist, ist die Barrierefreiheit.
Produkt auspacken, einschalten, einrichten, nutzen -- von Anfang an barrierefrei. Egal ob sehbehindert, hörbehindert oder motorisch eingeschränkt etc.

Selbst ohne Einschränkungen ist das leider kein bisschen Barrierefrei. Ich habe am Wochenende erst ein komplett zurückgesetztes iPhone SE 3. Gen für jemanden eingerichtet.
Erstmal tausend Dialoge, zu Dingen die nicht-Nerds nicht verstehen (was ist Siri, was ist Touch ID, was ist Apple Pay, was ist Apple ID).
Dialoge bei denen man die Buttons nicht drücken kann, bis man dann rausfindet das die untere Hälfte in der man die ganze Zeit versucht hat zu gucken ob da was scrollbar ist, ein Fixer Dialog ist, aber in der oberen Hälfe kann man scrollen. Ist optisch nicht zu sehen dass das überhaupt getrennte Bereiche sind. Sah alles aus wie aus einem Guss, keine Differenzierung, keine Trennlinie, nichts.
Das war früher Apples stärke, dass das alles klar erkennbar war. Aber seit der Flat UI Seuche ist es einfach nicht mehr einfach benutzbar. Das fehlen jeglichen Designs steht der Benutzung ständig im Weg.
https://www.mactechnews.de/news/article/S-187416.html#newscomment1621890 Was ist mein Fehler? ('Nicht richtig gelesen. Setzen, sechs.')
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maikdrop10.03.26 11:22
Tom564
Na ja, der Anwender soll im Zentrum stehen? Das stimmt zwar, aber Apple zwingt die Anwender seine Produkte nur auf die Art zu nutzen, wie Apple es sich vorstellt.
Für Apple geht oft Design vor Funktion, das war mal anders.
Was wirklich gut funktioniert ist die echt gute Integration und Verknüpfung der Applelprodukte untereinander. Leider sieht man auch wie bockig Apple in der EU reagiert und Funktionen beschneidet, wo dann plötzlich die Anwender nicht mehr im Zentrum stehen. Das zeigt, Apple erzählt viel wenn der Tag lang ist. 😉

Das war genau das, was Steve immer wollte. Die beste User Experience kommt von geschlossenen auf einander abgestimmte Systemen. Dafür hat Apple nur das “wichtigste” implementiert, damit die Produktentwicklung “einfacher” bleibt und Leute nicht überfordert werden. Es gab immer Leute, die das schlecht und Leute, die das gut fanden. Steve ist schon immer dem Mantra gefolgt, Komplexität zu reduzieren. Und das führt IMMER dazu, dass nicht alle möglichen Funktionalitäten implementiert werden und Apple mehr oder weniger die Richtung vorgibt. Apple hat auch schon IMMER Design sehr viel Raum gegeben. Klassiker war immer der Akku. Lieber dickes/schweres Gehäusedesign und dafür “ne Woche” Akkulaufzeit. Dieses Gemaule gab es seit Tag 1. Steve hat das immer ignoriert und die Leute hatten sich irgendwann dran gewöhnt über Nacht zu laden. iPhone 4 Antennendesign: “You’re holding it wrong”. Das Problem ist, dass Leute sehr schnell diese Probleme vergessen, wenn sie sich dran gewöhnt oder ihr Verhalten geändert haben. Und Apple legt deswegen immer Wert drauf, dass Prototypen von Mitarbeitenden ausgiebig getestet werden, um zu sehen, was im Alltag funktioniert und was nicht.
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cheesus1
cheesus110.03.26 11:35
Das Interview hört sich an wie eine Keynote Ansprache von Tim Cook: "Better, great, incredible, awsome..." Das liegt aber auch an den harmlosen Fragen des Interviewers. Hier hätte man sich etwas mehr investigativen Journalismus gewünscht, vor allem zum Thema "Kuschelkurs mit der Trump Regierung".
Vermutlich wurden solche Fragen bereits im Vorfeld ausgeschlossen. Aber dann hätte man wenigstens etwas mehr auf die Beziehung zwischen Steve Jobs und Tim Cook eingehen können. So wirkt das ganze nur wie eine platte Werbeveranstaltung ohne echten Mehrwert.
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Retrax10.03.26 11:39
MTN
Gutes Design bedeute, für einmal Ja tausendmal Nein zu sagen. Jobs sei geradezu besessen von der Art und Weise gewesen, wie Anwender Apples Produkte erlebten
Wenn ich solche Sätze von Tim Cook lese denke ich manchmal ironisch, dass die Führung bei Apple spezielle (bugfreiere) Systeme nutzen als wir Nutzer.

Ich meine,...wie kann man solche Sätze mit "tausendmal Nein für ein Ja" raushauen, und dann merkt sich die Musik App beim derzeit aktuellen macOS nichtmal die Fenstergröße? Und wir sind bei 26.3.1 - sechs(!) Monate nach dem offiziellen Release!!

In welcher Welt leben die?
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