Push-Nachrichten von MacTechNews.de
Würden Sie gerne aktuelle Nachrichten aus der Apple-Welt direkt über Push-Nachrichten erhalten?

Apples 9 Herausforderungen für die nächsten 5 Jahre

7. Der Mac - Stiefmütterlich behandelt?

Beim Mac hat Apple ein ähnliches Problem wie beim iPad: Der Markt an Computer ist gesättigt und schrumpft seit vielen Jahren. Apples Strategie war noch nie, durch günstige Angebote unter Verzicht auf Marge Marktanteile zu gewinnen. Die Verkaufszahlen des Macs sind relativ stabil, obwohl Apple diverse Produktlinien schon seit langer Zeit nicht mehr gepflegt hat und fast kein Geld in Werbung investiert.

Wie auch der Rest der Industrie hat Apple beim klassischen Computer ein Problem: Für die allermeisten Kunden ist es von der Performance her egal, ob diese einen Mac aus 2013 oder 2017 einsetzen - die Computer sind für die meisten potentiellen Käufern schnell genug für alle Aufgaben, die sie erledigen müssen. Vor 15 Jahren gehörte ein 2-3 Jahre alter Computer fast zum alten Eisen - heute lässt sich ein solcher nach wie vor produktiv einsetzen. Echte Performance-Sprünge sind kaum noch zu verzeichnen - der letzte maßgebliche Performance-Sprung war der Einsatz von SSDs als Festplattenersatz

Der Mac ist für Apple aber nach wie vor ein sehr wichtiger Baustein im Ökosystem, da viele Kunden das hohe Integrationslevel zwischen Mac, iPad und iPhone schätzen. Durch den Mac ist Apple auch im Vorteil gegenüber Google mit Android, da Apple eine komplette verzahnte IT-Ausstattung bieten kann.


Viele früheren Apple-Fans sind allerdings von der Marke enttäuscht, da Apple seit vielen Jahren einige der Mac-Produktlinien stiefmütterlich behandelt. Im professionellen Bereich steigerte sich der Ärger im weiter, bis Apple Anfang letzten Jahres gegensteuerte und zur Überraschung vieler neue professionell ausgerichtete Geräte (iMac Pro, neuen Mac Pro, neues Apple-Display) ankündigte und zumindest den iMac Pro Ende 2017 auf den Markt brachte.

Für Apple ist es sehr wichtig, Fans der frühen Tage nicht zu verlieren, die über den Mac zu Apple gekommen sind. Apple muss das Image des technologischen Vorreiters über alle Produktlinien aufrechterhalten - dies könnte schwer werden, wenn Apple weiterhin den Mac so stiefmütterlich behandelt wie in den letzten Jahren.


8. Apple und die Stores

Steve Jobs wollte keinen App Store auf dem iPhone - alles wichtige sollte das Betriebssystem mitbringen und weitere Einsatzgebiete durch Web-Anwendungen abgedeckt werden. Schon kurz nach der Vorstellung des iPhones wurde gefordert, dass Apple das iPhone für Dritthersteller öffnen solle. Web-Apps waren auf dem iPhone nie erfolgreich - und Apple änderte seine Einstellung gegenüber Dritthersteller-Apps und eröffnete im Sommer 2008 den App Store. Diese Entscheidung war in der Retroperspektive eine der wichtigsten Entscheidungen, die Apple je getroffen hat: Durch den App Store und die vielen Anwendungen machte es Apple Konkurrenten schwer, andere Smartphone-Plattformen zu etablieren.

Apple versuchte, den Erfolg des iPhone-App-Stores auf dem Mac, auf der Apple Watch und dem Apple TV zu wiederholen - mit mäßigem Erfolg. Den Mac App Store behandelt Apple seit Erscheinen Anfang 2011 stiefmütterlich, es gab nur ein kleineres Re-Design, als OS X 10.10 Yosemite erschien. Das App-Angebot auf der Apple Watch und dem Apple TV ist im Vergleich zum iPhone sehr beschränkt. Auch der iBook Store, erschienen im Sommer 2010, führt eher ein Schattendasein.

Mit iOS 11 überarbeitete Apple zumindest den iOS App Store und trennte Spiele und Apps, um mehr Übersichtlichkeit zu erreichen. Außerdem verschärfte man die Qualitätskriterien, um der mangelhaften Qualität von vielen Apps Herr zu werden.

Apple muss sich in den kommenden Jahren der Herausforderung stellen, das Konzept des App Stores weiterzuentwickeln und auf allen Plattformen ein ähnliches Einkaufserlebnis bieten. Erste Anfänge dessen sind mit dem neuen App Store aus iOS 11 zu sehen, in welche Richtung sich der App Store entwickeln könnte.


9. Sicherheit und Software-Qualität

In den letzten Monaten lief es mit der Software-Qualität und der Sicherheit bei Apple nicht rund. Größere Lücken sind beispielsweise in macOS High Sierra aufgeflogen, die viel in der Presse diskutiert wurden - und somit das Image von Apple ankratzten.

Seit einigen Jahren ist Apple dazu übergegangen, jedes Jahr neue iOS-, macOS, tvOS- und watchOS-Aktualisierungen anzubieten. Entwickler setzt dies unter großen Druck, da es beim Programmieren von Software vormals schwer abschätzbar ist, ob eine neue Funktion oder eine Verbesserung tatsächlich bis zum Abgabetermin fertig wird - es passiert häufig, dass unabsehbare Probleme auftreten, zu denen erst langwierig die passende Lösung gefunden werden muss.

Von vielen wird dieser knappe Zyklus dafür verantwortlich gemacht, dass die allgemeine Qualität und die Sicherheit bei Apple leidet. Zwar hat Apple, schon lange bevor diese rapiden Zyklen eingeführt wurden, diverse "Böcke" geschossen - heute steht aber Apple unter extrem starker Beobachtung durch Medien, in denen jeder Fehler oder Sicherheitsmangel breitgetreten wird.

Apple ist hier in der Zwickmühle: Einerseits wird erwartet, dass Apple innovativ ist und durch neue Features, auch bei Software, glänzt. Auf der anderen Seite sind Kunden gerade wegen der Stabilität auf eine Apple-Plattform gewechselt - und wurden zuteilen enttäuscht. In Zukunft muss Apple wieder die Balance zwischen Innovationen, Pflege und Qualität finden, um hier den guten Namen nicht zu riskieren. Erste Anzeichen gibt es bereits, da sich Gerüchten zufolge iOS 12 und macOS 10.14 hauptsächlich um die letzten beiden Punkte drehen wird.


Fazit

Apple ist schnell gewachsen und hat sich in den letzten 15 Jahren sehr breit aufgestellt - früher gab es nur den Mac als Hauptproduktlinie, nun bietet der Hersteller ein komplettes IT-Sortiment für Arbeitsplatz und Heim an. Ob Apple in Zukunft bestehen kann, hängt maßgeblich von zwei Fragen ab: Schafft es der Konzern, all die bestehenden Produktlinien sinnvoll zu pflegen und weiterzuentwickeln und kann Apple nochmals eine ganz neue Produktkategorie erfinden, die sich als zweites großes Standbein entpuppt.

Kommentare

nacho
nacho12.02.18 13:59
Apple hätte noch so viel Potential im Bereich Business, den man eigentlich links liegen lässt.
Man könnte ähnlich wie Google oder MS seine iCloud Dienste auch für KMU zur Verfügung stellen und mit eigener Domainendung seine kompletten Dienste verwalten.

Beispiel:
Ein neuer Mitarbeiter wird im System erfasst und schon hat er alle Dienste zur Verfügung, selbst das iPhone sowie Mac stehen in ein paar Tagen schon vorkonfiguriert auf dem Schreibtisch.
+6
svenhalen
svenhalen12.02.18 14:17
nacho
Apple hätte noch so viel Potential im Bereich Business, den man eigentlich links liegen lässt.

Allerdings... Multiuser auf iPads, Sharepoints in "Dateien", ...
+7
Mostindianer12.02.18 14:43
Kreativ-Tools:
Final Cut mit Add-on zu Apple Renderfarm?

MacOS Server zu Apple Cloud, analog zu Microsoft Azure?

modularer Mac Pro?
+4
kugelkopf12.02.18 14:43
svenhalen / nacho
nacho
Apple hätte noch so viel Potential im Bereich Business, den man eigentlich links liegen lässt.

Allerdings... Multiuser auf iPads, Sharepoints in "Dateien", ...

Stimme ich zu! Aber zu erst sollten sie sich um die ihre Altlasten kümmern und diese in den Griff bekommen. Stichwort Siri, macmini, OSX, etc...
+1
mactechh12.02.18 15:30
Ja, die MacBooks sind technisch einsame Spitze, mein auch sehr teures Business Windows-Notebook ist eine echte Krücke dagegen. Aber ohne einen vernünftigen macOS-Server? Ich meine nicht dieses immer mehr verkrüppelte Software AddOn, sondern 'richtige' Hardware. Redundant, mit erweiterterem Speicherplatz, Profi-Zeugs eben. Gibt's nicht mehr. Wenn ich für File-Services, Mail und Backup daher sowieso einen Windows-Server und deshalb auch einen Windows-Admin brauche, warum sollten meine Mitarbeiter dann macOS benutzen? Lightroom und der ganze andere Adobe-Krempel läuft auch unter Windows. Früher™ gab es mal die Idee, dass macOS, die darauf aufbauende Software und das Apple-Universum das Arbeiten leichter macht und Platz für neue Kreativität schafft. Heute baut Apple nur noch Telefone. Ach, ein Trauerspiel ist das...
+11
intex12.02.18 17:08
nun bietet der Hersteller ein komplettes IT-Sortiment für Arbeitsplatz und Heim an

aha - und wo sind dann Server, Bildschirme, Drucker etc. hin? Früher hatte das Apple alles mal und so ergab es auch ein "komplettes" IT-Sortiment.
+5
RiddleR
RiddleR12.02.18 17:28
Guter Artikel, trifft es auf den Punkt.
+3
Gitterzahn12.02.18 18:37
Hoffe auf eine Brille
-4
rene204
rene20412.02.18 19:53
Gitterzahn
Hoffe auf eine Brille
eine mit "rosaroten" Gläsern..?
Gelassenheit und Gesundheit.. ist das wichtigste...
+2
Kirschholz
Kirschholz12.02.18 20:12
"Apples Strategie war noch nie, durch günstige Angebote unter Verzicht auf Marge Marktanteile zu gewinnen."
Das war nicht wirklich immer so! Ich habe dereinst mein erstes MacBook 150 (oder so) bei Karstadt für unter 1.000 gekauft und fand den damit gewährten Preisnachlass beim Auslaufmodell als sehr anziehend. Aber bitte fragt mich jetzt nicht, ob das noch D-Mark oder schon der Euro war. Ich habe das Teil anschließend viele Jahre benutzt - und bin darüber bei Apple-Laptops geblieben...!
+1
Unwindprotect12.02.18 20:35
Punkt 2 ist leider echt ziemlicher Schmarren sorry. Ihr wiederholt Gebetsmühlenartig wie schlecht doch Siri sei und werft es mit Maschinellem Lernen und KI in einen Topf. Die meisten Vergleichstests sind eher Tests welche die Google “Faktenbasis” betreffen - solche Tests sind leicht zu färben.

Das Apple in einigen Bereichen durchaus deutlich voraus ist hat zB ARKit gezeigt - dabei handelt es sich auch um ein Framework das massiv auf maschinellem Lernen aufbaut. Google hat sein eigenes Projekt Tango danach eingestampft und mit ARCore eine Art ARKit-Klon entwickelt. In nahezu allen Bereichen kommt mittlerweile Maschinelles lernen zum Einsatz. Apple forscht da seit vielen Jahren und es ist gewagt zu behaupten sie wären hinter Google nur weil Siri ein paar Sachen schlechter kann als Google Assistent
+3
jlattke13.02.18 11:11
Der Artikel trifft überraschenderweise ziemlich genau meine Sicht der Dinge.

@Nacho
Sehe ich auch so. Gerade ein eigener Server mit den Cloud-Diensten on Premise wäre für KMUs sicher der Hit.
@machtechh
Genau vor dem Thema stehe ich gerade. Warum soll ich mir einen teuren Admin leisten der zwei Welten pflegt, wenn schon einer auf reiner Macseite schwer zu finden ist der alle Vorgaben gut erfüllt (der dann aber den ganzen Serverkram nicht kann …)
@Unwind
Ich habe keine Ahnung wo Apple gerade mit ARKit wirklich im Vergleich zum Wettbewerb steht. Allerdings sind mir bislang noch keine Killerapps über den Weg gelaufen. Weder bei Apple, noch woanders. Will sagen: im Augenblick erachte ich das eher als eine nette Spielerei. Damit will ich nicht sagen „das wird nie was“. Nur das Gegenteil hat noch niemand bewiesen.
0
R-bert13.02.18 19:32
Vermutlich werden sie ihre Hausaufgaben wie in den letzten 5 Jahren (größte Marktkapitalisierung) weiterhin überwiegend erfolgreich über die nächsten 5 Jahre bringen. Und wie immer werden sie nicht alle zufriedenstellen oder gar fehlerlos sein.

Die "kleinen Erfolge", z.B. die Apple Watch im Weihnachtsquartal 2017 häufiger zu verkaufen als alle Uhren von Rolex, Swatch Group etc. zusammen werden meines Erachtens zu wenig gewürdigt. Definitiv keine Frittenbuden-Umsätze.
Vermutlich werden sie sich auch weiterhin Top-Ingenieure und Entwickler leisten können.
Aber selbst als "einäugiges" Unternehmen wären sie König unter den blinden, vergleichbaren Unternehmen. Vergleiche mit Unternehmen, die bislang primär Schulden anhäufen wie z.B. Netflix, Spotify etc. sind nicht unbedingt maßgeblich.
0
dirkneu14.02.18 00:05
Nach 16 Jahren mit einem Apple Rechner: MacBook Pro, Mac mini, iMac, etc. habe ich mich entschlossen dem MacOS den Rücken zu kehren. Ich habe den Eindruck das Apple mit dem MacOS und dem Mac auf einem falschen Weg ist. Keine Ahnung ob das stimmt, aber mir scheint die ganze Apple Politik immer mehr in Richtung High End Consumer Products zu gehen. iPhone’s die den Preis eines guten Windows Laptops kosten, Apple Watch, iMac Pro für mind. 5000 Euro und einen überteuerten Lautsprecher den HomePod. Zu allem Überfluss werden nun Serien gedreht. Und gleichzeitig gibt es keine sichtbare Weiterentwicklung im Bereich der ehemaligen Stärke des Betriebs, dem MacPC. Metal und Sandboxing sind gute Ideen, werden aber wohl zu keiner nennenswerten Weiterentwicklung des Betriebssystems und des Macs führen und Entwickler Anreizen etwas für den Mac zu entwickeln. Die guten Ideen finden gerade woanders statt und Apple wird im klassischen PC Bereich den Anschluss verlieren. Aber mein Eindruck ist ja, wie gesagt, das es Apple bei der momentanen Strategie sowieso egal ist, wenn der Mac mehr und mehr ein Überbleibsel der Vergangenheit wird. Apple hat andere Pläne, alles muss einfach sein. Ein PC ist nicht einfach, also weg damit. Schade eigentlich.
+2

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.