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Apple vs. Prosser: Der aktuelle Stand – Verzögerung statt Offenlegung

Apple hatte im Juli 2025 Klage gegen den bekannten Leaker Jon Prosser eingereicht. Der Klageschrift zufolge will Apple Prosser wegen Cyberkriminalität und widerrechtlicher Aneignung von Geschäftsgeheimnissen zur Verantwortung ziehen. Genauer gesagt richtet sich das Vorgehen gegen zwei Personen, nämlich Prosser als Verwerter und Michael Ramacciotti als Beschaffer der Informationen. Letzterer hatte sich Zugang zu einem Entwickler-iPhone seines Mitbewohners verschafft und Prosser dann mit detaillierten Informationen zu iOS 26 und Liquid Glass versorgt. Apple behandelt den Fall deshalb nicht als gewöhnlichen Leak, sondern als widerrechtliche Aneignung durch Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen.


Ramacciotti kooperiert, Prosser verzögert
Der aktuelle Stand zeigt klare Unterschiede in der Strategie zwischen den beiden Beklagten. Ramacciotti kooperiert nach Gerichtsangaben vergleichsweise weitgehend. Er hat zusätzliche Geräte zur forensischen Prüfung übergeben, will seine Antworten ergänzen und sich erneut vernehmen lassen. Bei Prosser läuft es für Apple deutlich beschwerlicher. Laut dem gemeinsamen Statusbericht hat er zwar einige Unterlagen geliefert, aber auf manche Anfragen nur unvollständig und auf andere gar nicht reagiert. Apple sagt deshalb, dass noch immer Material fehlt, um den gesamten Umfang des Vorfalls zu verstehen. Vor einigen Monaten war deswegen sogar ein Versäumniseintrag erfolgt, da Prosser keine Stellungnahmen abgab.

Apple fordert vollständige Offenlegung
Inzwischen hat Prosser einem aktuellen Bericht zufolge signalisiert, mit seinem Anwalt zu versuchen, diesen Schritt wieder aufheben zu lassen. Gleichzeitig will Apple gerichtlich erzwingen, dass Prosser die noch ausstehenden Unterlagen und Aussagen liefert. Apple möchte eine vollständige Rekonstruktion, welche internen Informationen auf dem Gerät zugänglich waren, was davon abgegriffen wurde und ob noch weiteres vertrauliches Material außerhalb der Kontrolle des Unternehmens kursiert. Der schleppende Verlauf kann den Eindruck erwecken, Prosser halte noch Informationen zurück. Belegt ist bislang aber nur, dass Apple seine Mitwirkung als unvollständig ansieht – und daher mehr Offenlegung zu erzwingen ersucht.

Kommentare

System 6.0.1
System 6.0.115.04.26 12:29
Ah! Apple erhöht den Preis fürs „leaken“! Sehr kluger Zug. Das rundet auch mein Bild zu diesem Phänomen ab. Ich spekuliere mal:

Leaker sind für Apple grundsätzlich wertvoll, denn Apple wäre (mit voller Absicht) ohne Leaker in einer unbefriedigenden Situation. Apples Linie seit mindestens 1990 ist:

Was Apple nicht offiziell vorgestellt hat, gibt es nicht.

Jeder weiß, das kann nicht stimmen. Das hat aber den gewaltigen Vorteil, das ungelegte Eier, seien es neue Produkte, Entwicklungen oder schwierige/falsche Firmenentscheidungen, ungelegt bleiben können. Wir haben kaum eine Ahnung was in Cupertino tatsächlich vorgeschlagen, geplant oder gerade entwickelt wird.

Diese Firmenpolitik hat aber Nachteile:

1. Wo es keine Informationen gibt, wachsen überall die wildesten Spekulationen wie doof ins Kraut.
2. Wenn es tatsächlich ausschließlich die Infos von Apple gäbe, wäre Apple den meisten Teil des Jahres nicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Marketing-Manager würden Amok laufen!

Die Lösung hat Apple (möglicherweise) selber installiert:

Inoffiziell von Apple qualifiziert Leaker (wie Mark Gurman), deren Arbeit von Apple nur in absoluten Ausnahmefällen kommentiert wird.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

1. Gurman & Co. geben qualitativ hochwertige „Vorraussagen“ und „Ankündigungen“ preis, die Apple weder bestätigt noch dementiert (Ausnahmen bestätigen natürlich, wie immer — weiß doch jeder, ist ja klar— die Regel.)
2. Weil die Gurmans dieser Welt „sich auch mal täuschen können“, sind Korrekturen von Apples geplantem Kurs (und damit der „Leak“) gesichtswahrend möglich. Es hat sich immer der Leaker geirrt (siehe Apples Linie weiter oben).
3. Weil diese inoffiziell-offiziellen Leaker extrem gute Arbeit abliefern, ja geradezu perfekt kalibrierte Glaskugeln zu besitzen scheinen, sind die „Spinner mit Meinung“, also Leute, die von eigenen Gnaden mit der Fähigkeit gesegnet sind, immer genau zu wissen was „Apple gerade will, macht, plant, nicht macht, nicht plant, auf gar keinen Fall niemals macht (das wollten die noch nie!), you-name-it“ — also diese Deppen werden dann kaum noch ernst genommen. Also überwiegend, meistens … egal.

Und Apple muss Menschen wie Mark Gurman nicht mal bezahlen! Die machen ihre „Prognosen“ einfach selber zu Geld.

Womit wir bei Jon Prosser sind.

Ich weiß nicht (woher auch, ich fabuliere hier ja nur) ob Jon Prosser zu den inoffiziell-offiziellen Leakern gehört. Ist ja auch egal. Denn wenn das so wäre, dann hat sich das gerade geändert.

Wenn Prosser nicht zu den Gurmans in Apples Dunstkreis gehörte, dann hat er sich gerade massiv verhoben. Oder er ist in Ungnade gefallen, und dann passiert, was jedem der Gurmans passiert, wenn sie sich nicht an die „Spielregeln“ halten: Sie verlieren alles.

Und jetzt mal im Ernst, wenn das wirklich so wäre, wie ich es hier beschreibe, dann wäre das eine geniale Lösung um:

· inoffizielle Ankündigungen oder Testballons zu platzieren,
· mit einer strikten Nachrichtenpolitik trotzdem in der Presse zu bleiben,
· den Leuten was zum Spekulieren geben, und die Ergebnisse nutzen zu können (siehe auch →Stimmungsbild aufnehmen),
· Fehlplanungen von Apples weißer Weste fernzuhalten,
· und wahrscheinlich hunderte weiterer kleine Vorteile.

Und wird einer der externen Schreibknechte frech oder gierig … Sie Artikel ganz oben auf dieser Seite.

Genial, oder? Und dazu vollkommen legal, selbst in den USA!

PS: Die Realität zeigt, dass Apple dann und wann trotzdem in Erscheinung tritt. Aber das bestätigt meine Vermutung nur, widerlegt sie aber nicht.

„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+4
Bitsurfer15.04.26 19:58
Ist wie mit dem Fold. Seit Jahren geistert es schon rum und auch hier wird fröhlich mit Stöckchen gespielt.
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