Test NAD M10: Musikalischer Streaming-Alleskönner im Mini-Format mit Top-Bedienung

Früher war alles besser. Damals hat Apple noch perfekte Computer gebaut, Autos waren viel leichter und billiger, das Fernsehprogramm war viel anspruchsvoller (Wetten, dass…?!) und Musik ertönte per einfachem Knopfdruck aus dem Radio. – In der Aussage steckt natürlich einiges an Ironie und Augenzwinkern, aber manches war damals wirklich besser – oder zumindest einfacher.

So gab es seinerzeit Musiktruhen, mit deren Bedienung selbst Oma und Opa klarkamen: Einfach einschalten, und schon dudelt es. Okay, vielleicht noch einen Sender einstellen oder eine Platte auflegen, aber alles in allem waren viele Musiksysteme früher viel mehr "Plug & Play", als es heute der Fall ist, wo erst mal eine App geladen werden muss, WLAN verbunden oder Bluetooth gekoppelt sein will und dann womöglich ein paar Stunden vergehen, um herauszufinden, warum trotzdem noch keine Musik zu hören ist.


Kompakt
Marke NAD
Bezeichnung M10
Art Streaming-Vollverstärker
Empf. Preis (€) 2.999
Verfügbarkeit sofort
Nun mag vieles davon für die Menschen, die mit Computern und Smartphones aufgewachsen sind keine unlösbare Herausforderung sein, aber "einfach" ist dennoch anders. Das ist keine Generationenfrage, sondern eine der Komplexität. Insbesondere moderne Streaming-Geräte, die digitale Audiodaten aus verschiedensten On- und Offline-Quellen wiedergeben können, sind oft ein echter Rückschritt in Sachen Bedienkomfort gegenüber der guten alten Zeit. – Auch wenn ihre Hersteller etwas ganz anderes behaupten.


Die immer beliebter werdende Klasse der Streaming-Vollverstärker kommt dem Ansatz der klassischen Musiktruhe noch am nächsten. Sie vereinen unterschiedliche Quellen zur Wiedergabe und verfügen über einen integrierten Verstärker, an den nur noch passive Lautsprecher nach eigenem Gusto angeschlossen werden müssen. Zur Bedienung bzw. Steuerung der unterschiedlichen Wiedergabemöglichkeiten setzen viele Hersteller aber nach wie vor ausschließlich auf Apps, die man auf einem kompatiblen Smart-Device installieren muss. Knöpfe, Regler oder andere Steuermöglichkeiten am Gerät sind, sofern überhaupt vorhanden, nur auf das Wesentlichste beschränkt und herkömmliche Fernbedienungen fehlen manchmal ganz. Zudem fehlt nicht selten eine Anzeige am Gerät, nach dem Motto: "Nimm doch die App". Oder die Gerätedisplays sind so klein, dass sie nur aus der Nähe und mit einer Lupe entziffert werden können.


NAD will mit dem BluOS Streaming-Vollverstärker M10 alles viel einfacher und „familientauglicher“ machen, ohne dabei hi-fidele Qualitäten aufzugeben. Und das ist ihnen auch gelungen.


Kommentare

g_from_h
g_from_h16.05.20 09:04
Hallo sonorman,

auch wenn ich mit deinem Drosselungsartikel nicht einverstanden war, muss ich Dich an dieser Stelle loben. Deine Produktvorstellungen sind immer wieder ein toller Einstieg in den Samstag.

Vielen Dank.
+2
nopeecee
nopeecee16.05.20 09:21
g_from_h
Deine Produktvorstellungen sind immer wieder ein toller Einstieg in den Samstag.
..auch wenn es meist Dinge sind die sich nur Menschen leisten können die zu viel Geld haben..
Auch in Foren kann man höflich miteinander umgehen
+4
Hot Mac
Hot Mac16.05.20 10:58
Cool, gefällt mir.
Vielen Dank für den Artikel.

sonorman
Wer ist der Hersteller des Rack Systems, auf dem der NAD steht?
Hast Du schon einige Male erwähnt, ich hab’s aber nicht mehr aufm Schirm.
+1
sonorman
sonorman16.05.20 11:06
Hot Mac

Das ist von solidsteel ()
Dieses spezielle kleine Rack habe ich schon seit den Neunzigern! Ist eine Sonderserie für eine Endstufe (Pass Aleph 0s). In der Form und Größe gibt es das nicht mehr, aber die bieten auch Konfigurationsmöglichkeiten für Racks an.
+1
Hot Mac
Hot Mac16.05.20 11:09
Vielen Dank für den Link. 👍
Da werde ich auf jeden Fall fündig.
0
candy123
candy12316.05.20 16:24
Also keine Unterstützung von Apple Music ist aber schon ein Nachteil...
0
sonorman
sonorman16.05.20 16:40
candy123
Also keine Unterstützung von Apple Music ist aber schon ein Nachteil...
Nicht wirklich.
Zunächst mal gibt es meines Wissens nur einen einzigen Fremdhersteller, der Apple Music direkt unterstützt, nämlich Sonos. Die müssen irgend einen Exklusiv-Deal mit Apple haben. Entweder, alle anderen Anbieter von Streaming-Komponenten werden dadurch bewusst ausgegrenzt, oder Apple verlangt einfach so horrende Lizenzgebühren, dass sich alle sagen: „Apple, Du kannst uns mal!“

Aber: Der M10 unterstützt sowohl AirPlay 2 als auch Bluetooth. Darüber kann natürlich auch Apple Music mit dem M10 gestreamt werden.
+1
Goosebump16.05.20 17:02
sonorman
Aber: Der M10 unterstützt sowohl AirPlay 2 als auch Bluetooth. Darüber kann natürlich auch Apple Music mit dem M10 gestreamt werden.

Was den Nachteil mit sich bringt, dass das Streaming vom iPhone, iPad, Mac, whatever erfolgt, und nicht vom Streamer selbst, mit all den Nachteilen. Aber da Apple Music ohnehin nur verlustbehaftet streamt, kann ich das Weglassen seitens NAD so oder so verstehen.
+1
sonorman
sonorman16.05.20 17:15
Goosebump

Was den Nachteil mit sich bringt, dass das Streaming vom iPhone, iPad, Mac, whatever erfolgt, und nicht vom Streamer selbst, mit all den Nachteilen. …

Yup. Ist aber eher Apples Problem. Wenn die es so schwer (oder teuer) machen ihren Musikdienst zu integrieren, braucht man sich nicht zu wundern, wenn‘s kaum einer bietet.

Der M10 bietet derzeit 22 Musikdienste. An Auswahl mangelt es also nicht.
+3
scheibe brot
scheibe brot16.05.20 17:21
sonorman
Goosebump

Was den Nachteil mit sich bringt, dass das Streaming vom iPhone, iPad, Mac, whatever erfolgt, und nicht vom Streamer selbst, mit all den Nachteilen. …

Yup. Ist aber eher Apples Problem. Wenn die es so schwer (oder teuer) machen ihren Musikdienst zu integrieren, braucht man sich nicht zu wundern, wenn‘s kaum einer bietet.

Der M10 bietet derzeit 22 Musikdienste. An Auswahl mangelt es also nicht.
genau, ein grund mal den musikanbieter zu wechseln
+3
5omeone16.05.20 18:17
Ein schöner und guter Bericht! Vielen Dank!👍🏻
0
midi16.05.20 20:31
Mich würde der NAD M33 interessieren - ist da ein Bericht zu erwarten?
0
Martin8317.05.20 07:32
Habe den M10, welcher meine Kombination aus AVM-Verstärker und Auralic-Streamer ablöste. Ich kann nur sagen, dass mich der M10 mehr packt und besonders mit Dirac Live jetzt erst meine T+A Criterion voll auffahren.
Hervorzuheben ist auch, dass die BluOS App nahezu perfekt arbeitet und somit die Bedienung wirklich 1a von der Hand geht.

Durch die geringen Abmessungen des M10 passt er auch wirklich auf jedes Möbelstück. Das finde ich klasse. Der M33 ist ja ein monströser Klotz, der Platz braucht.

@sonorman
Um das letzte Fünkchen Plastizität und Räumlichkeit herauszukitzeln, macht es sich klanglich bemerkbar, wenn Bluetooth und WLAN deaktiviert werden. Ein LAN-Kabel deaktiviert WiFi automatisch, während BT über die App deaktiviert werden kann (schützt auch vor Fremdzugriff).

Alles in Allem ein richtig klasse Gerät mit TOP-Klang.
Wer nicht so viel Geld verbraten will, aber trotzdem ein modernen Streaming-Verstärker sucht, muss zwar dann Abstriche machen, wird aber mit dem "kleinen Cousin" Bluesound Powernode 2i bestimmt auch glücklich.
0
pit1958ffm
pit1958ffm17.05.20 15:13
Ich weiß nicht...

Bis vor ein paar Jahren besaß ich einen Luxman Verstärker, der 32 Jahre auf dem Buckel hatte.
Der hatte mit Schallplatten angefangen, dann kam ein CD-Player hinzu und irgendwann ein Streamer.
Ich habe ihn weiter verkauft und er läuft immer noch.
Inzwischen besitze ich einen Musical Fidelity mit Schallplatte, CD und Streamer, wobei der Plattenspieler und der Streamer noch die selben sind wie am Luxman.

Was ich sagen will, soll ich einen Verstärker durch ein All-In-One Gerät ersetzen, das von einer Software gesteuert wird?
Nun werde ich bestimmt keine weiteren 30 Jahre leben, aber was ist, wenn NAD die Lust an der Software verloren hat, so wie es wahrscheinlich jeder kennt, der einen Fernseher besitzt, der älter als drei Jahre ist.

Ein Verstärker ist eine Schaltzentrale, die verschiedene Klangquellen umschalten und deren Signale verstärken soll, sonst eigentlich nichts.
Geht mir mein Streamer über die Wupper oder ich habe Lust auf ein anderes Gerät, kaufe ich das und schließe es an.

Ich hatte mal einen Streamer einer namhaften, englischen Firma, dessen Software war grottenschlecht, was ich nie vermutet hätte und es änderte sich auch nichts daran. Ich habe das Gerät dann mit viel Verlust verkauft.

Aber wahrscheinlich bin ich nur oldschool... außerdem will ich ein richtiges Potentiometer, dass ich mal eben im Vorbeigehen lauter oder leiser drehen kann...
+2
Sindbad17.05.20 20:03
pit1958ffm

Sehe ich genauso ( bin aber genauso oldschool )
Wir sind damals mit Einzelkomponenten groß geworden, das ist unsere Welt.

Ein integriertes Gesamtsystem hat auch seine Vorteile - und jeder hat da eigene Prioritäten.
Schön, dass es beides gibt.
0

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.