EU-Vorschlag: Vorinstallierte Apps verbieten – und Unternehmen zum Datenaustausch zwingen

Wer ein fabrikneues iPhone auspackt und in Betrieb nimmt, findet bereits Apps für die meisten Lebenslagen vor. Ob es Apples Browser Safari, der Mail-Client oder Maps als Navigations-Lösung ist, für viele Bereiche bedarf es nur dann zusätzlicher Software, wenn man mit dem Gebotenen unzufrieden ist. Genau darin kann aber auch ein Problem liegen, denn vielen Nutzern ist oft gar nicht bewusst, welche Alternativen sich bieten. Der Hardware-Hersteller bringt sich damit automatisch in die bessere Ausgangslage. Diese Diskussion ist nicht neu und fand in identischer Form auch schon vor zwei Jahrzehnten statt, als Microsoft-Programme und -Standards angesichts des hohen Windows-Marktanteils sofort immer zum Marktführer wurden. In zwei Fällen schritt daher der Gesetzgeber ein: Microsoft musste ein Browser-Auswahlfenster bieten, außerdem eine Windows-Version ohne den Windows Media Player verkaufen.


Sind vorinstallierte Apps Wettbewerbsverzerrung?
In der EU sind nun erneut Diskussionen aufgekommen, inwiefern vorinstallierte Apps als wettbewerbshindernd gelten könnten. Ein Vorschlag lautet daher, dass Geräte nur mit dem Betriebssystem, nicht aber schon mit Apps bestückt ausgeliefert werden dürfen. Dies betrifft nicht nur herstellereigene, sondern auch über bezahlte Kooperationen ausgelieferte Software. Momentan handelt es sich aber noch um frühe Gedankenspiele, wie die Financial Times berichtet. Sollten die Ideen allerdings konkretere Formen annehmen, so hätte ein Anwender bei der Inbetriebnahme des neuen Smartphones zuerst einmal die Entscheidung zu treffen, welcher Browser zum Einsatz kommt oder welche Karten-Lösung es denn sein soll.

Müssen Daten mit Konkurrenten geteilt werden?
Gleichzeitig beinhalten die Überlegungen, ob große Unternehmen ihre Daten mit kleineren Konkurrenten teilen müssen. Allerdings ist noch unbekannt, wie dies in der Praxis aussehen könnte, denn eine solche Vorgabe würde grundsätzliche Datenschutzprinzipien tangieren. Dem Bericht zufolge lautet ein Denkansatz, dass große Unternehmen ihre Daten nur dann für kommerzielle Zwecke einsetzen dürfen, wenn sie diese auch Konkurrenten im selben Marktumfeld zugänglich machen. In jedem Fall gibt es noch viel zu diskutieren, bis der "Digital Services Act" in Gesetzestexte gegossen werden kann. Dass es einer Modernisierung der aktuellen Gesetze bedarf, vor allem in Hinblick auf internationale Großunternehmen und Online-Handel, steht weitgehend außer Frage. So vage wie die aktuellen Vorschläge noch sind, dürfte bis dahin einiges an Zeit vergehen.

Kommentare

ttwm01.10.20 17:19
Ich hätte dann gerne ein Apple-Tablet/-Smartphone oder Desktop-Rechner, bei dem ich bei der Einrichtung wählen kann, welche Version ich bevorzuge: die, die alle bisherigen Standard-Apps vorinstalliert (und nur den AppStore drauf hat) oder die, die keine Apps vorinstalliert (und evtl. noch 3rd-Party-App-Stores erlaubt).
Ich würde dann zur ersten Variante greifen und gut ist…
+12
andi.bn01.10.20 17:28
Da müsste man aber weit ausholen. Was ist überhaupt eine vorinstallierte App? Wetter, Podcasts, Musik, Aktien, Karten, Kamera ... Ich möchte bestimmt nicht beim Inbetriebnehmen meines neuen iPhones erstmal 20 Fragen beantworten müssen, ob ich mit den "Haus"-Apps einverstanden bin. Woran mach ich das überhaupt fest, welche besser ist? Als jemand der sein Gerät einfach nur nutzen möchte, ist das total unnötig.
An meinem Windows-PC im Büro dürfte dann wohl nächstes mal auch kein Paint oder Solitär vorinstalliert sein.
Das zieht langsam Kreise, die mich nur noch mit dem Kopf schütteln lassen.

Was evtl. ginge: Beim Installieren fragen, ob ich Standard möchte oder ob ich jede App einzeln anklicken möchte. Da werden eh die meisten Standard auswählen und die Drittanbieter haben wieder das Nachsehen.
Oder nach der Installation auf den Store verweisen und die Alternativen.
Wie man es dreht und wendet, ich finde es weiterhin Unsinn.
Als gäbe es nicht genug Vielfalt und die Menschen wären zu doof, sich selbst ein Bild zu machen!
+23
Retrax01.10.20 17:32
Wie gut, dass sowas niemals Realität wird - dem Lobbyismus sei Dank.
+2
Eventus
Eventus01.10.20 17:33
Ich schliesse mich den beiden ersten Kommentaren vollumfänglich an.
Live long and prosper! 🖖
0
flyingangel01.10.20 17:34
Ich will in meiner Waschmaschine auch eine andere Software...
+28
verstaerker
verstaerker01.10.20 17:40
wer kommt bloß auf so einen Unfug...
Also klar, schön wenn es prinzipiell einfach geht z.B: nen anderen browser festzulegen... aber viele wären sicher genervt wenn sie erst 34 Fragen welche Apps installiert werden beantworten müssen
+4
Kjelli_201101.10.20 17:41
Hat in Brüssel schon mal jemand darüber nachgedacht, ob es vielleicht Kunden gibt, die gerade das Apple Universum wertschätzen. Warum muss man eigentlich Hard- oder Softwareherstellern permanent etwas vorschreiben? Wie wäre es denn mal mit verpflichtenden Maßnahmen für sozial verträglichen Wohnungsbau in Ballungsgebieten...🤔
+33
Eventus
Eventus01.10.20 17:45
Ich hätte gern die EU-Staatsbürgerschaft, wenn ich die Mitgliedstaaten selber auswählen kann. 🙃🤪

Disclaimer: Vergleich … hinkt … als Witz verstehen.
Live long and prosper! 🖖
+20
sonnendeck01.10.20 17:59
Das kommt wie immer 10 Jahre zu spät, die Leute haben sich an die Apps und usebilty gewöhnt und wählen dann das bekannte
+1
nr2
nr201.10.20 18:14
Jetzt verstehe ich warum ab iPhone 12 keine Gudies wie Kopfhörer beigelegt werden sollen... Das währe ja eine Bevormundung wenn ein Gerät beim Kauf schon voll einsetzbar währe. Die Menschheit verblödet total!
+9
beanchen01.10.20 18:16
Hoffentlich bleibt mir wenigstens die Wahl und ich werde nicht durch die EU zwangsbeglückt.
+1
athlonet01.10.20 18:26
Es gibt wirklich wichtigere Probleme, die die EU endlich mal lösen müsste...
+5
beast01.10.20 18:39
Ich hätte auch gerne freie Navigationswahl in meinem Auto und nicht das vorinstallierte Ding. Mannomann...
+9
MacRS01.10.20 18:56
Was sollen denn das für Daten sein, die da geteilt werden? Passt das mit dem Datenschutz?

Zum Thema vorinstallierte Apps. Es darf einfach nicht sein, dass hier für Nutzer, die ihr Gerät einfach nur benutzen will, so wie es gekauft wurde, ein drastisch schlechteres Nutzererlebnis von irgendwelchen EU-Pfeifen beschlossen wird. Hier würde künstlich ein unvollständiges Produkt erschaffen werden. Die Standard-Apps sind einfach Teil des Produkts.
+3
ssb
ssb01.10.20 18:59
beast
Ich hätte auch gerne freie Navigationswahl in meinem Auto und nicht das vorinstallierte Ding. Mannomann...
Dem kann ich mich sogar anschließen, das vorinstallierte TomTom Zeugs mag ich nicht - aber man kann auch nicht einfach eine andere Navi-Software installieren. Aber mit CarPlay im neuen Auto ist das egal.
Dennoch muss ich sagen, in weiten Teilen klingt es im ersten Moment nach Quatsch, aber ich finde die Frage durchaus berechtigt. Die Wettbewerbsverzerrung geht dabei hauptsächlich in die Richtung, dass keine der vorinstallierten Lösungen aus Europa kommt und der Markt soll damit wohl gestärkt werden. Dennoch ist ein Smartphone oder Tablet erst mal ein Consumerprodukt und sollte schnell und leicht in Betrieb zu nehmen sein. Die Option, die Standard-Anwendungen zu ändern, ist aber schon mal ein guter Weg. Wichtig wäre mir aber dann auch, dass sich auch vorinstallierte Apps löschen lassen - im Grunde alles außer AppStore und Einstellungen. Den Rest kann man dann selbst installieren - sollte aber kein Zwang sein.
+2
nexusle
nexusle01.10.20 19:06
Ist das bei Linux nicht Standard? Dort wird man doch gefragt, ob man zusätzliche Software installieren möchte...
Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten!
0
kommunikatio
kommunikatio01.10.20 19:09
Mir geht der staatliche Einfluss allmählich zu weit. Datenaustausch erzwingen? Nutzbarkeit eines Gerätes verzögern? Das klingt nach Machtausbau zu Lasten des Verbrauchers und entspringt dem allgemeinen Kontrollwahn von Regierungen.
Es gibt keinen tieferen Sinn.
+8
Pymax
Pymax01.10.20 19:41
Ein "Null" Handy? Hardware und nur System?
Klasse, die EU schlägt vor, dass man dann alle Apps, auch zum Beispiel von Apple, im App-Store kaufen kann.
Ich denke die Apple Aktie steigt gerade wieder. Wer kommt denn auf so eine Idee?
+1
Pymax
Pymax01.10.20 19:42
nr2
Jetzt verstehe ich warum ab iPhone 12 keine Gudies wie Kopfhörer beigelegt werden sollen... Das währe ja eine Bevormundung wenn ein Gerät beim Kauf schon voll einsetzbar währe. Die Menschheit verblödet total!
Genau! Lieber kauf ich das Handy teurer und lege dann noch einmal für die Kopfhörer einen drauf.
Ist schon richtig. "Was nix kostet, schätzt man nicht!"
+1
sierkb01.10.20 19:44
kommunikatio
Das klingt nach Machtausbau zu Lasten des Verbrauchers

Das Gegenteil davon ist Ansinnen und Ziel, es geht um Machtbegrenzung bzw. Machtwegnahme zugunsten echten freien und fairen Wettbewerbs und zugunsten des Verbrauchers und seiner Rechte:

heise (01.10.2020): Digital Services Act: Brüssel will die Macht der Plattformen beschneiden
Die EU-Kommission will mächtige "Gatekeeper" wie Facebook, Google oder Booking wettbewerbsrechtlich an die Leine legen – das könnte weitreichende Folgen haben.

In den USA denkt man seitens der Gesetzgeber mindestens ähnlich, da ist Ähnliches in der Diskussion und auf dem Weg.
-9
Deichkind01.10.20 19:58
Diejenigen in der EU, die das vorantreiben, wollen ja nicht Google noch mehr Platz auf dem iPhone verschaffen, sondern europäischen Anbietern. Nur müssten sie dann auch Einfluss auf die Programmierschnittstellen nehmen. Ein Grund, dass Microsoft Office zum Marktführer auf Windows wurde, lag ja darin, dass nur Microsoft mit der Installation des Office-Pakets das halbe Betriebssystem auswechseln konnte. Die Konkurrenten mussten mit dem auskommen, was in Windows als Basisausstattung mitgeliefert wurde. Ich glaube, mit einer Beschränkung der vorinstallierten Software würde auch die Basisausstattung zurückentwickelt.
+3
macfreakz01.10.20 20:02
@flyingangel welche Waschmaschine hat AppStore?

Das ist der Preis, wenn man AppStore im
iOS anbietet. Da muss der Wettbewerb unter gleichen Bedingungen stattfinden - ob Mail, Musik, Browser ...

Anders geht nicht, Apple gewinnt sonst die Marktanteile, nur weil vorinstalliert.

Entweder Apple bietet AppStore nicht mehr an oder verbietet im AppStore alle Arten d. Programmen, die Apple schon vorinstalliert hat. Da gibts keinen Wettbewerb, dafür nimmt der Kunde einseitiges Angebot in Kauf.

Just my 2cent.
0
TenWasNine
TenWasNine01.10.20 20:26
flyingangel
Ich will in meiner Waschmaschine auch eine andere Software...

Und ich bei meinem Sony Fernseher auch kein Android TV
0
Schnitter
Schnitter01.10.20 20:33
Der Vorschlag ist sinnvoll. Wer einen Teil seiner Arbeitszeit damit verbringen muss, den vorinstallierten Schrott von neuen Geräten zu entfernen, wird die Initiative begrüßen. Je nach Hersteller ist das inzwischen so schlimm, dass man fast schon eine komplette Neuinstallation durchführen kann und trotzdem Zeit spart. Es wäre für die Hersteller überhaupt kein Problem bei der Erstinbetriebnahme eine Auswahl der Softwareoptionen anzuzeigen, die der Nutzer dann ankreuzen und damit runterladen kann.
Jeder ist ein Planet und wird von einem Menschen bewohnt.
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thomas b.
thomas b.01.10.20 20:54
Darf denn wenigstens der AppStore vorinstalliert sein?

Der Vorschlag ist m.E. komplett neben der Spur.
+2
Calibrator01.10.20 21:45
Ich freue mich immer, wenn ich auf einem Arzt-PC XBox und Konsorten vorfinde. Leute, das muss so sein. Davon lebt die Windows-IT-Branche. Kostet Zeit, den Kunden Geld und macht keine Kopfschmerzen. Toll sind auch vollständig vorinstallierte Officeversionen in allen möglichen Sprachen. Bei manchen Herstellern wird ganz geile "Sicherheits"-Software vorinstalliert, die man gar nicht so einfach wieder loswird.
Das gab es früher schon und heute immer noch. Dafür gibt es eben Linux und auch Macos. Da verhält sich das weitaus friedlicher.

Einfach und transparent bei der Erstinstallation ein "Angebot" zur Installation des Standardsoftwarepakets, das geht in die Köpfe dieser Läden nicht rein. Immerhin wollen ja manche Leute die Programme haben, manche nicht und die meisten raffen es vermutlich gar nicht.

Also liebe EU - frisch ans Werk!
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claudiusw
claudiusw01.10.20 22:27
Datenaustausch: Ein feuchter Wunschtraum ahnungsloser Politiker. Wie dies konkret aussehen soll, dass hat man noch nicht ausgearbeitet, aber Hauptsache man sagt auch mal was Schlaues. Diese "schlauen" Vorschläge und Träumereien gibt es so lange es Computer gibt: In der Theorie geht es aber die Praxis sieht etwas anders aus. Vielleicht sollten sich diese Damen & Herren mit krummen Bananen oder zu kurzen Gurken beschäftigen.
You can­not cre­ate good ty­pog­ra­phy with Arial.
+2
BarbedAndTanged01.10.20 23:43
Am Ende wird dann die Kunden unter diesem Unsinn leiden müssen. Die Mehrzahl der Nutzer möchten ihr Neugerät kaufen, einschalten und loslegen. Für viele ist schon das erste Einrichten von Standardeinstellungen usw schon Zuviel des guten. Wenn dann noch ein Berg von Installationsoptionen für irgendwelche marginalen Programme und Programmchen dazukommt, werden viele Neukunden gleich entnervt das Handtuch schmeißen.
Und welcher Nachteil ergibt sich denn momentan für Kunden? Das sie nicht dazu gezwungen werden eine Auswahl zu treffen, die sie eigentlich gar nicht haben wollen weil es ihnen Schnurzegal ist ob ihr Browser jetzt Safari oder Opera heißt?
Letzendes geht es um ein paar weinerliche Softwareschmieden, die sich in ein gemachtes Nest setzen wollen.
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tobias.reichert02.10.20 06:26
Oh Gott, ich sehe schon den Browserauswahlbildschirm von Windows, danach kommt der Mailauswahlbildschirm, dann der Musikauswahlbildschirm und der Messagesauswahlbildschirm.

Wie wärs denn, wenn man nochmal mit besseren Produkten überzeugen würde? Warum nutze ich denn WhatsApp nicht als meinen Standardmessenger, sondern nur wenn es nicht anders geht?

Weils scheiße ist.
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DTP
DTP02.10.20 08:25
Ich fände es gut. Die meisten von uns laden doch eh weitere Programme runter.

iOS könnte eine Auswahl zum Browser anbieten und danach losstarten. Und wer danach die Apple Suite nutzen will, könnte dann von Apple ein "Essentials" Bundle runterladen.

Ich habe mal gerade nachgesehen, welche Apps ich von Apple auf iOS wirklich nutze:
  • Browser von Apple. Wenn alternative Browsertechnologien angeboten würde, würde ich auch Firefox nehmen.
  • Mail Teil von Apple, teils Drittanbieter
  • Telefon teils von Apple, teils Drittanbieter
  • Messager Drittanbieter
  • Kalender Drittanbieter
  • Kontakte von Apple
  • Erinnerungen/Aufgaben Drittanbieter
  • Notizen Drittanbieter
  • Passwörter Drittanbieter
  • Karten/Navi Drittanbieter
  • Aktien gar nicht (Browser)
  • Fotos Apple
  • Hörbücher/Podcasts Drittanbieter
  • Cloudspeicher Drittanbieter
  • Health/Sport teils von Apple, teils Drittanbieter
  • Rechner Drittanbieter
  • Wetter Drittanbieter
  • Musik Drittanbieter
  • TV/Videos Drittanbieter
  • App Store von Apple

Und wer nutzt denn die komplette Apple Suite für alle Kategorien?
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