Mehr Fairness: Apple gibt vier Versprechen an Entwickler ab – aber nur in Großbritannien


Apples Umgang mit Entwicklern sowie deren Betreuung hat nicht unbedingt den besten Ruf. Viele Angebote, welche sich an gerade jene richten, die per Software die Plattform mit Leben füllen, sind oft recht lieblos oder schlecht/nicht dokumentiert umgesetzt – was leider zunehmend auch auf neue Frameworks zutrifft. Von Drittanbietern, die zu Apple konkurrierende Dienste betreiben, gibt es zudem immer wieder Beschwerden über willkürliche Zurückweisung von Apps. Dazu kommt das faktische Monopol der Vertriebsplattform, denn Zahlungsweisen außerhalb des Stores oder alternative Vertriebswege existieren angesichts enorm verkomplizierter Regeln eher in der Theorie. In Großbritannien nahm sich die Wettbewerbsbehörde genau solcher und weiterer Beschwerden an.
Apple gibt Bekenntnis für mehr Fairness abWenn Apple eine öffentliche Stellungnahme
abgibt, die nicht nur aus kompletter Zurückweisung jeglicher Vorwürfe besteht, schätzt man die Lage offensichtlich als kritisch ein. Der CMA ("Competition and Markets Authority") legte man daher vier Versprechen vor. Entsprechende Maßnahmen müssen bis zum 1. April implementiert sein, ohne dass hierzu aber konkrete Informationen kursieren:
App-ReviewApps sollen fair, objektiv und transparent geprüft werden – ohne Benachteiligung von Angeboten, die mit Apple-Apps konkurrieren, und ohne Bevorzugung der eigenen Apps.
App-RankingAuch die Platzierung in den Store-Listen und Suchergebnissen soll fair, objektiv und transparent erfolgen, ebenfalls ohne Sonderbehandlung für Apple-Apps. Das ist allerdings ein Punkt, für den Apple kaum kritisiert wurde.
DatennutzungDaten, die Apple (und Google) im Rahmen der App-Prüfung von Entwicklern erhalten, sollen geschützt und nicht unfair zu Apples eigenem Vorteil genutzt werden. Hier gab es oft Kritik, dass man Apple als Entwickler die Marktforschung bezahle.
InteroperabilitätEntwickler sollen leichter Zugriff auf bestimmte Systemfunktionen und Schnittstellen anfragen können; Apple verspricht, solche Interoperabilitäts-Anfragen "fair und objektiv" zu prüfen, um innovativen Diensten mehr Planungssicherheit zu geben. Apple ist bekannt dafür Schnittstellen wegen angeblicher Sicherheitsbedenken zu beschneiden, was jedoch weithin als Stellschraube gegen konkurrierende Produkte aufgefasst wird.
CMA will beobachten, wie fair es wirklich wirdDie CMA gibt an, ein genaues Auge auf den weiteren Fortgang sowie Rückmeldungen von Entwicklern zu werfen. Sofern man weitere Rechtsverstöße ausmacht und sich mit den "freiwilligen Verpflichtungen" nicht zufrieden zeigt, wären Strafen in Milliardenhöhe denkbar. Gleichzeitig dürften dann konkrete Eingriffe in Geschäftsabläufe folgen, um die Marktstruktur zu verändern. Für Apple stellt es ein hohes Risiko dar, sich nicht kooperativ zu verhalten – wenngleich die bisherige Taktik stets lautete, sehr viel für die Aufrechterhaltung angeprangerter Geschäftsmodelle aufs Spiel zu setzen. Zu beachten ist, dass die Zugeständnisse ausschließlich für Großbritannien als "lokale Schadensbegrenzung" und nicht weltweit gelten. Wie in den meisten vergleichbaren Auseinandersetzungen wurden aber dennoch Präzedenzfälle geschaffen, auf die andere Wettbewerbsbehörden sicher aufsetzen.