Altersüberprüfung: Deutschland will wohl EUDI-Wallet statt Insellösung


Altersbeschränkungen im Netz werden zunehmend zu einem Thema, welches auch Regierungen in der EU beschäftigt. Eine Herausforderung in diesem Themenfeld stellt eine zuverlässige Alterskontrolle dar: Diese soll zuverlässig einen Nutzer einer Altersklasse zuordnen, ohne gleichzeitig Informationen zu verraten, die ein Tracking oder gar Identifizierung erlauben. Die Europäische Union entwickelt für diesen Zweck ein quelloffenes Framework, unter anderem
für iOS. EU-Staaten können entscheiden, ob sie dieses in einer eigenen App umsetzen oder auf die europaweite Implementierung in der EUDI-Wallet setzen. Es bibt mittlerweile viele Hinweise darauf, dass sich die Bundesregierung für Variante Nr. 2 entschieden hat: Online-Alterskontrollen sollen
in Deutschland über das EUDI-Wallet erfolgen.
Bei dieser Lösung handelt es sich um ein umfassendes Projekt zur Speicherung von Dokumenten und Identitäten: European Union Digital Identity (EUDI) sieht Schnittstellen vor, um Führerscheine, Konzertkarten, Krankenkassen- und Sozialversicherungsnachweise vorzuhalten. Die EUDI-Wallet soll auch Ausbildungs- und Studiennachweise speichern, Behördengänge erleichtern, Flugtickets vorhalten sowie Mobilfunk- und andere Vertragsabschlüsse authentifizieren. Dabei soll maximaler Datenschutz gewährt werden: Die Identität des Anwenders wird beim Einrichten bestätigt; bei Anfragen aus verschiedenen Apps entscheidet der Nutzer, ob das EUDI-Wallet die abgefragte Information bereitstellen darf.
EUDI-Wallet frühestens 2027Derzeit befindet sich
EUDI-Wallet in der Entwicklung. Die EU-Kommission hat einen engen Zeitrahmen gesetzt: Jedes Land soll
bis Ende 2026 das EUDI-Wallet fertigstellen. Deutschland sieht aktuell vor, die App im Frühjahr 2027 für die Allgemeinheit zu veröffentlichen. Auf der Projekt-Website wirbt das Wallet um Partner: Einerseits Organisationen, welche digitale Dokumente in der EUDI-Wallet sicher ablegen wollen, andererseits Unternehmen und Behörden, die als Service Provider Informationen aus der Wallet abrufen.
Die EUDI-Wallet will ab 2027 eine Alternative zu Google- und Apple-Wallet darstellen. (Quelle:
EU-Kommission)
Jedes Land entscheidet eigenständigWährend sich die Bundesregierung für eine Umsetzung des Altersnachweises via EUDI-Wallet entschieden hat, setzen andere Länder auf eigenständige Apps. Frankreich, Dänemark, Griechenland, Italien, Spanien, Zypern und Irland sind Teil des Pilotprojekts. Beide Umsetzungsformen sollen dieselbe Code-Basis verwenden und auf „Zero-Knowledge Proofs“ basieren: Die verschlüsselte Kommunikation liefert lediglich einen Altersnachweis und keine zusätzlichen Informationen zur Person. Ob dies in der aktuellen Entwicklungsstufe erfolgreich umgesetzt wurde, ist umstritten: Ein Sicherheitsforscher konnte den App-Prototypen binnen zwei Minuten
entschlüsseln. Privatwirtschaftliche Alterverifikationsanbieter wie das von Discord verwendete Persona setzen auf Gesichts-Scans – dem Anbieter wird von Sicherheitsforschern
vorgeworfen, zusätzlich umfangreiche Tracking-Daten zum Anwender sowie dessen Gerät zu sammeln und diese bis zu drei Jahre zu speichern.