Apples Suchmaschinen-Deal mit Google unter Beschuss: Regulierer fordert Maßnahmen

Apple sieht sich seit geraumer Zeit mit Vorwürfen konfrontiert, das Unternehmen missbrauche seine Marktposition und behindere so den Wettbewerb. Die EU-Kommission leitete beispielsweise vor einiger Zeit zwei förmliche Untersuchungen ein, in denen unter anderem die "Apple Tax" unter die Lupe genommen wird. In den USA muss sich Apple-CEO Tim Cook demnächst einem Ausschuss des Kongresses stellen, weil der iPhone-Konzern auch in Washington wettbewerbswidriger Praktiken verdächtigt wird. Auf der anderen Seite des Atlantiks, im Vereinigten Königreich, gerät jetzt zudem Apples Suchmaschinen-Deal mit Google unter Beschuss.


Milliarden-Deal behindert die Konkurrenz
Google überweist bekanntlich Jahr für Jahr Milliardenbeträge nach Cupertino. Als Gegenleistung liefert Apple den hauseigenen Browser Safari sowohl auf macOS als auch auf iOS/iPadOS mit Google als voreingestellter Suchmaschine aus. Allein im Vereinigten Königreich nahm Apple im vergangenen Jahr dank dieser Vereinbarung rund 1,2 Milliarden Pfund ein, umgerechnet also gut 1,3 Milliarden Euro. Das ermittelte die Competition and Markets Authority (CMA) des Landes. Die Londoner Wettbewerbsbehörde sieht in dieser Praxis eine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs und eine gravierende Benachteiligung der Konkurrenten des Suchmaschinenriesen, etwa Bing von Microsoft, Yahoo und DuckDuckGo.

Erhebliche Hürde für die Mitbewerber
Angesichts von Apples signifikantem Marktanteil sei die Vorinstallation von Safari in Verbindung mit der standardmäßigen Konfiguration von Googles Suchmaschine eine erhebliche Hürde für die Mitbewerber, heißt es laut Reuters in einem jetzt vorgelegten Bericht der CMA. Das gilt den Wettbewerbshütern zufolge insbesondere für den Smartphone-Markt. Sie empfehlen daher den zuständigen Behörden, Maßnahmen zu ergreifen, um die Behinderung von Googles Konkurrenten zu beenden. Das ließe sich unter anderem durch ein Auswahlfenster erreichen, in dem der Nutzer bei der Einrichtung des Geräts die gewünschte Suchmaschine einstellt. Eine derartige Verpflichtung wurde vor Jahren Microsoft auferlegt, das Unternehmen musste den Nutzern von Windows eine Liste mit Browsern präsentieren und somit Alternativen zum standardmäßig installierten Internet Explorer anbieten.

Rund 9 Milliarden US-Dollar pro Jahr
Einer Schätzung des Analysten Toni Sacconaghi zufolge nimmt Apple pro Jahr rund 9 Milliarden US-Dollar durch Lizenzvereinbarungen ein. Etwa 80 Prozent dieser Summe, also 7,2 Milliarden US-Dollar, stammt von Google. Apple teilte der Competition and Markets Authority des Vereinigten Königreichs mit, die vorgeschlagenen Einschränkungen kämen den iPhone-Konzern sehr teuer zu stehen.

Kommentare

AJVienna02.07.20 11:50
Die Hürde ist aber auch die Qualität. Ich habe z.B. auf DuckDuckGo umgestellt. Aber ein vorangestelltes !g für die suche über Google ist leider sehr häufig nötig. Bei einer Regulierung würden Apple die Milliarden flöten gehen, aber Google bliebe wahrscheinlich bei den meisten trotzdem der Standard.
+3
Ely
Ely02.07.20 12:11
Ich finde mit DDG alles. Ein Ausweichen auf Google (Startpage), wenn ich was mit DDG nicht finde, liefert keine besseren Ergebnisse.

Generell nervt an Suchmaschinen, daß Shopping im Vordergrund steht. Sich einfach Infos oder Erfahrungsberichte zu irgendwas zu suchen und finden ist schwer.

Grundsätzlich sollten Suchmaschinen frei im Browser hinterlegbar sein, wie es bei Firefox der Fall ist. Alles andere, egal was voreingestellt ist, sollte wirklich wettbewerbsrechtlich untersucht werden.
+1
sierkb02.07.20 13:34
AJVienna,
Ely:

[OT]

Aktuelle Info am Rande zu DDG:

Golem, Hanno Böck (02.07.2020): Datenschutz: Duckduckgo-Browser leakt besuchte Domains
Ein Service zum Finden von Favicons sorgt dafür, dass der Browser von Duckduckgo ein Datenschutzproblem hat.

[/OT]
0

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.