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Der Apple-Aktien-Thread (März 2020)

macbeutling
macbeutling01.03.2008:40
Hallo zusammen und willkommen im (verdammt, was war das denn für ein Monat) März.

Puh, erstmal durchschnauffen: dies ist mein erste Aktien-Thread als (jedenfalls im Moment) nicht-AAPL-Aktionär.
Nach den ersten Berichten über das Virus in China, die Quarantäne einer Millionen-Metropole, Apples-Gewinnwarnung, dem darauffolgenden V im Kurs hatte ich mich ja vor 2 Wochen entschlossen, kurz vor unserem ersten AAPL-Akten-Thread-Treffen (das übrigens legendär war), mich komplett von allen Aktien zu trennen.

Was damals ein guter Schritt erschien, ist mittlerweile zu einem sehr guten Schritt geworden.
Seit dem unterliegt der Kurs einem wildem hoch und runter. Alleine am Freitag waren in der Spitze Fluktuationen von 20 Dollar in der Spitze zu sehen. Hätte man das gut abgepasst, wäre eine schöne Rendite drin gewesen.

Wenn aber nicht....

So, wo stehen wir, wo gehen wir hin?

AAPL schloss am Freitag mit einem Minus von 0,06% und damit fast unverändert zum Vortag.
Einige Analysten von CNBC sagten bei 297$ schon, dass der Boden nun erreicht sei....nun, Freitag waren es 273$.
Es mag sein, dass es nun ein wenig hin und her geht, ich verweise aber weiterhin auf den Conference Call im April, vor dem ich nicht wieder kaufen würde.
In der Spitze hat Apple nun seit seinem Hoch von 301€ rund 20% seines Wertes verloren.
Ist das schon das Maximum einer Korrektur?

Ich glaube noch nicht.

Mein Hauptargument, und da habe ich mich von Weia überzeugen lassen, ist, dass die Kursrückgänge bislang nicht durch Daten der Firmen Unterstützung fanden. Ich denke aber, dass dies noch kommen wird und das wir es dann mit einem weiteren Rückgang der Kurse zu tun haben werden, in deren Abwärtssog auch AAPL geraten wird.

Interessant ist, dass 2 meiner Hauptkriterien, die für eine pessimistische Prognose sprechen, ja eingetreten sind:

1.) Apple schließt Stores (wenn auch aus gesundheitlichen und nicht finanziellen Gründen, aber das lassen wir mal dahingestellt) und
2.) der Kursrückgang ist durch negative Zahlen/Ausblicke begründet.

Beides ist nun eingetreten, lassen wir mal ausser Acht, WARUM sondern fokussieren uns nur auf die Tatsache an sich.
Liesst man sich durch die AAPL-gewichtete Börsenberichterstattung, so sieht das alles nach beschwichtigen, schönreden und Durchhalteparolen aus. Das beruhigt aber nicht, wenn das Depot plötzlich um 20% weniger wert ist.
Ich musste mir in einem anderen Forum sogar vorwerfen lassen, dass ich ja kein richtiger Investor sei, da ich verkauft hätte.....na, dann ist das eben so.

Ich bin ja auch nach wie vor der Meinung, dass Apple am Ende dieser Geschichte wieder sehr gut dastehen wird, das Geschäftsmodell ist weiterhin in Ordnung.
Wenn sie es schlau anstellen, können sie sogar richtig viele Aktien zu nun vergünstigten Kursen nachkaufen, dass wird Investoren freuen.
Bis dahin werden aber noch einige Monate ins Land gehen.
Auch denke ich, dass die gravierenden Folgen dieser Epidemie wirtschaftlich noch nicht abzusehen sind und sehr wahrscheinlich auch Einfluss auf weitere Umsätze haben werden.

Seit Jahren reden alle davon, dass die Blase platzt und die Korrektur vor der Tür steht.
Ich bin ja ein Freund von Gründen und muss sagen: voilá, hier ist der Grund.

Durch das nachbarliche Plus am Freitag sehe ich in der ersten hälfte der neuen Woche ein wenig Beruhigung auf die Aktie zukommen. Wer bislang verkaufen wollte, hat das nun getan. Die Panik dürfte ein wenig abflachen.
Sollten allerdings weitere schlechte Nachrichten bezüglich der Epidemie auf uns zurollen, könnte sich das weiter verselbstständigen.

Wie auch immer: passt auf euere Depots auf, wenn ihr tradet, arbeitet mit einem engen stopp-loss oder seid euch klar darüber, dass es länger dauern kann, bis die Kurse wieder oben sind.

Alsdann, viel Spaß im März.
„Glück auf🍀“
+4

Kommentare

macscout
macscout27.03.2012:41
Weia
[...]
All das führt zu keiner sonderlichen Aufregung.

Aber so ein banales Virus führt zu solchen Reaktionen? Das kann ich nicht nachvollziehen.

Woher willst Du wissen, dass das bei mir nicht zu sonderlicher Aufregung führt?
Aber es führt zu Empörung, auch zu Handlungen, aber nicht zu Angst. Und wenn ich mir vorstelle, dass nach diesem Wochenende alleine New York China und alle anderen Länder überholt haben wird, und da drüben ein Clown die Entscheidungen trifft, kann ich nicht so entspannt sein wie Du.
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Weia
Weia27.03.2015:12
rosss
Ob das Virus banal ist bezweifle ich.
Ich meinte das sozusagen in einem moralischen Sinne. Alle von mir angeführten Punkte habe mit Schuld zu tun, die, wie macscout es genannt hat, das „große Ganze“ des gesellschaftlichen Zusammenhangs gefährden kann, weil es die Menschen in Täter und Opfer dividiert.

Aber das Coronavirus ist eine Laune der Natur, es ist nicht „böse“, es ist einfach da. Natürlich stellt es vor gewaltige medizinisch-logistische Aufgaben. Aber die sind sozusagen pragmatischer Natur; wenn es vorbei ist, ist es vorbei; es bedarf keiner gesellschaftlichen Abrechnung, weswegen ich die Gefährdung auch nicht sehe.

Aber wir müssen natürlich aufpassen, dass die Krisenbewältigungsstrategien nicht bestimmte gesellschaftliche Gruppen gegenüber anderen unvertretbar bevorzugen/benachteiligen, so dass es dadurch doch noch zu einer gesellschaftlichen Teilung kommt.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
0
Weia
Weia27.03.2015:15
macscout
Woher willst Du wissen, dass das bei mir nicht zu sonderlicher Aufregung führt?
Ich bezog das doch nicht konkret auf Dich. Gesamtgesellschaftlich hält sich die Aufregung sicherlich in Grenzen.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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rosss27.03.2019:11
Weia
Aber wir müssen natürlich aufpassen, dass die Krisenbewältigungsstrategien nicht bestimmte gesellschaftliche Gruppen gegenüber anderen unvertretbar bevorzugen/benachteiligen, so dass es dadurch doch noch zu einer gesellschaftlichen Teilung kommt.

Aber genau das passiert ja gerade. Die einen machen noch mehr oder weniger vergnügt HomeOffice, während anderen der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Je größer das Unternehmen, desto einfacher ist es natürlich staatliche Hilfen zu beantragen. Je kleiner, desto problematischer ist alleine schon den Überblick zu erarbeiten – und die Abwägung, einen weiteren günstigen Kredit zu beantragen, wenn noch gar nicht absehbar ist, ob die Kundschaft nach der Krise (wann genau wird das sein?) wieder zurückkommt? Wer klein ist aber gut vorsorgen konnte und Rücklagen gebildet hat, der wird außer Umsatzeinbrüchen genau gar nichts an staatlicher Hilfe bekommen.

[pragmatismus] Wo kann ich mir günstig eine Bankbetriebsgenehmigung… ähm… beschaffen? Ich plane die Gründung einer insolventen Privatbank, dann können die lieben Steuerzahler mich und meinen Bonus retten. [/zynismus]
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Weia
Weia28.03.2001:54
rosss
Weia
Aber wir müssen natürlich aufpassen, dass die Krisenbewältigungsstrategien nicht bestimmte gesellschaftliche Gruppen gegenüber anderen unvertretbar bevorzugen/benachteiligen, so dass es dadurch doch noch zu einer gesellschaftlichen Teilung kommt.
Aber genau das passiert ja gerade. Die einen machen noch mehr oder weniger vergnügt HomeOffice, während anderen der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Je größer das Unternehmen, desto einfacher ist es natürlich staatliche Hilfen zu beantragen. Je kleiner, desto problematischer ist alleine schon den Überblick zu erarbeiten – und die Abwägung, einen weiteren günstigen Kredit zu beantragen, wenn noch gar nicht absehbar ist, ob die Kundschaft nach der Krise (wann genau wird das sein?) wieder zurückkommt?
Nein, ich sehe nicht, dass das gerade schon passiert. Unterschiedliche Biographien haben unterschiedliche Risikoprofile; die kann eine staatliche Maßnahme nicht völlig egalisieren und ich denke auch nicht, dass das eine staatliche Aufgabe wäre. Die generelle Absicht der jetzigen Maßnahmen ist doch aber sehr wohl, allen Betroffenen zu helfen und nicht nur ausgewählten Gruppen; wie gut das gelingt, muss man sehen und ggf. halt nachbessern. Aber grundsätzlich ist das alles noch harmlos; da sehe ich den gesellschaftlichen Zusammenhang nicht gefährdet.

Dazu müsste es schon deutlich schlimmer kommen. Aber das könnte es natürlich, wenn sich die Pandemie partout nicht in den Griff bekommen lassen sollte.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
-1
pünktchen
pünktchen28.03.2010:09
Weia
Unterschiedliche Biographien haben unterschiedliche Risikoprofile; die kann eine staatliche Maßnahme nicht völlig egalisieren und ich denke auch nicht, dass das eine staatliche Aufgabe wäre.

Der Staat macht es doch aber gerade zu seiner Aufgabe die grossen Risiken welche angeblich grosse Renditechancen rechtfertigen zu übernehmen. Ist halt wie immer im Kapitalismus: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Deshalb sind Aktien auch so eine lohnende Anlage.
+3
Dante Anita28.03.2019:58
Tja, Amerika ist schon Nr. 1 bei den Coronavirus-Fällen. Spanien: totale Ausgangssperre ab Montag, Wirtschaft komplett herunter gefahren, 6.000 Tote.

Trump steht das schlimmste erst bevor.
+1
Der echte Zerwi28.03.2020:25
Ich befürchte dass Trump auch dieses Mal nicht über seine Unfähigkeit stolpert.
+1
Dante Anita28.03.2020:54
Ich traue ihm ja tatsächlich zu unzählige Menschenleben zu opfern, Hauptsache die Wirtschaft leidet nicht. Aber irgendwann wird diese Strategie kippen, wenn die ersten Prominenten unter den Opfern sind, wenn jeder jemanden kennt der betroffen ist usw....schließlich will er wiedergewählt werden.
0
adiga
adiga28.03.2021:46
Der echte Zerwi
Ich befürchte dass Trump auch dieses Mal nicht über seine Unfähigkeit stolpert.
Könnte durchaus sein, in Krisenzeiten schart sich das Volk immer hinter den Präsidenten. Es muss schon sehr schlimm kommen, dass sich das Volk abwendet in einer solchen Situation.
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Weia
Weia28.03.2022:35
pünktchen
Weia
Unterschiedliche Biographien haben unterschiedliche Risikoprofile; die kann eine staatliche Maßnahme nicht völlig egalisieren und ich denke auch nicht, dass das eine staatliche Aufgabe wäre.
Der Staat macht es doch aber gerade zu seiner Aufgabe die grossen Risiken welche angeblich grosse Renditechancen rechtfertigen zu übernehmen.
Die Kritik konnte ich 2008/9 verstehen, aber nicht jetzt. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass die jetzt beschlossenen Maßnahmen bestimmte Gruppen bevorzugen. Welche denn und inwiefern? Der Kündigungsschutz z.B. hilft primär Privatleuten, und zwar den weniger vermögenden (und daher keine Immobilien besitzenden).

Dass Einzelne aufgrund von Klugheit oder Glück besser dastehen als andere, das ist doch in allen Bereichen so. Das gilt für große Unternehmen, kleine Unternehmen und Privatleute und lässt sich durch kein Gesetz der Welt nivellieren.
Ist halt wie immer im Kapitalismus: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.
Könnte es sein, dass Du bezüglich der augenblicklichen Situation in diese Aussage 80% ideologische Brille und 20% empirische Beobachtung einfließen lässt?
Deshalb sind Aktien auch so eine lohnende Anlage.
Da sehe ich keine direkte Verbindung. Außerdem sind Aktieninvestitionen doch gelebte Marx’sche Utopie.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+2
Weia
Weia29.03.2018:15
pünktchen
Weia
Allerdings höre ich immer noch vereinzelt Stimmen, die davon sprechen, dass der Markt im Mai oder Juni neue Allzeithochs machen wird.

🤪

Auf eine gewisse Erholung hoffe ich ja auch aber das ist doch einfach komplett bescheuert.
… und wird vielleicht genau deshalb passieren.

Die Statistiken von diesem Wochenende waren alle sehr bullish. Die Stimmung ist jetzt rundum beschissen, von neuen Hochs redet niemand mehr, die Insider kaufen wie verrückt und jede Menge anderer technischer Indikatoren sehen sehr sehr gut aus.

Ein noch in Entwicklung befindlicher und daher mit großer Vorsicht zu genießender mathematischer Algorithmus, so eine Art Fourier-Analyse der Aktienkurse mit bislang erstaunlichen Ergebnissen, legt in der Tat neue Allzeithochs nahe – eher im April oder Mai als im Juni. Ausschließen würde ich das nach den neuesten Statistiken jedenfalls nicht, auch wenn es sicher nicht die wahrscheinlichste Variante ist.

Aber immerhin: Die Bullen rechnen damit, dass der Markt zumindest langsam wieder steigen kann, wenn er nochmal sein Tief von Anfang letzter Woche getestet hat. Die Bären meinen, er wird diesen Test nicht bestehen und weiter fallen. Dass er jetzt einfach weiter steigt, damit scheint mittlerweile niemand mehr zu rechnen. Und insofern muss man diese Möglichkeit jetzt ernst nehmen.

Achtet auf AMZN. Diese Aktie ist jetzt nur noch 5% von ihrem Zwischenhoch bei 1996,33$ entfernt. Wenn sie das übersteigt, ist eine Abwärtsbewegung mit nur 2 Schüben nach unten abgeschlossen, die ab dann als Korrektur im Aufwärtstrend gelten muss und neue Höchstkurse für AMZN wahrscheinlich macht. Und falls AMZN das schafft, zieht die Aktie möglicherweise den Gesamtmarkt nach, zumindest die Blue-Chip-Indizes.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+1
Weia
Weia29.03.2018:39
Dante Anita
Ich traue ihm ja tatsächlich zu unzählige Menschenleben zu opfern, Hauptsache die Wirtschaft leidet nicht.
„die Wirtschaft“ klingt immer so abstrakt, als sei das der „Luxus der Bonzen da oben mit ihren Jachten“.

Jachten (oder allgemein: Reichtum und Luxus) gegen Menschenleben aufzurechnen wäre pervers, das ist sicher richtig. (Tun wir Europäer aber trotzdem laufend, insofern wir lieber Menschen zu Tausenden jämmerlich im Meer ertrinken lassen als unser im Weltmaßstab superluxuriöses Leben auch nur möglicherweise etwas einschränken zu müssen.)

Aber was, wenn die Wirtschaft aufgrund der Coronavirus-Maßnahmen derart zusammenbräche, dass es zu einer Depression wie 1929ff. führt? Die hat unzählige Menschenleben gekostet (insbesondere unter den Armen), und dass sie möglicherweise zum Ausbruch des 2. Weltkriegs das ihre beigetragen hat, daran darf man gar nicht denken.

So einfach ist das nicht. Es ist ehrenwert, aber nicht trivial zu sagen, das Leben der statistisch primär über 75jährigen jetzt müsse um jeden Preis um einige Jahre verlängert werden, und sei der Preis das Leben unzähliger jüngerer Menschen in nicht allzu ferner Zukunft. Du müsstest Dir erst sicher sein, dass das nicht der Preis sein wird. Und wie willst Du das?
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+1
Catcatcat29.03.2018:45
Weia
die Insider kaufen wie verrückt

Ist das nicht ein bearishes Signal?
0
Weia
Weia29.03.2018:53
Catcatcat
Weia
die Insider kaufen wie verrückt
Ist das nicht ein bearishes Signal?
Nö, die Insider gehören zu den wenigen Gruppen, die von der Tendenz her eher richtig liegen.

Sind ja per definitionem diejenigen, die sehen, wie es um ihr Unternehmen tatsächlich bestellt ist.

Natürlich sind Insider ebenfalls den massenpsychologischen Prozessen unterworfen (und wissen bezüglich Coronavirus nicht mehr als wir). Den besten Indikator bekommt man daher dann, wenn man die Handlungsweisen von Insidern und „Outsidern“ miteinander vergleicht; relativ zu den Outsidern sind die Insider mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit klüger.

Früher hat die NYSE dafür wöchentlich wunderbar vergleichbare Zahlen veröffentlicht, aus denen sich einer der besten Indikatoren überhaupt bauen ließ. Aber 2007 haben die Schufte die Veröffentlichung der Zahlen eingestellt …
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
0
HumpelDumpel
HumpelDumpel29.03.2019:24
Weia
So einfach ist das nicht. Es ist ehrenwert, aber nicht trivial zu sagen, das Leben der statistisch primär über 75jährigen jetzt müsse um jeden Preis um einige Jahre verlängert werden, und sei der Preis das Leben unzähliger jüngerer Menschen in nicht allzu ferner Zukunft. Du müsstest Dir erst sicher sein, dass das nicht der Preis sein wird. Und wie willst Du das?
Wir reden von allein in den USA erwarteten 100 bis 200.000 Toten. Und, wie alt war Warren Buffett noch mal?

Ich verstehe nicht, was in deinem Kopf vorgeht.
0
MKL
MKL29.03.2019:52
HumpelDumpel
Wir reden von allein in den USA erwarteten 100 bis 200.000 Toten. Und, wie alt war Warren Buffett noch mal?

Trump scheint dies als Kollateralschaden für seine Wiederwahl in Kauf zu nehmen.

Und ich verstehe Weia Gedanken, denn „die Börse“ und deren Akteure sind selten sozial denkend.
0
Weia
Weia29.03.2021:53
HumpelDumpel
Wir reden von allein in den USA erwarteten 100 bis 200.000 Toten.
Und das ist ein Argument wofür?

(Und woher nimmst Du diese Zahlen? Von Anthony Faucis Aussage auf CNN? Der hat gleich dazu gesagt, dass er sich auch irren kann, weil alles noch im Fluss sei.)
Und, wie alt war Warren Buffett noch mal?
Womit hat das jetzt was zu tun?
Ich verstehe nicht, was in deinem Kopf vorgeht.
Das ist eine seltsame Formulierung. Ich versuche, die verschiedenen denkbaren Szenarien und moralischen Standpunkte untereinander abzuwägen. Weil das sehr schwierig ist, habe ich zunächst mal nur festgestellt, dass es keine einfachen oder gar eindeutigen Antworten darauf gibt, wie jetzt am besten zu handeln sei. Daraus folgt, dass man einem anderen, und sei es Donald Trump, auch nicht einfach Skrupellosigkeit unterstellen kann, wenn er zu anderen Einschätzungen gelangt als man selbst.

Dein Beitrag klingt ein wenig so, als hätte Dich die Panik gepackt. Die ist aber kein guter Ratgeber.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
0
pünktchen
pünktchen30.03.2018:46
Weia
Aber was, wenn die Wirtschaft aufgrund der Coronavirus-Maßnahmen derart zusammenbräche, dass es zu einer Depression wie 1929ff. führt?

Das lag vor allem an Protektionismus und Austeritätspolitik. Gerade sieht es eher danach aus als würde wieder wie 2008 ordentlich Geld gedruckt werden um genau so einen Ausgang zu verhindern.

Die Massnahmen gegen die Grippepandemie 1918 hingegen hatten keine dramatischen wirtschaftlichen Folgen. Ganz im Gegenteil, wo 1918 das öffentliche Leben stärker eingeschränkt wurde war die wirtschaftliche Lage 1919 besser:


Weia
Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass die jetzt beschlossenen Maßnahmen bestimmte Gruppen bevorzugen. Welche denn und inwiefern?

Die Massnahmen sind ja von Land zu Land unterschiedlich und die Einzelheiten häufig noch unklar. Aber die Geldmengen welche in die Hand genommen werden um Kapitalgesellschaften den Arsch zu retten werden wieder deutlich grösser sein als die Beträge welche zur Unterstützung von Arbeitern (die ausserdem Versicherungsbeiträge gezahlt haben!) oder kleineren Gewerbetreibenden (die scheinbar nicht systemrelevant sind) aufgewandt werden.

Und deshalb boomen dann nachher wieder die Kapitalanlagen und dümpelt der Konsum vor sich. Und Weia kann sich dann wieder über das viel zu hohe KGV beschweren.
0
pünktchen
pünktchen30.03.2018:51
Weia
(Und woher nimmst Du diese Zahlen? Von Anthony Faucis Aussage auf CNN? Der hat gleich dazu gesagt, dass er sich auch irren kann, weil alles noch im Fluss sei.)

Die 100t sind die optimistischste Annahme! Besonders wahrscheinlich ist das nicht, das dürfte eher in die Millionen gehen. Zumindest wenn da nicht deutlich schärfere Massnahmen ergriffen werden und/oder ein Impfmittel rechtzeitig vom Himmel fällt.

Weia
Daraus folgt, dass man einem anderen, und sei es Donald Trump, auch nicht einfach Skrupellosigkeit unterstellen kann, wenn er zu anderen Einschätzungen gelangt als man selbst.

Lol natürlich hat der Psychopath keine Skrupel. Und die Realität ist dem scheissegal, deshalb braucht er auch keine Einschätzungen.
+1
Weia
Weia30.03.2019:46
pünktchen
Weia
Aber was, wenn die Wirtschaft aufgrund der Coronavirus-Maßnahmen derart zusammenbräche, dass es zu einer Depression wie 1929ff. führt?
Das lag vor allem an Protektionismus und Austeritätspolitik. Gerade sieht es eher danach aus als würde wieder wie 2008 ordentlich Geld gedruckt werden um genau so einen Ausgang zu verhindern.
Das stimmt, aber wir wissen nicht, ob es funktioniert. Geschichte wiederholt sich ja nicht 1:1 (das wäre zu einfach), insofern ist die Gefahr nicht gebannt, dass es zu enormen wirtschaftlichen Verwerfungen kommt, weil man wieder irgendwas verkehrt macht oder die Folgen der Einschnitte einfach nicht beherrschbar sind.

Das ist das Problem:
  • Wir wissen nicht, wie viele Todesopfer die Pandemie unter diesen oder jenen Voraussetzungen fordern wird; es gibt nur Hochrechnungen, die auch komplett daneben liegen können.
  • Wir wissen nicht, wie die wirtschaftlichen Folgen unter diesen oder jenen Voraussetzungen sein werden; wir können nur an der (nicht deckungsgleichen) Vergangenheit geschulte Vermutungen anstellen.

Was wir wissen, ist, dass, wenn es schlecht läuft, sowohl eine Pandemie als auch ein wirtschaftlicher Zusammenbruch eine katastrophale Zahl an Menschenleben kosten kann.

Das macht Entscheidungen und Güterabwägungen so schwierig; es ist ein extremer Fall von Handeln unter Ungewissheit.

Es geht nicht um Menschenleben hier oder reiche Bonzen da – das wäre in der Tat zynisch. Es geht um Menschenleben hier oder Menschenleben da.
Die Massnahmen gegen die Grippepandemie 1918 hingegen hatten keine dramatischen wirtschaftlichen Folgen. Ganz im Gegenteil, wo 1918 das öffentliche Leben stärker eingeschränkt wurde war die wirtschaftliche Lage 1919 besser:
Da ging es aber um Einschränkungen, denen zum Trotz die Todesrate in Höhen blieb, die jetzt als gänzlich inakzeptabel gelten.

Niemand beschreitet, dass Einschränkungen ein sehr sinnvoller Weg sein können. Die Frage ist, wie weit man sie treiben kann/soll/darf.

Dennoch ein interessantes Paper – danke für den Link!
Die 100t sind die optimistischste Annahme
… der Pessimisten auf dem Höhepunkt der Hysterie. Eine Gewissheit ist das nicht.
Besonders wahrscheinlich ist das nicht.
Es könnte in der Tat sein, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich geringer sein werden.
Weia
Daraus folgt, dass man einem anderen, und sei es Donald Trump, auch nicht einfach Skrupellosigkeit unterstellen kann, wenn er zu anderen Einschätzungen gelangt als man selbst.
Lol natürlich hat der Psychopath keine Skrupel. Und die Realität ist dem scheissegal, deshalb braucht er auch keine Einschätzungen.
Ad-hominem-Argumente sind nie eine gute Idee, auch jetzt nicht. Eine Einschätzung wird nicht dadurch diskreditiert, dass sie von jemandem geteilt wird, von dem man keine sonderlich hohe Meinung hat (so wie Du von Donald T. ). Das ist bestenfalls ein heuristischer Hinweis, sich die Argumentation gründlicher anzusehen.
Und deshalb boomen dann nachher wieder die Kapitalanlagen und dümpelt der Konsum vor sich. Und Weia kann sich dann wieder über das viel zu hohe KGV beschweren.
Ich habe mich nicht beschwert. Ich habe die AAPL-KGV auf 30!-Träumer darauf hingewiesen, dass auch das ein Hinweis auf einen bevorstehenden starken Markteinbruch ist und auch diesmal nicht alles anders sein wird. Und so war es dann ja auch.

Sollte das für Dich so unvorstellbare Szenario eintreffen, dass die Marktindizes bald neue Allzeithochs machen, dann wäre ein plausibles Szenario das Folgende: Die riesigen Geldmengen, die jetzt ohne Skrupel in den Markt gepumpt werden, lassen die Wirtschaft zunächst kaum bemerkt in einen mittlerweile für ewig totgeglaubten inflationären Kontext kippen und es findet zugleich erneut die von Dir beklagte Fehlallokation statt und treibt die Indizes in das hier diskutierte Blow-Off-Top, weil die Marktteilnehmer, nachdem der Markt selbst die Corona-Krise überstanden zu haben scheint, sich dank FED für endgültig unverwundbar halten. Dann wäre der Corona-Einbruch der „Anlauf“ zu dem Blow-Off-Top gewesen, der die dafür nötige Volatilität schon mal etabliert hat. Wenn der S&P 500 dann auf 4500 geklettert ist, schaut Karl, der Kojote, plötzlich nach unten, und dann wird es richtig bitter.

Ich sage nicht, dass das so kommt. Das Blow-Off-Top ist und bleibt die statistisch unwahrscheinlichere Variante. Aber falls es so kommt, könnte das der massenpsychologische Ablauf dahinter sein.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+1
pünktchen
pünktchen31.03.2000:27
Weia
Es könnte in der Tat sein, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich geringer sein werden.

Sagt wer? Oder sind einfach alle ausser dir hysterische Pessimisten?
Weia
Ad-hominem-Argumente sind nie eine gute Idee, auch jetzt nicht. Eine Einschätzung wird nicht dadurch diskreditiert, dass sie von jemandem geteilt wird, von dem man keine sonderlich hohe Meinung hat (so wie Du von Donald T. ).

Selbst Trump sprach von 100t Toten als optimalem Ergebnis. Mein Punkt ist auch nicht das etwas falsch ist weil es Trump es sagt sondern dass man bei Trump nicht davon ausgehen kann das er irgendwas glaubt was er sagt. Er ist ein Bullshiter, da gelten normale Regeln des Diskurses nicht mehr. Der kann in einem Satz dreimal die Position ändern ohne dass er oder seine Fans darin ein Problem sehen.
Weia
Die riesigen Geldmengen, die jetzt ohne Skrupel in den Markt gepumpt werden, lassen die Wirtschaft zunächst kaum bemerkt in einen mittlerweile für ewig totgeglaubten inflationären Kontext kippen ..

Eine Vermögensinflation haben wir doch schon ewig. Aber halt keine Verbraucherpreisinflation, und die kann es auch nicht geben wenn das gedruckte Geld nicht bei den Konsumenten landet sondern bei den Anlegern.

Allerdings muss das bilanztechnisch vernichtete Geld ja erstmal wieder angehäuft werden um die alten Höhen zu erklimmen. Das geht auch mit massiver staatlicher Unterstützung nicht ganz so fix, deshalb geht es nicht so schnell hoch wie runter denke ich.
+1
Weia
Weia31.03.2000:49
pünktchen
Oder sind einfach alle ausser dir hysterische Pessimisten?
Es sind ja nicht alle außer mir so pessimistisch wie Du.
Selbst Trump sprach von 100t Toten als optimalem Ergebnis.
Ja was jetzt? Soll man Aussagen von Donald Trump nun ignorieren oder nicht?
Mein Punkt ist auch nicht das etwas falsch ist weil es Trump es sagt sondern dass man bei Trump nicht davon ausgehen kann das er irgendwas glaubt was er sagt.
Aber es geht hier doch überhaupt nicht um Trump.

Es geht darum, dass es nicht Skrupellosigkeit sein muss, wenn jemand zu bedenken gibt, dass eine Minimierung von Corona-Toten um jeden Preis, auch gemessen ausschließlich an der Zahl geretteter Menschenleben, ein Pyrrhussieg sein könnte.

Ich will diese Position gar nicht stark machen. Ich will nur stark machen, dass eine sachliche Diskussion darüber möglich sein muss. Und die gibt es nicht, wenn man dem Proponenten ad-hominem-Unterstellungen wie Skrupellosigkeit an den Kopf wirft, begründet damit, dass Donald Trump, dem wiederum Skrupellosigkeit unterstellt wird, auch etwas in diese Richtung gesagt hat. Das ist ein logischer Fehlschluss.
Allerdings muss das bilanztechnisch vernichtete Geld ja erstmal wieder angehäuft werden um die alten Höhen zu erklimmen. Das geht auch mit massiver staatlicher Unterstützung nicht ganz so fix, deshalb geht es nicht so schnell hoch wie runter denke ich.
Fundamental mag das stimmen, aber es lässt die Massenpsychologie außen vor. Ich denke ja auch nicht, dass es so kommt, aber ich habe gelernt, nichts auszuschließen, was laut technischen Indikatoren möglich wäre.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+1
ghost
ghost31.03.2008:54
Wenn mann das ganze völlig emotionslos sieht, müsste man wahrscheinlich einfach weiter machen wie bisher, es sind eh zu viele Menschen auf dem Planet. Aber vielleicht ist das ganze ja eine gute Übung falls mal ein Virus kommt der richtig zur Sache geht. Stellt euch mal vor wie das alles laufen würde wenn der Virus 50% der Infizierten töten würde.
„Der Tag hat 24 Stunden und wenn das nicht reicht nehmen wir eben die Nacht dazu..."“
+1
pünktchen
pünktchen31.03.2010:01
Weia
Es sind ja nicht alle außer mir so pessimistisch wie Du.

Ja nenn doch mal irgendwelche Epidemiologen welche deutlich weniger als 100t Tote für die USA für ein irgendwie realistisches Szenario halten. Ich finde nämlich keine.

Weia
Ja was jetzt? Soll man Aussagen von Donald Trump nun ignorieren oder nicht?

Natürlich sollte man das. Ist hier aber irrelevant weil nicht mal der Bullshitter in Chief noch denselben Optimismus verbreitet wie du.

Weia
Es geht darum, dass es nicht Skrupellosigkeit sein muss, wenn jemand zu bedenken gibt, dass eine Minimierung von Corona-Toten um jeden Preis, auch gemessen ausschließlich an der Zahl geretteter Menschenleben, ein Pyrrhussieg sein könnte.

Könnte täte tun. Wenn wir jetzt alle zuhause bleiben haben wir bald Jahr nichts mehr zu essen und müssen alle sterben. Tatsächlich geht es aber in der Diskussion eher um eher banale Einschränkungen und ob wir bereit sind ein Jahr auf vielleicht 5% BSP zu verzichten um Leben zu retten. Niemand verlangt dafür jegliche wirtschaftliche Aktivität einzustellen, das ist ein Strohmann.


ghost
Aber vielleicht ist das ganze ja eine gute Übung falls mal ein Virus kommt der richtig zur Sache geht.

Deshalb sind die Länder in Ostasien ja auch besser vorbereitet weil sie schon SARS nicht nur aus der Ferne durften.
+1
rosss31.03.2013:29
ghost
…Aber vielleicht ist das ganze ja eine gute Übung falls mal ein Virus kommt der richtig zur Sache geht.

Das ist auch meine Hoffnung: Dass hinterher eine neue Rechnung aufgemacht wird, ob es sich lohnt ein paar Millionen € pro Jahr im Gesundheitssystem zu sparen.

ghost
Stellt euch mal vor wie das alles laufen würde wenn der Virus 50% der Infizierten töten würde.

Es wäre schon sehr anders, wenn alle Altersschichten gleich stark betroffen wären.

50% wäre schon sehr hoch gegriffen, ohne gute medizinische Versorgung aber durchaus denkbar. Die Pest soll im Mittelalter etwa 30% der Europäer getötet haben – ich kann mir aber vorstellen, dass es wesentlich mehr gewesen wären, hätte es damals schon so dicht bevölkerte Städte wie heute gegeben.
0
macscout
macscout31.03.2014:35
rosss
50% wäre schon sehr hoch gegriffen, ohne gute medizinische Versorgung aber durchaus denkbar. Die Pest soll im Mittelalter etwa 30% der Europäer getötet haben – ich kann mir aber vorstellen, dass es wesentlich mehr gewesen wären, hätte es damals schon so dicht bevölkerte Städte wie heute gegeben.

ghost sagte nicht 50% der Bevölkerung, sondern 50% der Infizierten. Das wäre wirklich schlimm. So ist für viele die Gefahr einer Ansteckung nicht so bedrohlich, weil sie denken, dass sie das schon gut überstehen werden. Wie groß wäre die Angst, wenn man nur eine 50:50-Chance hätte. Dann würde niemand mehr draußen sein, und einkaufen wäre der Horror. Und die Schlacht um die Vorräte würde vermutlich vollkommen eskalieren. Ich mag mir das gar nicht vorstellen. Da waren die Anfeindungen gegenüber Menschen mit auswärtigem Kennzeichen in MVP und SH ein kleiner Vorgeschmack. Eine Maßnahme, die mehr geschadet als genützt hat. Das führt zur Spaltung in einem Moment, wo Zusammenhalt gefragt wäre. Politisch sehr ungeschickt.
0
Weia
Weia31.03.2014:57
pünktchen
Weia
Es sind ja nicht alle außer mir so pessimistisch wie Du.
Ja nenn doch mal irgendwelche Epidemiologen welche deutlich weniger als 100t Tote für die USA für ein irgendwie realistisches Szenario halten. Ich finde nämlich keine.
Warum sollte ich Dir ausgerechnet Epidemiologen nennen? Ich ziehe ja auch keine Wirtschaftswissenschaftler zu rate, wenn ich wissen will, was an der Börse geschehen wird. Und mein Zahnarzt wäre der letzte, den ich fragen würde, wie oft ich mir die Zähne putzen soll. Wenn es nach dem ginge, müsste ich jeden Tag dreimal die Zähne putzen oder hätte schon lange keine mehr. Beides ist nicht der Fall.

Ein Epidemiologe extrapoliert die jetzigen Steigerungsraten ceteris paribus (also unter Annahme konstanter Rahmenbedingungen, für die er wiederum kein Experte ist) und natürlich fokussiert er auf die Gefahren in seinem Fachgebiet, die entsprechend übergroß scheinen.

Da gewichte ich stärker, was mir die Kursentwicklung an der Börse signalisiert.

Wie auch immer, vielleicht haben die Pessimisten ja recht. Aber wenn ich auch mal emotional werden darf: Ich kann dieses Rumgejammere nicht mehr hören, das ist für mich so unerträglich heuchlerisch. Jetzt plötzlich heißt es, niemals dürfe auch nur ein einziges Menschenleben gegen schnöden Mammon aufgerechnet werden. Wo waren denn diese Stimmen, als wir zu Tausenden Menschen im Meer ersaufen ließen, weil angeblich unsere Wirtschaft durch zu viele Flüchtlinge „gefährdet“ würde (vielleicht eventuell potentiell)? Für welchen Bruchteil des Geldes, das jetzt mit der „Bazooka“ (was für ein Wort!) in den Markt gepumpt wird, hätten wir all diese Menschen aufnehmen und ihnen ein neues Zuhause geben können?

Sorry, aber eine Gesellschaft, die moralisch Unsägliches wie die Bombardierungen von Krankenhäusern hinnahm, die Flüchtenden abwies und jetzt wegen einem blöden, moralisch völlig neutralen Virus so ein Geschrei veranstaltet, die kann ich nicht ernst nehmen, vor allem, wenn sie sich auch noch christlich nennt.

Ich habe seit Jahrzehnten in keine Bibel mehr geschaut, aber das ging doch in etwa so:
Neuestes Testament
Und siehe, da kamen die Beladenen, die Mühseligen, die Gepeinigten an Leib und Seele. Und sie streckten die Hand aus und flehten um Hilfe. Doch die Hartherzigen erhörten sie nicht und sprachen: Nicht sollst Du sitzen an meinem Tisch, nicht schlafen in meinem Haus, denn ich bin mir gerade genug. Was kümmert mich Dein Leid?

Und Gott der Herr sah das. Und er ward sehr zornig und sprach: Die Ihr habet fahren lassen ohne Hoffnung, dies alles waren meine Kinder, ein jedes für sich. Was Ihr einem von ihnen tatet, das tatet Ihr mir. Und ich will eine Plage über Euch kommen lassen, nicht sollt Ihr sicher mehr sein an Eurem Tisch, in Eurem Haus, das Ihr solch hohen Mutes verweigert. Und es soll geben großes Heulen und Zähneklappern an jedem Ort und Ihr sollt gedenken der Beladenen immerdar.
So oder so ähnlich war das doch, oder? Also Ärmel hochkrempeln, solidarisch zusammenstehen, aber endlich aufhören so zu tun, als sei das jetzt etwas ganz besonders Schlimmes, was uns widerfährt. Und wenn es vorbei ist, vielleicht endlich mal was gegen die wirklich schlimmen Probleme tun.

<emotionaler Ausbruch off>
Tatsächlich geht es aber in der Diskussion eher um eher banale Einschränkungen und ob wir bereit sind ein Jahr auf vielleicht 5% BSP zu verzichten um Leben zu retten.
Dagegen sagt doch niemand was.
Niemand verlangt dafür jegliche wirtschaftliche Aktivität einzustellen, das ist ein Strohmann.
Die Gefahr ist kein Strohmann. Man muss ja nicht verlangen, die Aktivität einzustellen, wenn sie das ganz von selbst tut, weil man an anderer Stelle etwas falsch gemacht hat.

Sich darauf zu berufen, dass man doch „bloß“ die Wirtschaft beschädige, um die plötzlich heiligen Menschenleben, die bislang so schnurzpiepegal waren, zu retten, ist jedenfalls naiv. Mein Gefühl ist eher, dass das alles Rationalisierungen sind für die Angst um die eigene Haut, die viele offenbar plötzlich bekommen. Und dann ist es natürlich stimmig, auf einmal Menschenleben so hoch zu gewichten und die dagegen fern scheinende Gefahr zukünftiger wirtschaftlicher Einbrüche zu marginalisieren, so wie man zuvor das Leben der Flüchtlinge marginalisiert hat, weil es so viel ferner schien als das eigene wirtschaftliche Wohlergehen.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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macscout
macscout31.03.2017:13
Weia
Sich darauf zu berufen, dass man doch „bloß“ die Wirtschaft beschädige, um die plötzlich heiligen Menschenleben, die bislang so schnurzpiepegal waren, zu retten, ist jedenfalls naiv. Mein Gefühl ist eher, dass das alles Rationalisierungen sind für die Angst um die eigene Haut, die viele offenbar plötzlich bekommen. Und dann ist es natürlich stimmig, auf einmal Menschenleben so hoch zu gewichten und die dagegen fern scheinende Gefahr zukünftiger wirtschaftlicher Einbrüche zu marginalisieren, so wie man zuvor das Leben der Flüchtlinge marginalisiert hat, weil es so viel ferner schien als das eigene wirtschaftliche Wohlergehen.

Ich weiß nicht, an wen sich das richtet, aber die ENTSCHEIDUNG, die Wirtschaft zu beschädigen, haben nicht WIR getroffen, weil wir Angst um unsere Haut haben. Diese Entscheidungen werden von Politikern getroffen, ebenso wie die Entscheidungen, mit fragwürdigen Regierungschefs noch fragwürdigere "Deals" einzugehen oder Flüchtlinge im Meer ersaufen zu lassen. Die fehlende Empörung ist unser Ding, definitiv!
Und was steht hinter den Entscheidungen von Politikern? Machterhalt. So wichtig wie momentan waren Politiker ja schon lange nicht mehr. Da muss man sich den Innenminister von MVP nur mal ansehen, wenn der vor der Kamera steht. Der genießt das deutlich sichtbar in vollen Zügen, wirklich gruselig. Aber ein Söder genauso. Für den ist das Virus der Weg ins Kanzleramt.
Was die Wissenschaftler angeht, so empfehle ich den gestrigen Podcast von Drosten, der erklärt sehr glaubwürdig, was diese plötzliche Präsenz für einen Vollblut-Wissenschaftler bedeutet.
https://www.ndr.de/nachrichten/info/24-Wir-muessen-weiter-ge duldig-sein,audio660754.html
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macscout
macscout31.03.2017:14
macscout
Weia
Sich darauf zu berufen, dass man doch „bloß“ die Wirtschaft beschädige, um die plötzlich heiligen Menschenleben, die bislang so schnurzpiepegal waren, zu retten, ist jedenfalls naiv. Mein Gefühl ist eher, dass das alles Rationalisierungen sind für die Angst um die eigene Haut, die viele offenbar plötzlich bekommen. Und dann ist es natürlich stimmig, auf einmal Menschenleben so hoch zu gewichten und die dagegen fern scheinende Gefahr zukünftiger wirtschaftlicher Einbrüche zu marginalisieren, so wie man zuvor das Leben der Flüchtlinge marginalisiert hat, weil es so viel ferner schien als das eigene wirtschaftliche Wohlergehen.

Ich weiß nicht, an wen sich das richtet, aber die ENTSCHEIDUNG, die Wirtschaft zu beschädigen, haben nicht WIR getroffen, weil wir Angst um unsere Haut haben. Diese Entscheidungen werden von Politikern getroffen, ebenso wie die Entscheidungen, mit fragwürdigen Regierungschefs noch fragwürdigere "Deals" einzugehen oder Flüchtlinge im Meer ersaufen zu lassen. Die fehlende Empörung ist unser Ding, definitiv!
Und was steht hinter den Entscheidungen von Politikern? Machterhalt. So wichtig wie momentan waren Politiker ja schon lange nicht mehr. Da muss man sich den Innenminister von MVP nur mal ansehen, wenn der vor der Kamera steht. Der genießt das deutlich sichtbar in vollen Zügen, wirklich gruselig. Aber ein Söder genauso. Für den ist das Virus der Weg ins Kanzleramt. Aber da geben sie sich alle nichts ...

Was die Wissenschaftler angeht, so empfehle ich den gestrigen Podcast von Drosten, der erklärt sehr glaubwürdig, was diese plötzliche Präsenz für einen Vollblut-Wissenschaftler bedeutet.
https://www.ndr.de/nachrichten/info/24-Wir-muessen-weiter-ge duldig-sein,audio660754.html
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Weia
Weia31.03.2019:39
macscout
Ich weiß nicht, an wen sich das richtet
Primär an diejenigen, die jedem, der auch nur versucht abzuwägen, sofort Skrupellosigkeit oder Schlimmeres unterstellen.

Es gab vor einigen Tagen einen Bericht in Spiegel online über einen texanischen, republikanischen, alten Politiker, der im Zusammenhang mit der Frage nach der Balance zwischen Leben gefährden und Wirtschaft zum Einsturz bringen sagte, er würde lieber ein höheres gesundheitliches Risiko für sich eingehen als ein höheres Risiko für das zukünftige Wohlergehen seiner Kinder und Enkel.

Ich kenne mehrere alte Menschen (keine Politiker, nicht reich, teils weiblich, …), die Ähnliches sagen würden.

Schon der Spiegel-Artikel war (leider) sehr tendenziös, so nach dem Motto Völlig abgedrehter US-Politiker … Texaner und Republikaner, das kann ja nicht gut gehen.

Aber so richtig schlimm fand ich die Leserbriefe. Die hatten fast alle Schaum vor dem Mund, dieser alte weiße Mann würde das Leben der Menschen an die Wirtschaft verkaufen wie üblich bei den Kapitalisten, und überhaupt sei sein Argument wohlfeil, denn er selbst trage sowieso keinerlei Risiko, weil er ja reich sei und sich die besten Ärzte leisten könnte. Und alle waren 100% von sich überzeugt, auf der moralisch richtigen Seite zu stehen, nie wieder Euthanasie.

Das fand ich richtig schlimm. In einer derart aufgepeitschten Stimmung kann ein sachlicher Diskurs überhaupt nicht mehr stattfinden. Deswegen wehre ich mich auch gegen das schon zur Meme geronnene Trump-Bashing, so wenig ich diesen Mann mag. Aber meine Vorstellung von Demokratie und sachlicher Entscheidungsfindung ist eine andere.

Interessanterweise hat auch der Spiegel am Wochenende dann etwas gegengesteuert. Erst gab es ein Interview mit dem Altliberalen Klaus Kinkel, der in der Sprache der Juristen eine Güterabwägung fordern durfte, was weniger Angriffsfläche als Kapitalistensau bot, und dann gab es sogar einen (leider dünnen) Leitartikel, der die in dem Texaner-Artikel noch als abseitig charakterisierte Frage des moralischen Dilemmas aufwarf. Da gab es zwar sofort wieder diejenigen Kommentare, die schon empört ablehnen, auch nur die Frage zu stellen, aber auch andere Stimmen.

Das scheint mir wichtig, denn wenn wir nicht nur nicht das Glück haben, dass das Ganze weit weniger schlimm wird als befürchtet (was ich nach wie vor als Möglichkeit sehe), sondern es sogar richtig schlimm wird, dann werden wir als Gesellschaft irgendwann vor diese ganz ganz schwierige Frage gestellt. Und dann hilft nicht Empörung, sondern nur Besonnenheit, zu einer vertretbaren Entscheidung zu kommen.
Was die Wissenschaftler angeht, so empfehle ich den gestrigen Podcast von Drosten, der erklärt sehr glaubwürdig, was diese plötzliche Präsenz für einen Vollblut-Wissenschaftler bedeutet.
Ja, das ist eine besonnene Stimme.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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paganini31.03.2021:04
Was denkt ihr über den Kurs sobald das „9er“ rauskommt? Sehen wir die 300$ wieder?
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Weia
Weia01.04.2003:21
paganini
Was denkt ihr über den Kurs sobald das „9er“ rauskommt? Sehen wir die 300$ wieder?
Was hat diese Frage mit dem „9er“ zu tun? Die weitere Kursentwicklung bei AAPL hängt zur Zeit ganz gewiss nicht an Apples Produktpolitik.

300$ wären ein mehr als sportliches Kursziel, das so richtig nur im Zusammenhang mit neuen All-Time-Highs des Gesamtmarkts vorstellbar wäre. Das ist wie gesagt nach dem augenblicklichen Stand der technischen Indikatoren nicht auszuschließen, aber ob man das für die nahliegende Variante halten sollte, ist hier und heute doch sehr fraglich. Da müssten der Markt und AAPL erst mal Schritt für Schritt erhebliche Widerstände überwinden (praktisch alle Indizes sowie AAPL sind heute an der massiven Abwärtstrendlinie abgeprallt, die den gesamten Abwärtstrend seit Ende Februar beschreibt), dann kann man weitersehen. Heute ist diese Frage verfrüht.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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ilig
ilig01.04.2013:06
Weia
…Politiker, der im Zusammenhang mit der Frage nach der Balance zwischen Leben gefährden und Wirtschaft zum Einsturz bringen sagte, er würde lieber ein höheres gesundheitliches Risiko für sich eingehen als ein höheres Risiko für das zukünftige Wohlergehen seiner Kinder und Enkel.
Was soll denn diese Aussage? Dieser Politiker setzt voraus, dass das zukünftige Wohlergehen seiner Kinder und Enkel durch seine Bereitschaft ein hohes gesundheitliches Risiko einzugehen ermöglicht wird. Seine Bereitschaft zum eigenen hohen gesundheitlichen Risiko hat jedoch mit dem Wohlergehen seiner Kinder und Enkel gar nichts zu tun. Das gilt auch umgedreht.
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Weia
Weia01.04.2015:00
ilig
Was soll denn diese Aussage? Dieser Politiker setzt voraus, dass das zukünftige Wohlergehen seiner Kinder und Enkel durch seine Bereitschaft ein hohes gesundheitliches Risiko einzugehen ermöglicht wird. Seine Bereitschaft zum eigenen hohen gesundheitlichen Risiko hat jedoch mit dem Wohlergehen seiner Kinder und Enkel gar nichts zu tun.
Selbstverständlich hat es das, das ist doch genau der Punkt, um den es hier bezüglich des Festlegens der Anti-Coronavirus-Maßnahmen geht: Die Abwägung zwischen dem Infektionsrisiko, dem wir die Risikogruppe (statistisch im Schnitt alte Menschen) aussetzen versus dem Risiko eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs, den die jüngeren Generationen die nächsten Jahre/Jahrzehnte werden ausbaden müssen.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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Weia
Weia01.04.2015:01
April-Thread, anyone?
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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thomas b.
thomas b.01.04.2016:04
Nö, das driftet inzwischen zu sehr vom Thema ab.
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