Apples holprige Umstellung auf Heimarbeit – ein Widerspruch zur Unternehmenskultur

Noch immer gibt es zwar Mitarbeiter, die täglich ihren Arbeitsplatz im Apple Park oder anderen Apple-Büros aufsuchen, viele Beschäftigte sind aber inzwischen der Empfehlung nachgekommen, wenn möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Nur noch essenzielles Personal soll vor Ort erscheinen, ansonsten gilt aber der Grundsatz, Gruppen und öffentliche Einrichtungen vorerst zu meiden. Dies bedeutet für Apple große Anpassungen, denn das Unternehmen ist für besonders scharfe Geheimhaltungspolitik bekannt – und übertrifft mit vielen Maßnahmen andere Hersteller. Bislang gab es daher auch einen großen Katalog an Tätigkeiten, den Mitarbeiter ausschließlich an ihrem regulären Arbeitsplatz ausführen dürfen. Noch drastischer sehen die Vorkehrungen aus, wenn jemand in einem Entwicklungsteam neuer Produkte eingesetzt ist.


Oft verhindern die Vorgaben Heimarbeit komplett
Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge bleibt Apple momentan aber wenig anderes übrig, als die Vorschriften zu lockern. Derzeit finde eine größer angelegte Überprüfung statt, welche Maßgaben temporär außer Kraft zu setzen sind. Besonders ins Gewicht fallen derzeit aber ganz übliche Vorkehrungen, darunter beispielsweise, keine Pre-Releases vom Gelände entfernen zu dürfen. Außerdem sind diverse Informationssysteme nur vom Campus aus zugänglich, um keine Angriffsfläche von außen zu bieten.

Apples kulturelle Probleme
Generell falle es Apple aber sehr schwer, auf "Remote Office" umzustellen, denn es ist natürlich völlig undenkbar, dass Ingenieure die Prototypen kommender Hardware mit nach Hause nehmen dürfen. Selbiges gilt für Software in einem frühen Entwicklungszustand. Dem Wall Street Journal nach wolle Apple die Bedingungen Schritt für Schritt verbessern, da die Belegschaft derzeit viele Aufgaben schlicht nicht ausführen könnte. Davon sind zwar auch die meisten Mitbewerber betroffen, denn natürlich gilt die "Geheime Produktentwicklung findet nur vor Ort statt"-Maßgabe bei so ziemlich jedem Unternehmen – Apples bis ins Kleinste praktizierte extreme Geheimhaltung sei aber kulturell einfach inkompatibel mit dem Home Office.

Kommentare

eastmac
eastmac16.03.20 12:30
Nicht nur Apple wird es so ergehen, viele Firmen in D sind noch lange nicht bereit über Mobiles arbeiten nach zudenken.
+3
Hot Mac
Hot Mac16.03.20 12:42
Ich könnte meine Arbeit wahrscheinlich im Pyjama verrichten, aber die Außenwelt verlangt nach meiner physischen Anwesenheit.
+5
Legoman
Legoman16.03.20 13:16
Vielleicht sollte man bei der ganzen Debatte nicht vergessen, dass beim Großteil aller Arbeitsplätze Homeoffice einfach mal undenkbar ist.
Oder was genau soll ein Klempner da so machen?
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milk
milk16.03.20 15:23
Vielleicht sollte man bei der ganzen Debatte nicht vergessen, dass bei nicht wenigen aller Arbeitsplätze Deutschlands sowas wie Videotelefonie einfach mal undenkbar ist, weil es die Infrastruktur nicht hergibt.
-5
Legoman
Legoman16.03.20 16:55
Videotelefonie ging schon mit ISDN. Daran wird's wohl nicht scheitern.
Fraglich ist eher, ob Videotelefonie einem weiterhilft oder überhaupt nötig ist.
Ich könnte durchaus im Homeoffice arbeiten.
Ein einfaches Telefon würde dann aber völlig reichen. Ich muss die anderen nicht unbedingt sehen, wenn ich mit ihnen rede.
Mein Problem wäre viel mehr, dass unterschiedlichste Absprachen zu treffen sind, die oftmals zwingend mit Vor-Ort-Terminen verbunden sind.
0
Dante Anita16.03.20 17:35
Was ich rund um das Thema in den letzten 7 Tagen erlebt hab reicht für ein Buch. Von einer IT-Abteilung angefangen die mich vor 1 Woche noch ausgelacht hat (mach nicht so einen Aufstand wegen dem Virus!) bis zu heute, wo die IT auf dem Kopf steht und händeringend Laptops aufsetzt, während andere ihren PC samt Bildschirm mit Privat-PKW nach Hause transportieren.

Sogar mit einer Vorlaufzeit von 1 Woche hätte man einen Großteil der Arbeitsplätze noch ohne Panik aussiedeln können, wenn man nicht so kurzsichtig denken würde. Aber bei einem Großteil der Führungskräfte reicht der geistige Horizont leider nur eine Armlänge weit.

Von meinem Team arbeiten ab morgen jedenfalls 3/4 zu Hause, und zwar gleich als wären sie im Büro.
+3
Weia
Weia16.03.20 20:36
Hot Mac
Ich könnte meine Arbeit wahrscheinlich im Pyjama verrichten, aber die Außenwelt verlangt nach meiner physischen Anwesenheit.
Wo ist da der Widerspruch?
Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)
+5
Hot Mac
Hot Mac16.03.20 20:38
Ich bin nicht Hugh Hefner.
+4
Stefanie Ramroth16.03.20 20:45
Bei meinem Arbeitgeber gab es einen (inzwischen bestätigten) Verdachtsfall. Alle potenziellen Kontaktpersonen (egal ob 1. oder 2. Grades) wurden vorsorglich ins Home Office beordert.
Bereits vorher gab es die Anweisung, die Dienstlaptops mit nachhause zu nehmen.
Sämtliche Geräte sind mit SIM Karten und VPN eingerichtet und unsere Anbindung verkraftet das aktuell sehr gut.
Es gibt scheinbar auch Ausnahmen in Deutschland. Aber ich kenne auch Firmen, die haben für VPN minimale Bandbreiten und überhaupt kein Home Office Szenario angedacht.
Oft ist es also nicht nur ein Problem der Infrastruktur oder von Sicherheitsrichtlinien, sondern es wurde einfach nicht angedacht, dass jemand mal länger als einen halben Tag von Zuhause aus arbeiten müsste.
+1
Eventus
Eventus17.03.20 11:10
Artikel
… denn es ist natürlich völlig undenkbar, dass Ingenieure die Prototypen kommender Hardware mit nach Hause nehmen dürfen.
Wie war das noch mit dem iPhone 4 in einer Bar?
Live long and prosper! 🖖
0
ratti
ratti17.03.20 18:18
Wir sind 100 Leute. Seit Jahren hat die Firma sich auf modernes Arbeiten fokussiert und entsprechend ausgestattet, von Geräten über Software und Lizenzen bis zur kompletten Strategie. Als der erste Verdachtsfall aufkam, haben wir unsere Laptops zugeklappt, sind nach Hause gegangen und haben sie wieder aufgeklappt. Fertig. Wir haben eh schon lange keine Drucker, Zettel, Bargeld o.ä. genutzt.

Ich hoffe, dass nach dieser Krise keine Entschädigungen ausgezahlt werden an Betriebe, die jahrzehntelang gutes Geld gespart haben durch die Anschaffung von Leitz-Ordnern statt modernem Zeug. Die nehmen die Entschädigung, kaufen noch mehr Leitz-Ordner, unterbieten uns mit ihren Preisen und stehen in der nächsten Krise wieder mit ihren Faxgeräten dumm da.

Den Hinweiss auf „Klempner“ finde ich… nun ja. Wie soll ich es sagen. Es ist glaubich allen Foristen klar, dass man Löcher nur bohren kann, wo Löcher gebraucht werden, und nicht im Home Office.

Wir bekommen aber in der aktuellen Situation die technischer Rückständigkeit in Deutschland zu spüren, die so aussieht, dass zahlreiche Warenwirtschafts- oder CRM-Systeme bis heute noch keine Umlaute können, oder dass ein „Herr X“ auch verheiratet sein kann mit einem anderen „Herr“. Da brauchen wir über Remote Working gar nicht erst reden. Wie soll denn eine moderne Wirtschaft entstehen, wenn man diese verpennten, alten, rückständigen Dinosaurier immer noch weiter durchfüttert? Lasst sie krepieren, schafft Platz für Neues. In 20 Jahren sind wir mit dem Umbau durch statt über die Klippe.
+2
Eventus
Eventus18.03.20 10:25
ratti
Volle Zustimmung!
Live long and prosper! 🖖
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Legoman
Legoman18.03.20 14:58
ratti
Den Hinweiss auf „Klempner“ finde ich… nun ja. Wie soll ich es sagen. Es ist glaubich allen Foristen klar, dass man Löcher nur bohren kann, wo Löcher gebraucht werden, und nicht im Home Office.
Ohne Frage.
Aber in der generellen Diskussion wird dieser Punkt sehr gern vergessen.
Immerhin sind jetzt Pflegekräfte etc. und deren Nöte etwas mehr in den Fokus gelangt!

PS: Die leichten Mädels von der Straße könnten ja Homeoffice anbieten - dürfen aber nicht. Auch blöd. (Also für's Geschäft. Für die Gesundheit natürlich nicht.)
0
Turm
Turm31.03.20 13:03
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