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Ausführliches Porträt zu John Ternus: Beliebt, fähig, risikoscheu, kehrte Trend zu "nachlassender Qualität" um

Tim Cook hatte gerade erst noch einmal klargestellt, dass er keinesfalls amtsmüde sei oder kurz vor dem Rücktritt stehe. In einem ausführlichen Porträt, welches frühere Darstellungen dieser Art deutlich übertrifft, geht Bloomberg aber noch einmal auf die aktuelle Machtverteilung im Unternehmen ein – welche vielen als klares Indiz dafür gilt, sehr wohl einen geordneten Übergang vorzubereiten. Jene Frage liege Cook sehr am Herzen, wie Bloomberg hervorhebt. Erst kürzlich hatte der Apple-CEO auf eine Nachfrage geantwortet, sehr viel Zeit mit Gedanken darüber zu verbringen, wer wohl in fünf oder zehn Jahren in diesem Raum sitze. Cook wünsche sich laut Artikel ausdrücklich einen internen Nachfolger, den er noch begleiten und anleiten kann. Derzeit scheint alles darauf hinauszulaufen, diese Person in John Ternus gefunden zu haben.


Bei Apple aufgewachsen
Ternus gilt als klassischer Apple-Aufsteiger. Er ist seit rund der Hälfte seines Lebens im Unternehmen, begann mit Monitoren, war an der Entwicklung des ursprünglichen iPads beteiligt, übernahm später Verantwortung für den Mac und stieg 2021 an die Spitze der Hardware-Entwicklung auf. Seitdem habe er Apples Produktpalette verbreitert, die Qualität verbessert und stärker auf funktionale Verbesserungen wie Akkulaufzeit, Leistung und Konnektivität gesetzt – und einen "Trend zu nachlassender Qualität" im Hardwarebereich umgekehrt. Unter seiner Leitung rückte das Prinzip "Hauptsache dünner, auch wenn das mit Einschränkungen einhergeht" in den Hintergrund. Nicht verschwiegen wird jedoch, dass Fehlschläge wie die Touch Bar oder die Butterfly-Tastaturen unter seiner Führung entstanden.

Mehr öffentliche Sichtbarkeit
Man erkennt deutlich, wie sichtbar Ternus inzwischen gemacht wird. Bloomberg nennt als Signal das Event in New York Anfang März, bei dem nicht Cook, sondern Ternus selbst das MacBook Neo vorstellte. Wäre das noch mit seiner Funktion als Hardware-Chef zu erklären, folgte aber direkt eine weitere Auffälligkeit: Am Tag darauf sprach Ternus sogar bei Good Morning America über das Gerät – ein Medienauftritt, den früher stets Cook höchstpersönlich übernommen hätte. Das sei laut Gurman kein Zufall, sondern ein klares Zeichen dafür, dass Apple Ternus allmählich an die öffentliche Rolle eines CEOs heranführt.


"Eine der einflussreichsten Personen in Apples Geschichte"
Hinzu kommt, dass sein Zuständigkeitsbereich zuletzt deutlich gewachsen ist. Im vergangenen Jahr übernahm Ternus Verantwortung für eine geheime Robotik-Einheit, die unter anderem an einem Tischgerät mit Display arbeitet. Außerdem spielt er inzwischen eine größere Rolle im Produktmarketing, bearbeitet teilweise selbst Texte für Website und Präsentationsmaterialien und ist stärker in Apples Nachhaltigkeitsinitiativen eingebunden. Gleichzeitig beaufsichtigt er neben den Hardware- nun auch die Designteams. Gurman formuliert das fast historisch: Ternus sei damit bereits jetzt eine der einflussreichsten Personen in Apples Geschichte.


Das aktuelle Organigramm, laut Bloomberg

Bisheriges weiterführen als Devise
Ternus gilt als guter Kommunikator, der Mitarbeiter eher stärke als kleinhalte, also in einem Stil führe, der an Cook erinnere. Zugleich sei er risikoscheu und wolle nicht unnötig den Status quo erschüttern – was sich mit Aussagen aus früheren Berichten über Ternus deckt. Genau das ist für Bloomberg zweischneidig: Wer mit Cook zufrieden sei, werde wohl auch Ternus als gute Wahl sehen. Wer dagegen den Eindruck habe, Apple müsse sich grundlegend neu erfinden, könnte genau darin ein Problem erkennen. Vielleicht brauche Apple gar keinen stabilen Weiterführer, sondern einen härteren und mutigeren Erneuerer, so die These. Neue Produktkategorien betrachte Ternus zumindest mit starker Skepsis und Argwohn. Außerdem habe er ein "Cook'sches Auge" für Finanzplanung, was Konflikte mit Entwicklungs- und Designabteilungen hervorrufe.


Weder Jobs noch Cook 2.0
Gurman arbeitet dann auch heraus, wie sich Ternus von Jobs und Cook unterscheidet: Jobs war der visionäre Produktmensch, Cook der Lieferketten- und Strategiechef, Ternus dagegen der eigentliche Ingenieur, der sicherstellt, dass die Geräte überhaupt entstehen. Ternus gehe stark ins technische Detail, verteidige eine Kultur, in der Ingenieure Grenzen verschieben sollen – daher könnte er als CEO deutlich anders wirken als seine beiden Vorgänger.

Aber wie steht es um die "Außenpolitik"?
Ein weiterer interessanter Schlussgedanke betrifft die Politik. Sollte der Wechsel stattfinden, solange Donald Trump noch Präsident ist, stelle sich die heikle Frage, wer künftig die diplomatische Beziehung zwischen Apple und Trump pflegt. Laut Gurman würde diese Aufgabe wohl nicht an Ternus oder einen anderen Nachfolger fallen. Viele im Unternehmen gehen davon aus, dass Cook auch nach einem Rückzug als CEO in einer Art außenpolitischer Sonderrolle für Apple erhalten bleiben könnte. Cook dürfte wohl als neuer Chairman fungieren – oder einen ganz neu geschaffenen Posten übernehmen. Ganz zurückziehen wird er sich aber nicht, darüber herrscht weitgehend Einigkeit.

Kommentare

Deppomat23.03.26 09:56
Ah, interessant, woran er beteiligt war.
Nicht verschwiegen wird jedoch, dass Fehlschläge wie die Touch Bar oder die Butterfly-Tastaturen unter seiner Führung entstanden.
Touch Bar war Käse, aber die Butterfly-Tastatur war nach einigen Iterationen gut. Bleibt natürlich trotzdem ein Fehler, daß sie mit Defiziten auf den Markt kam.

Ansonsten: Man würde sich wünschen, daß den Softwarebereich auch jemand übernähme, der einen "Trend zu nachlassender Qualität" umkehrt.
+8
Wauzeschnuff
Wauzeschnuff23.03.26 10:01
welche vielen als klares Indiz dafür gilt, sehr wohl einen geordneten Übergang vorzubereiten.

Das sollte selbstverständlich sein, und zwar völlig unabhängig davon, ob man morgen oder in 20 Jahren beabsichtigt kürzer zu treten. Jeder kann praktisch jederzeit kurzfristig ausfallen und für diesen Fall sollte man immer einen Plan B(usfaktor) in der Tasche haben.
+1
basisbild
basisbild23.03.26 10:01
bearbeitet teilweise selbst Texte für Website und Präsentationsmaterialien …

Das ist ja eine spannende Aufgabe für einen angehenden CEO.
+1
Gammarus_Pulex
Gammarus_Pulex23.03.26 10:02
Deppomat
aber die Butterfly-Tastatur war nach einigen Iterationen gut.

Die wurde doch erst gut, als sie einen Hybrid aus der pre Butterfly und der letzter Butterfly Tastatur entwickelt haben.
0
System 6.0.1
System 6.0.123.03.26 10:02
Darf man eigentlich Fotos machen, wenn die Auguren aus dem Zelt mit den Sternen drauf wieder rauskommen? 📸
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+1
Fenvarien
Fenvarien23.03.26 10:16
basisbild Man sagt Steve Jobs nach, dass er sogar den Speiseplan der Apple-Cafeteria persönlich bearbeitete
Up the Villa!
+6
Schildie
Schildie23.03.26 10:36
Fenvarien
Nichts liebe ich mehr als heiße Tipps von fachfremden Kunden zu graphischen Details des Textsatzes
+1
Metty
Metty23.03.26 10:40
Nicht verschwiegen wird jedoch, dass Fehlschläge wie die Touch Bar oder die Butterfly-Tastaturen unter seiner Führung entstanden.
An solchen Fehlern kann man lernen. Für mich wäre John Terminus eine ganz hervoragende Wahl für den nächsten CEO. Einen leicht verschobenen Fokus auf Ingenieurskunst kann man nur begrüssen. Tim Cook hat Apple zu wahrer Grösse verholfen. Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Zeiten ändern jedoch und ein fliessender Wechsel wäre ideal.
+4
hal5323.03.26 10:45
beliebt und kommunikativ reicht heutzutage. Fachliche Kompetenz ist zweitrangig.
-8
Deppomat23.03.26 12:25
Gammarus_Pulex
Die wurde doch erst gut, als sie einen Hybrid aus der pre Butterfly und der letzter Butterfly Tastatur entwickelt haben.
Ich hatte und mochte die 2018er, das war dann wohl die zweite Revision des 2016er Designs?
+1
Dunnikin
Dunnikin23.03.26 12:39
Deppomat
Touch Bar war Käse, […]
Sagst du. Und verallgemeinerst Ich finde die TouchBar sehr gut. An den Ding schieden sich die Geister, leider wurde es nur halbgar unterstützt, ich nutze das Ding oft.
Deppomat
Ansonsten: Man würde sich wünschen, daß den Softwarebereich auch jemand übernähme, der einen "Trend zu nachlassender Qualität" umkehrt.
Absolut.
+5
Deppomat23.03.26 12:44
Dunnikin
Deppomat
Touch Bar war Käse, […]
Sagst du. Und verallgemeinerst Ich finde die TouchBar sehr gut. An den Ding schieden sich die Geister, leider wurde es nur halbgar unterstützt, ich nutze das Ding oft.
Weiß ich ja, daß die Touch Bar auch Fans hatte Ich hab sie echt überhaupt nicht benutzt. Schon alleine, weil man in meinem Metier den Laptop selten unter den Fingern hat, sondern zugeklappt irgendwo liegen. Spezialfunktionen hatten mangels Standalone-Touch-Bar-Tastatur deshalb nie eine Chance, sich zu etablieren, denke ich. Und für Standardfunktionen (Lautstärke, Helligkeit etc.) war es eine ergonomische Verschlechterung gegenüber Tasten.

Mir fällt gerade erst die Parallele, auch zeitlich, zur Automobilindustrie auf. Die allseits beliebten Klimaanlagen-Slider.
0
Metty
Metty23.03.26 14:02
Deppomat
Touch Bar war Käse, ...
Die Touch Bar wäre sehr viel besser angekommen, hätte man dafür nicht die Funktionstasten weg gelassen. Ich brauche die Funktionstasten oft und habe nicht selten über die Touch Bar geflucht. Wäre sie einfach ein zusätzliches Feature gewesen hätte ich mich bestimmt mit ihr anfreunden können.
+4
rschumacher
rschumacher23.03.26 16:05
Egal, ob Touch Bar gut oder schlecht war (ich selbst fand es recht gut und vermisse es heute ein wenig).
Egal, dass Misserfolge Touch Bar und Butterfly Tastatur von ihm zu verantworten sind.
In Europa werden Fehler wie der Teufel gemieden; in den USA aber solche toleriert um daraus zu lernen. Und zwar mehr als dann, wenn man Fehler verhindert.
Unter diesem Blickwinkel wirkt das nicht zwingend negativ auf Ternus' Qualifikation aus.
+3
Dunnikin
Dunnikin23.03.26 16:43
Metty
Deppomat
Touch Bar war Käse, ...
Die Touch Bar wäre sehr viel besser angekommen, hätte man dafür nicht die Funktionstasten weg gelassen. Ich brauche die Funktionstasten oft und habe nicht selten über die Touch Bar geflucht. Wäre sie einfach ein zusätzliches Feature gewesen hätte ich mich bestimmt mit ihr anfreunden können.

Man kann das so einstellen, daß die Funktionstasten dargestellt werden, dann ist alles so, als wäre die TouchBar nicht da.

Fürs schnelle Umschalten zwischen TouchBar zu den F-Tasten fn drücken.
+3
bassitsch23.03.26 23:59
Deppomat
Dunnikin
Deppomat
Touch Bar war Käse, […]
Sagst du. Und verallgemeinerst Ich finde die TouchBar sehr gut. An den Ding schieden sich die Geister, leider wurde es nur halbgar unterstützt, ich nutze das Ding oft.
Weiß ich ja, daß die Touch Bar auch Fans hatte Ich hab sie echt überhaupt nicht benutzt. Schon alleine, weil man in meinem Metier den Laptop selten unter den Fingern hat, sondern zugeklappt irgendwo liegen. Spezialfunktionen hatten mangels Standalone-Touch-Bar-Tastatur deshalb nie eine Chance, sich zu etablieren, denke ich. Und für Standardfunktionen (Lautstärke, Helligkeit etc.) war es eine ergonomische Verschlechterung gegenüber Tasten.

Mir fällt gerade erst die Parallele, auch zeitlich, zur Automobilindustrie auf. Die allseits beliebten Klimaanlagen-Slider.
Deppomat
Dunnikin
Deppomat
Touch Bar war Käse, […]
Sagst du. Und verallgemeinerst Ich finde die TouchBar sehr gut. An den Ding schieden sich die Geister, leider wurde es nur halbgar unterstützt, ich nutze das Ding oft.
Weiß ich ja, daß die Touch Bar auch Fans hatte Ich hab sie echt überhaupt nicht benutzt. Schon alleine, weil man in meinem Metier den Laptop selten unter den Fingern hat, sondern zugeklappt irgendwo liegen. Spezialfunktionen hatten mangels Standalone-Touch-Bar-Tastatur deshalb nie eine Chance, sich zu etablieren, denke ich. Und für Standardfunktionen (Lautstärke, Helligkeit etc.) war es eine ergonomische Verschlechterung gegenüber Tasten.

Mir fällt gerade erst die Parallele, auch zeitlich, zur Automobilindustrie auf. Die allseits beliebten Klimaanlagen-Slider.
ernste Frage: warum nutzt du ein Laptop, wenn es meist zugeklappt irgendwo liegt?
+1
Deppomat24.03.26 01:57
bassitsch
ernste Frage: warum nutzt du ein Laptop, wenn es meist zugeklappt irgendwo liegt?
Die meiste Zeit ist es mein Studiorechner. Da hat das Keyboard auf dem Tisch Priorität, mit externen Bildschirmen drüber. Dann arbeite ich regelmäßig woanders, Liveshows, manchmal Reisen, manchmal zuhause was machen…

Wenn man nicht grad die extreme Leistung eines Mac Studio oder Pro braucht, weiß ich ehrlich gesagt nicht, warum man noch was anderes als einen Laptop kaufen sollte - die Flexibilität ist doch super.

Vor 10-15 Jahren hatte ich es noch aufgesplittet - MBA 11“ unterwegs und Mac Mini Quad i7 im Studio. Ich mochte beide Geräte, aber alles in einem ist doch viel sauberer und besser.
+4
Mostindianer24.03.26 07:25
Deppomat
Ah, interessant, woran er beteiligt war.
Nicht verschwiegen wird jedoch, dass Fehlschläge wie die Touch Bar oder die Butterfly-Tastaturen unter seiner Führung entstanden.
Touch Bar war Käse, aber die Butterfly-Tastatur war nach einigen Iterationen gut. Bleibt natürlich trotzdem ein Fehler, daß sie mit Defiziten auf den Markt kam.

Ansonsten: Man würde sich wünschen, daß den Softwarebereich auch jemand übernähme, der einen "Trend zu nachlassender Qualität" umkehrt.

wenn Sie so ein Käse war, warum gab es hartnäckige Befürworter? Das waren nicht wenige!

Die Grundidee war gut, es gab einfach zu wenig Apple-Liebe dafür
+1
Deppomat24.03.26 10:59
Mostindianer
wenn Sie so ein Käse war, warum gab es hartnäckige Befürworter? Das waren nicht wenige!

Die Grundidee war gut, es gab einfach zu wenig Apple-Liebe dafür
Also, zum einen hat auch Käse hartnäckige Befürworter

Aber um eine differenzierte Antwort zu geben: Ich fand das Konzept bei der Vorstellung auch cool, erinnere mich an die Scrub-Möglichkeiten, die sie für Logic oder Final Cut demonstriert haben. Die Praxis fühlte sich aber in den 5 Jahren mit so einem Gerät anders an.
- wenn man überhaupt mit der internen Tastatur gearbeitet hat: Ständig runtergucken kostet Zeit und hat dann wenig ergonomischen Mehrwert
- man konnte sie überhaupt nicht mehr blind bedienen, was eine Verschlechterung gegenüber den F-Tasten war
- sie war fehleranfällig (meine fiel komplett aus neues Top-Case, zum Glück Garantie)
- und größtes Problem, siehe oben: Apple hätte eine Standalone-Tastatur mit Touch Bar rausbringen müssen. Nur dann hätten sie die Touch Bar jedem User in jeder Arbeitsumgebung nahebringen können. So wie es war, haben Entwickler mit dem Feature grundsätzlich nur einen Bruchteil der Nutzer erreichen können (nämlich die, die direkt an der Laptoptastatur arbeiten), das bedeutet Zweigleisigkeit, und das killt jeden Versuch, einen Standard zu etablieren.
+3

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