Altes Camcorder-Video von 1999 aufgetaucht: Steve Jobs spricht auf dem Apple Campus zu den Mitarbeitern


Ein sonniger Julitag des Jahres 1999 in Cupertino: Auf dem Apple Campus, damals noch im alten Hauptquartier des "Infinite Loop", lädt Steve Jobs zu einem Mitarbeitertreffen. Viele nehmen an dieser Veranstaltung unter freiem Himmel teil, die eine Woche nach der Vorstellung des ersten iBooks erfolgt. Das Spannende an dem Video ist weniger, dass Steve Jobs dort etwas völlig Unbekanntes sagt, sondern seine Strategie für Apple in einer noch sehr frühen Phase direkt und ungefiltert zu hören. Das Unternehmen hatte die existenzielle Krise gerade hinter sich gelassen, steckte aber noch voll im Neuaufbau.
Aus einer diffusen Palette wird der QuadrantIm Mittelpunkt seiner Aussagen steht Apples damalige Produktstrategie. Jobs verweist auf die bekannte Vier-Felder-Matrix aus Consumer- und Pro-Geräten sowie Desktop- und Mobilrechnern. Mit dem gerade vorgestellten iBook G3 sei diese Aufstellung nun komplett: iMac, Power Mac G3, PowerBook G3 und iBook bildeten zusammen das neue, klar strukturierte Sortiment. Jobs präsentiert das als sichtbaren Beleg dafür, dass Apple die Zeit der zerfaserten Produktpalette hinter sich gelassen habe und nun wieder mit einem klar verständlichen Portfolio auftrete.
AirPort als RevolutionBesonders viel Raum nimmt im Video die neue AirPort-Technologie ein, also Apples mit dem iBook eingeführtes kabelloses Netzwerkangebot. Genau hier formuliert Jobs einen strategischen Kern, der für Apple später fast schon zur Firmenphilosophie werden sollte: Der Konzern könne Innovationen besser als andere auf den Markt bringen, weil Apple das Gesamtprodukt konzipiere. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Blick auf die internen Fortschritte. Jobs sagt, Apple habe in den vergangenen zwei Jahren zentrale Fähigkeiten im Unternehmen wieder aufgebaut — von Engineering über Design bis zu den Abläufen im operativen Geschäft.
Jobs sah sich nicht als SaniererZugleich wird deutlich, dass Jobs die Rückkehr zu Apple nicht als reine Sanierungsmission verstanden wissen wollte. Er weist die Vorstellung zurück, er sei vor allem gekommen, um Apple finanziell zu retten. Vielmehr sei sein Antrieb gewesen, Apple wieder großartig zu machen und erneut Produkte zu bauen, die Menschen wirklich gern nutzen. Darin zeigt sich ein wichtiger Stimmungswechsel: Apple definiert sich in dieser Phase nicht länger nur über das Überleben, sondern wieder über Anspruch, Produktqualität und langfristige Perspektive.
Andeutungen, was noch alles kommtJobs spricht von mehreren kommenden Produkten, die er als das Beste bezeichnet, was er je gesehen habe. Aus heutiger Perspektive drängt sich der Gedanke an Mac OS X und wenig später an den iPod auf. Genau darin liegt der besondere Reiz des Videos: Es hält einen Moment fest, in dem Apple den reinen Überlebenskampf hinter sich gelassen hatte und intern bereits mit großem Vertrauen auf die nächste Phase blickte.
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