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Bericht: Apples KI-Strategie unter Craig Federighi – Strikte Ausgabenkontrolle und anfängliche Skepsis

Auf der Worldwide Developers Conference 2024 kündigte Apple die KI-Plattform "Apple Intelligence" an, welche sich durch hohen Datenschutz und teilweise lokal ausgeführte Modelle auszeichnet. Doch vergleicht man Apples aktuelles KI-Angebot mit der Konkurrenz, fällt schnell auf, dass der Konzern dem Markt hinterherrennt. Erst kürzlich musste Apple bekanntgeben, dass man für die nächste Generation von Siri, welche eigentlich vor knapp einem Jahr hätte erscheinen sollen, nun auf KI-Modelle von Google zugreift, da Eigenentwicklungen wohl nicht glückten.


"The Information" hat nun einen interessanten Artikel veröffentlicht, welcher einige Details nennt, was bei Apples internen Entwicklungen bezüglich KI schief lief und warum der Konzern wohl Probleme hat, Top-Talente aus der KI-Branche zu rekrutieren.

Craig Federighi – Ausgabenkontrolle vor Innovation?
Craig Federighi übernahm im Dezember 2025 die Leitung der KI-Abteilung bei Apple – und soll laut dem Bericht maßgeblich für die Entscheidung verantwortlich sein, dass man statt auf eine Eigenentwicklung lieber auf KI-Modelle von Google für Siri zurückgreift. "The Information" berichtet, dass Federighi intern als "Pfennigfuchser" gilt – und recht risikoscheu an Projekte herangeht, wenn nicht klar ist, dass diese sich monetär auszahlen. So überwache Federighi sogar das Budget der einzelnen Software-Teams was Ausgaben für Snacks und andere Kleinigkeiten anbelangt. Auch Kosten für Geschäftsreisen, um beispielsweise Konferenzen oder Vorträge zu besuchen, seien ein häufiges Streitthema.

Die Entscheidung, so viele KI-Modelle wie möglich lokal auf den Geräten auszuführen, soll von Federighi präferiert worden sein – doch nicht primär aus Datenschutzgründen, sondern hauptsächlich aus der Kostenperspektive: Lokal ausgeführte KI-Modelle erfordern keine oder kaum Server-Infrastruktur. Da jedoch aktuelle KI-Modelle oftmals deutlich die Möglichkeiten von Smartphones übersteigen, erwies sich diese Entscheidung als großes Hindernis.

Gehaltsstruktur vor Talent?
Entwickler, welche KI-Modelle entwickeln können, sind rar gesät – und dementsprechend hoch auch die Gehälter für Top-Leute. Laut dem Bericht habe Federighi ein Problem damit, Entwicklern mehr Geld zu bezahlen als beispielsweise Abteilungsleitern – und so sei es sehr schwer, Personal mit gefragten Spezialfähigkeiten zu rekrutieren.

Anfängliche KI-Skepsis
KI zählte laut "The Information" vor dem Erscheinen von ChatGPT im Jahr 2022 nicht zu den wichtigen Themen von Federighi – doch nach einigen Tests der damals neuen Large-Language-Model-Technologie soll der Leiter von Apples Software-Sparte seine Einstellung bezüglich KI geändert haben. In der Vergangenheit habe Federighi deutlich deterministische Algorithmen präferiert, welche sich vorhersehbar verhalten. KI galt für den ehemaligen Software-Ingenieur als unkontrollierbar und während Qualitätskontroll-Prozessen als schwer evaluierbar.

Kommentare

trueclou23.01.26 08:37
KI galt für den ehemaligen Software-Ingenieur als unkontrollierbar und während Qualitätskontroll-Prozessen als schwer evaluierbar.

Da hat er ja nicht mal so unrecht…
+20
alephnull
alephnull23.01.26 09:05
„Strikte Ausgabenkontrolle und anfängliche Skepsis“

Also wie bei uns.
+4
Frank Drebin
Frank Drebin23.01.26 09:30
Craig könnte ein echter Deutscher sein… Ich finde, dass er nicht mehr die richtige Person für die Entwicklung der modernen Systeme ist… Da müsste frischer Wind rein, jemand der nach Vorne schaut. Und Pfennigfuchser bei Apple? Das ist komplett bescheuert, das reichste Unternehmen der Welt bremst sich selbst aus wegen Geiz?!
-1
*web*wusel*23.01.26 09:37
Das ist schon echt traurig!
-1
Krypton23.01.26 10:06
Frank Drebin
Ich finde, dass er nicht mehr die richtige Person für die Entwicklung der modernen Systeme ist… Da müsste frischer Wind rein, jemand der nach Vorne schaut.
Es gibt in einem Unternehmen nicht nur «ein» vorne. Wenn du die Firma stabil halten willst, gibt es immer mehrere Parameter, die beachtet werden müssen. Was bringt dir das neuste Ding, wenn du es nicht verkaufen kannst oder das Geld wieder reinbekommst. Jede Firma kann sich da einen individuellen Prozentsatz an «Entwicklungskosten» leisten. Apple hat da etwa mit einem AppleCar oder mit der VisionPro zwei recht teure Ausflüge geleistet, Google experimentiert regelmäßig öffentlich und stampft einen guten Teil der Projekte nach ein paar Jahren wieder ein, Meta hat gerade das Metaverse massiv zusammengestrichen, Amazon seine Phones, Mercedes ist mit den EQ Modellen etwas auf dem Bauch gelandet.

OpenAI, X, Amazon und Google feuern gerade Milliarden in AI, ohne zu wissen, ob sie das Geld jemals wieder verdienen können. Auf längere Sicht wird mindestens eine oder zwei Firmen dabei auf der Strecke bleiben.

Apple kann hier bei der Erstellung der Modelle nicht gewinnen, egal wieviel Geld sie darauf werfen. Für das Modelltraining braucht an unmengen an Daten, die sich legal oder mit Rücksicht auf Copyright und Datenschutz nicht beschaffen lassen. Nur wenn man als Unternehmen bereit ist, sich über diese Grenzen hinwegzusetzen (siehe etwa hier: ), hast du eine Chance.

Gesamt gesehen ist das aber auch nicht so wichtig. Die Modelle sind eher wie «Komponenten» zu betrachten, die man verschieden einsetzen kann. Apple stellt auch keine Bildschirme her sondern kauf diese von Samsung, LG oder Wistron. Sie machen keine Kamerasensoren sondern kaufen diese meist von Sony. Ebenso ist es bei KI-Modellen. Du kannst die Modelle nehmen und für deine Zwecke anpassen. Erst durch die Anpassung und Integration in bestehende Apps, durch ein Konzept aus lokalem und Cloud-Modell etc. wird der für Kunden nutzbare Service. Wer im einzelnen das Modell erstellt hat, spielt später nur eine Untergeordnete Rolle.
Frank Drebin
Und Pfennigfuchser bei Apple? Das ist komplett bescheuert, das reichste Unternehmen der Welt bremst sich selbst aus wegen Geiz?!
Eine Fehlbetrachtung, die viele machen. Man wir nur reich oder zu einem der wertvollsten Unternehmen, WEIL man sehr auf das Verhältnis von Ausgaben zu Einnahmen achtet, auch im Cent oder ehemaligen Pfennig-Bereich.
Reich zu sein, bedeutet also nicht, dass man «nicht» auf den Cent achtet, sonder genau das Gegenteil. Gelegentlich kann man dann auch mal was auf den Kopf hauen. Wenn das aber zum Dauermodus wird, ist der Abstieg eingeleitet.
+16
Troubadixderdritte23.01.26 10:22
Super Analyse! Danke für die ausführliche Darstellung.
+3
Unwindprotect23.01.26 10:51
Ich fand den Ansatz zuerst auf lokale Modelle zu setzen - wo möglich - selbst auch absolut richtig. Datenschutz ist dabei natürlich ein Faktor. Keine Serverkosten aber nunmal ebenso! Das ist auch für die Nutzer gut, da so keine Abogebühren zum Ausgleich notwendig wären. Ich empfinde es als etwas unfair hier so zu argumentieren als ob Datenschutz für Federighi „unwichtig“ sei, nur weil er beide Vorteile zu schätzen weiß. Gerade aus heutiger Sicht und mit den Konzepten um die Private Compute Cloud sollte eigentlich klar sein, dass dies auch ein Fokus ist.

Der beschriebene „Determinismus“ den Federighi präferiert: ich kann mich noch gut erinnern als dieser KI-Hype noch ganz neu war. Diese ersten Systeme waren auf eine Weise unzuverlässig, bei denen schnell klar war, dass das entgegen allem steht für was Apple stand. Features die nur in 70% (wenn es gut läuft) der Fälle eine sinnvolle Antwort liefern soll man auf seine privaten Daten und Home-Geräte loslassen? Klingt unvernünftig.
Seitdem hat alle Welt jede Menge Aufwand betrieben um diese Risiken zu minimieren… Es funktioniert besser, aber immer noch nicht perfekt. Dennoch lässt sich das heute besser einschätzen.

Ich finde Apples bisherigen Pfad diesbezüglich nicht schlecht. Zugegeben es ist die vermutlich konservativste Herangehensweise - mir ist das aber lieber als extreme Overhyping ala Altman, Musk Zuckerman oder Pichai. Dieses Hyping ist unredlich und unehrlich. Es werden Dinge versprochen die man nie halten kann. Bei Apple hatte man sich wohl zumindest für eine kurze Phase auch ein wenig darauf eingelassen und ist damit zurecht auf die Nase gefallen.

Ich kann jetzt schon ChatGPT mit Applegeräten verwenden oder per Zusatzapp. Zig andere Dienste stehen per App bereit. Einige der auf KI-Modellen beruhenden Features finde ich nützlich und wertvoll. Wenn man nun in Zukunft solche Features auf Basis von Gemini-Modellen entwickelt, dann wird das bestimmt nochmal signifikant besser.

Was gerne vergessen wird: Bei all diesem Kram geht es aktuell kaum noch um eigentliche „KI-Forschung“. LLMs sind weitestgehend entwickelt - es geht jetzt eher um die Produktifizierung. Es geht um Ideen wie man mittels Sprachmodellen „KI-Features“ entwickeln kann. LLM-Foundationmodelle selbst entwickeln ist eine teure und wirtschaftlich undankbare Aufgabe. Insbesondere wenn man sich nicht - wie OpenAI und Google einen Gigantischen Pool an Trainingsdaten zusammengestohlen hat.

Durch die Nutzung von Gemini partizipiert Apple natürlich ebenso an diesem Diebstahl. Das kann man zurecht verurteilen. Andererseits akzeptieren wir Dienste wie Google Search, Gemini, OpenAI usw. und validieren so deren Geschäftsmodelle. Wenn wir als Gesellschaft also nun wieder (wie bei der Google Suche und Ad-Tracking) das akzeptieren, dann empfinde ich persönlich auch Apple nicht unredlich wenn sie spät und indirekt darauf aufspringen. Wenn es jeder macht und alle wollen? Es wurde genug geunkt wie Apple hinterher ist - man muss sich jetzt nicht wundern wenn sie diesen Weg gehen.
+3
Deichkind23.01.26 11:12
MTN
Anfängliche KI-Skepsis

Zu dem Abschnitt passt auch der folgende im Juni 2024 auf MTN erschienene Artikel zum (zu späten) radikalen Kurswechsel in Sachen gernerative KI:
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