Apples höchstes App-Store-Gremium: Schiller-Team begutachtet die schwierigsten Fälle, 12-Stunden-Tage für Reviewer

Als Apple 2008 den App Store einführte, schuf der Konzern damit einen gigantischen Marktplatz für Programme auf dem noch neuen iPhone. Innerhalb kurzer Zeit stieg die Anzahl der verfügbaren Apps immer weiter – und natürlich rechnete Apple von Beginn an damit, dass sich einige schwarze Schafe unter diesen Programmen finden. Daher richtete Apple noch vor dem Marktstart eine Begutachtungsinstanz ein, welche Apps nach diversen Kriterien untersucht und entweder grünes Licht gibt oder die App ablehnt.


40 Prozent werden abgelehnt – Streitfragen manchmal schwierig
Von allen eingereichten Programmen und Updates werden 40 Prozent abgelehnt, so Apple. Viele dieser "rejecteten" Apps werden nach kleineren Anpassungen zugelassen – zum Beispiel wenn der Entwickler Bugs behebt oder kleinere Verstöße gegen die App-Store-Richtlinien ausmerzt.

Ablehnungen wegen Bugs oder grober Verstöße gegen die Richtlinien sind einfach – allerdings gibt es auch einige Fälle, in denen der Richtlinienverstoß Auslegungssache ist. Entwickler haben die Möglichkeit, beim "App Review Board" Einspruch gegen die Ablehnung einzureichen. Daraufhin begutachtet ein Team die Ablehnung und entscheidet, ob der App-Reviewer richtig entschieden hat oder ob die App doch im App Store erscheinen darf.

Für besondere Fälle: Team um Phil Schiller trifft Entscheidung
Bisher nicht bekannt war, dass ein Team um Phil Schiller für besonders schwierige Fälle zuständig ist. Ist im App Review Board eine Entscheidung strittig oder beschwert sich der Entwickler mehrmalig beim Review Board, kann unter Umständen eine Ablehnung beim "Executive App Review Board" landen, welches einmal die Woche zusammenkommt.

Diese besondere Instanz wird von Phil Schiller, Apples Marketing-Chef, geleitet und soll bei grundsätzlichen Entscheidungen, wie die Richtlinien auszulegen oder anzupassen sind, Entscheidungen treffen. Hier stellt CNBC besonders die Entscheidung zu der "Infowars-App" hervor – einer App, über die am Fließband Verschwörungstheorien verbreitet wurden und außerdem der rechten Szene zugeordnet wird. Diese wurde aufgrund der Inhalte nicht im App Store zugelassen.


50 bis 100 Apps pro Tag
Das Kern-Team sitzt in Sunnyvale, Kalifornien und besteht aus rund 300 Mitarbeitern. Allerdings eröffnete Apple neue Zentren in Irland und China, um das Team in Sunnyvale zu entlasten. Apple rühmt sich damit, das Review-Team könne Apps in insgesamt 81 Sprachen begutachten.

Jeder Reviewer kann sich am Morgen über ein Portal namens "App Claim" Programme heraussuchen, welche er an diesem Tag begutachten will. Apple erwartet, dass jeder Mitarbeiter 50 bis 100 Apps pro Tag untersucht. Die meisten Apps benötigten nur wenige Minuten menschliche Zeit, bis diese entweder abgelehnt oder freigegeben werden – viele Schritte erledigt das System maschinell. So analysieren beispielsweise automatisierte Prozesse, ob eine App auf private Programmierschnittstellen zugreift – eine Ablehnung erfolgt dann automatisch.

Laut CNBC werden die App-Reviewer auf Stundenbasis bezahlt, sind direkte Apple-Angestellte und erhalten eine Krankenversicherung (keine Selbstverständlichkeit in den USA). Apple gibt als Ziel vor, dass 50 Prozent der Apps innerhalb von 24 bis 48 Stunden begutachtet werden sollen – in Stoßzeiten sind 12-Stunden-Tage für App-Reviewer keine Seltenheit. Apple rät den Angestellten aber, nie mehr als 12 Stunden pro Tag zu arbeiten – auch wenn die Ziele dann nicht erreicht werden.

1.000 Anrufe pro Woche bei Entwicklern
Bei schwierigen Entscheidungen oder Rückfragen, welche einen Dialog mit dem Entwickler erfordern, kontaktiert Apple den Entwickler per Telefon. Oft übernimmt diese Aufgabe "Bill", ein langjähriger Apple-Mitarbeiter, der seinen Nachnamen lieber geheim hält. In Hochzeiten kommen bis zu 1.000 Anrufe pro Woche zustande, in denen Apple Ablehnungen oder Entscheidungen telefonisch erläutert.

Kommentare

Dirk!24.06.19 09:49
MTN
in Stoßzeiten sind 12-Stunden-Tage für App-Reviewer keine Seltenheit.

Das erklärt die Fehlentscheidungen

MTN
Apple rät den Angestellten aber, nie mehr als 12 Stunden pro Tag zu arbeiten – auch wenn die Ziele dann nicht erreicht werden.

Ist ja großzügig von Apple.
-2
Ely
Ely24.06.19 10:54
Dirk!

In den USA ist die Arbeitswelt anders als in Europa. Und für US-Verhältnisse ist das, was Apple da macht, noch human, auch weil es eine Versicherung dazugibt.
Wer gegen Datenschutz ist, weil er ja nichts zu verbergen habe, ist auch gegen Meinungsfreiheit, weil er ja nichts zu sagen habe.
+3
JoMac
JoMac24.06.19 17:54
MTN
Bei schwierigen Entscheidungen oder Rückfragen, welche einen Dialog mit dem Entwickler erfordern, kontaktiert Apple den Entwickler per Telefon.
Oft übernimmt diese Aufgabe "Bill", ein langjähriger Apple-Mitarbeiter, der seinen Nachnamen lieber geheim hält.
Wirklich zum Schmunzeln
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