Früherer Windows-Chef bewertet das MacBook Neo – und was bei Microsoft schiefging


Steven Sinofsky war lange Zeit einer der wichtigsten Produktmanager bei Microsoft und leitete unter anderem die Entwicklung von Windows sowie Office. Nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen im Jahr 2012 gründete er einen Blog und schreibt seitdem viel über Produktstrategien, Plattformen, Softwaregeschichte und Tech-Industrie. In einem neuen
Beitrag geht er auf das MacBook Neo ein, welchem schon direkt in der Einleitung das größtmögliche Lob zuteil wird: Das Gerät haue ihn einfach um, es sei "paradigmenverschiebend". Sinofsky gratuliert Apple zu einem "insanely great product", womit er eine bekannte Jobs-Formulierung übernimmt. Für ihn sei das MacBook Neo jetzt der Ersatz für sein MacBook Air, allerdings in einer "viel cooleren Farbe" und mit einem iPhone-Chip.
Sinofsky wollte Ähnliches vor 15 Jahren bereits...In seinem ausführlichen Essay geht er vor allem darauf ein, warum ein Konzept wie das MacBook Neo von Apple stamme – obwohl Microsoft schon vor vielen Jahren ähnliche Vorstellungen hatte. Genau dieser Punkt führt ihn dann zu einem deutlich persönlicheren und "melancholischen" Rückblick auf Windows 8, Surface und Windows on ARM. Sinofsky führt dazu die These an, dass in der Computergeschichte "früh" oft kaum von "falsch" zu unterscheiden ist. Als Beispiele nennt er Newton, General Magic und zum Teil auch Palm Pilots: Das Konzept habe jeweils gestimmt, doch Netzanbindung, Miniaturisierung, Displays und Eingabetechnik seien noch nicht weit genug gewesen.
Günstige ARM-Geräte früher und heute ... man hätte auch den Unterbau gehabt...Rückblickend habe er deshalb auch bei Windows 8 oft den Gedanken akzeptiert, Microsoft sei damals eben schlicht "zu früh" und "mit zu viel auf einmal" unterwegs gewesen. Das MacBook Neo lasse ihn diese Auffassung jedoch überdenken. Die technische Basis für das "Surface on ARM" mit Nvidia Tegra, 2 GB RAM und 64 GB Speicher war damals durchaus vorhanden – allerdings machte Microsoft zentrale Fehler beim Ökosystem. Man habe es nicht schnell genug geschafft, Entwickler und Nutzer auf ein neues App-Modell umzustellen — eines, das sicherer, zuverlässiger und energieeffizienter sein sollte. Dagegen habe es massiven Widerstand gegeben, weil viele am klassischen Windows-Modell festhalten wollten. Aus seiner Sicht war dieses alte Modell aber für eine neue Geräteklasse ungeeignet: Es ließ sich weder ausreichend absichern noch wirklich stromsparend oder robust machen.
...doch machte falsch, was Apple richtig lösteSinofsky beschreibt Apple als Gegenbild zu dieser Entwicklung – ausgehend von Mac OS X habe das Unternehmen über zwei Jahrzehnte hinweg das Betriebssystem, die APIs und das App-Ökosystem fortlaufend modernisiert und alten Code entfernt. Auf dem Mac lasse sich nicht "alles für immer" ausführen, stattdessen seien Entwickler zu stetigen Aktualisierungen mit neueren Frameworks gezwungen. Auf dem Mac befinde sich praktisch jeder immer auf einem aktuellen Stand, während Windows selbst heute noch von sehr alter Rückwärtskompatibilität geprägt sei. Genau darin sieht er den zentralen Unterschied. Daraus entwickelt er die schärfste These: Microsofts größte historische Stärke, nämlich "alles läuft für immer weiter", sei zugleich zur größten Schwäche geworden.
MacBook Neo gibt eine neue PerspektiveIn der Schlussbetrachtung lobt Sinofsky den Mac ausdrücklich, nennt Apples Entwicklung bei Chip- und Packaging-Technik außergewöhnlich stark und beschreibt macOS als fantastisch. Das Neo habe ihm eine neue Perspektive auf etwas gegeben, über das er seit vielen Jahren nachdenke und schreibe. Schon damals, als er Microsoft verließ, habe er geglaubt, dass die eigentliche Entwicklungsrichtung eine ganz andere hätte sein müssen. Heute, vor dem MacBook Neo, spüre er diese alte Überzeugung erneut sehr stark.