
Mac-Praxis: Kann man macOS verschlanken – und wenn ja, wie?


Mac-Anwender sind eine recht hohe Wahlfreiheit gewohnt, was die genutzte Software angeht. Sie entscheiden sich gern für alternative Angebote, was Kernfunktionen wie Dateisuche, Backup, Launcher, Browser, Dateiensynchronisierung und Medienwiedergabe angeht. Gleichzeitig bringt macOS für all diese Aufgaben Standard-Software mit – und das verschlingt Ressourcen: Spotlight legt einen Suchindex an, Time Machine prüft stündlich, ob ein Backup ansteht, Safari bringt die WebKit-Engine mit. Dazu kommen iCloud, Apple Music, Apple TV und Podcasts, allesamt mit angeknüpften (wenngleich optionalen) Dienste-Abos. Kann ein Mac-Anwender eventuell Bereiche stilllegen, um RAM zu schonen oder Prozessorkerne zu entlasten? Howard Oakley ist der Frage nachgegangen, ob sich einzelne
macOS-Komponenten deaktivieren lassen. Sein Fazit: Lieber nicht!
Den Grundgedanken kann er prinzipiell nachvollziehen, da ein frisch installiertes macOS über 400 und bis zu 700 separate aktive Prozesse aufweist, und das schon, bevor ein Programm gestartet ist. Um die Herkulesaufgabe zu vermeiden, mehrere Hundert Dienste einzeln zu analysieren, greift er ein Funktionsbündel heraus, mit dem er bereits einige Erfahrung gesammelt hat: Bei der integrierten Backup-Funktion namens Time Machine kennt er die meisten beteiligten Subroutinen. Obwohl ein Mac niemals diese Funktion eingeschaltet hatte, starten die beteiligten Prozesse stündlich. Ein optimaler Kandidat fürs Abschalten – zumindest theoretisch.
Eine frisch gestartete Installation von macOS 15 nimmt bereits mehr als 5 GByte RAM ein.
SSV und DAS-CTS funken dazwischenDoch verhindern nach Oakleys Einschätzung zwei Innovationen der letzten Jahre, eine Funktion aus macOS herauszulösen und abzuschalten. Die eine ist die mittlerweile kryptografisch abgesicherte und unveränderliche Systempartition (SSV) – sie verhindert willkürliche Änderungen. Die zweite ist der Wechsel beim Prozessmanagement von launchd auf Duet Activity Scheduler nebst Centralized Task Scheduling (DAS-CTS). Apple Silicon weist verschiedene Rechenkerne auf – Leistungs- und Effizienzkerne, Grafik- sowie Neuralkerne. Dementsprechend zeigt sich die Verwaltung der Rechenfähigkeiten deutlich komplexer, da sie Ressourcen dynamisch zuweisen muss. Gleichzeitig bleibt einem menschlichen Administrator kaum noch die Möglichkeit der Einflussnahme. Vielleicht würde sich eine solche auch kaum auszahlen: Im Falle der für Time Machine zuständigen Prozesse dreht es sich um eine stündliche Aktivität von 0,144 Sekunden. Oakleys These: Anwender sollten die Optimierung der Ressourcenverteilung getrost Apple überlassen.
Wo es aber doch gehtAktuelle Versionen von macOS sind nicht modular aufgebaut wie das klassische macOS, bei dem sich schon bei der Installation ganze Segmente einsparen ließen. Derzeit gibt es nur zwei Komponenten, welche außerhalb des SSV residieren, und deren Installation der Nutzer auf Apple-Silicon-Macs verhindern kann. Der erste ist das x86-Emulator-Framework Rosetta; deren Tage sind allerdings bereits gezählt. Der zweite sind Apples LLMs – Anwender können das unter dem Namen „Apple Intelligence“ subsumierte Funktionsbündel in den Systemeinstellungen unter „Apple Intelligence und Siri“ deaktivieren. Wer sich ein modulareres Betriebssystem wünscht, argumentiert Howard Oakley, ist möglicherweise bei einem anderen Betriebssystem besser aufgehoben, beispielsweise Linux oder FreeBSD.